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Funksendestelle Golm (Potsdam) die Geschichte

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Forum » Radio- and technical History » Decades of broadcasting » Funksendestelle Golm (Potsdam) die Geschichte
           
Wolfgang Lill
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11.Jul.18 20:15
 
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Wir schreiben den März 1946. Berlin ist zerstört, auch das Umfeld. Eine der wichtigsten Aufgaben ist die Schaffung von Informationsmöglichkeiten für die örtliche Bevölkerung.

Die wichtigste Aufgabe kommt da dem Rundfunk zu. 

Für den künftigen Mittelwellensender des Landes Brandenburg in der sowjetischen Besatzungszone wurde in Golm bei Potsdam ein etwa 32000 m2 großes Gelände ausgewählt und der Oberpostdirektion zur Entscheidung vorgeschlagen.

Hier, auf dem Territorium einer früheren Feldmeisterschule des faschistischen Reichsarbeitsdienstes  (RAD), welches zum damaligen Zeitpunkt auch teilweise noch von einer Einheit der Sowjetischen Truppen genutzt wurde, sollte in den Folgejahren eine Mittelwellensenderanlage mittlerer Leistung errichtet werden. 

Leider ist die Genehmigung der Sowjetischen Militär- Administration vom 28.08.1946 nicht besser auffindbar. Dies ist jedoch damals das wichtigste Dokument. Ohne  die Sowjetische MA läuft  im Jahre 1946, also ein Jahr nach Ende des furchtbaren 2. Weltkrieges, nichts !

Fachkräfte waren natürlich gefragt und selbst 1946 schwer zu bekommen. Für drei  wichtige Mitarbeiter wurden Dienstwohnungen auf dem Gelände bereitgestellt, welche die Kollegen allerdings auch selbst reparieren mussten.

Am 20.Juni 1946 wurde in der Oberpostdirektion Potsdam , Standort; "Am Kanal" die erste Ausbaustufe eines künftigen Netzes von Mittelwellensendern, ein Sender kleiner Leistung, in Betrieb genommen. ( ein ehemaliger Lorenz Langwellensender der Marine aus der Wehrmachts- Warnfunkstelle Deetz).

Foto: privat

Er sendete auf Mittelwelle 564 KHz. Sein Programm  beginnt am 20.Juni 1946 um 6,20 Uhr . 

Damals stand als Sender ein 1,5 KW- Strahler mit einer modulierten Trägerleistung von 400 Watt zur Verfügung sowie ein Drahtfunksender, welcher sich im Gebäude der Potsdamer Hauptpost befand. 

Am 22.Juni 1946 gibt es schon den nächsten Erfolg, das neue Studio vom Landessender Potsdam an der Kapellenbergstraße 4 in Potsdam wird feierlich eröffnet.

Am 14.01.1947 beginnt man in Reichenbach ( Sender Reichenbach bei Görlitz) mit der Demontage des 4-stufigen 8- KW Senders Baujahr 1937 Fabrikat Telefunken.

radiomuseum.org/forum/rundfunksender_reichenbach_oberlausitz.html

Dieser wurde durch sowjetische Armeeangehörige nach Berlin (Westsektor ) zur Fa. Telefunken transportiert.

Am 10.01.1947 wurde vertraglich mit der Fa. Telefunken die Lieferung und Montage eines 20 KW Mittelwellensenders unter Verwendung von Teilen des in Reichenbach abgebauten Telefunkensenders vereinbart. Wertumfang 350 000 Reichsmark !

Im Februar 1947 teilte jedoch Telefunken mit, das nach gründlicher Prüfung die Übernahme von Teilen des Reichenbacher Senders nicht empfohlen werden kann, der neu gebaute 20 KW Sender würde nicht teurer, wie der unter Einbau von Altteilen.

Ob dann der Reichenbacher Sender irgendwo anders wieder genutzt wurde, dies konnte ich noch nicht ermitteln. Für Hinweise wäre ich sehr dankbar.

