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50 Jahre Valvo-Bauelemente für die Elektronik

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Iven Müller
Iven Müller
 
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30.Aug.04 06:46

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50 Jahre Valvo-Bauelemente für die Elektronik


 

 

 

Die Valvo GmbH begeht am 1. April 1974 ihr 50jähriges Firmenjubiläum. Sie ist einer der größten Bauelementehersteller in Deutschland und liefert heute - von wenigen Ausnahmen abgesehen - sämtliche elektronischen Bauelemente für die Konsumelektronik und die professionelle Elektronik.

Die Geschichte des Unternehmens begann 1924 - ein Jahr nach der Einführung des Rundfunks in Deutschland - mit der Gründung einer Radioröhrenfabrik durch die Hamburger Röntgenfirma C. H. F. Müller. Damals entstanden viele Firmen, die Radioröhren herstellten; die Marke "Valvo" gehört zu den wenigen, die sich auf die Dauer erfolgreich behaupten konnten. 1927 schlossen sich C. H. F. Müller und die Radioröhrenfabrik den Philips-Unternehmen an, und die Röhrenfertigung

 

 

 

"Normalröhre" (links), "Oeconom" (Mitte) und Oscillotron" (rechts) der Radioröhrenfabrik Hamburg aus den Jahren 1924/25. Die "Normalröhre" trägt eine Steuerbanderole; damals wurde für jede hergestellte Röhre eine Abgabe an die seinerzeit hierfür zuständige Reichstelegrafenverwaltung (RTV) erhoben

 

 

 

wurde auf ein geeignetes Gelände in Hamburg-Lokstedt verlagert. Schon in den 30er Jahren erweiterte man das Fertigungsprogramm auf Elektrolytkondensatoren,Lautsprecher,Hochohmwiderstände und Spezialröhren.

Der Ausbau zur heutigen umfassenden Valvo-Organisation setzte nach dem Kriege ein. In Hamburg-Lokstedt wurden größere und moderne Fabrikgebäude für die Herstellung von Elektronenröhren errichtet, in Hamburg-Stellingen begann man mit der Fertigung von Keramik-Kondensatoren, die dann in Langenhorn weiter ausgebaut wurde, und in Herborn gründete Philips ein später von Valvo übernommenes Werk für Elektrolyt- und Kunststoffolien-Kondensatoren.

1951 nahm Valvo die Produktion keramischer magnetischer Bauteile auf. Das für diese Fertigung in Hamburg eingerichtete neue Werk war damals schon das größte seiner Art in der Bundesrepublik. Mit der Ausstrahlung der ersten Fernsehversuchssendungen

1951 begann auch die Herstellung von Fernsehbildröhren. Aus diesen ersten Ansätzen heraus entstand die Bildröhrenfabrik Aachen, die heute das größte Farbbildröhrenwerk Europas ist. 1953 wurde mit der Einführung der Halbleitertechnik in Hamburg-Lokstedt ein entscheidender Schritt in eine neue Ära getan. Aus der Radioröhrenfabrik wurden die Röhren und Halbleiterwerke.

Die Vertriebsabteilungen haben seit 1955 ein eigenes Bürogebäude in Hamburg, das Valvo-Haus. Sie werden von sechs Zweigbüros in der Betreuung der professionellen Kunden unterstützt. Außerdem sind Vertriebsverträge mit 13 Distributoren abgeschlossen.

Zur Valvo-Organisation, in der mehr als 8000 Mitarbeiter beschäftigt sind, gehören heute die vier Werke: die Röhren- und Halbleiterwerke Hamburg, das Werk für elektronische Bauelemente Hamburg, die Bildröhrenfabrik Aachen und das Kondensatorenwerk Herborn. Diese großen Fertigungsstätten stellen ein erhebliches Produktionspotential dar; seine Bedeutung wird noch durch die Zusammenarbeit mit 120 Bauelementefabriken in 30 Ländern im Rahmen der Philips Unternehmen gesteigert, zu denen auch die Valvo GmbH als Tochter der Allgemeinen Deutschen Philips Industrie (Alldephi) gehört.

