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Das Rundfunkmuseum Cham, offizielle Eröffnung am 09.09.2017

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Wolfgang Lill
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Mit einem großen Festprogramm wurde am 09.09.2017 das Rundfunkmuseum in 93413 Cham eröffnet.

Meine Anreise führte mich durch Tschechien über Pilsen und  den Grenzübergang Furth im Wald.

Bereits in Stod  ( deutsch Staab), etwa 70Km vor dem Reiseziel, konnte ich im Autoradio zwar noch sehr schwach, aber schon hörbar, die Mittelwelle 801 KHz empfangen. Mit Musik aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und Informationen zum Programm des Vereins wurde ich bereits auf den Besuch hervorragend eingestimmt.

Als müsste es so sein, in Furth im Wald,  wurde der Empfang klar und deutlich, schon Werte von 3-4 lagen an.

Meine Erwartungen steigerten sich mit jedem Kilometer, dem ich meinem Ziel näher kam. 

...und nun war es soweit, 

Ein Teil des Gebäudekomplexes des ehemaligen Fernmeldeamtes in der Sudetenstraße wurde in vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit zum Rundfunkmuseum.

Die offizielle Eröffnung des Museums erfolgte ab 14,00 Uhr . Herr Michael Heller, begrüßte die Gäste auf das Herzlichste

Herr Heller ist der Hauptinitiator und Hauptsponsor für das Entstehen und das Gelingen dieses prächtigen Museums. Er kaufte u.a. die Sammlung von Ludwig Schroll aus Brunn, der sein Museum als Altergründen aufgab. 

Mit großer Aufmerksam folgen die Gäste der Rede von Herrn Heller (Bildmitte links Frau Karin Bucher, Erste Bürgermeisterin der Stadt seit 2008) . Sie und andere Gäste, Bundestagsabgeordnete, Landtagsabgeordnete der Stellv. Kreisrat und auch Gäste von DARC beteiligten sich an den Festansprachen.

Für die Katholiken führten der Stadtpfarrer in Cham St. Jakob Herr Dieter Zinecker und für die Evangelische Erlöserkirche in Cham die Pfarrerin Charlotte Peschke die kirchliche Segnung durch.

Nun wurde es endlich Zeit, die Ausstellung zu besichtigen. 

Eine gut gestalteteTafel am Eingang gibt einen Überblick über die Abteilungen des Museums. 

Unsere Führung begann oben im Physikraum. Herr Dipl-ing Tilman Betz (ehem. Rohde Schwarz ) aus Waldkirchen erklärte die Wellenausbreitung, die Schwingungen, verschiedene Arten von Lautsprechern . Ein interessanter Physikunterricht, wie ich ihn mir früher mal in der Schule gewünscht hätte...  jeder hörte interessiert zu und ich kann mir vorstellen, das es auch von allen verstanden wurde. 

...und schon war der Zeitverzug da.... viele Besucher , viele Führungen, was nützt aber der beste Zeitplan, wenn die Besucher Interesse zeigen und mehr erfahren wollen ?

Mal ein paar Blicke in die anliegenden Räume geworfen, wo auch die analoge Technik zu sehen ist. Die Programme für die einzelnen TV- Gerätegenerationen wird hier nach den Standards der damaligen Zeiten eingespielt, wie auch mehrere Rundfunkprogramme.

Aber dazu später, jetzt geht es, an vielen historischen Mikrofonen vorbei (im Bild nur ein paar).

in den Fernsehraum hinein.

Welch rasante Entwicklung sich hier abgespielt hat, kann man in diesem Raum nachvollziehen. Ein Grund hier etwas länger zu verweilen.

Am 22.März 1935 wurde der regelmäßige Fernsehbetrieb in Deutschland ( als erster in der Welt) aufgenommen.

Nach der Nipkowschen Scheibe mit 32- Zeiliger Bildwiedergabe folgte dann mit der Entwicklung der elektronischen Abtastung ein technischer Sprung in ein höher aufgelöstes Bild mit der RPZ- Norm 180 Zeilen mit 25 Bilder pro Sekunde 1935. In England wurde erstmals am 2.11.1936  mit 405 Zeilen ein "hochauflösendes" Fernsehen eingeführt.  

Demonstriert wird in der Ausstellung die Nipkowsche Scheibe in Funktion. Auch ein weiterer Vorkriegsfernseher ist zu sehen.

