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Die VF3 - eine rätselhafte Röhre !

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Jacob Roschy
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21.Feb.07 18:27

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Die VF3 - eine rätselhafte Röhre !


Von zwei vorhandenen Exemplaren der Regelpentode VF3 trägt eine auf dem Sockelboden das Datumscode "wi", was Juni 1937 entspricht, die andere "ia", entsprechend Juli 1937.

   

  


Der alte Telefunkenstern, die goldene Metallisierung und der Aufdruck "Bi" sind eine weitere Bestätigung für diese Datumsangaben, denn kurz danach, noch 1937, erfolgte der Übergang auf die Telefunken- Raute und die meistens silberne Metallisierung.

 

Auf den Kartons dieser Röhren befindet sich bereits die neue Telefunken- Raute, es fehlt der sonst üblichen Garantie- Text, möglicherweise sind diese Kartons gedacht als Export- Version.

 

Der Clou ist, dass dieser Röhrentyp offiziell praktisch nie veröffentlicht wurde, schon gar nicht zu dieser Zeit.

Bis jetzt wurde noch kein Inserat oder ein Vorstellungsbericht in einer Fachzeitschrift entdeckt und in der RM.org- Sammlung befindet sich noch kein einziges mit dieser Röhre bestücktes Gerät !

Das Herstellungsangaben Juni / Juli 1937 könnte mit der Herstellung der ersten Serie des Typs VF7 zusammenfallen.

Wie es zu dieser Röhre kam und warum sie damals doch nicht in den Handel kam, könnte sich wie folgt abgespielt haben:

Im Jahr 1937 kam beim Volksempfänger endlich die längst fällige Umstellung vom VE301W mit der schon lange unzeitgemäßen Audiontriode  REN904 auf den VE301Wn mit der wesentlich leistungsfähigeren Pentode AF7.
Parallel dazu war ein gleichermaßen verbesserter Allstrom- Volksempfänger VE301GWn mit dem Röhrensatz VF7, VL1 und VY1 vorgesehen, der jedoch nicht in Serie produziert wurde.

Wäre dieser VE301GWn tatsächlich in Serie gegangen, so hätte die Geräteindustrie sogleich gewünscht, auch "zivile" Markengeräte mit dieser neuen VF7 zu bestücken.

Dazu wäre es zweckmäßig gewesen, passend zur VF7 auch noch die regelbare Version davon, eben die VF3 zu haben. Ein Allstrom- Zweikreisempfänger, der bisher z. B. mit dem Röhrensatz CF3, CF7, CL1 und CY1 bestückt werden musste, hätte dann mit dem wesentlich stromsparenderen Röhrensatz VF3, VF7, VL1 und VY1 angeboten werden können.

Es ist denkbar, dass man damals zunächst eine Vorserie von VF3 und VF7 produzierte, um die Geräteindustrie zur Erstbestückung zu beliefern. Die Typen VL1 und VY1 befanden sich ohnehin schon in der Produktion für den bisherigen VE301GW.

Dann aber wurde leider die Produktion des VE301GWn gestrichen, möglicherweise im Hinblick auf den noch zu entwickelnden VE301DynGW. Die Bestände an VF7- Röhren konnten jedoch gelagert werden bis zur Produktion des DynGW in 1938, während die Bestände an VF3- Röhren bis auf weiteres relativ nutzlos waren. Danach schätzte man wohl den Bedarf an diesem Typ als zu gering ein, so dass man sich entschloss, sie nicht am Markt einzuführen.

Augenscheinlich wurden jedoch diese VF3- Bestände als Export im Ausland "verramscht". Dafür spricht der Karton, auf dem nichts steht außer "Telefunken", ohne den sonst üblichen Garantie- Text.

Einen noch eindeutigeren Hinweis über den Verkauf im Ausland ist ausgerechnet von Philips in einer tschechischen Preisliste vom 1. September 1939 zu finden, wo die VF3 neben den anderen bekannten V- Röhren angeboten wird:

Während der Kriegszeit gab es in Deutschland mehrere Röhrentypen- Einschränkungsmaßnahmen, bei welchen die Produktion von älteren und weniger geläufigen Typen eingestellt wurde.

Nachdem diese VF3 vorher praktisch nirgends zu finden war und nirgends erwähnt würde, erscheint 1943 in einer Funkschau eine weitere Typen– Einschränkungstabelle, wo u. A. die VF3 mit der Anmerkung markiert ist: "diese Röhren werden nicht mehr hergestellt."
Der erste bis jetzt in innerdeutscher Literatur gefundene Hinweis auf die Existenz der VF3 besagt also lediglich deren Rücknahme !

Interessanterweise ist die VF3 in den meisten Datenbüchern nach 1945 zu finden, aber nicht in Vorkriegsliteratur !