Im Mai 1947 baut die Westberliner Firma Hein, Lehmann & Co die beiden Türme in der früheren Sendestelle des Wolffschen Telegrafenbüros in Rehmate ( Zehlendorf) ab ( amerikanische Pechkiefer). Um den Sendemast in Golm bauen zu können mussten weitere 50 m3 Pechkiefernholz beschafft werden.  Weiteres erforderliches Material wurde vom ehemaligen Kurzwellensenderstandort bei Nauen besorgt.

Zwei der nicht demontierten Antennenträger lieferten das Baumaterial für den 98 m  Meter hohen Sendeturm des Senders Golm

Im Mai 1947 wird ein Aufbaustab gebildet mit Oberpostrat Ing. Wilhelm Hahn sowie dem Funk- Ingenieur Günther Andreas . Er wird auch der erste Sendeleiter in Golm. 

1947 /48 waren ständig 90 bis 110 Arbeitskräfte auf der Baustelle , die Baracke Nr. 20 wurde für  den Einbau des Senders vorbereitet und die Firma Heyne und Seyffart stellte im Juli  das Fundament für den Sendemast her. 

Im August beginnen der Bau eines sendereigenen Trafohauses durch die Berliner Baufirma Voigt und Häffner. Der Energieversorgungsbetrieb Potsdam verlegt 400 m Erdkabel 20 KV, 35 mm2 vom Trafohaus Kuhforter Damm aus.  Die Hochspannungstrennschalter konnte man von der ehemaligen Wehrmachtsfunkstelle Deetz beschaffen.

Im Februar 1948 wird im Dieselhaus eine sogenannte Netzersatzanlage aufgebaut. Daran arbeiteten Monteure der Westberliner Firma AEG .- Bei der Netzersatzanlage handelte es sich um ein 400 V- Diesel- Notstromaggregat mit einer Leistung von 150 KW, welches aus der ehemaligen militärischen Wetterdienstfunkstelle des Oberbefehlshabers der Luftwaffe in Deetz /Havel stammte.

Auf Befehl der SMAD ( sowjetische Militäradministration ) war es im Frühjahr 1947 demontiert worden. Motor und Generator waren im Sommer 1947 getrennt nach Golm geliefert  und diese sind dann bis zur Montage eingelagert gewesen.

Am 11.September 1947 begannen Spezialisten der Firma Telefunken mit dem Aufbau des 20 KW- Senders . Innerhalb der Turmfundamente ( siehe obige Zeichnung) wurde durch die Fa. Schulz aus  Eiche bei Potsdam das Antennenhaus errichtet.

Inzwischen entwickelten sich die Kosten für das Gesamtvorhaben auf 500000 RM ( Reichsmark) , davon waren im Januar 1948 bereits 160000 RM für den Sender und 45000 RM für die Sendermontage bezahlt. Auch die anderen Kosten waren erheblich angefallen, der 98 m hohe Sendeturm , war bis auf zwei Podeste in 45 m und  92 m Höhe fertig und obwohl viel Gebrauchtmaterial verwendet wurde, schlugen sich auch hier die Kosten mit 56000 RM nieder. 

Am 16.04.1948  zwischen 2,15 Uhr und 5,30 Uhr erfolgten die ersten Versuchssendungen auf 656 KHz  zum Zwecke von Abstimmungen der Antenne und Messungen.  Anschließend erfolgte acht Stunden der Betrieb mit einer künstlichen Antenne.

Am 1.Mai 1948 war es dann soweit. Der Mittelwellensender Golm ( Potsdam) wurde als Landessender Potsdam offiziell in Betrieb genommen.  

Eine Episode am Rande; am Tage der Inbetriebnahme verließ der diensthabende Tontechniker  des Funkhauses in Potsdam seinen Arbeitsplatz und setzte sich nach Westberlin ab, wo er bereits einen Vertrag beim RIAS hatte.

Mit der Inbetriebnahme des 20 KW- Senders wurde die Wirksamkeit der Rundfunkarbeit wesentlich besser, er war in etwa 100 Km Umkreis gut zu empfangen ! aber dazu später....