Nach dem 2. Weltkrieg geht die Fernsehgeschichte weiter. In der DDR wird zu Ehren von Stalins Geburtstag am 21.Dezember 1952 das Fernsehen offiziell eingeführt, in der BRD folgte der NDR am 25. Dezember 1952.

Auch solche Exponate wie der zunächst als Reparationsleistung entwickelte Fernseher "Leningrad" werden in der Version T4 hier in diesem Raum gezeigt.

Die typischen Entwicklungsphasen sind hier nochmal nacherlebbar, die Trend zu großen Fernsehtruhen, hier eines der vielen ausgestellten Modelle

die ständige Weiterentwicklung und Perfektionierung der Geräte, so wird auch ein Projektions- TV der 50iger Jahre vorgeführt.

Der Start des Farbfernsehens in Deutschland am 25.August 1967 wird wieder lebendig und auch Geräte, die sich nicht durchsetzen konnten, werden gezeigt... wie hier der Nordmende Spectra SK2 Color de Luxe Studio 8.550.D mit 3 weiteren Programmen auf den kleinen Bildschirmen...

Zu sehen ist dieser Kamerazug aus den 60iger Jahren

und  u.a.  noch eine Farb-Kamera der 70 iger Jahre, die der NDR spendiert hat.

Eine Stunde durch die Fernsehgeschichte, das reicht echt nicht aus... aber wir wollen ja die restlichen Exponate auf der 800 m2 Ausstellungsfläche noch ansehen.

Es geht hinunter in das Erdgeschoß. Hier im Eingangsbereich steht ein Teil des zuletzt vom BR in Ismaning betriebenen Mittelwellensenders mit 100 KW EMRP, der am 30.September 2015 endgültig abgeschaltet wurde. Der 171 m hohe Rohrmast wurde übrigens am 21.Juni 2017 gesprengt.

Der Sender wird vom Verein stundenweise über eine bestens abgestimmte Langdrahtantenne mit den von der Bundesnetzagentur genehmigten ERP 1Watt betrieben. 

Ein weiterer UKW- Sender , funktionstüchtig, aus der Anfangszeit des UKW- Rundfunks ist im Keller ebenfalls zu sehen und wird für die interne Signalverbreitung im Hause genutzt.

Soviel zur Sendetechnik. 

Im Keller gibt es zwei Schutzräume, diese werden genutzt für die Ausstellung der Volksempfänger , Gemeinschaftsempfänger des 3.Reiches und im ehemaligen zweiten Schutzraum sind Empfänger aus den ersten Nachkriegsjahren untergebracht.

Was mir gut gefällt ist nicht nur das ZEIGEN der Technik sondern man hat diese in das historische Umfeld eingebunden.

Im Charlston-look der 20igerJahre. Hier wurden viele Rundfunksender in Europa in Betrieb gesetzt und die Radioindustrie begann ihre Arbeit.

Um 1900 , die ersten Schallakplatten wurden übers Grammaphone übertragen. Hier gibt es dazu Kaffee und Kuchen für die Besucher...

So sah es ja dann in den 50iger Jahren aus und wieder die tolle Musiktruhe, auch das war eine schöne Zeit.

Das wohl älteste Gerät der Ausstellung (was ich gesehen habe) ist ein Selbstbauempfänger eines Kopenhagener Uhrmachers aus dem Jahre 1919, der das Zeitsignal, damals abgestrahlt vom Eiffelturm in Paris, damit empfing. ...und in der Ausstellung die Kopfhörer aufsetzen und reinhören, das Gerät funktioniert !

Wie heißt es so schön ? Ohne Werbung läuft nichts und so ist auch im Museum Werbung zu sehen und das Gerät zu testen.

Auch die Freunde der Tonbandgeräte kommen voll auf Ihre Kosten. Das zumindestens zweite ( und funktionierende !) Tonbandgerät K2 von der Firma AEG aus dem Jahre 1936 ist hier original ausgestellt, ebenso das Wehrmachtstonbandgerät Tonschreiber "D" .

und natürlich noch viele andere bekannte und weniger bekannte Tonbandgeräte.

So bleibt mir von den vielen Tausend Rundfunkgeräten noch ein Foto zu zeigen:

Habe ich sie neugierig gemacht ? Dann planen Sie doch einfach mal einen Besuch des Rundfunkmuseums in Cham ein. Es dürfte, nach meinem Kenntnisstand, das bedeutendste Museum in Deutschland schon jetzt sein.

