Ab wann frei einstellbare Rückkopplung in DE

ID: 606712
? Ab wann frei einstellbare Rückkopplung in DE 
23.Jan.23 13:49
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Gerald Gauert (D)
Redakteur
Beiträge: 232

Mir sind mehrere Radios mit RTV-Stempelung und frei einstellbarer Rückkopplung bekannt:

Staßfurter Licht und Kraft Audion "Typ A" RTV 11.12.24
Aeriola "E9" RTV 23.2.25
Telefunken "Telefunkon 3" RTV 15.12.24
AEG Audion "AIH" RTV 7.11.24
AEG Audion "AIH" RTV 12.8.24

Auf Grund der jeweiligen praktischen Ausführung scheidet ein nachträglicher Umbau aus.

In der Literatur habe ich bisher nur Etwas über die Freigabe der Wellenbereiche im September 1925 gefunden, nicht aber über eine eventuelle Freigabe der Rückkopplung vor diesem Termin.

Meine Frage, gibt es eine Informationsquelle die eine Freigabe der frei einstellbaren Rückkopplung bereits im Jahr 1924 erwähnt?

Gerald Gauert

 

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Audion-Versuchserlaubnis 
24.Jan.23 19:08
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Lieber Herr Gauert,

mit einer Audion-Versuchserlaubnis war der Erwerb und Betrieb solcher Geräte zulässig, auch vor der allgemeinen Freigabe der Rückkopplung.

In Dencker/Fuchs/Günther/Lertes/Nesper: Wie erwerbe ich eine Versuchs-Erlaubnis? (1925) werden vier Formen der Sende/Empfangserlaubnis unterschieden:

1.) Die Rundfunk-Genehmigung berechtigt zum Empfang des Rundfunk-Programmes mit einem gestempelten, nicht veränderlichen (d.h. außerhalb des Rundfunkbereiches verwendbaren) Gerät

2.) Die Selbstbau-Genehmigung für Kristall-Empfänger berechtigt neben dem Rundfunkempfang zum Selbstbau eines Detektor ohne Röhrenverstärker

3.) Die Audionversuchs-Genehmigung erlaubt den Rundfunkempfang sowie den Selbstbau der Apparate einschließlich Röhrengeräten mit einstellbarer Rückkopplung.

4.) Die Sende- und Empfangsversuchs-Genehmigung, die nur bei einem anerkannten Funkverein erworben werden kann. Sie berechtigt zum (Amateur)-Senden sowie zum Empfang von Rundfunk- und Amateur-Sendungen. Sie darf nur im Funklabor des Vereins ausgeübt werden.

Im Kapitel Die Störungen des Funkverkehrs durch Rückkopplung des Audion-Empfängers im oben genannten Buch schreibt Franz Fuchs: "Bei den von der R.T.V. genehmigten Empfängern wird das Hineindrehen der Rückkopplungsspule entweder mechanisch durch Anschläge begrenzt, oder die Spule enthält nur so wenig Draht oder wird so weit von der Antennenspule entfernt, daß in keiner Stellung die Rückkopplung so fest werden kann, daß die angeschlossene Hochantenne strahlt."

Industriegeräte mit verstellbarer Rückkopplung gehören also in die Gruppe 1, wenn ein Selbstschwingen des Gerätes unter allen Umständen ausgeschlossen ist. Ist das nicht der Fall, gehören sie in Gruppe 3. Es gibt auch gewisse Bausätze, die in diese Gruppe gehören, zum Beispiel einen Koffer-Empfänger mit Audion von Walter Fritz, der in Abele Band II abgebildet ist. Dieser WF-Koffer dürfte auch dazu gehören.

Eine Lieferung solcher Geräte vor der Freigabe der Wellenbereiche im September 1925 an Inhaber der Audion-Versuchserlaubnis ist für mich plausibel.

Wikipedia schreibt unter Geschichte des Hörfunks in Deutschland, daß zu Sept. 1925 auch die einstellbare Rückkopplung freigegeben wurde, mit Quellenverweis auf das Amtsblatt Nr. 81 des Reichspostministeriums und Reichsministerialblatt 1925, S. 1001: Bekanntmachung über den Unterhaltungsrundfunk vom 24. August 1925. Die Quelle selbst liegt mir leider nicht vor.

Mit freundlichem Gruß,

Nikolaus Löwe

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Audion-Versuchserlaubnis 
26.Jan.23 12:57
346 from 604

Gerald Gauert (D)
Redakteur
Beiträge: 232

Lieber Herr Löwe,

vielen Dank für die aufschlussreichen Ausführungen, die ich in dieser Zusammenfassung noch nicht kannte.

Im Handbuch des Telefunkon 3 wird die manuelle Bedienung der Rückkopplung detailliert beschrieben.

Das Aeriola "E9" habe ich mit einer zeitgemäßen Röhre RE79 und der vorgeschriebenen Anodenspannung von nur 45V betrieben. In Abhängigkeit vom Eingangspegel begann die Rückkopplung zwischen einer halben bis dreiviertel Reglerstellung zu pfeifen.

Das Staßfurter Audion "Typ A" hat ebenfalls keine Beschränkung des Einstellbereiches der Rückkopplung.

Somit war wohl die Inbetriebnahme dieser Geräte nur mit der Audionversuchs-Genehmigung entsprechend Gruppe 3 erlaubt.

Viele Grüße

Gerald Gauert

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