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Achterspulen, Spulen-8: wer kennt das?

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Wolfgang Eckardt
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06.Jun.10 17:02

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In einer der "berüchtigten Ramschkisten" fand ich eine Vorrichtung aus Holz, die ich vorerst nicht so recht dem "Radio-Hobby" zuordnen konnte. Doch dann fiel mir ein, in einer Bastelanleitung - irgendwo und irgendwann - mal etwas über selbstgewickelte Korbspulen und andere gelesen zu haben, wobei ich mich zu erinnern glaube, dass auch so genannte Achterspulen bzw. Spulen in Form einer "8" mit dabei beschrieben wurden. Das könnte doch so etwas sein:

Ein erster Versuch wurde gestartet, wobei ich mehr auf kurze Zeit als auf gute Qualität geachtet habe. Anfangs hatte ich Probleme mit den 2 verschiebbaren Brettchen. Wozu? Dann begriff ich: Brettchen 1 abnehmen, Spule oberhalb Brettchen 2 wickeln und je nach Windungszahl die Breite der Spule festlegen.

Dann mit Brettchen 1 die Windungen von oben her zusammenschieben und die Kreuzungspunkte abbinden. Abschließend habe ich das Drahtgebilde von der Vorrichtung genommen und eine Spule mit 12 Windungen in Form einer 8 war entstanden. Nicht schön, aber doch erst einmal selten.....

Nun meine Frage: Ich habe bisher leider noch keine Quelle gefunden, in der solche Spulen als Bastelanleitung beschrieben werden. Vielleicht in "Funkbastler" o. a. Beilagen, die z.T. zu den Programmzeitschriften gehörten? 

Wer weiß etwas hierzu? Vermute ich überhaupt in die richtige Richtung? Welchen Vorteil erhoffte man sich mit diesem Gebilde?

Danke sagt 

Wolfgang Eckardt 

Giovanni Cucuzzella
 
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06.Jun.10 19:09

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Hallo Herr Eckardt,

in der Anlage finden Sie einen Artikel über "Induktive und kapazitive Rückkopplung in Empfangsschaltungen", in welchem eine "Achterspule" erwähnt wird. Vielleicht können Sie damit etwas anfangen.

Freundliche Grüße

Giovanni Cucuzzella

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This article was edited 06.Jun.10 19:11 by Giovanni Cucuzzella .

Wolfgang Holtmann
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06.Jun.10 19:44

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Hallo Wolfgang

Ich habe probiert mit Google etwas über diese besondere Form einer Induktivität zu finden. Diese Art hat den Vorteil, dass sich in der Mitte eine Konzentration der magn. Feldlinien ausbildet.

Das wird heutzutage in der Medizin zur Diagnose von Erkrankungen gebraucht. Stichwort: magnetische Stimulation von Körperzellen.

Angewendet in der Radiotechnik, könnte ich mir bei Koppelung zweier dieser Spulen eine optimale Fokussierung der Felder vorstellen.  

MfG

Wolfgang Eckardt
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07.Jun.10 09:21

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Vielen Dank für die Antworten Herr Cucuzzella und Wolfgang Holtmann.

Der Text aus dem ORA, Heft 5 aus 1927 war mir bekannt und führt bezüglich der Herstellung solcher Achterspulen leider auch nicht weiter. Dort werden solche Spulen nur erwähnt aber nicht, wie sie hergestellt oder eingesetzt werden.

Auch dein Hinweis, Wolfgang, bezüglich der Anwendung solcher geformten Spulen in neueren Zeiten bringt nicht das, was ich suche. Über Suchmaschinen habe ich ebenfalls gesucht, doch nur modernere Hinweise gefunden.

Soeben habe ich aber festgestellt, dass Konrad Birkner zwei Modelle neu angelegt hat, die genau in die richtige Richtung zielen: Ein Wickelbrett für Achterspulen, für die Hand des Bastlers professionell hergestellt und fertige Achterspulen mit der Markenbezeichnung Zento.

Ja, Konrad, dass genau ist es, was ich suchte. Waren meine Überlegungen also nicht falsch, fehlt nur noch eine Bastelanleitung.

Vergleiche ich das mit meinem Modell, der Nachbau eines Bastlers, so sieht man eindeutig, dass es sehr große Ähnlichkeit mit dem "Firmenbrett" hat, aber auch, dass es aber wahrscheinlich ein spezielles Wickelschema gibt, um den Spulen ein entsprechendes Aussehen zu geben.

Ich würde mich trotzdem freuen, wenn noch jemand Literatur zu einer Bauanleitung oder einen Bastelvorschlag findet und hier mitteilt.

W.E.

This article was edited 07.Jun.10 09:24 by Wolfgang Eckardt .

Konrad Birkner † 12.08.2014
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07.Jun.10 11:37

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Katalogtext zu Achterspulen:

Kapazitätsarm, geringes Streu- und Magnetfeld, hohe Selektivität, durch Aufhebung jeder direkt auf die Spule induzierten Störschwingung im Mittelpunkt der Spule.