Aus dem Gelände wurde ein weiterer Sender aufgebaut. Es war ein sogenannter Wetterdienstsender . Man arbeitete daran parallel, aus diesem Protokoll ersieht man sehr schön Daten und Arbeitsstand:

Im Jahre 1948 sind an den Anlagen in Golm insgesamt 23 Mitarbeiter beschäftigt. , davon 1 Leiter, 1 Betriebsingenieur, 2 Techniker , 1 Antennenwart und 18 sonstige Mitarbeiter.      

Um noch einmal zum eigentlichen Sender zurückzukommen;

Es ist eine Nachkriegesentwicklung der Fa. Telefunken; ein druckluftgekühlter dreistufiger Sender mit Anodenspannungs- B- Modulation der im Frequenzbereich 545 bis 1500 KHz einsetzbar war.

 Der Reservesender  vom "Am Kanal" wird im August 1948 nach Golm umgesetzt. ..und er muss mehrfach einspringen, wenn der 20 KW- Sender ausfällt.

Am 16.12.1948 werden die Antennenanlagen der Funkstelle Tegel ( Westberlin) gesprengt. Der Berliner Rundfunk auf 841 KHz war damit ohne Sender.

Gegen 14,00 Uhr an diesem Tage wurde der 1,5 KW- Reservesender mit Programmausstrahlung auf 564 KHz hochgefahren und der 20 KW Sender startete am ca 22,00 Uhr mit dem Programm des Berliner Rundfunks, inzwischen umgestimmt auf 841 KHz ( allerdings mit nicht optimaler Leistung, diese soll etwa 8 KW betragen haben).

Probleme begannen auch nach der Währungsreform. Diese war zunächst in Westberlin nicht durchgeführt wurden, dann nur teilweise, jedoch ab 20.03.1949 war das alleinige Zahlungmittel die DM in Westberlin !

Weitere Mitarbeiter werden am Senderstandort einquartiert:

Was mich an diesem Dokument besonders interessiert, das sind die Stempel. Da hatte jede Dienststelle ihre eigenen, eine schöne Erinnerung an diese Zeit. 

Nach dieser Feuertaufe mit der Ausstrahlung des Berliner Rundfunks kommt eine neue Überraschung. Die Sendepausen fallen ab August 1950 weg. In diesen Zeiten wird das Programm des Senders Wolga ausgestrahlt. Dafür stellte allerdings die Sowjetunion die für ihr Land koordinierte Frequenz 575 KHz zur Verfügung.

Nun ist ein deutsch- sowjetischer Freundschaftssender daraus geworden . Instandhaltung ab sofort von 01.00 Uhr bis 05,00 Uhr nachts. 

Interessant ist ein Situationsbericht eines Kollegen der als Antennenwart in den 50iger Jahren dort arbeitete: (Kurzfassung) :

Die Dienststelle der Post suchte Arbeitskräfte, Als 25 jähriger junger Mann hatte ich zwar gute Kenntnisse in der Landwirtschaft, jedoch keine Ahnung von Sendetechnik. Die Arbeitsbedingungen in dem alten "Arbeitsdienstlager" waren besonders an Sommertagen schlecht. Die Gebläse für die Luftkühlung der Senderöhren dröhnte belastend.

Anfangs gab es fast täglich mehrere Stunden geplante und auch etliche unvorhergesehene Stromausfälle. Bei Ausfall des Stromes starteten wir noch per Hand das Notstromaggregat mit 100 KW Leistung und einem U-Boot- Diesel mit 150 Ps als Antriebsmaschine. Aus völlig artffremden Berufen kommend, lernte nicht nur ich sondern auch die anderen Kollegen  die Praxis meistern.

Der Lohn war sehr gering. Als Antennenwart erhielt ich ein monatliches Bruttogehalt von 340 Ostmark. .Da blieb nach den Abzügen SV, Rente und Steuern nicht mehr viel übrig. Einige Kollegen warfen das Handtuch und gingen nach Westberlin. Die Golmer Sendeanlage war auch aus vielen gebrauchten Teilen aufgebaut worden , Ersatzteile und Material waren teilweise kaum noch zu bekommen.Durch die Verschlechterung der politischen Lage brachen die Kontakte zu Spezialfirmen der Elektrotechnik, wie Telefunken, in Westberlin weg. 

