EH284 - ein elektrostatischer Hörer um 1920?

ID: 718140
? EH284 - ein elektrostatischer Hörer um 1920? 
28.Mar.26 11:46
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Liebe Sammlerkollegen!

nach einiger vergeblicher Suche wende ich mich mit diesem Gerät an die Gemeinschaft.

Es handelt sich um einen elektrostatischen Telephonhörer bzw. Kopfhörer , einseitig mit Handgriff, Type E.H.284, keine Herstellerkennzeichnung. Das Gerät besteht aus Hartgummi, nicht aus Trolitul oder Bakelit.

Optik und Machart sprechen für Telefunken Deutschland und die Zeit um das Ende des Ersten Weltkriegs. Als da wären:

  • die Typennummer entspricht der Telefunken-Logik. Zahlreiche Typen von E.H.2 bis E.H.238 sind dokumentiert (Telefunken-Katalog 1919), später E.H.333 und E.H.555
  • auch diese anderen Hörer von TFK tragen vor der Rundfunkzeit keine Herstellerbezeichnung
  • die Anschlußschnur ist ein in Leder eingenähtes kapazitätsarmes Doppelkabel, wie bei TFK verwendet für die Koppelspulen der Wellenmesser K.W.61 u.ä.
  • die Form mit Griff und Aufhänger ähnelt dem Hörer des Zeitsignalempfängers E49
  • ausschließliche Verwendung von Hartgummi, auch für die Hörmuschel, keine synthetischen Kunststoffe - für die 20er wäre das veraltet (vgl. E.H.333)

Der Schallwandler ist kein magnetisches System, sondern besteht aus einer Metallmembrane auf der einen Seite, und einem zylindrischen Metallstück auf der anderen. Der Abstand kann von außen durch eine Schraube justiert werden. Ein rundes Glimmerblatt als Zwischenlage verhindert die Berührung der beiden Elemente - es war vermutlich mit Schellack auf den Metallzylinder aufgeklebt.

Mit einer Vorspannung von 250V= und einer NF-Spannung um die 10V~ gibt der Hörer eine erstaunlich gute Wiedergabe. Die Kapazität bewegt sich (einschließlich Kabel) im Bereich von 30pF bis 40pF, je nach Einstellung. Eine Verwendung als Mikrophon schließe ich wegen der fehlenden Abschirmung des Gerätes aus.

Elektrostatische Schallwandler waren schon seit 1900 bekannt (Stichwort "singing condenser"). Fessenden schlug bereits um 1906 einen elektrostatischen Kopfhörer als eine Möglichkeit zur Umsetzung des Heterodyne-Empfangs vor - auch ein elektrodynamisches Telephon mit Schwingspule und Feldspule, aber ohne Eisenkern sah er als geeignet. Das Prinzip des Kondensatormikrophons wurde grundsätzlich von Wente in seiner Arbeit von 1917 durchgearbeitet. Praktisch wurden von Triegon (Vogt/Engl/Masolle) bereits 1919 Kondensatormikrophone für ihre Tonfilm-Experimente eingesetzt. Diese wurden im Laufe der späten 20er und 30er Jahre zum Studio-Standard, jedenfalls im deutschsprachigen Raum.

Elektrostatische Telephone haben sich dagegen nicht durchgesetzt. Noch heute sind elektrostatische Kopfhörer eine seltene und zumeist hochpreisige Ausnahme (Produkte von Stax, Sennheiser "Orpheus", Jecklin Float Electrostat).

Wo konnte der E.H.284 eingesetzt worden sein? Welche zeitgenössische Anwendung war überhaupt möglich? Kennt jemand ähnliche Apparate?

Meine einzige Vermutung betrifft die Verwendung als Monitor beim Röhrensender. Eine Anschaltung an die Anode einer Modulationsröhre könnte geeignete Arbeitsbedingungen liefern. Ein Betrieb mit Aufwärts-Übertrager und separater Vorspannung ist technisch möglich (so habe ich es gemacht), erscheint aber unnötig kompliziert. Die Verwendung zur direkten Überlagerung muß ich noch ausprobieren, derzeit fehlt mir dazu ein zweiter Messender. 

Hat jemand eine Idee, oder einen Rechercheansatz?

Mit freundlichem Gruß,

Nikolaus Löwe

 

Anlagen:

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EH284 - ein elektrostatischer Hörer um 1920? 
01.Apr.26 14:15
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Wolfram Zylka (D)
Redakteur
Beiträge: 467
Wolfram Zylka

Grüße Sie Herr Löwe

 

Habe in dem Telefunken Buch „Stationen und Geräte von 1919“ nachgesehen.

Dort finden sich verschiedene „Telefone“

EH 2d, EH 77a, EH 105a, EH 141, EH 142 und EH201

Alle Modelle sind klassisch aufgebaut mit Wicklungswiderständen von 1000 bis 4000 Ohm

Einen Hinweis auf einen elektrostatischen Hörer konnte ich in diesem Buch nicht finden.

Somit konzentriert sich die Suche, wenn es sich um ein Modell aus dem Hause Siemens oder Telefunken handelt, auf einen Zeitraum nach 1919

Viel Erfolg bei Ihrer Recherche

Gruß

Wolfram Zylka

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Schwerhörigen-Gerät für Kirchen? 
03.Apr.26 06:57
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Ernst Erb (CH)
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Ernst Erb

Per Zufall bin ich auf diesen Beitrag gestossen. Das erinnert mich ganz an ein Schwerhörigen-Gerät in einer Kirche in Bern - vor 85 Jahren. Die hatten mich damals speziell interessiert, denn ich wurde dann getauft - mit meinen beiden ersten Brüdern nach mir zusammen ...

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