Und da hat der Verein schon wieder Pläne, erweitern...anbauen , ein Studio komplett einrichten..... ich bleibe dran und wünsche Herrn Michael Heller und seinen Vereinsfreunden weiterhin viel viel Erfolg ! Sie haben eine ganz tolle Arbeit geleistet. ...weiter so. ..!

This article was edited 11.Sep.17 17:44 by Wolfgang Lill .

Wolfgang Lill
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Im Heft 02/ 2018, der Zeitschrift " Das Rundfunkmuseum" ist der Bau des Antennenmastes und des Abstimmhauses ausgezeichnet dokumentiert. 
Leider erscheint diese Zeitschrift nur mit einer Auflage von 750 Stück.

Ein Grund, diesen interessanten Artikel von Eckhard Kull und einige Fotos von Michael Heller und Daniel Paul, zu übernehmen.

Mitte Mai 2018 wurde das in verkleinertem Maßstab originalgetreu nachgebaute Antennenabstimmhaus des ehemaligen Senders Ismaning mittels Kran auf das Dach des Museumsgebäudes gesetzt.

Für die Herstellung des Abstimmhauses erhielt das Museum vom GFGF einen Zuschuß von 2000 EURO. Dafür sagen die Freunde des Fördervereins ein herzliches Dankeschön !

In den nachfolgenden 14 Tagen wurde das "innenleben" (Abstimm- und Anpassspulen und eine motorische Steuereinrichtung zum Abstimmen der Variometerspule) eingebaut. 

Diese Spule musste teilweise neu berechnet und gewickelt werden. 

Am 30.Mai 2018 wurde der neue Sendemast errichtet. Er steht auf einem großen Porzellan-isolatorfuß direkt auf dem Dach des Abstimmhauses.

12 Mitglieder des Fördervereines haben diesen manuell aufgestellt. Diese Aufgabe war nicht ganz einfach .

Der neue Mast hat eine Höhe von 13 m . Er wurde, wie sein ehemaliges Vorbild in Ismaning weiß/rot lackiert.

Zusammen mit dem verkleinerten ehemaligen Antennenabstimmhaus ist damit ein neuer Blickfang für die Besucher des Museums entstanden.

Die bislang eingesetzte Interimsantenne war  ein einfaches Aluminiumrohr, auf einen Isolator montiert, die optisch eher unscheinbar aussah und nicht sofort als Senderantenne erkannt wurde. 

Für den Mittelwellensender wurde auch ein neuer Überwachungsplatz im Physiksaal des Museums eingerichtet. Gleichzeitig wurde hier ein Reservesender mit eingebaut. damit ist sichergestellt, daß auch bei Ausfall des Originalen Ismaninger Senders nur mit kurzer Unterbrechung der Sendebetrieb weitergehen kann. 

Wünschen wir dem Museums- Sender noch ein langes Leben und viele zufriedene Hörer in Cham und Umgebung. 

auf Mittelwelle 801 KHz .

Wolfgang Lill , Fördermitglied im Rundfunkmuseum Cham

This article was edited 23.Sep.18 14:17 by Wolfgang Lill .

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01.Dec.18 10:56

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Wieder eine tolle Überraschung aus Cham, heute Morgen erschien in der Chamer Zeitung ein Artikel zu diesem Thema. Ich habe Herrn Heller  gebeten, mir Näheres zu übermitteln. 

Hier der Artikel in der Originalfassung von Herrn Heller hoffentlich ein Anfang zur Wiederbelebung der Mittelwelle ! 

Die Fotos stammen ebenfalls von Herrn Heller, das Luftbild vom Museumsturm des Deutschen Museums in München von google earth,

Technik aus Cham für das Deutsche Museum

Professor Wolfgang Heckl ist vom MINT-Radio des Chamer Rundfunkmuseums begeistert. Der Generaldirektor des Deutschen Museums kauft 100 Bausätze für die hauseigene Experimentierwerkstatt.