Die DDR- Betriebe waren damals oft noch nicht in der Lage, Röhren oder Bauelemente mit gleichen technischen Parametern zu liefern. Um den Sendebetrieb zu sichern, holte ein Mitarbeiter die letzten Senderöhren für die Endstufe  per S-Bahn aus Berlin- West.  Als die Lieferungen ganz  ausblieben und der illegale Transport immer schwieriger wurde, schaltete man in der Hochfrequenz - ( HF ) und Niederfrequenz- Endstufe (NF)  je acht Röhren mit kleinerer Leistung parallel. . Die Röhren waren auf einem Gestell vor der jeweiligen Senderstufe aufgebaut.   Anfang der 60iger Jahre  waren die Röhren SRS502, welche in der HF- Stufe IV eingebaut waren, sehr störanfällig.  Fast täglich kam es zu Ausfällen.  Warnanlagen hatten wir nicht. Die zwei Röhren waren aber im hinteren Teil des Einschubes installiert. Um sie besser vom Schaltpult aus beobachten zu können, wurde hinter der Stufe ein Spiegel angebracht.  Nun konnte man zeitiger feststellen , wenn die Röhren bei Kurzschluß zu glühen anfingen und entsprechende Vorbereitungen für den Austausch treffen. 

Der Austausch Betriebs- gegen Ersatzstufe brachte kürzere Ausfallzeiten. Diese lag im Normalfall bei etwa 30 Sekunden. Diese Zeit versuchte man natürlich noch zu verkürzen - Da die Stufe sehr schwer war, mussten zwei Kollegen anfassen , um diese zu tauschen.  Wenn kein zweiter Mann da war, gingen  die Röhren einzeln zu wechseln. Das nahm natürlich viel mehr Zeit  in Anspruch, der Sender musste deswegen runtergefahren werden,Erdschalter einlegen, Röhre aus- und einbauen, Sender wieder hochfahren.

Nachts, zwischen Programmschluß und Programmstart wurde der Wartungsplan  sowie Mess- und Pflegearbeiten ausgeführt. Nach dem Abschalten der Sendeanlage wurde diese geerdet und sofort eine Kontrolle der Bauteile auf Erwärmung durchgeführt. Gleich am Eingang ein Regeltrafo etwa 500 Kg schwer, der für die Einhaltung der geforderten Betriebsspannungen sorgte. zum Beispiel bei den Endröhren SRL 314; 5,3 Volt Heizspannung und 7000 Volt Anodenspannung. Die Siebkondensatoren des 7- KV Gleichrichters sahen wie eine riesige Batterie aus. 

(Bild schon vom Abriss 1993 )

Die dazugehörige Drossel war aus fingerdickem Kupferdraht gewickelt.Die Spulen zur Abstimmung der HF- Endstufe stammten von einem 100 KW- Sender und fielen im Vergleich zu anderen Bauteilen sehr groß aus.Man musste beim Aufbau alles nehmen , was eben noch verfügbar war.                                  Die Plattenkondensatoren - Batterien wirkten wie Teller , welche man zum Trocknen aufgestellt hat. Ein extra Einschub im Steuersenderschrank war für die Quarzstufe bestimmt. Diese diente zur genauen Einhaltung der Betriebsfreqeuenz im Sendebetrieb. Im Sendebetrieb waren geringe Sendeabweichungen erlaubt, es musste jedoch per Hand nachgestimmt werden. Zur Kontrolle der Trägerfrequenz wurden täglich Messungen von der Frequenzmeßstelle Radicon Beelitz durchgeführt.

Trotz der alten Technik erreichten wir immer eine gute Einhaltung der Betriebsparameter und waren bestrebt , durch Verbesserung der Technik die Ausfallzeiten auf ein Minimum zu senken.

