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Fernsehsender Zelená hora bei Cheb

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Wolfgang Lill
Wolfgang Lill
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15.Jul.19 20:48

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Eine recht interessante Geschichte hat Herr Strassmann aus der Historie des tschechisch- slowakischen Fernsehens herausgefischt. Diese möchte ich den Lesern des Radiomuseums und allen anderen fernsehgeschichtlich Interessierten nicht vorenthalten.

Hmmm… Also… Um Klarheit zu schaffen: Die beiden Türme auf dem Klínovec (Keilberg) bei Jáchymov (Sankt Joachimsthal) im Erzgebirge und auf der (!) Zelená hora (Grünberg) bei Cheb (Eger) im Fichtelgebirge (Smrčiny) sind beide in den 1960er Jahren entstanden.

Der Turm auf der Zelená hora wird ab 1966 gebaut und sendet schon VOR 1973 Fernsehen. Der erste Fernsehsender wird dort am 3.Januar 1970 aufgeschaltet. Er arbeitet im VHF-Kanal 8 mit einer maximalen Strahlungsleistung von 300 Watt. Um Störungen mit dem im selben Kanal aktiven Fernsehsender Karl-Marx-Stadt auf ein erträgliches Maß zu beschränken, darf die Zelená hora in Richtung Nordosten nur mit lächerlichen 0,2 Watt senden. 0,2 Watt! Damit ist natürlich nie und nimmer auch nur annähernd eine anständige Fernsehversorgung der Gegend rund um Cheb hinzubekommen. Und so ist die Zelená hora im Kanal 8 nur im Stadtgebiet von Cheb und im nahen Franzensbad (Františkovy Lázně) zu empfangen. Deswegen gibt es jahrelang erboste Proteste, warum man in der nordwestlichsten Ecke der ČSSR ausgerechnet das klassenfeindliche Fernsehen aus der Bundesrepublik (Ochsenkopf, Kanal 4, 100 kW ERP) mit einem Bombensignal empfangen kann, das heimische tschechoslowakische aber nur mit Mühe und Not und mit Ach und Krach.

Am 20.Dezember 1973 wird auf der Zelená hora für das noch neue zweite Programm von Československá televize (Sendestart: 10.Mai 1970) ein starker Fernsehsender im UHF-Frequenzbereich (Kanal 36, 100 kW ERP) in Betrieb genommen. Dadurch kommt es zum Paradox, dass im Großraum Cheb das zweite Fernsehprogramm besser zu empfangen ist als das ja doch viel ältere und auch deutlich populärere erste Programm (Sendestart: 1.Mai 1953). Dazu kommt, dass das zweite Fernsehprogramm damals längst noch nicht jeden Tag auf Sendung ist und lange noch kein Vollprogramm.

Obwohl sämtliche Hochleistungssender des ersten Programms alle im VHF-Frequenzbereich (Kanal 1 bis 12) arbeiten sollen, wird auf der Zelená hora notgedrungen ein zweiter Hochleistungssender im UHF-Frequenzbereich aufgeschaltet, der ab 29.Dezember 1976 im Kanal 26 das erste Fernsehprogramm mit 100 kW ERP verbreitet. Damit kommen endlich auch die Fernsehzuschauer im westlichsten Egerland in den Genuss des heimischen ersten Fernsehprogramms in annehmbarer Bild- und Tonqualität. Diese Frequenzposition (Kanal 26) wurde vorher vom Standort Aš (Asch) ins nahe Cheb (Eger) umkoordiniert. Tatsächlich war auf dem Háj (Hainberg, 758 m. N.N.) für das zweite Fernsehprogramm ein UHF-Sender hoher Leistung (100 kW ERP) im Kanal 26 geplant; dieser Sender im nordwestlichsten Ausläufer der ČSSR, eingeklemmt zwischen der BRD im Westen und der DDR im Osten, hätte mühelos das gesamte bayerische und sächsische Vogtland mitversorgt!

Nicht nur beim Fernsehempfang, auch beim UKW-Hörfunk war der äußerste Nordwesten Böhmens, die Gegend um Aš (Asch) und Cheb (Eger) jahrzehntelang ganz einfach Notstandsgebiet. Bayerische (Ochsenkopf, Hof/Großer Waldstein) und sächsische UKW-Sender (Karl-Marx-Stadt) waren dort mühelos zu hören. Vorausgesetzt man hatte ein UKW-Radio mit Empfang nach CCIR-Norm. Der nächstgelegene heimische UKW-Sender Plzeň-Krašov (Pilsen-Krasch, 30 kW ERP) – OIRT-Norm mit „Hvězda“ auf 67,34 MHz, mit „Praha“ auf 69,56 MHz und mit „Vltava“ auf 70,34 MHz – war so gut wie nicht zu empfangen. Und die heimischen Lang- und Mittelwellensender (Topolná 272 KHz, Liblice 639 kHz oder Stará Role 1233 kHz) haben auch kein zufriedenstellendes Signal geliefert. Kein Wunder also, dass einer der ersten tschechoslowakischen UKW-Sender der CCIR-Norm gerade hier auf der Zelená hora bei Cheb aufgeschaltet wurde. Im Frühjahr 1987. Auf 97,6 MHz mit „Hvězda“ nur in mono zwar - aber immerhin. 

Weil die Zelená hora (Grünberg, 637 m. N.N.) viel zu tief liegt, um die Gegend großräumig vernünftig zu versorgen, wurden viele UKW-Sender von dort längst auf den deutlich höheren Dyleň (Tillenberg, 940 m. N.N.) verlegt. Vorher war der Berggipfel militärisch gesperrt.  Das war nach der politischen Wende 1989/1990 plötzlich anders…

alle 4 Farbbilder bereitgestellt von Jiří Pecher, vojensko.cz    Ansicht im Jahre 2005

Die analogen Fernsehsender auf der Zelená hora sind längst alle abgeschaltet. Als erstes wurde „ČT 2“ im Kanal 36 abgeschaltet, am 30.Oktober 2008. „ČT 1“ im Kanal 53 und „Nova“ im Kanal 26 wurden ein Jahr später, am 30.Oktober 2009,  abgeschaltet.

Ansicht im Jahre 2005

Die digitalen Multiplexe (DVB-T) wurden wie folgt aufgeschaltet: Multiplex 1 im Kanal 36 (ČT, ČRo) am 31.Oktober 2008 und Multiplex 2 im Kanal 35 (Nova, Prima, Barrandov) am 30.April 2009. Die Strahlungsleistung beläuft sich auf 20 kW ERP.

Ansicht im Jahre 2005

Um den Zuschauern den Übergang auf die neue Norm DVB-T2 zu erleichtern, arbeiten auf der Zelená hora zur Zeit noch übergangsweise DVB-T2-Sender im Kanal 26 (ČT) und Kanal 31 (Nova, Prima, Barrandov)

Sendeanlagen Zelena Hora 70iger Jahre , Bilder sprava radiokomunikaci Praha 

Dieses Bild ist aus dem Jahre 2008

This article was edited 24.Jul.19 11:56 by Wolfgang Lill .

  
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