„ Sagen Sie Mal, Herr Heller, warum geht ihr Radio, das bei mir auf dem Schreibtisch steht, besser als mein japanisches High-Tech-Teil für knapp 1.000 Euro?“ Dann dreht er das „Chamer“ Radio auf: „Hören Sie, das ist Radio Eule, unser neuer Mittelwellensender auf dem Turm. Einwandfreier Empfang! Mit dem Japaner ist der Empfang ganz schwach …“

Michael Heller erklärt Professor Heckl dann am Telefon, dass das sicher nur eine Antennenfrage sei, und dass unsere Ferritantenne mit dem „men made noise“ in den Museumsräumen wohl besser klar kommt. Er versprach, eine passende Ferritantenne für das japanische Gerät konstruieren zu lassen, die er ihm beim demnächst anstehenden Besuch mitbringen will. Für die Chamer Spezialisten kein Problem.

Professor Heckl ist von Design und Leistungsfähigkeit des Chamer Radio-Bausatzes so begeistert, dass er das in der Experimentierwerkstatt des Deutschen Museums einsetzen will. Nachdem man sich auf den Preis verständigt hat, bestellt er noch am Telefon 100 Stück zur schnellstmöglichen Lieferung. Für das Entwicklerteam des Chamer Rundfunkmuseums ist das der „Ritterschlag“, der endgültig zeigt, dass sich die Arbeit von einigen hundert Stunden der besten Köpfe aus dem Förderverein bezahlt gemacht hat. Im Laufe dieses Jahres haben bereits 110 Schülerinnen und Schüler den Bausatz unter Anleitung von Tutoren des Rundfunkmuseums erfolgreich zu einem funktionierenden Radio zusammengebaut. Beteiligt waren die 7. Jahrgangsstufen des Schuman Gymnasiums und des Joseph von Fraunhofer Gymnasiums – bei letzterem auch der Club der jungen Erfinder – und die 12. Jahrgangsstufe der staatlichen Berufsschule. Die jetzt noch fehlenden Bauteile für 100 Geräte und die speziellen Frontplatten für das Deutsche Museum sind mittlerweile bestellt. Danach folgt die Konfektionierung, die unter der Regie des Fördervereinsvorsitzenden Jürgen Kögler von Statten geht.

 

Eine halbe Stunde lang haben Professor Heckl und Michael Heller zusammen telefoniert, und dabei ging es neben dem Radiobausatz vor allem auch um „Radio Eule“, den neuen Mittelwellensender des Deutschen Museums. Die „Eule“ ist dem Logo entnommen. Dieser Sender auf der Frequenz 1.500 kHz (?) strahlt seit einem knappen Monat vom Turm des Deutschen Museums und soll nach endgültiger Fertigstellung den Großraum München versorgen. Die Chamer mit Ihrem Nautel-Sender vom Bayerischen Rundfunk auf der Originalfrequenz 801 kHz waren hier das Vorbild. Michael Heller hat auch beim Genehmigungsverfahren Schützenhilfe geleistet. Nun kann man einen Mittelwellensender nicht einfach so kaufen, den muss man selbst konstruieren. Das Deutsche Museum hat fähige Leute, die einen provisorischen Sender in Gang setzen konnten. Schnell zeigten sich aber Schwächen und Mängel und man beschloss, auf eine Profi-Lösung zu setzen.

 Tilman Betz und Hans Schweiger bei der Sendermontage für das Deutsche Museum

Und hier kam das Chamer Rundfunkmuseum ins Spiel. Dipl. Ing. Christoph Heiner vom Europäischen Patentamt, Berater von Prof. Heckl und Mitglied im Förderverein des Chamer Rundfunkmuseums wusste um die Erfahrung und die Professionalität der Chamer. Er wusste auch, dass das Museum eine große Menge von Endstufenmodulen des ehemaligen Ismaninger Senders im Depot hat. Fehlte nur noch die Peripherie zur Ansteuerung und Modulation. Diese musste erst entwickelt und konstruiert werden – wahrlich keine einfache Aufgabe. Doch hier zeigte sich wieder einmal, was rüstige Senioren (laut Professor Heckl das Beste, was Deutschland hat) zu leisten imstande sind. Ein 8-köpfiges Team mit dem „Spiritus Rektor“ Tilman Betz, mit Hans Schweiger, Günter Bauer, Adi Donat, Alfons Ippisch, Max Schneider, Jürgen Kögler und Michael Heller erstellte in mehreren Arbeitssitzungen ein Konzept, das vor allem auf den Schaltungsentwürfen von Tilman Betz aufgebaut wurde. Innerhalb von 2 Wochen wurde bereits mit dem Probeaufbau begonnen, hier stand an vorderster Stelle für alle mechanischen Arbeiten Hans Schweiger. Am letzten Samstag wurde dann beim Stammtisch der funktionierende Prototyp den staunenden 60 anwesenden Mitgliedern vorgeführt. Günter Bauer entwickelte jetzt noch in etwa 20 Arbeitsstunden ein professionelles Platinenlayout. Die Platinen selbst werden in China gefertigt und sollen in 2 Wochen eintreffen. Danach geht es in den Probebetrieb und dann auf ins Deutsche Museum