In der gesamten Betriebszeit haben die Mitarbeiter die Sendeanlage vom Eingang bis zum Ausgang  in Eigenleistung überholt und neue bzw wieder reparierte Teile  eingebaut. Es war eine Meisterleistung im Jahre 1948 den Sender in Betrieb zunehmen und dann im laufenden Betrieb diese Anlage ständig zu erneuern und zu verbessern.

Was die Sendeleistung angeht, so war der Sender im ganzen Bezirk Potsdam zu empfangen. Eine Zuschrift erreichte die Miarbeiter aus Norwegen. Der Hörer schrieb, das er häufig das Frühprogramm des Senders empfangen kann und das sogar in guter Qualiät

Einen Lageplan aus dem Jahre 1958 haben wir gefunden, der übersichtlich die Anordnung der Gebäude und sendetechnischen Anlagen   sowie Rettungseinrichtungen aufzeigt.

Lageplan aus dem Jahre 1958

Ein Foto von der Belegschaft 1965

Ausbreitungskarte des Senders Golm ( Berliner Rundfunk, ab 1962 wurde auch die Berliner Welle stundenweise auf dieser Frequenz abgestrahlt ) Mittelwelle 656 KHz

Hier sehen wir eine Ausbreitungskarte vom 31.12.1966, die Gebiete wo der Sender am Tage und in der Nacht unter normalen Bedingungen zu empfangen war. In der Tagesversorgung konnte man den Sender auch in Cottbus im Südosten, sogar in Wolfsburg im Westen, in Schwerin,   Nordwesten und Neubrandenburg, Nordosten  empfangen. 

Die Nachtversorgung beschränkte sich auf den Großraum Berlin und Potsdam . 

Blick zum Holzturm mit 98 m Höhe war er einer der höchsten Europas und mit seinem rot- weißen Anstrich weithin sichtbar, ein Wahrzeichen der Gemeinde GOLM. Aber auch das südamerikanische  Pechkiefernholz hat kein ewiges Leben, der Mast ist in die Jahre gekommen und  die Technische Überwachung musste wohl oder übel den Abriss verfügen.

Noch steht er, eine der seltenen Farbaufnahmen vom alten Mast. 

Am Nachmittag des 25.Oktober 1979 war es dann soweit, mit einer gezielten Sprengung wurde er umgelegt.

Turmreste


Auch ein 5 KW Ersatzsender Typ SM5, umgesetzt von Weida, konnte ab 3.Juli 1973 hier eingesetzt werden.  Daneben soll ( da habe ich aber keine sichere Info ) der fahrbare 2 KW Ersatzsender noch im Gelände betriebsbereit zur Verfügung gewesen sein.

Inzwischen waren bereits zwei 51 m hohe Stahlkonstruktionen als Betriebs- und Reserveantenne errichtet worden.  Man konnte also zwei oder gar drei Programme auch mit den vorhandenen Reserveantennen ausstrahlen.

Ein einziges Foto, wo man die beiden neuen Stahlgittermasten zusammen sehen kann.

                                       Am Antennenhaus Mastfuß

Im Jahre 1978 wird quarzstabilisiert die Frequenz 603 KHz ( Radio DDR 1) mit dem alten 20 KW Sender (effektiv soll er damals noch 18 KW bringen)  für diesen Standort vorgegeben. 

Die Modulationsversorgung erfolgte übrigens über das aus Berlin kommende Rundfunkkabel RQ105.  Zuvor Ballempfang des Programmes vom Berliner Fernsehturm über UKW.

Am 6.12.1979 beginnen die Überholungsarbeiten am 20 KW Telefunkensender. Ein neuer, darauf hatten viele in Golm gehofft, war für diesen Standort nicht bestätigt worden.

Dafür kam nach Königswusterhausen ein neuer Tesla Sender, Inbetriebnahme am 27.11.1987 und Golm wurde offiziell dessen Reservesender. Auch das Regionalprogramm Potsdam wird vormittags von Golm bis zum 19.03.1990 noch auf MW ausgestrahlt. In der Wendezeit in  der DDR wird  von Golm noch  Radio DDR und der Berliner Rundfunk stundenweise abgestrahlt und das mit dem 20 KW Telefunkensender !

