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Bakelit-Reparatur ohne Schrecken

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Uwe Müller
Uwe Müller
 
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28.Dec.09 22:05
 
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Sehr geehrte Sammlerkollegen,

schon ein paarmal waren beschädigte Bakelitgehäuse und diverse Reparaturmethoden das Thema. Ich möchte hier an einem praktischen Beispiel den Weg zu einem zwar mühevollen, aber akzeptablen Ergebnis zeigen:

Schlimm sah es aus, was da ein Mr.Connor mir von der Insel schickte, leider das Ergebnis unzureichender Verpackung:

 

 

Hier hätte man verzweifeln mögen, aber das hätte auch niemandem geholfen und schließlich sollte aus dem schönen Gerät wieder einmal ein Schmuckstück werden. Also reparieren und so puzzelte ich nach der gründlichen Reinigung alle Teilchen und Teile wieder zusammen und verklebte sie NACH dem paßgenauen Zusammensetzen (!) mit flüssigem Sekundenkleber, bekannt als Cyanacrylat. Zunächst von innen nach außen, durch die flüssige Konsistenz dringt der Kleber durch und benetzt (verklebt) die gesamte Bruchfläche. Hier sollte man aufpassen, das nicht duch Überschuss Kleber unkontrolliert auf das Gehäuse läuft, eventuell zur Sicherheit außen mit Kuststoff-Isolierband abkleben. Heile Bakelitflächen haben zwar fast silikatische Eigenschaften, d.h. man kann fast alles wieder von Ihnen entfernen, aber die Gefahr ist groß, das Spuren sichtbar bleiben. Also Kleber vorsichtig und sparsam einsetzen, evtl. Tropfen für Tropfen an einem Draht rinnen lassen. Nach dem Trocknen verklebte ich die Risse nochmals von außen und füllte dabei kleine Absplitterungen auf, indem der Kleber mit Absicht als `Rippe` mit Überfüllung aufgetragen wurde. Eine größere Fehlstelle füllte ich mit gefärbtem Epoxidharz auf. So sah das Ergebnis nach dem Kleben von Innen aus:

Deutlich zu erkennen noch die Kleber-Rippen, welche innen nicht so stören. Außen wurden nun die gröbsten Unebenheiten mit einem Glasfaserpinsel eingeebnet, zurück blieben stumpfe Bahnen, die aber bereits wieder die Gehäuse-Konturen hatten. Jetzt kam Naßschleifpapier (aus dem KFZ-Bedarf des Baumarktes) zum Einsatz, erst 320`, dann 400` Körnung. Stundenlanges,möglichst flächiges Naß- Schleifen mit einem kleinen Gummiklotz hinterließen eine glatte, aber stumpfe Oberfläche, auf der die Klebestellen nicht mehr fühlbar waren. Schlußendlich wurde das gesamte Gehäuse mit einer Polierpaste (Chromglanz von Sonax, im Osten hieß das früher `Elsterglanz`) poliert und so war das Ergebnis:

Bei ganz genauem Hinsehen erkennt man noch den Auftrag des Epoxi-Harzes an der Farb-Changierung im Übergang des Fußes zur Rundung. Trotzdem,- ganz gut gelungen und die Erleichterung darüber kann man sich sicher vorstellen.

Nun kann die hier geglückte Reparatur über einige grundsätzliche Probleme bei Bakelitreparaturen nicht hinwegtäuschen: bei einem schwarzen Gehäuse fallen die Klebestellen fast nicht mehr auf, der beste Fall, anders sieht das leider bei anderen Farben aus:

Der Blaupunkt Lido hatte einen langen Riß, der sich auch nach der Reparatur immer als dünner Strich darstellen wird. Trotzdem,- die Stabilität ist wieder voll gegeben.

Grundsätzlich ist wichtig, dass möglichst niemand vor dem Kleben mit ölhaltigen (Möbel-) Polituren auf den Gehäusen herumgeschmiert hat, die Bruchstellen sind porös und saugen Öl auf. Kleben wird dann beinahe unmöglich, höchstens kann dann noch an der Bruchstelle aufgetragenes Aceton helfen. Genausowenig sollte man verschmutzte Gehäuse mit scharfen Reinigungsmitteln behandeln, die Oberflächen bleichen tatsächlich schnell aus! Mildes Seifenwasser reicht hier und dann lieber polieren, Ecken, Kanten und Sicken mit einer alten kurzgeschnittenen Zahnbürste.

Also,- im Falle eines Un-Falles nicht verzweifeln, trotzdem viel Freude beim Restaurieren!

wünscht Uwe Müller

 

  
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