Ersatzröhre für's Kofferradio?

ID: 65754
Ersatzröhre für's Kofferradio? 
09.Sep.05 15:32
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Wolfgang Eckardt (D)
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Wolfgang Eckardt

Für einen "Koffer" sicher geeignet - für ein Radio wohl kaum, deshalb ist es bestimmt auch nicht erforderlich, diese russische Röhre (Made CCCP = SSSR)  UVB -  2B  , zu Deutsch GMI-2B,  im RM anzulegen. Mit 200 mm Durchmesser und 270 mm Bauhöhe ist sie aber nicht zu übesehen.

Ich möchte aber dieses schöne "Vitrinenstück" der Radiomuseum-Gemeinde nicht vorenthalten.
Ich habe keine genauen Daten, weiß nur, dass sie als Radar-Impuls-Senderöhre arbeitete - sicher mit einigen kW.

10 Tetroden sind über Ringleitungen einfach parallel geschaltet, am Kopf mit Pressluft gekühlt. Allein die 8mm-Anschluss-Stifte lassen einigen Stromfluss erahnen.
Hier noch ein Detail einer Tetrode. Man erkennt das Gitter 2, die Anode aus massivem Kupferblech und rechts die Ringleitungen.



Vielleicht hat sogar jemand die Werte dafür?
W.E.

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Radartechnik der NVA 
09.Sep.05 16:25

Michael Seiffert (D)
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Michael Seiffert

Hallo Herr Eckardt!

 Ich hatte während meiner Dienstzeit bei den Funktechnischen Truppen der NVA gleich mehrfach (Grundwehrdienst plus mehrere Reservedienste) das zweifelhafte Vergnügen, mit dergleichen Technik umzugehen. An den speziellen Röhrentyp kann ich mich nicht erinnern, auf der P12 war die Endröhre eine Scheibentriode (Meter-Bereich) und auf den Stationen im cm- Bereich wie zb die P40 oder der Höhenfinder PRW13 waren dann Magnetrons bzw. Amplitrons im Einsatz.
Ich habe da auch noch mehrere davon zu stehen als Erinnerungsstücke, deren Bilder ich beisteuern könnte.
Habe davon aber bisher abgesehen, da die Technik mit Radio ja nun wirklich nichts zu tun hat.
Wenn aber Interesse besteht, könnte man die Typen anlegen.
Kleiner Tip:
Die Homepage meiner ehemaligen Einheit beim FutB 3 in Leipzig:
http://www.nva-futt.de
Dort findet man viel über den Dienst und die Technik bei den Radartruppen der NVA. Auch reichlich Bildmaterial.
Übrigens sollte man bei Senderöhren großer Leistung nur neue ungelaufene in der Vitrine stehen haben, gebrauchte sind u.U. radioaktiver Sondermüll!

Grüsse!

M. Seiffert Anlagen:

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Röhre nicht radioaktiv! 
10.Sep.05 16:02

Wolfgang Eckardt (D)
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Wolfgang Eckardt

Ich möchte auf keinen Fall eine Diskussion über diese Röhre entfachen, zumal ihr genauer Verwendungszweck für Rundfunkzwecke nicht gegeben ist. Aber eines kann meiner Meinung nach nicht so auf Herrn Seifferts Antwort stehen bleiben:
Eine Röhre, die von Beginn ihres Einsatzes an nicht radioaktiv gestrahlt hat wird auch am Ende ihres Einsatzes nicht radioaktiv strahlen. Es ist eine Legende, dass z.B. Radarröhren nach Außerdienststellung plötzlich als radioaktive Strahler auftreten obwohl sie vorher nicht strahlten. Auch Röntgenröhren strahlen nach ihrem Einsatz nicht.
Lediglich Röhren mit Thorium in der Katode wirken als schwache Alpha-Strahler und das von Anfang an und diese Strahlung nimmt auch nicht zu (Thorium 232). Die Strahlungsdosis ist aber so gering, dass sie außerhalb des Glaskolbens kaum nachweisbar geschweige denn gefährlich ist. Dann wäre ja eine RE144 mit thorierter Katode ein gefährliches Objekt! 
Von bestimmten Spezialröhren, die durchaus radioaktiv nicht ungefährlich sind, ist hier nicht die Rede, sind mir auch nicht genügend Fakten bekannt.

