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Alte Spulen im Eigenbau

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Gerhard Heigl
Gerhard Heigl
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19.Oct.03 16:31

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Bei den alten Radios der 20er Jahre fehlen sehr oft die Steckspulen. Sie werden des öfteren angeboten, doch die Preise dafür sind auch nicht zu übersehen. Meist bekommt man dann nicht das, was man sucht. Für eine Maßanfertigung bleibt nur der Eigenbau.

Alle Spulen am Bild sind "sebstgestrickt". Mit etwas Geschick und noch mehr Geduld, lassen sich Spulen in den verschiedensten Formen und Teilungen herstellen. Zum Wickeln sind allerdings Hilfswerkzeuge notwendig, die man ebenfalls selbst anfertigen kann, wie das untere Bild zeigt:

Ganz wichtig ist der seidenumsponnene Draht, um der Spule das richtige Alter zu verleihen. Wenn über die Herstellung Interesse besteht, werde ich bei Gelegenheit ein "Kochrezept" an dieser Stelle bringen.

Klaus Dräger
Klaus Dräger
 
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19.Oct.03 17:56

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Hallo Hr. Heigl

Sehr interessant Ihr Artikel zur Herstellung dieser alten Spulen. Ich habe einen Loewe 2H3N mit einem einem Satz Originalspulen. Soviel ich weiss gab es jedoch für diesen Empfänger auch Spulen für Langwelle (welche ch nicht habe). Ich bin sehr interessiert an Ihrem in Aussicht gestellten "Kochrezept" (Hilfswerkzeuge, Dimensionen, Berechnungen der Spulen, Bezug des Material wie die umsponnenen Drähte und die Sockel etc.).

Ich denke dies könnte auch einige andere interessieren von diesem Forum.

Herzliche Grüsse

Klaus Dräger

 

Gerhard Heigl
Gerhard Heigl
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21.Oct.03 16:20

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Hilfswerkzeuge: Der Wickeldorn aus Weichholz mit einem Durchmesser von 40mm und einer Länge von ca. 20cm kann an beiden Enden bestückt werden und ist auch gut zu handhaben. Wichtig bei der Herstellung ist die Genauigkeit der Teilung und das exakt senkrechte bohren der Löcher, weil das Aussehen der Spulen davon abhängt. Die Stifte (Speichen) für die Korbspule sollen nicht zu dünn gewählt werden 6 bis 10mm Durchmesser in etwa. Für die Honigwabenspule sind Stifte mit 3 - 4mm Durchmesser ausreichend. Die Länge der Stifte nicht zu kurz wählen (60mm) damit auch größere Spulen gewickelt werden können. Die Stifte sollen streng in die Löcher des Wickeldorns passen.  Der Spulensockel wird aus einer Hartholzleiste ungefähr 15T x 20H x 35mmB die mit einer entsprechend breiten Nut (Spulendicke) versehen wird. In diesen Sockel werden noch die Löcher für die Steckerstifte gebohrt (meist 19mm Lochabstand) und zuletzt wird der Sockel mit schwarzer Farbe gestrichen (Mattlack). Die Steckerstifte werden entweder selbst gefertigt: Rundmessing 4mm Durchm. Länge 25 - 30mm, an einem Ende mit Gewinde M4 für den Holzsockel. Die Steckerstifte sollten längsgeschlitzt werden, wegen des besseren Kontakts. Oder man nimmt einfach die Stifte von Bananenstecker.

 

Flach- Spinnweben- Korb- oder Korbbodenspulen.

1. Flach- oder Spinnwebenspule: Der Spulenträger wird aus Hartpappe, Pertinax oder Sperrholz hergestellt. In die kreisrunde Scheibe werden eine ungerade Zahl (7 bis 11) radialer Schlitze angebracht, und der Draht wie auf Abb.51 gewickelt.

2. Korbbodenspule: In einen runden Holzdorn ( 3 bis 6cm Durchmesser) werden 7 bis 11 radiale Löcher gebohrt (Abb.52) und mit passenden Stahlstiften (Nägel) bestückt. Der Draht kann im Zick-Zackmuster gewickelt werden (Spule mit Rippen) oder auch über jeweils 2 Stifte und dann der Richtungswechsel (glatte Spule, siehe Bild unten). Die Breite oder Dicke der Spule ist Stiftdurchmesser + 2x Drahtdurchmesser, wichtig für die Breite der Sockelnut.

Es ist günstig die Köpfe der Nägel zu entfernen und die Stiftenden abzurunden um Beschädigungen von Draht und Haut zu vermeiden.

Ergänzung: L = Induktivität in cm

1cm = 10 hoch minus 6 mH (Millihenry)

1000 cm = 1 µH

Nochmals die Formel:

L = 9,86 . D² . n² . l . f

 

Honigwabenspule: In einen Holzdorn werden 2 Reihen Löcher in ungerader Anzahl gebohrt. Die Zahl der Stifte wird wesentlich höher gewählt als bei Korbspulen. Das Wicklungsmuster am Bild 58 ist nur ein Beispiel und kann nach Belieben abgeändert werden.

Lattenspule: Wickelvorrichtung gleich wie bei der Honigwabenspule. 1. Windung wird im Zick-Zack aufgebracht, die nächsten Windungen nebeneinander bis der Raum zwischen den Stiften gefüllt ist. Nächste Windung wieder Zick-Zack usw. Abb.60.