Es gab jedoch Rundfunkempfänger, deren Schaltung eigentlich für die VF3 konzipiert war, die aber an deren Stelle mit einer VF7 bestückt waren. So haben die Zweikreisempfänger BRANDT 40GWK von 1939 und SCHALECO Wunschkonzert GW jeweils eine HF- Vorstufe mit einem Potentiometer zur Lautstärkeregelung im Katodenkreis. Dieses verändert die Katodenspannung und somit indirekt die negative Gittervorspannung. Dies ist aber eine Schaltungsart, wie sie für eine Regelröhre VF3 vorgesehen wäre, doch befindet tatsächlich sich hier die nicht regelbare VF7 !  In der Wechselstromausführung dieser Geräte befindet sich jeweils an dieser Stelle eine Regelpentode EF11.

Die Lautstärkeregelung funktioniert hier halbwegs, indem die unvermeidliche Kennlinienkrümmung nahe des Sperrbereiches eine Regelwirkung ermöglicht, die allerdings umso mehr Verzerrungen produziert, je stärker das zu regelnde Signal ist. Bei schwachen Signalen bleibt dieser Nachteil unbemerkt und beim Empfang starker Sender musste man ggf. die Antenne verkleinern, wenn die Wiedergabe verzerrte. Zu dieser Zeit wird man auf solche Feinheiten nicht geachtet haben. (Dank an Herrn Birkner und Herrn Knoll für diese Recherche !)

Auch wenn offiziell keine Geräte mit dieser VF3 bestückt wurden, so konnte man sie zumindest als Ersatz für die VF7 verwenden. "Einstampfen" wäre zu keiner Zeit notwendig gewesen.

Falls jemand noch weitere Hinweise über die VF3 findet – diese sind sehr erwünscht !

MfG JR


 

This article was edited 04.Mar.07 21:14 by Jacob Roschy .

Jacob Roschy
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28.Feb.07 19:32

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die mir inzwischen mitgeteilt wurden:
 
Es wurde tatsächlich ein Gerät Mudel AGU 3U des Herstellers TTV (Natsionaliseeritud Tartu Telefonivabrik) von 1940/41 aus Estland gefunden, das original mit dem Röhrensatz Telefunken
VF3, VF7, VL4 und VY1 bestückt ist: F
 
Dies ist ein weiterer Beleg dafür, dass die VF3 (nur) im Ausland verkauft wurde, bis jetzt sind es nur östliche Länder, die damals unter deutscher Besatzung standen.
  
 
Auf allen bisher gefundenen VF3 befindet sich auf dem Karton hinter der Bezeichnung ein nachträglich gestempeltes K. Solche Einzelbuchstaben befinden sich oft auf Kartons von Telefunken- Röhren. Kennt jemand einen Schlüssel zur Bedeutung dieser Buchstaben ?
 
   
  
  
  
  
 
Sehr frühe VF7
 
Interressanterweise wurde nun auch eine VF7 von Mai 1937 gefunden (Datumscode sf), obwohl man bis jetzt kein real gebautes und damit bestücktes Radio vor 1938 findet.
Dies wirft umsomehr die Fragen auf, warum trotz vorhandener Röhren der vorgesehene Allstrom- Volksempfänger VE301GWn, für den die VF7 hauptsächlich vorgesehen war, nicht gebaut wurde und 1937 noch keine sonstigen Geräte mit VF3 und VF7 bestückt wurden ?
 
  
M.f.G. J.R.  
  
 
 
 
Dank an die Herren Dirk Becker, Burkhard Hasselmeier und Thomas Lebeth für die Unterstützung der Recherche.
 
 

This article was edited 28.Feb.07 23:08 by Jacob Roschy .

Jacob Roschy
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04.Mar.07 10:22

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Herr Folkert Rothe fand erstmals eine VF3, die zum Verkauf in Deutschland bestimmt war, in seinem Besitz:

Auch sie trägt auf dem Sockelboden das Datumscode "wi", entsprechend Juni 1937

 

Der aufgestempelte Buchstaben K befindet sich ebenfalls hier,  jedoch vor einer Seriennummer.

 

  

 

 


 
Sie war ganz offensichtlich zum Verkauf in Deutschland vorgesehen, der Karton ist in deutscher Sprache mit dem üblichen Garantie- Text bedruckt.

Da es aber in Deutschland keine Geräte gab, für die man diese Röhre hätte verwenden können, bot man sie als Ersatz für die VF7 an, wie auf einer Banderole um den gesamten Karton deutlich zu lesen ist, - genau wie weiter oben schon vorausgesagt !

M.f.G. J.R.

Dank an Herrn Folkert Rothe für die Zusendung dieser Bilder

 

This article was edited 04.Mar.07 10:54 by Jacob Roschy .

  
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