Falls es noch jemand interessiert, Herr Jung hat einen Link gefunden, in dem die Daten der Röhre ersichtlich sind:
.....  russiantubes.com/prop.php?t=8&p=104
 
25V, 17,5A Heizung, Oxidkatode, halb-indirekt,  32 kV Anodenspannung, 0,9 kW Anoden-Verlustleistung, Impulsleistung bei 400kW.

Die Behauptung des Vorbesitzers der Röhre, sie stamme aus der Radartechnik, muss doch auch stark angezweifelt werden auf Grund ihres Aufbaues mit ziemlich großen Kapazitäten. Eine genaue Verwendung wird auf dieser Webseite auch nicht genannt - Impuls-Tetrode.

W.E.





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ГМИ-2Б und Radioaktivität 
10.Sep.05 17:08

Hans-Thomas Schmidt (D)
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Hans-Thomas Schmidt

Hallo Herr Eckardt und Herr Seifert,

die ГМИ-2Б (GMI-2B) war nicht radioaktiv.
Sie wurde als Impulsgeneratorröhre mit einer Anodenspannung von 36 kV bei 2 ms Impulsdauer verwendet. Die Anodenverlustleistung betrug 900 W. Eine Verwendung als Taströhre für das Impulsmagnetron (RADAR) wäre denkbar, aber etwas unzweckmässig. Das können Thyratrons besser. Ich halte eine Verwendung als Störsender wahrscheinlicher.

Übrigens gab (und gibt) es tatsächlich radioaktive Röhren in der RADAR-Technik. Das sind Sperrröhren (auch TR-, ATR-Röhren oder Nulloden). Deren Gasfüllung wurde aktviert, um die Zündspannung herabzusetzen und die schnelle Zündung zu erleichtern. Diese Röhren können kräftig strahlen. Das ist aber beileibe nicht bei allen Sperrröhren der Fall.

Gruß, Hans-Thomas

PS. Die ГМИ-2Б wurde angelegt.

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10.Sep.05 17:59

Michael Seiffert (D)
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Michael Seiffert

Meine Warnung hinsichtlich strahlender Senderöhren bezog sich auf ausdrückliche Belehrungen, die wir seinerzeit bei der NVA dazu erhalten hatten. Eine Probe auf´s Exempel habe ich nicht gemacht und habe es auch nicht vor. Ich habe ohnehin mit den Langzeitwirkungen meiner Tätigkeit damals zu kämpfen, ein Antrag auf Entschädigung wurde, wie bei so vielen, abgelehnt. Dabei ist es dem Körper relativ egal, ob Röntgenstrahlung oder radioaktive Strahlung, die Auswirkungen sind die gleichen! Aber das soll hier wirklich nicht das Thema sein.
Wenn die gebrauchten Teile nicht strahlen, um so besser! Ich lasse mich da gern belehren, wenn auch ein Rest Skepsis bleibt, wie war das noch mit dem gebrannten Kind?

In dem Sinne!

M. Seiffert

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10.Sep.05 18:50

Hans-Thomas Schmidt (D)
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Hans-Thomas Schmidt

Hallo Michael,

Skepsis ist durchaus angebracht.

Als ernsthafter Röhrensammler sollte man einen GM-Zähler haben, um radioaktive Röhren finden zu können.

Neben den üblichen Verdächtigen, wie Gasentladungsröhren kam mir sogar mal eine EL84 unter, die kräftig strahlte. Warum weiss ich nicht. Jedenfalls ließ ich sie gleich entsorgen.

Gruß, Hans-Thomas

PS. Übrigens strahlt eine ГМИ-2Б Röntgenstrahlung aus, wenn Sie mit Spannungen oberhalb von 10 kV betrieben wird, was ja der Fall ist.

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 7
 
10.Sep.05 19:10

Tobias Münzing (D)
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Tobias Münzing

Hallo Zusammen,

ich hätte da mal eine Frage:

wenn man jetzt eine Senderöhre hat und diese strahlt von sich aus,z.B. mit Radium Ra226 in der Kathode. Wo entsorgt man dann sowas? Sie einfach in den Hausmüll zu geben wäre ja äußerst sträflich, nicht nur für die Umwelt.

Mit freundlichen Grüßen

Tobias Münzing

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10.Sep.05 20:06

Hans-Thomas Schmidt (D)
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Hans-Thomas Schmidt

Hallo Herr Münzing,

normalerweise als Sondermüll.

Welche Senderöhre hat denn Ra226 und in welchen Mengen?

