Ersatz von Balance-Potis
Ersatz von Balance-Potis
Bei der Restaurierung eines Hornyphon Souverän 61 (ein frühes Stereo-Gerät) war das Balance-Poti irreparabel defekt und musste ersetzt werden.
Überraschenderweise sind neue Balance-Potis (und auch andere Stereo-Potentiometer) nach wie vor gut erhältlich, aber meist nicht mit dem gewünschten Widerstandswert. Ich benötigte beispielsweise 2 MOhm, konnte aber maximal 500 kOhm finden. Ein gedankenloser Tausch gegen den zu niedrigen Wert hätte Auswirkungen auf das Klangverhalten, da der Poti-Gesamtwiderstand zusammen mit einem Koppelkondensator einen Hochpass bildet. Also sollte schon der korrekte Wert verwendet werden.
Etwas Recherche hat ergeben, dass Balance-Potis eine sogenannte MN-Taper Kennlinie haben. Dies bedeutet, dass in Mittelstellung beide Kanäle volles Signal haben, und beim Drehen in eine Richtung nur der entgegengesetzte Kanal leiser wird, der andere bleibt auf 100 %. Die Abregelung erfolgt normalerweise linear. Tatsächlich werden solche Balance-Potis aus gewöhnlichen Potis mit linearer Widerstandsbahn hergestellt, wobei ca. 55% der Schleifbahn gut-leitend beschichtet sind, um die beschriebene Charakteristik zu erzeugen. Das hat mich auf eine Idee gebracht.
Die Lösung ist nun folgende:
Zuerst wird ein vom Wert her an sich beliebiges Doppelpoti gekauft (die Auswahl der erhältlichen Werte ist nicht sehr groß, sodass der benötigte Wert ohnehin meist nicht erhältlich ist), Baugröße bzw. Achsdurchmesser sollte natürlich passend sein. Dazu passend werden zwei gewöhnliche, lineare Einfach-Potis aus der gleichen Baureihe bzw. vom gleichen Hersteller gekauft - hier ist die Auswahl an lieferbaren Werten deutlich größer. Der Wert dieser 2 Potis soll ungefähr das Doppelte des gewünschten Gesamtwertes sein. In meinem Fall waren 2 MOhm gewünscht, beschafft wurden daher 2 Potis mit 4,7 MOhm. Wenn man nun die halbe Schleifbahn leitfähig beschichtet, dann bleibt etwa die Hälfte, also 2,3 MOhm über, also nahezu der gewünschte Wert.
Dies wurde nun tatsächlich mit Erfolg umgesetzt. Die Präparierung der Widerstandsbahn erfolgt mit Silber-Leitlack, wobei hier ein zweifacher, reichlicher Auftrag notwendig ist, um eine durchgehend leitfähige Bahn zu erreichen. Der Leitlack wird ein kleines Stück über die Mitte hinausgehend aufgetragen, um sicherzustellen, dass in der Mittelstellung beide Kanäle 100% Signal haben und gleich laut sind, so wie das bei einem Balance-Poti sein soll.
Natürlich ist darauf zu achten, dass die Beschichtung auf dem Poti für links gegensinnig zu erfolgen hat wie für das rechte Poti!
Ich hatte zuerst Bedenken, wie es mit der Langzeitbeständigkeit des Leitlackes aussieht, wenn der Schleifer die ganze Zeit daran kratzt. Dazu ist zum ersten zu sagen, dass der Balance-Regler in der Praxis ohnehin nur wenig bedient wird. Zweitens, und noch wichtiger: Es macht überhaupt nichts, wenn die Leitlack-Schicht lokal vom Schleifer abgekratzt wird! Der Leitlack bleibt links und rechts in unmittelbarer Nähe des Schleifers intakt, das ist ausreichend.
Zuletzt erfolgt der Umbau: Das zu opfernde Doppelpoti wird vorsichtig geöffnet (Aufbiegen der Laschen) und die originalen Widerstandsbahnen werden gegen die präparierten getauscht, was problemlos möglich ist, da sie ja aus der gleichen Baureihe stammen. Danach Zusammenbau und Verschließen durch Zurückbiegen der Laschen - fertig.
Die Funktionskontrolle zeigt: Gesamtwiderstand zwischen Anfang und Ende 2,3 MOhm, perfekter Verlauf, wie gewünscht. Auch im Gerät einwandfreie Funktion.
Für diesen Post bedanken, weil hilfreich und/oder fachlich fundiert.