Sender Cham:      Der Nautel-Sender aus Ismaning im Foyer des Chamer Rundfunkmuseums  

 Professor Heckl und Michael Heller kamen überein, dass das Chamer Team den Sender selbst vor Ort einrichtet und an die Antenne anpasst. Dazu ist spezielles Equipment nötig und viel Erfahrung. Es soll ja ein richtiges Vorzeigeobjekt werden. Alle freuen sich schon auf den Ausflug nach München und den einmaligen Blick vom 60 Meter hohen Turm, in dessen oberstem Raum der Sender Platz findet. 360 Stufen (ohne Aufzug) sind zu überwinden und etwa 25 Kg Sender und Zubehör zu transportieren. Während in Cham nur eine Antenne mit 10 Metern Länge möglich ist, können die Münchner vom Turm aus schräg nach unten fast 100 m Draht spannen, was der (idealen) halben Wellenlänge ihrer Sendefrequenz von 1.500 kHz entspricht. Dabei ergibt sich ein wesentlich besserer Wirkungsgrad als bei der Chamer Antenne. Die zugeführte Leistung muss bei gleicher Abstrahlleistung nur etwa 5% der Chamer Leistung betragen. Die Reichweite der Sender ist in etwa gleich.

Nach der Abschaltung des letzten kommerziellen Mittelwellensenders in Deutschland, der jetzt im Chamer Rundfunkmuseum steht, gab es Bemühungen von engagierten Stellen, wenigstens kleinere Sender zu schaffen, wo doch rings um uns herum in den Nachbarländern immer noch große Stationen in Betrieb sind und sogar neu entstehen. So entstand nach Cham der Sender im Deutschen Museum und aktuell auch am Fraunhofer Institut in Erlangen. Federführend dafür sind Professor Heuberger und Dr. Ralph Oppelt – ebenfalls Mitglied im Chamer Förderverein für das Rundfunkmuseum. Er hat sich auch wesentlich am Chamer Vorbild orientiert. Auch im Radiomuseum Wertingen ist ein kleiner Sender in Betrieb.

Sendemast Cham:   Das Wahrzeichen des Chamer Rundfunkmuseums

 Professor Heckl und Michael Heller kamen überein, sich bei der Landesmedienanstalt für eine Lockerung des Rundfunkrechts und die in Aussicht gestellte Sparte „Bagatellrundfunk“

einsetzen, die eine wesentliche Erleichterung bei der Zulassung für den Sendebetrieb bringen soll. In Cham ist man jedenfalls gerüstet, Sendebausätze in Kleinserie zu produzieren und zu liefern. Eine absolute Marktlücke und ein eindrucksvoller Beweis für die Technikkompetenz des Teams vom Chamer Rundfunkmuseum.

Museumsturm:  Von der Plattform aus spannt sich die 100 Meter lange Antenne zur Isar hinab (Google Earth)

Ab nächster Woche wird vom Chamer Mittelwellensender auf 801 kHz täglich von 14 – 20 Uhr ein Programm mit Musik und Informationen zum Museum ausgestrahlt. Letzten Freitag, Samstag und Sonntag wurde die Aufzeichnung eines Ehemaligenkonzerts aus dem Fraunhofer Gymnasium übertragen, das auf Wunsch auch wiederholt werden kann. 

This article was edited 03.Dec.18 10:56 by Wolfgang Lill .

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09.Dec.18 09:00

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Bar jeglicher Kenntnis von Frequenzplanung und Frequenzbelegung wird ausgerechnet für den Mittelwellensender des Deutschen Museums willkürlich eine Sendefrequenz von 1500 kHz festgelegt !

Diese liegt normwidrig außerhalb des 9 kHz Frequenzrasters, weshalb sich bei Dunkelheit ein schriller Heulton von 3 kHz einstellen wird, der durch Überlagerung mit den ordnungsgemäß auf 1503 kHz arbeitenden Sendern entsteht.

