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EF12 - Tungsram, Bauform?

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Wolfgang Eckardt
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27.Feb.05 21:02

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   1 Ich habe eine EF12 von Tungsram gefunden, deren Bauform als Stahlröhre ich mir nicht erklären kann. Wer kann mir etwas dazu und zum Zeitpunkt der Herstellung sagen?

Danke sagt
Wolfgang Eckardt
Jacob Roschy
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27.Feb.05 21:21

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Hallo Herr Eckardt,

 

das Rätsel der sonderbaren Bauform ist leicht zu erklären, wenn man weiß, was sich darunter verbirgt.
Diese Tungsram- Röhren sind nur Pseudo- Stahlröhren, - außen ist eine Metallhülle, innen ein Glaskolben.

 

Über den Zeitpunkt der Herstellung kann ich leider keine Angaben machen.

 

MfG JR

 

Wolfgang Eckardt
Wolfgang Eckardt
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27.Feb.05 21:57

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   3 Hallo Herr Roschy,

das war ja eine "Blitzaktion". Vielen Dank für Ihre Aufklärung. Da ist ja alles klar, warum die Bauform so merkwürdig ist.
Wegen dem Baujahr - ich liege aber doch hoffentlich richtig, wenn das eine Nachkriegsproduktion ist.
Soll ich ein besseres Bild machen und mit bei der EF12 als Variante einstellen?

Ein schöne Woche wünscht
Wolfgang Eckardt
Jacob Roschy
Jacob Roschy
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27.Feb.05 22:15

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Hallo Herr Eckardt,


ja, diese originellen Tungsram- Pseudo- Stahlröhren sind es sicher wert, in die RM.org - Röhrenseiten gestellt zu werden.


MfG JR

Paul Heussner
Paul Heussner
 
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27.Feb.05 23:04

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Hallo an die Runde,

Tungsram baute die Röhren auch ohne Stahlkappe. Die Röhre wurde dabei leitend beschichtet, so wie man es von den RFT-Stahlröhren kennt. Im Unterschied zu den RFT-Röhren ist der Glaskörper aber am Kopf deutlich eckiger gehalten. Ebenso sind die Abmessungen unterschiedlich. Den Abschluß zum Sockel bildet dabei ein vernickelter? und etwa 1 cm hoher Metallkragen.

Eine solche Röhre habe ich irgendwo herumliegen. Falls ich sie finde, stelle ich gerne ein Bild davon ein.

Gruß, Paul Heußner
Jacob Roschy
Jacob Roschy
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28.Feb.05 08:12

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Hallo an die Runde,


Tungsram- Ersatz- Stahlröhren ohne Stahlkappe, wie  sie Herr Heußner beschreibt, finden Sie auf den Röhrenseiten bei EBF11 und EF11, jeweils unter "Mehr".


Auf den Bildern ist der Glaskolben an sich nicht erkennbar, da er mit einer schwarz gefärbten Metallisierung überzogen ist.

Jetzt wäre noch interessant, herauszufinden, was es mit den beiden Tungsram- Versionen auf sich hat. Warum diese beiden Versionen, zu welcher Zeit, an welchen Orten / Länder, etc.

Ich vermute, die halboffene Glasversion ist neuer. Sie ähneln etwa den 21er Locktal-Röhren und könnten daher in Pressglastechnik gefertigt sein, anders als die voll gekapselten Kolben, wo die Drähte nur aus Glaszapfen herausgeführt sind. Diese Technik war unzuverlässig und schwer zu beherrschen, wie über entsprechende Octal- Röhren in der sogenannten "Coronet-" oder "Stemles-" Technik geschrieben wurde.

 

Bei einer unschönen, aber noch funktionsfähigen ECH11 ließ sich der Metallkragen nicht entfernen, auch nach aufbördeln der Einkerbungen. Der Metallkragen scheint auch noch angekittet zu sein. Zerstören möchte ich die Röhre nicht.


@ Herrn Knoll: danke für die Info ! J

MfG JR

 

This article was edited 28.Feb.05 18:16 by Jacob Roschy .

Hans M. Knoll
Hans M. Knoll
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01.Mar.05 09:20

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Hallo  Herr Roschy, Herr Eckardt,

Im Radio -Magazin von 1950 im Heft 8 Seite 258 schreibt der Röhrenfachmann Fritz Kunze Zitat: Tungsram baute die Stahlröhre in Glaskolben, über den eine Metallkappe gestülpt war.
Als nach dem Krieg nur noch eine der zur Stahlröhrenherstellung notwendigen grossen Ringschweissmaschinen übriggeblieben war, gingen auch in Deutschland verschiedene Fabrikationswerkstätten dazu über, die Stahlröhren mit Glaskolben herzustellen.

(Telefunken-Ulm [mit dem Zusatz "g"] , Röhrenwerk Erfurt, Lorenz, Opta).