Ra226 hat eine Halbwertszeit von 1602 Jahren und kommt in Spuren in der Natur vor.

Gruß, H.-T. Schmidt

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11.Sep.05 14:58

Tobias Münzing (D)
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Tobias Münzing

Hallo Herr Schmidt,

ich habe mir mal von einem Mittglied eine solche Röhre zeigen lassen. Sie haben mich ins straucheln gebracht, ich meine sogar es könnte eine Glimmrelaisröhre sein.
Da bin ich mir jetzt nicht mehr ganz sicher. Aber es war Ra226. Das weiss ich ganz sicher.

Mit freundlichen Grüßen

Tobias Münzing

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Unerhört! 
11.Sep.05 21:51

Tobias Münzing (D)
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Tobias Münzing

So jetzt habe ich noch eine Frage zu dieser Cerberus-Röhre!

Könnte jemand vielleicht ein paar Nahaufnahmen davon machen? Um etwas über den Aufbau der Röhre zu erfahren?

Eine Frage an die Spezialisten: ist diese Röhre mit ihrer Strahlung lebensgefährlich?

Mit freundlichen Grüßen

Tobias Münzing

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Cerberus- Röhre SR3 
12.Sep.05 00:35

Alexander Küffer (CH)
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Alexander Küffer

Hallo zusammen, ich habe mal ein paar Cerberus Röhren mit einem Röntgenmessgerät gemessen.
Der Anzeigewert der Strahlung beträgt etwa 1mR/h. Durch die Verkkleinerung des Bildes ist es
leider etwas unscharf geworden.
Nur so zur Info.

PS: Ein Glühstrumpf von einer Gaslampe zeigt etwa gleich viel an. 




Gruss A.Küffer

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12.Sep.05 23:17

Hans-Thomas Schmidt (D)
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Hans-Thomas Schmidt

Hallo Herr Münzing,

um auf Ihre Frage zurückzukommen:

Diese strahlenden Röhren sind unmittelbar nicht lebensgefährlich. Sie sollten sie weder in großen Mengen, noch unterm Kopfkissen aufbewahren.
Für radioaktive Strahlung gilt, genauso wie bei Lichtwellen, die Stärke nimmt quadratisch mit der Entfernung zur Quelle ab. Allerdings gibt es keinen unteren Grenzwert für Radioaktivität, wo man sagen kann, dass sie ungefahrlich ist. Daher empfehle ich, solche Röhren besser nicht zu sammeln oder zu betreiben.

Zu dieser Diskussion im Allgemeinen:
Natürlich dürfen (und sollen) Sie weiterhin Fragen stellen. Auch einfache Fragen werden hier beantwortet. Diese sollten sie allerdings so präzise wie möglich stellen. Ich hoffe nicht, dass andere Mitlesende abgeschreckt werden, hier zu posten; sonst wird dieses Forum bald leblos sein. Durch manche Threads sind schon erstaunliche Dinge zutage getreten.
Auch für die Moderatoren ist es interessant, auf Fragen einzugehen, weil sie selbst fachlich und didaktisch nur dazulernen können.

Beste Grüße, H.-T. Schmidt

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Grössenvergleich 
13.Sep.05 01:14

Iven Müller (D)
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Iven Müller

Um bei der Röhre selbst zu bleiben:
Hier einmal der Vergleich der GMI2B zu einer EL84 um die Größe dieser Röhre zu verdeutlichen.

Ich bringe die Röhre auch mit RADAR-Technik in Zusammenhang.
Bei meinem Grundwehrdienst hatten wir ausschliesslich mit Radargeräten am Standort zu tun.
Dort fiel mir dann auch diese Röhre in die Hände...
War es eine Modulatorröhre der P14 ? Michael ?


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13.Sep.05 02:45

Michael Seiffert (D)
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Michael Seiffert

Hallo Iven!

Ich kann mich an den Typ nicht erinnern, wir hatten zu meiner Zeit aber auch keine P14 bei uns in Dienst in Leipzig/Breitenfeld. Angefangen habe ich auf der P12 und P15, kurzzeitig auf dem" Monster" OBORONA in Gleina zum DHS-Lehrgang. Bei den Reservediensten waren es dann die P40 und P18. Als Höhenfinder hatten wir den PRW13 und 16.  Da war sie nach meiner Erinnerung auch nicht drin.
Ich habe schon mal ein wenig gegoogelt, aber ohne Erfolg.

Grüsse!
Michael

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