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20er Jahre: welcher Lack für einfache Geräte, schwarz?

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Jürgen Stichling
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16.Nov.03 20:20

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Hallo,

nachdem ich von meinem jüngst erworbenen 20er Jahre Detektorempfänger die nachträglich aufgebrachte rote Farbe abgebeizt habe, möchte ich diesem wieder ein originalgetreues Äußeres geben. Der schwarze Lack ist zwar teilweise noch erhalten, aber auch mit abgebeizt worden. Das Holz ist denke ich gebeizt, der Lack selbst scheint aber schwach deckend zu sein.

Gut, ich könnte das ganze mit seidenmattem, "neuzeitlichem", schwarzem Lack einfärben. Lieber wäre mir aber ein Lack aus der Zeit. Weiß jemand, mit welchen Lacken und oder Beizen damals gearbeitet wurde?

Schellack scheint mir zu edel für einfache, schwarze Gehäuse zu sein, oder irre ich mich?

Viele Grüße
Jürgen Stichling

Georg Schön
 
 
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18.Nov.03 13:26

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Hallo,

"Stand der Technik" für einen schwarzen Lack in den 20ern ist Nitrolack.

Das schließt aber nicht aus, daß doch ein damals schon

"veralteter" Lack verwendet wurde.

Der Anspruch (in meinen Augen eine Marotte), selbst einen Lack "original" restaurieren zu wollen,

findet hier ihr Ende. Pigmentierte Nitrolacke sind selten heute, schwarz könnte gerade noch

aufzutreiben sein. Noch ältere Lacksysteme sind pigmentiert kaum zu bekommen.

Ich würde versuchen herauszubekommen, wie der Lack "aussah" (Glanzgrad),

und dieses Aussehen mit modernem Lack nachstellen.

Grüße,

Georg Schön

 

 

Jürgen Stichling
Jürgen Stichling
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18.Nov.03 13:53

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Hallo Herr Schön,

danke für die Antwort, ich werde mich dann mal auf die Suche begeben und zwar nach schwarzem Nitrolack oder nach einem eventuell passenden neuzeitlichen Lack. Mir geht es in erster Linie um die originale Optik, d.h. dass der Lack nicht auf den ersten Blick neuzeitlich wirkt, das "darf" auch ein aktuelles Produkt sein.

Gibt es aktuelle Lacke, die sehr dünn aufgetragen werden, so dass die Holzmaserung noch erkennbar ist, aber trotzdem deckend sind? In dieser Weise würde ich nämlich den original Lack des Geräts beschreiben.

Viele Grüße
Jürgen Stichling

Georg Schön
 
 
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18.Nov.03 15:13

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Hallo Hr. Stichling,

praktisch jeder schwarze Lack, den Sie heute auftreiben können,

sollte in so dünner Schicht aufgetragen trotzdem decken.

Die dünne Schicht hat nichts mit dem Lack an sich zu tun, dafür müssen

Sie durch verdünnen und entsprechendes Auftragsverfahren sorgen.

Es gab (gibt noch?) an Tankstellen Spraydosen mit Nitrolack zum Ausbessern

von Lackschäden an Autos zu kaufen. Das könnte etwas für Ihre Zwecke sein.

Viel Erfolg,

Georg Schön

Martin Renz
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19.Nov.03 20:03

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Hallo Herr Stichling,

ich weiß 2 Möglichkeiten Holzgehäuse schwarz zu lackieren und dabei eine alte Optik zu bekommen:

1. Vorausgesetzt, das Furnier ist in Ordnung und nicht durchgeschliffen: schwarze Holzbeize, am besten auf Lösemittelbasis, autragen und anschließend mit einem glänzenden Lack ihrer Wahl lackieren. Die Holzmaserung bleibt dabei gut erkennbar, es ist aber unter Umständen nicht ganz einfach, Fehler auszubessern. Sperrholzkanten, die die Beize weniger gut annehmen, können mit einem schwarzen Edding-Stift oder schwarzer Farbe nachgefahren werden. (Ist nicht völlig unsichtbar, wurde früher aber vielfach so gemacht)