Eine Berechnung solcher Spulen ist fast unmöglich. Es empfiehlt sich daher, Näherungswerte der unteren Tabelle zu verwenden.

Eigenwelle bedeutet die Resonanz der Spule ohne zusätzliche Kapazität.

Quelle: Bilder, Texte und Formeln stammen aus dem Buch:

Der Radio-Empfangsapparat Band 1

von Richtera-Pfeufer Nr.: 125/130 aus dem Jahre 1926

Ein radiotechnisches Hilfsbuch

einschließlich des Selbstbaues

 

Die Spulenfertigung. Der Wickeldorn wird im Bereich der Spule hauchdünn mit Vaseline, Fett, Trennwachs oder Hautcreme bestrichen, ebenso die Stifte (Speichen), der Wickeldorn wird mit den Stiften bestückt. Nun kann mit dem Wickeln begonnen werden. Wickelmaschine kann keine verwendet werden, alles handgemacht, Windung für Windung... Der 1. Stift wird mit dem Draht mindestens einmal umschlungen (Zugentlastung). Der Drahtanfang sollte ca. 10cm lang sein. Nun werden die notwendigen Windungen laut Schema aufgebracht. Sie brauchen dafür viel Zeit und Konzentration. Ist die Spule fertig, wird nach der letzten Windung wieder der Stift umschlungen damit sich die Spule nicht auflöst und der Draht auf 15cm abgeschnitten (Spulenende). Nun wird die Spule mit verdünntem Kaltleim (original Schellacklösung, aber auch farbloser Mattlack) sorgfältig bestrichen, besonders an den Kreuzungspunkten. Der Leim darf nur sparsam aufgetragen werden und keine Brücken zwischen den Drähten bilden, damit er nach dem Trocknen unsichtbar ist. Nachdem der Leim getrocknet ist, werden mit der Zange unter leichtem Drehen vorsichtig die Stifte herausgezogen. Danach wird die Spule behutsam vom Dorn heruntergezogen. Jetzt wissen Sie wozu das Einfetten gut war. Die Drahtenden der Spule werden blank gemacht, von der Nutseite aus durch die Löcher des Holzsockels gesteckt. Von der Unterseite werden die Steckerstifte eingeschraubt und der Spulendurchgang geprüft. Überstehende Drähte abschneiden. Die Spule wird mittels Kaltleim oder besser 2-Komponentenkleber in die Sockelnut geklebt. Jetzt muss nur mehr der gewünschte Wellenbereich stimmen, dann gratuliere ich zum Erfolg!

Hinweise zum Wickelsinn der Spulen finden Sie unter: http://www.radiomuseum.org/dsp_forum_post.cfm?thread_id=24054 

Sollten Fehler entdeckt werden oder Unklarheiten bestehen, bin ich gerne bereit den Beitrag zu berichtigen oder zu ergänzen.

This article was edited 15.Apr.04 10:19 by Gerhard Heigl .

Jens Koch
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Sehr geehrter Herr Heigl,

Guten seidenumsponnenen Spulendraht bekommt man nach wie vor bei Oppermann Electronic: oppermann-electronic--de . Die Farbauswahl ist ganz ordentlich, mir gefiel für meinen Stilnachbau eines Einröhren-Audion-Empfängers ganz besonders der grüne Farbton.
Hier ein Auszug aus der Bestellliste:

HF-Draht   (Nostalgie)  Kupfer mit HF-Seide umsponnen gut lötbar
Typ Farbe Ø
25 m
100 m
HFD 10 beige 0,1 mm
1,95 €
4,79 €
HFD 15 grün 0,15 mm
2,30 €
8,28 €
HFD 30 R rot 0,3 mm
2,87 €
10,33 €
HFD 30 G grün 0,3 mm
2,87 €
10,33 €
HFD 30 B beige 0,3 mm
2,87 €
10,33 €


Mit freundlichen Grüßen
Jens Koch

Hier zwei Bilder einer Flachspule bewickelt mit HFD 30 G, mit Schellack gegen Feuchtigkeit überlackiert:

     

This article was edited 25.Apr.18 14:37 by Ernst Erb .

Wolfgang Eckardt
Wolfgang Eckardt
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20.Nov.04 21:58

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   5 Beim Lesen der Artikel - hoch interessant (!) - fiel mir ein junger Mann aus Weimar ein, den ich zu meiner letzten Ausstellung dort kennen gelernt hatte, Matthias Wilhelm. Er zeigte mir stolz seine Produkte: sauber gewickelte Wabenspulen und kleine Selbstbau-Geräte. Ich habe noch einmal mit ihm Kontakt gehabt, er baut nach wie vor Spulen und bietet sie zu moderaten Preisen zum Kauf an. Inzwischen hat er auch eine eigene Homepage: www.ede.detektor.radio.site.ms 
Für Interessenten kann ich auch seine Telefonnummer mitteilen.
Wolfgang Eckardt
Peter von Bechen
Peter von Bechen
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21.Nov.04 11:59

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   6 Hallo,
ich habe auch schon Wabenspulen von Matthias Wilhelm gekauft. Die sind sauber gemacht und funktionieren einwandfrei. Der Preis ist o.k., wenn man bedenkt, welche Arbeit dahintersteckt.
Zum Thema Flachspulen: Die Pertinax-Körper gibts enschließlich Steckerstiften in sehr schöner Ausführung für 5 Euro bei Reinhöfer. Hier der Link: http://www.roehrentechnik.de/html/einzelkreise.html

Gruß
Peter von Bechen

  
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