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Das Rundfunkmuseum Cham, offizielle Eröffnung am 09.09.2017

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Wolfgang Lill
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10.Sep.17 18:19
 
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Mit einem großen Festprogramm wurde am 09.09.2017 das Rundfunkmuseum in 93413 Cham eröffnet.

Meine Anreise führte mich durch Tschechien über Pilsen und  den Grenzübergang Furth im Wald.

Bereits in Stod  ( deutsch Staab), etwa 70Km vor dem Reiseziel, konnte ich im Autoradio zwar noch sehr schwach, aber schon hörbar, die Mittelwelle 801 KHz empfangen. Mit Musik aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und Informationen zum Programm des Vereins wurde ich bereits auf den Besuch hervorragend eingestimmt.

Als müsste es so sein, in Furth im Wald,  wurde der Empfang klar und deutlich, schon Werte von 3-4 lagen an.

Meine Erwartungen steigerten sich mit jedem Kilometer, dem ich meinem Ziel näher kam. 

...und nun war es soweit, 

Ein Teil des Gebäudekomplexes des ehemaligen Fernmeldeamtes in der Sudetenstraße wurde in vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit zum Rundfunkmuseum.

Die offizielle Eröffnung des Museums erfolgte ab 14,00 Uhr . Herr Michael Heller, begrüßte die Gäste auf das Herzlichste

Herr Heller ist der Hauptinitiator und Hauptsponsor für das Entstehen und das Gelingen dieses prächtigen Museums. Er kaufte u.a. die Sammlung von Ludwig Schroll aus Brunn, der sein Museum als Altergründen aufgab. 

Mit großer Aufmerksam folgen die Gäste der Rede von Herrn Heller (Bildmitte links Frau Karin Bucher, Erste Bürgermeisterin der Stadt seit 2008) . Sie und andere Gäste, Bundestagsabgeordnete, Landtagsabgeordnete der Stellv. Kreisrat und auch Gäste von DARC beteiligten sich an den Festansprachen.

Für die Katholiken führten der Stadtpfarrer in Cham St. Jakob Herr Dieter Zinecker und für die Evangelische Erlöserkirche in Cham die Pfarrerin Charlotte Peschke die kirchliche Segnung durch.

Nun wurde es endlich Zeit, die Ausstellung zu besichtigen. 

Eine gut gestalteteTafel am Eingang gibt einen Überblick über die Abteilungen des Museums. 

Unsere Führung begann oben im Physikraum. Herr Dipl-ing Tilman Betz (ehem. Rohde Schwarz ) aus Waldkirchen erklärte die Wellenausbreitung, die Schwingungen, verschiedene Arten von Lautsprechern . Ein interessanter Physikunterricht, wie ich ihn mir früher mal in der Schule gewünscht hätte...  jeder hörte interessiert zu und ich kann mir vorstellen, das es auch von allen verstanden wurde. 

...und schon war der Zeitverzug da.... viele Besucher , viele Führungen, was nützt aber der beste Zeitplan, wenn die Besucher Interesse zeigen und mehr erfahren wollen ?

Mal ein paar Blicke in die anliegenden Räume geworfen, wo auch die analoge Technik zu sehen ist. Die Programme für die einzelnen TV- Gerätegenerationen wird hier nach den Standards der damaligen Zeiten eingespielt, wie auch mehrere Rundfunkprogramme.

Aber dazu später, jetzt geht es, an vielen historischen Mikrofonen vorbei (im Bild nur ein paar).

in den Fernsehraum hinein.

Welch rasante Entwicklung sich hier abgespielt hat, kann man in diesem Raum nachvollziehen. Ein Grund hier etwas länger zu verweilen.

Am 22.März 1935 wurde der regelmäßige Fernsehbetrieb in Deutschland ( als erster in der Welt) aufgenommen.

Nach der Nipkowschen Scheibe mit 32- Zeiliger Bildwiedergabe folgte dann mit der Entwicklung der elektronischen Abtastung ein technischer Sprung in ein höher aufgelöstes Bild mit der RPZ- Norm 180 Zeilen mit 25 Bilder pro Sekunde 1935. In England wurde erstmals am 2.11.1936  mit 405 Zeilen ein "hochauflösendes" Fernsehen eingeführt.  

Demonstriert wird in der Ausstellung die Nipkowsche Scheibe in Funktion. Auch ein weiterer Vorkriegsfernseher ist zu sehen.

Nach dem 2. Weltkrieg geht die Fernsehgeschichte weiter. In der DDR wird zu Ehren von Stalins Geburtstag am 21.Dezember 1952 das Fernsehen offiziell eingeführt, in der BRD folgte der NDR am 25. Dezember 1952.