Moderne Empfänger mit digitaler Frequenzaufbereitung können im AM- Bereich auch nur Frequenzen im 9 kHz- Raster empfangen, also 1494 oder 1503 kHz, aber nicht 1500 kHz. Stellt man diesen Empfänger auf 1503 kHz ein, wird er den Museumssender auf 1500 kHz nur noch stark verzerrt wiedergeben.

Damit sollte auch dem Uneinsichtigsten klar werden, dass alle Frequenzen, die nicht im 9 kHz- Raster liegen, für Sendungen im Mittelwellenband ungeeignet sind !

Sehr enttäuschend ist auch die völlige Inkompetenz der Bundesnetzagentur, welche diese dilettantische Frequenzwahl durchgewunken hat, statt bei der Suche nach einer optimalen Frequenz beratend zur Seite zu stehen.

Auch wenig zweckmäßig scheint das Vorhaben, einen ca. 100 m langen Antennendraht als Halbwellenantenne endgespeist zu betrieben. Dagegen wäre der Betrieb als Viertelwellenstrahler enorm viel günstiger. Die Sender-Wellenlänge müsste dann bei knapp 400 m liegen = 750 kHz.

Dadurch besteht die optimale Möglichkeit, die ehemalige MW- Frequenz 801 kHz = 375 m des Bayrischen Rundfunks zu verwenden. Die genaue Anpassung der Antenne auf 1/4 von 375 m = ca. 94 m, lässt sich durch die Anbringung der ohnehin erforderlichen Isolatoren festlegen.

Mit einem Schlag würde alles optimal zusammenpassen, wie es besser nicht möglich wäre:
man würde dann mit einer Frequenz arbeiten,

  • die sich mit der vorhandenen Antenne optimal abstrahlen ließe,
  • die in allerbester Tradition mit Rundfunk in Bayern und München steht und
  • die sogar auf älteren Radios auf der Skala mit „München“, „Bayr. Rf.“, oder „BR“ markiert ist !
  • deren Tagesreichweite bei gleicher Leistung höher ist als mit 1500 kHz,
  • die mit 801,000 kHz ± 1 Hz den Anforderungen einer akkuraten Frequenzwahl voll gerecht wird.

Es wäre sehr zu wünschen, wenn man von dem eingeschlagenen völlig falschen Weg abließe und zur Einsicht käme, dass die frühere BR- Frequenz 801 kHz sowohl in traditioneller wie auch in technischer Hinsicht durch nichts zu übertreffen ist !

Alternativ zu 801 kHz sind noch mehrere andere freie Frequenzen im Bereich von 594 bis 846 kHz verfügbar.

M. f. G.
J. R.

Anlage: „Wellenchaos“ - Leitartikel der „Funk-Technik“ im Jahr 1948.
Über Frequenzwahlen, die man vermeiden sollte !
Eine „Wellenpolizei“, wie in dem Artikel angesprochen, bräuchte man offensichtlich auch heute wieder !

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09.Dec.18 10:31

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Ich hatte bereits nach Erhalt der Info am 3.12. 18  mit dem zuständigen Kollegen der Bundesnetzagentur gesprochen.

Er sagte mir, das die  vom Deutschen Museum München beantragte Frequenz 1500 KHz unter dem Gesichtspunkt , das es sich um einen Museumssender kleiner Leistung handelt, genehmigt wurde.

Eine Rolle spielt auch bei der Entscheidung, das in Deutschland ansonsten kein professioneller Mittelwellenrundfunk mehr betrieben wird.

Auch das die Antenne endgespeist ist  und damit keine optimale Lösung, wird noch geändert.             Das SWR soll gegenwärtig bei   1 : 1,9 ( ! ) liegen.

Zur Zeit erarbeiten die Freunde vom Rundfunkmuseum Cham an einer optimalen Antennenlösung.

Der neue Sender mit Antennenanlage soll im Januar 2019 in Betrieb gehen. 

Ich könnte mir vorstellen, das die Frequenz 1494 KHz von der Belegung gut geeignet wäre, andererseits, und da gebe ich Herr J.Roschy vollkommen recht, müsste man darüber nachdenken, die 801 KHz, die traditionelle Frequenz der Bayerischen Rundfunks, auch für diesen Münchener Sender, wieder zu nutzen.  

München war häufig sogar auf Skalen von DDR Rundfunkempfängern zu finden, hier auf dem Rossini 6001 stereo Baujahr 1960

This article was edited 14.Dec.18 21:52 by Wolfgang Lill .

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