Hans M- Knoll

Nochmals an H. Roschy,

ich lese den Text so,  dass wenn jemand 1950 schrieb: "baute", dann meint er doch sicher nicht von 1945 bis 1950, wenn er dann weiter hinzusetzt: "Als nach dem Krieg......

Andererseits, habe ich ein ungarisches Datenbuch über Tungsram von 1944, dort sind Oktal, Locktal
und 5 bzw. 8 pol Aussenkontakt- Typen aufgeführt. Von 11erTypen nicht zu sehen.
 

Mit freundlichen Grüßen Knoll

 

This article was edited 01.Mar.05 09:29 by Hans M. Knoll .

Jacob Roschy
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06.Mar.05 17:55

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Hallo die Runde, speziell an Herrn Knoll.


 

 

Laut dieser Tungsram- Liste wurden also mindestens seit 1939 Tungsram- Stahlröhren geliefert, im Gegensatz zu Herrn Knolls Datenbuch. Allerdings ist das Bild wohl gelogen, denn es zeigt eine echte Stahlröhre, so wie von Telefunken geliefert. Dies ist sehr unwahrscheinlich, den sonst hätte es nicht die Glas- Stahlersatzröhren gegeben.

 


 

Leider habe ich an der moderneren Tungsram- Glas ECH11 doch wohl zu stark gedrückt oder gezogen, denn nach einigen Tagen verblasste das Getter. Nun stand nichts mehr im Wege, die Röhre komplett zu zerlegen.




Unter dem äußeren Metallkragen befand sich noch ein weiterer, der als Rand einer Bodenplatte dient, auf welcher der Pressglasboden ruht. Beide Metallkragen waren miteinander punktverschweißt, daher ließen sie sich nicht trennen.

 


 

In dieser Bodenplatte befinden sich Löcher, durch welche Glaszapfen mit den Zuleitungsdrähten laufen.

Hier wurde eine Anleihen an die Locktaltechnik gemacht, die nach Herrn Knolls Datenbuch schon mindestens seit 1944 von Tungsram beherrscht wurde. (Locktalröhre rechts zum Vergleich) 

 

Somit wäre es möglich, dass Tungsram diese Glas- Stahlröhren noch vor dem Erfurter Röhrenwerk geliefert hätte. Da dies bestimmt schon jemand gemerkt hätte, ist es eher unwahrscheinlich, ansonsten wäre es eine Sensation.

Vielmehr wird Tungsram nach der Ausgabe der Erfurter Glas- Stahlröhren auf diese Technik umgeschwenkt sein und die bisherige zerbrechliche "Coronet-" oder "Stemles-" Technik aufgegeben haben.

 

Als "Coronet-" Röhren bezeichnete die amerikanische Firma Arcturus ihre MG-  Glas- Stahlersatzröhren (Glaskolben in Metallhülle). Der Glaskolben hatte dabei erstmals keinen Quetschfuß, aber auch (noch) keinen Pressglasboden. Die Zuleitungsdrähte wurden durch Glaszapfen aus dem Röhrenboden herausgeführt, wie eben bei der wohl älteren Tungsram- Version.

 


 

Neotron in Frankreich übernahm dieses System unter dem Namen "Stemles", was auf den nicht vorhandenen Quetschfuß (Stem) hindeuten soll.


Diese Technik war jedoch mit hohem Ausschuss behaftet und verschwand daher nach Einführung der Pressglastechnik.

 

MfG JR

Hans M. Knoll
Hans M. Knoll
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07.Mar.05 15:25

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   9 Hallo Herr Roschy, hallo Herr Eckardt.

Zaehes Suchen und Nachdenken brachte endlich das hervor, was ich zwar wusste aber nicht mehr wo?  Die Quellenangabe war falsch bei mir.

Daher hier die Ueberaschung.

"Einige Typen im Tungsram Programm sind Glas_Metall"

  

Die Metallglasröhre.

Von den neuen Röhrenserien, die mit einheit-
lichen elektrischen "Werten in der gleichen äußeren
Form und mit gleicher Sockelung von allen deut-
schen Röhrenherstellern erzeugt werden, weisen
einige Typen der Tungsram-Röhren eine
interessante neuartige Bauweise auf. Äußerlich
gleichen diese Röhren den bekannten Stahlröhren;
sie teilen mit diesen auch die konstruktiven Vor-
teile, die durch den Entfall des Quetschfußes und
den stabilen horizontalen Systembau gekennzeich-
net sind. Die neuen Metallglasröhren sind
jedoch, wie schon der Name sagt, unter weitgehen-
der Verwendung von Glas als Werkstoff aufge-
baut. Die Zuleitungs- und Stützdrähte für die
Elektroden des Röhrensystems sind direkt in eine
Preßglasgrundplatte eingeschmolzen. Die
Einschmelzstellen sind längs eines Kreises ange-
ordnet, wobei ihre Aufteilung genau der Auftei-
lung der Sockelstifte des achtpoligen Röhrensockels
entspricht, so daß die Zuführungsdrähte auf dem
kürzesten Weg mit den Sockelstiften verlötet wer-
den können und gleichzeitig die Befestigung der
Röhre am Röhrensockel vermitteln. In der Mitte
der Glasgrundplatte ist ebenso wie bei den Stahl-
röhren der Pumpstutzen angebracht, der durch
den mittleren hohlen Bolzen des Röhrensockels
gegen Beschädigung geschützt ist.