Als Vergleich mit Korbbodenspulen ist angegeben:

12 16 24 32 48  60  72   80  100 Achterwindungen entsprechen
20 25 35 50 75 100 125 150 200 normalen Korbbodenwindungen.

Binoclespulen:
Eine verwandte Bauart ist die "Binocle-Spule". (Binocle = Fernglas, Opernglas, Feldstecher).
Hierbei sind zwei zylindrische Wickelkörper nebeneinanderstehend mit 8-förmigen Wicklungen belegt.
Katalogtext: "....Erzielung eines kleinen Streufeldes und Unbeeinflussbarkeit".

Englisch "binocular coils" genannt, fanden sie z.B. Anwendung im Synchrophase 7 von Grebe. Man sieht, wie eng die vier Kreisspulen benachbart sind, jeweils nur eine Röhre dazwischen. Das ist möglich durch das geringe Streufeld und die vernachlässigbare induktive Kopplung bei dieser Bauart. Eingeführt bereits 1924 im Synchrophase MU-1.

This article was edited 07.Jun.10 16:11 by Konrad Birkner † 12.08.2014 .

Wolfgang Eckardt
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07.Jun.10 18:26

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Im ARLT-Radiokatalog 1930 fand ich außer den von Konrad Birkner angelegten Spulen auch ganze "Spezial-Achterspulensätze" für Bausätze, dazu auch entsprechende Spulenhalter, die in den  Amateur- und Bastelzeitschriften veröffentlicht wurden:

 

Die Namen der Modelle waren der damaligen Zeit entsprechend......

 

Ergänzung:

Die Zeitschrift "Bastelbriefe der Drahtlosen" enthält in Heften des Jahrganges 1928 zahlreiche Hinweise auf die Achterspulen und auf die oben genannten Modellnamen. Man könnte fast zu der Meinung kommen, sie seien eine "Erfindung" dieser Zeitschrift. In einem Telefonat berichtete mir Herr Blasczyk, dass in den Heften 1 und 12/1927 Bauanleitungen und auch Vorrichtungen zum Selbstwickeln enthalten sind. Leider besitze ich den Jahrgang 1927 nicht.
Immerhin habe ich aber in einem Heft aus 1928 das Logo der Firma ARLT gefunden, die diese Achterspulen als Symbol auf ihrem Briefkopf verwendet:

Ich gebe also die Hoffnung nicht auf, eine Bauanleitung mit diesen Achterspulen - z.B. den "Rheinischen 6er" oder den "Neuen Frauenlob" ..... zu finden und eine Wickelanleitung dazu - sicher auch mit Unterstützung einiger Leser dieser Zeilen.....

Wolfgang Eckardt

 

This article was edited 08.Jun.10 09:04 by Wolfgang Eckardt .

Günther Stabe
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Da ich bereits einige "normale" Spulen für OE...-Nachbauten etc. erstellt hatte - mit selbst erstellter Wickelvorrichtung und auf der Basis "Versuch und Irrtum" - reizt das natürlich schon, auch diesem Typ experimentell "zu Leibe zu rücken".

Bereits der erste Versuch sah vielversprechend aus; aus Holzresten erstellte ich die primitive Wickelvorrichtung: Nach einigen Überlegungen zu den Abbildungen aus den vorigen Posts wickelte ich nach dem Prinzip "2 drüber, 2 drunter, 2 drüber, ...".

Es ist die gleiche Vorgehensweise wie bei den "normalen" Spulen, nur in einer anderen Ebene. Die ungerade Anzahl Stützen (11) pro Kreis garantiert den gewollten Versatz pro Windung, lediglich bei dem Wechsel bzw. Rückkehr aus der gegenüber liegenden Achter-Schleife muß auf den Versatz - und die Weiterführung der "Form" - geachtet werden, denn die Gesamtzahl der Stützen ist dann wieder gerade (20).

Die oben im Bild gezeigte Steckspule hat ca. 27 Wdg. und 180µH, die Achterspule mit ca. 17 Wdg. hat 220 µH. Das Drahtmaterial ist -leider- nicht identisch, das dürfte weitere Unterschiede ausmachen.

G.S.

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This article was edited 10.Jun.10 14:58 by Günther Stabe .

Wolfgang Eckardt
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09.Jun.10 16:58

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Nachdem ich doch etwas Literatur und Abbildungen in den "Bastelbriefen .. " und in Katalogen gefunden habe, unternahm ich meinen zweiten Versuch, eine Achterspule zu wickeln. Mit 30 Windungen und einer Anzapfung bei 12 Windungen ergaben sich 225 µH, was für den MW-Bereich ausreicht. Herr Stabe hat das Wickelsystem durchschaut, und so gelang eine Spule, die den alten Originalen schon sehr nahe kommt. 