Valvo hat in seiner 50jährigen Geschichte viele Beiträge zur Entwicklung der elektronischen Technik in Deutschland geleistet. In der Radioröhrenfabrik Hamburg wurden unter anderem die ersten Acid-Röhren, die ersten deutschen Mehrgitterröhren sowie die ersten Röhrentypen für Wechselstromheizung serienmäßig gefertigt. In der Bildröhrentechnik sind mit der Rechteckröhre im normgerechten Seitenverhältnis, der 110°-Ablenkung sowie der Bildröhre, die ohne zusätzliche Schutzscheibe betrieben werden kann, bemerkenswerte Verbesserungen eingeführt worden. Heute hat sich die von Valvo angebotene "Europäische Fernsehtechnik", unter der man die Eurocolor-Bildröhren und die Ablenktechnik mit stranggewickelten Sattelspulen versteht, durchgesetzt. Die neueste Entwicklung ist die Bildröhre mit Schnellheizkatoden. Aus der großen Anzahl der Spezialröhrenentwicklungen sei hier nur das Hochleistungsklystron erwähnt, das heute in vielen UHF-Fernsehsendern des In-und Auslandes arbeitet.

Auch zur Halbleitertechnik konnte Valvo schon frühzeitig Entscheidendes beitragen. Zum Beispiel waren die 1954 herausgebrachten Typen OC 70, OC 71 die ersten in großer Stückzahl erhältlichen legierten Flächentransistoren auf dem deutschen Markt, und die diffusionslegierten POB-Transistoren (pushed out base) erweiterten ab 1959 den Anwendungsbereich des Transistors in das UKW-Gebiet. Ein markantes Beispiel für die Erfolge der modernen Halbleitertechnik sind die engtolerierten Abstimmdioden BB 105, mit denen die automatische Abstimmung beim UKW- und Fernsehempfang wirtschaftlich vertretbar gelöst werden konnte.

1967 entstanden in Hamburg integrierte Analogschaltungen. Sie gehörten zu den ersten derartigen in Europa gefertigten Produkten. Heute hat Valvo eine führende Stellung auf dem Gebiet der integrierten Schaltungen für Farbfernsehgeräte. Die zweite Generation dieser Schaltungen ist bereits herangereift. Sie trägt wesentlich zur Verringerung der Anzahl der Einzel-Bauelemente und der erforderlichen Abgleichvorgänge bei. Auch für Rundfunkempfänger werden zahlreiche im Rahmen eines fortschrittlichen Schaltungskonzeptes entwickelte integrierte Schaltungen angeboten.

An der Weiterentwicklung von weich und hartmagnetischen oxidkeramischen Werkstoffen ist in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gearbeitet worden; zum Beispiel wäre die 110°-Ablenktechnik ohne die hohe magnetische Qualität und Maßhaltigkeit moderner Jochringe aus "Ferroxcube 3C2" nicht möglich gewesen. Für Zeilentransformatoren und moderne Leistungsübertrager wurde der neue Werkstoff "Ferroxcube 3C8" eingeführt, und auf dem Gebiet der hartmagnetischen Werkstoffe stehen "Ferroxdure 380", "Ferroxdure 260" und "Ferroxdure 270" zur Verfügung.

Auf dieser breiten technischen Basis präsentiert sich die Valvo GmbH zum 50jährigen Firmenjubiläum als einer der bedeutendsten Zulieferer der elektronischen Geräte-Industrie mit einer großen Produktionskapazität und mit modernster technischer Ausrüstung - ein solides Fundament für den weiteren Ausbau der heute erreichten Position.

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aus: Funk-Technik 1974 / Heft 5

This article was edited 30.Aug.04 06:48 by Iven Müller .

  
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