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ARI: Autofahrer-Rundfunk-Informationen

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Papers » Basic principles of radio technique » ARI: Autofahrer-Rundfunk-Informationen
           
Dietmar Rudolph
Dietmar Rudolph
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27.Dec.14 15:17
 
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Zu Beginn der '70er Jahre kam der Wunsch nach (gesprochenen) Verkehrsinformationen für Autofahrer auf, weil der Verkehr immer dichter wurde. Eine der Planungen sah vor, den UKW-Bereich, der damals von 88,5 – 99,9MHz ging, oberhalb von 100MHz dafür zu nutzen. Da jedoch der Bereich oberhalb von 100MHz im benachbarten Ausland für den „beweglichen Landfunkdienst“ (z.B. Polizei, Funktelefon etc.) benutzt wurde, konnte dieser Plan so nicht umgesetzt werden.
Als Alternative dazu bot sich eine Erweiterung des UKW Multiplex-Spektrums der Rundfunk-Sender an. UKW-Sender strahlten seit Anfang der '60er Jahre vermehrt ihr Programm in Stereo aus. Für das Stereo-Signal mußte das Modulations-Signal für die FM-Sender erweitert werden. Hierfür wurde auf 19KHz der Stereo-Hilfsträger eingefügt und im Bereich von 23KHz bis 53KHz die Stereo-Information als Doppel-Seitenband moduliertes Differenz-Signal.
Da durch das ARI Zusatz-Signal der FM-Sender zusätzlich ausgesteuert wird, mußte folglich der Pegel des Audio-Signals etwas reduziert werden, damit der für UKW-FM vorgegebene maximale Frequenzhub ΔF = ± 75 KHz nicht überschritten wird. Der zulässige Pegel für den ARI-Hilfsträger wurde so festgelegt, daß dadurch im FM-Spektrum ein Frequenzhub von ± 4KHz ±200Hz entstand.

Für die ARI Zusatzinformation wurde der Bereich um 57KHz gewählt. 57KHz ist die Dreifache von 19KHz, dem Stereo-Piloten. Per Definition soll die Phasenlage dieser beiden Schwingungen so gewählt werden, daß die sich daraus ergebende Summenschwingung die kleinst mögliche Amplitude erhält (blaue Kurve). Daher ist eine starre Verkopplung der beiden Schwingungen erforderlich, z.B. über eine Anbindung mittels einer Phasen-Regelschleife (PLL).

Der 57KHz Hilfsträger wurde nur bei solchen Sendern hinzugefügt, die auch ARI-Informationen ausstrahlten (SK: Sender-Kennung). Damit konnte der Empfänger den entsprechenden Sender finden. Der ARI-Hilfsträger wurde mit 125Hz in seiner Amplitude moduliert (Modulationsgrad m = 0,3 ± 5%), wenn das laufende Rundfunkprogramm für eine Verkehrsdurchsage (DK: Durchsage-Kennung) unterbrochen wurde.
Da Verkehrsdurchsagen i.d.R. nur von lokalem Interesse sind, wurde zusätzlich eine Bereichs-Kennung (BK) verwendet. Das (damalige) Bundesgebiet wurde hierfür in 6 Bereiche (A – F) eingeteilt.


Alle verwendeten Frequenzen konnten durch Frequenzteilung aus den 57KHz gewonnen werden. Diese wurden mit m = 0,6 ± 5% als AM auf den ARI Hilfsträger moduliert.
Damit der Auto-Fahrer seinen Empfänger auf die richtige Bereichs-Kennung einstellen konnte, gab es an den Autobahnen entsprechende Informations-Schilder.

Im Auto-Radio war zur Auswertung der ARI-Informationen ein entsprechender Decoder erforderlich. In seiner einfachsten Version wurde das ARI-Signal mit Hilfe eines einfachen Spitzen-Gleichrichters (wie er auch in AM-Empfängern üblich ist) demoduliert.

Diese (primitive) Art der Demodulation führte nach Einführung des Radio-Daten-Systems (RDS) zu Problemen. RDS benutzt ebenfalls den 57KHz Hilfsträger, moduliert jedoch seine Information unter 90° als DSB Signal darauf. Um RDS zu demodulieren wird ein synchroner Demodulator benötigt. Das gleichzeitig vorhandene ARI stört dabei nicht.
Eine entsprechende synchrone Demodulation von ARI wird ebenfalls durch RDS nicht gestört. Aber, wenn ARI wie in dem Blockschaltbild gezeichnet, mit einem Hüllkurven-Demodulator demoduliert wird, entsteht durch das RDS-Signal (auch ohne daß der Sender ARI verwendet) ein demoduliertes Signal, mit dem der ARI-Empfänger aber nichts anfangen kann, außer zu signalisieren, daß da angeblich ein ARI-Sender sei. Dieses Problem hatten zu Beginn der RDS Übertragung manche (primitiven) ARI-Empfänger. Da eine Kaufhauskette fürchtete, ihre (simplen) ARI-Empfänger nicht mehr verkaufen zu können, wenn RDS in Betrieb geht und deshalb mit einer Klage drohte, hat sich der Start von RSD damals entsprechend so lange verzögert bis alle diese Empfänger verkauft waren.
ARI ist mittlerweile zu Gunsten von RSD abgeschaltet.

Lit.:
Werle, H. (Hrsg.):  „Technik des Rundfunks, TTKom, Decker, 1989“
Freyer, U.: „Nachrichten-Übertragungstechnik, Hanser, 1981“
Kammeyer, K.D.: „Nachrichtenübertagung, 2.A., Teubner, 1996“

MfG DR

This article was edited 28.Dec.14 15:51 by Dietmar Rudolph .

  
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