Nachdem ich mehrere Hefte der "Bastelbriefe der Drahtlosen" und auch Kataloge aus 1928 - 30 durchsucht habe (Arlt, Diehr, Prohaska), bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass die Redaktion der "Bastelbriefe..." ein eigenes Mess- und Konstruktionslabor besaß, in dem neue, leistungsfähige und auch nachbausichere Empfänger entwickelt wurden. Die Schaltungen und Stücklisten wurden veröffentlicht und komplette "Blaupausen" mit Konstruktionszeichnungen einschließlich der Bauanleitung einzeln im Rundfunkhandel angeboten. Es gab einen regen Schriftverkehr in den "Bastelbriefen...", in dem Erfahrungen, Fehlerhinweise u.a. beschrieben werden.
Ein komplettes Heft vom "Meistersänger" liegt mir als Kopie vor:

Die Firma ARLT taucht dabei immer wieder auf und bietet die Einzelteile als Bausatz an, also scheinbar eine Zusammenarbeit zwischen "Bastelbriefe ..." und "Arlt". Andere Firmen, z.B. Zenker,  bieten entsprechende Bauteile (Spulensätze, Schalter etc.) speziell für diese Modelle an.

Da diese Bausätze alle erprobte Baumuster haben und die Empfänger durchweg einen sehr soliden und nachbausicheren Eindruck machen, bin ich der Auffassung, wir sollten diese Modelle - wie z.B.  "Frauenlob", "Rheinischer 6er", Rheinischer 5er", "Atömchen" ... und wie sie alle heißen - hier im RM als Modell anlegen. Als Firma müsste dann meiner Meinung nach "Bastelbriefe der Drahtlosen" erscheinen und neu angelegt werden. (Möchte nur auf Radio RIM als Vergleich hinweisen, auch SABA hat solche Bausätze herausgegeben, z.B. HAN!)
Sicher findet so mancher in seinen Literaturschätzen auch noch konkrete Unterlagen zu diesen Bauplan-Modellen.

W.E.

 

This article was edited 09.Jun.10 18:59 by Wolfgang Eckardt .

Ernst Erb
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Lieber Wolfgang
Da hast Du Dich aber reingekniet, freut mich.
Ja, das ist sicher eine Firma wert. Bitte lege sie doch an.

Wolfgang Eckardt
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09.Jun.10 19:46

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Da bereits Anfragen zu den Maßen kamen, hier eine Skizze mit den Abmessungen nach meinem Muster. Dies ist aber ein Nachbau eines Bastlers, keinesfalls das Original einer Firma!

Als Draht habe ich versuchsweise 0,5 mm - CuL-Draht mit Baumwolle umsponnen verwendet, was sicher nicht die beste Wahl ist. Sind ja bisher nur mechanische Versuche.

W.E.

Konrad Birkner † 12.08.2014
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12.Jun.10 20:39

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Hier das Ergebnis meiner Versuche

Wolfgang Eckardt
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21.Jun.10 17:44

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In einer Zeitung, in der ich so etwas nie vermutet hätte, fand ich einen Beitrag zu Achterspulen:

Der gute Kamerad - Illustrierte Knabenzeitung

Nr. 23, 44. Jahrgang, Stuttgart, den 5. Februar 1930.

Dort werden der Bau einer Vorrichtung und die Selbstanfertigung der Spulen einschließlich Sockel beschrieben. Es ist eine andere Form dieser Spulen, wie sie bisher beschrieben wurde, aber ebenfalls leicht nachzubauen.
Eine Kopie davon ist in der Anlage zu finden.  

Wolfgang Eckardt

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Günther Stabe
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22.Jun.10 15:01

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Ein sehr schöner Beitrag, nur erscheint mit das Wickelschema in Abbildung 2 fehlerhaft. Es muss sich auch innen ein gleichmäßiges Vieleck (hier: 16 Ecken) bilden wie in Abbildung 3, was sich durch die 2 langen diagonalen Drahtführungen in der Abbildung 2 nie ergeben kann. 

Da sind die Muster  in Post 8 und 11 (und wohl auch 7, Bild2) mit 11 Ecken schon sehr gut geraten...

G.S.

Wolfgang Eckardt
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27.Jun.10 22:45

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Hallo Herr Stabe,

Sie scheinen Recht zu haben, dass die Bauanleitung aus Post 12 fehlerhafte Hinweise zum Wickelschema enthält. Da muss "gemogelt" werden, um eine 8-förmige Spule zu erhalten.

Dafür habe ich aber genau die Literaturquelle gefunden, in der die Vorrichtung zum Bau von Achterspulen in Post 1 beschrieben wird. Allerdings steht im Text auch ein Hinweis, dass man "zweimal innerhalb von vier Achterwindungen ....  etwas schwindeln ..." muss. 

Bastlerbriefe der "Drahtlosen", Heft 10/1927, S. 418 - 421.

 
Und so sieht meine gefundene Vorrichtung aus (siehe Post 1).

Der Text dazu ist im Anhang zu finden.

Wolfgang Eckardt

 

 

 

 

 

 

 

 

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This article was edited 28.Jun.10 09:25 by Wolfgang Eckardt .

  
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