Auch solche Exponate wie der zunächst als Reparationsleistung entwickelte Fernseher "Leningrad" werden in der Version T4 hier in diesem Raum gezeigt.

Die typischen Entwicklungsphasen sind hier nochmal nacherlebbar, die Trend zu großen Fernsehtruhen, hier eines der vielen ausgestellten Modelle

die ständige Weiterentwicklung und Perfektionierung der Geräte, so wird auch ein Projektions- TV der 50iger Jahre vorgeführt.

Der Start des Farbfernsehens in Deutschland am 25.August 1967 wird wieder lebendig und auch Geräte, die sich nicht durchsetzen konnten, werden gezeigt... wie hier der Nordmende Spectra SK2 Color de Luxe Studio 8.550.D mit 3 weiteren Programmen auf den kleinen Bildschirmen...

Zu sehen ist dieser Kamerazug aus den 60iger Jahren

und  u.a.  noch eine Farb-Kamera der 70 iger Jahre, die der NDR spendiert hat.

Eine Stunde durch die Fernsehgeschichte, das reicht echt nicht aus... aber wir wollen ja die restlichen Exponate auf der 800 m2 Ausstellungsfläche noch ansehen.

Es geht hinunter in das Erdgeschoß. Hier im Eingangsbereich steht ein Teil des zuletzt vom BR in Ismaning betriebenen Mittelwellensenders mit 100 KW EMRP, der am 30.September 2015 endgültig abgeschaltet wurde. Der 171 m hohe Rohrmast wurde übrigens am 21.Juni 2017 gesprengt.

Der Sender wird vom Verein stundenweise über eine bestens abgestimmte Langdrahtantenne mit den von der Bundesnetzagentur genehmigten ERP 1Watt betrieben. 

Ein weiterer UKW- Sender , funktionstüchtig, aus der Anfangszeit des UKW- Rundfunks ist im Keller ebenfalls zu sehen und wird für die interne Signalverbreitung im Hause genutzt.

Soviel zur Sendetechnik. 

Im Keller gibt es zwei Schutzräume, diese werden genutzt für die Ausstellung der Volksempfänger , Gemeinschaftsempfänger des 3.Reiches und im ehemaligen zweiten Schutzraum sind Empfänger aus den ersten Nachkriegsjahren untergebracht.

Was mir gut gefällt ist nicht nur das ZEIGEN der Technik sondern man hat diese in das historische Umfeld eingebunden.

Im Charlston-look der 20igerJahre. Hier wurden viele Rundfunksender in Europa in Betrieb gesetzt und die Radioindustrie begann ihre Arbeit.

Um 1900 , die ersten Schallakplatten wurden übers Grammaphone übertragen. Hier gibt es dazu Kaffee und Kuchen für die Besucher...

So sah es ja dann in den 50iger Jahren aus und wieder die tolle Musiktruhe, auch das war eine schöne Zeit.

Das wohl älteste Gerät der Ausstellung (was ich gesehen habe) ist ein Selbstbauempfänger eines Kopenhagener Uhrmachers aus dem Jahre 1919, der das Zeitsignal, damals abgestrahlt vom Eiffelturm in Paris, damit empfing. ...und in der Ausstellung die Kopfhörer aufsetzen und reinhören, das Gerät funktioniert !

Wie heißt es so schön ? Ohne Werbung läuft nichts und so ist auch im Museum Werbung zu sehen und das Gerät zu testen.

Auch die Freunde der Tonbandgeräte kommen voll auf Ihre Kosten. Das zumindestens zweite ( und funktionierende !) Tonbandgerät K2 von der Firma AEG aus dem Jahre 1936 ist hier original ausgestellt, ebenso das Wehrmachtstonbandgerät Tonschreiber "D" .

und natürlich noch viele andere bekannte und weniger bekannte Tonbandgeräte.

So bleibt mir von den vielen Tausend Rundfunkgeräten noch ein Foto zu zeigen:

Habe ich sie neugierig gemacht ? Dann planen Sie doch einfach mal einen Besuch des Rundfunkmuseums in Cham ein. Es dürfte, nach meinem Kenntnisstand, das bedeutendste Museum in Deutschland schon jetzt sein.

Und da hat der Verein schon wieder Pläne, erweitern...anbauen , ein Studio komplett einrichten..... ich bleibe dran und wünsche Herrn Michael Heller und seinen Vereinsfreunden weiterhin viel viel Erfolg ! Sie haben eine ganz tolle Arbeit geleistet. ...weiter so. ..!

This article was edited 11.Sep.17 17:44 by Wolfgang Lill .

  
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