Die ausschließliche Verwendung von Glas für
den Aufbau der eigentlichen Röhre ergibt sehr
geringe Kapazitäten zwischen den einzelnen Elek-
troden, so daß es, ebenso wie bei den Stahlröhren,
möglich ist, alle Anschlüsse an derselben Seite der
Röhre herauszuführen und am Röhrensockel an-
zuordnen. Durch die Anordnung des Gitter- und
Anodenanschlusses auf gegenüberliegenden Seiten
dies Röhrensockels ist von vornherein die Kapa-
zität zwischen diesen beiden Anschlüssen sehr ge-
ring. Sie wird noch weiter durch ein Abschirm-
blech an der Röhrenfassung vermindert, das in
gleicher Weise wie bei den Stahlröhren durch
einen Schlitz im Röhrensockel hindurchragt und
auch die Anschlußstifte mit ihren Zuführungs-
drähten gegeneinander abschirmt. Außerdem ist
die ganze Röhrenoberfläche noch mit einer geerde-
ten Metallbespritzung versehen. Zum Schutz gegen
mechanische Beschädigungen ist die Röhre noch
von einer am Röhrensockel befestigten Metall-
haube umgeben.

Wie schon eingangs erwähnt, werden in der be-
schriebenen Stahglasbauweise vorläufig nur einige
Röhren der Röhrenserie für die Rundfunkemp-
fänger des heurigen Jahres gebaut. Die Endröhren
und die Gleichrichterröhren von Tungsram wer-
den ebenso wie die entsprechenden Röhrentypen
der übrigen Hersteller nach wie vor als Glasröhren
mit Quetschfuß gebaut.

Die neuen Metallglasröhren können als eine sehr
gelungene Konstruktion bezeichnet werden. Die
Vermeidung des Quetschfußes ergibt, wie schon
vorhergehend erwähnt, einen sehr stabilen und sehr
kapazitätsarmen Systemaufbau bei geringer Bau-
höhe. Die ausschließliche Verwendung von Glas
als Werkstoff ermöglicht die Verwertung der Fa-
brikationserfahrungen und -einrichtungen für
Glasröhren, insbesondere bezüglich der Evaku-
ierung und der Getterung mit Hochfrequenz-
bombarder. Die neuen Metallglasröhren von Tungs-
ram reihen sich daher gleichzeitig den derzeit auf
dem Markt befindlichen Röhren an und stellen so-
mit einen wertvollen Beitrag für die Fortentwick-
lung im Röhrenbau dar.

Aus RADIO-AMATEUR

16.Jahrgang 1939 Heft 

September 1939 Seite 537 




Hier noch den Beleg woher die Daten sind.

Hans M. Knoll



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This article was edited 07.Mar.05 23:23 by Hans M. Knoll .

Jacob Roschy
Jacob Roschy
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07.Mar.05 21:02

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Hallo die Runde, speziell an Herrn Knoll,

danke für diese sehr interessante Information !


Nun wissen wir es: Glas- Stahlröhren mit Pressglasboden gab es von Tungsram schon lange vor allen anderen (Nachkriegs-) Versionen, dies schon 1939, also vor dem Krieg ! Erstaunlich ist, dass dies bisher keinem aufgefallen ist ! - Nun haben wir also die kleine Sensation !


Bei allen Diskussionen und Berichten der letzten Jahre wurde immer davon ausgegangen, dass die Glas- Stahlersatzröhren alle nach 1945 erschienen, als ein Mangel an Produktionskapazität für echte  Stahlröhren bestand, - so auch in den Beiträgen der Funkgeschichte.


Die Erfurter Glas-Stahlröhren waren demnach auch keine Pioniertat, wie bisher vermutet, man brauchte ja nur nachzubauen, was es woanders schon seit Jahren gab !


Erstaunlich ist, dass Tungsram diese Technik bereits nur wenige Monate später anwendete, nachdem Sylvaynia mit den Locktal- Röhren erstmals die Pressglastechnik in der zivilen Massenproduktion einsetzte und Philips mit seinen 21er Schlüsselröhren bis 1941 brauchte !



Nun muss ich auch meine Vermutung revidieren, die vollgekapselten Tungsram- Glas- Stahlersatzröhren (diese hier) wären noch in der älteren "Coronet-" Technik gefertigt gewesen, also zwar schon ohne Quetschfuß, aber auch noch ohne Pressglasboden.

 

MfG JR

  
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