2. Mit einer Spritzpistole schwarze "Patina" (Fa. Arti) auftragen. Dies ist im Prinzip eine schwarze Farblösung mit einem minimalen Lackanteil. Die Patina wird mit viel Luft und wenig Material in hauchdünner Schicht praktisch trocken aufgetragen, bis die notwendige Deckung erreicht wird. Der Vorteil ist, daß selbst durchgeschliffene Furnierstellen deckend gefärbt werden können, an größeren guten Flächen kann der Deckungsgrad geringer ausfallen und die Holzmaserung wird hier später sichtbar sein. Dabei kann auch die Optik von leicht ausgebleichten Flächen erreicht werden, die dem Radio das alte Aussehen geben. Anschließend wird mit transparentem Lack in 2-3 Schichten lackiert. Die erste Schicht vorsichtig auftragen (unbedingt spritzen und erstmal dünn aufnebeln, sonst gibt es eine Schmierage!)

Gut eignet sich auch Patina der Farbe "Nußbraun", die bei stärkerem Auftrag eine schwarzbraune Anmutung gibt.

Der Auftrag von transparentem Lack auf schwarz gefärbte Flächen ergibt eine sehr viel schönere Anmutung des Lackes, als der Auftrag von durchgefärbten Lacken. Die sehen immer irgendwie "modern" aus. (Ausnahme vielleicht "Klavierlack", der aber sehr aufwendig zu polieren ist). Dabei spielt die Zusammensetzung des Lackes eine geringere Rolle.

Beide Verfahren lassen sich auch kombinieren.

Viele Grüße

Martin Renz

This article was edited 07.Jan.11 21:31 by Martin Renz .

Hans M. Knoll
Hans M. Knoll
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19.Nov.03 21:31

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Hallo Herr Renz,

ich freue mich, dass Sie als Vertreter einer Sparte, die auch Teile von Radios beruehrt, mit Ihrem Fachwissen hierher zurueckgefunden haben.

Unter etlichen "Insidern" der Elektrik koennen Sie quasi als "Gegenpol" hier viel nuetzliches einbringen.

mit freundlichem Gruss H.M.Knoll

This article was edited 21.Nov.03 15:15 by Hans M. Knoll .

Jürgen Stichling
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08.Feb.04 20:50

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... für alle Tipps hier oder per E-Mail.

Zunächst wollte ich das Gehäuse wieder schwarz beizen und dann entweder klar oder mit verdünntem schwarzen Lack lackieren. Im Farbengeschäft riet man mir allerdings davon ab, da der vormals rote Lack das Gehäuse entsprechend "gebeizt" hatte, das könne man mit Beize nicht überdecken.

Deshalb habe ich einen deckenden schwarzen Lack mit Seidenglanz auf Acrylatbasis verwendet. Diesen habe ich mit dem Pinsel wasserverdünnt aufgetragen. Bedingt durch das Auftragen mit Pinsel aber wohl auch durch die unterschiedliche Farbaufnahme der Holzstruktur hat mich das Ergebnis zunächst nicht überzeugt. Darum habe ich mehrmals nach Trocknen geschliffen und wieder verdünnt aufgetragen, bis mich das Ergebnis zufriedenstellte.

Beim nächsten Restaurierungsobjekt werde ich es mal mit einer Sprühdose versuchen. In der Vergangenheit hatte ich schon mal mit Pinsel gearbeitet, da war das Ergebnis aber auf Anhieb besser als dieses Mal. Möglicherweise auch deshalb, weil ich damals einen Lösemittellack verwendet hatte.

Zwei Bilder vom restaurierten Objekt sehen Sie hier:
http://www.radiomuseum.org/dsp_forum_post.cfm?thread_id=21093

Viele Grüße
Jürgen Stichling

  
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