Ab 1.8.1990 überträgt der Sender Radio aktuell.  Am 06.Juni 1991 stellt die Funkübertragungsstelle Golm den Betrieb ein.  

Hier nochmal ein Fotoserie vom Ortschronisten Herrn Günter Grützner. GOLM ist Geschichte. 

Ein Mast wird noch genutzt um Mobilfunkantennen zu betreiben, ansonsten geht es nun um Abbau vorhandener Technik .

Das Ziel, ein Museum einzurichten, wird von den zuständigen Verwaltungen nicht bestätigt.

GOLM danach:

Auf Wiedersehen GOLM. Zeigte doch dieser Standort, wo die Investitionen sehr sehr sparsam waren., aber welcher für den Großberliner Raum nicht unwichtig war und auch für das Land Brandenburg, das die Kollegen mit viel Initiative und persönlichem Einsatz  den Standort am Leben hielten . Dafür wollen wir allen GOLMERN hier ein kleines Denkmal setzen.  ( Foto von einem Brigadeausflug

 

 

Ich bedanke mich für die Bereitstellung von Unterlagen beim Ortschronisten von GOLM Herrn Günter Grützner   und bei Radio Oberlausitz International für viele weitere Informationen und FOTOS.

 

This article was edited 28.Jul.18 14:30 by Wolfgang Lill .

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18.Jul.18 19:20

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Herr Andre Bräutigam, Geschäftsführer von Radio Oberlausitz International schreibt mir ergänzend zum Röhrenproblem in Golm bzw der DDR:

In den letzten Jahren der Rundfunksendestelle Golm wurde in der HF-Leistungsendstufe die Senderöhre SRL314 eingesetzt.

Die SRL314 wurde im Werk für Fernsehelektronik Berlin im Zeitraum 1959 - 1961 entwickelt und hergestellt und ist für den

luft- oder wassergekühlten Einsatz konzipiert.  Nach 1961 erfolgten einige Revisionen zwecks Erhöhung Betriebsdauer und Spitzenbelastbarkeit (thermische Verluste bei Anodenspannungsmodulation) und Minimierung der Verlustleistung.

In der Funksendestelle Golm wurde die SRL314 im Verlaufe der 1960er-Jahre eingesetzt und durch forcierte Luftströmung zwangsgekühlt, so daß nur eine Anodenspannung von 7 KV angelegt werden konnte, um die thermische Belastung zu begrenzen.  

Der Einsatz einer eigenentwickelten Senderöhre vom Typ SRL314 war nach dem Mauerbau erforderlich geworden, da zum einen das Embargo gegen die DDR und die Beschaffung von Ersatzteilen für Telefunkensender fast unmöglich und zu kostenintensiv wurde.  Seit der Währungsreform in den westlichen Besatzungszonen, war eine Beschaffung von Senderkomponenten für  Telefunken-Sender in der SBZ (Sowjetischen Besatzungszone) sehr kostspielig geworden.

Der Sendebetrieb, der in der DDR eigenentwickelten Senderöhre SRL314, durch Wasserkühlung mit Wärmetauscher, destilliertem Wassereinsatz und dem Betrieb einer Wasserdestille, wäre in Golm bezüglich Platzverhältnis und Kosten zu aufwendig gewesen.

Daher entschied man sich für eine Zwangsluftkühlung bei einer Anodenspannung von 7 KV und einem Anodenstrom von 2,8 A. Dadurch erreichte die SRL314 eine Leistung von 19,6 KW.

Der Kühlluftstrom betrug etwa 5 Kubikmeter pro Minute bei maximalem Temperaturaustritt von 140°C.

 

Herr Bräutigam hat zu diesem Sender noch ein Video erstellt und bei you tube ist es zu sehen:

youtube.com/watch?v=D6PwHsR4Kfs

This article was edited 19.Jul.18 17:02 by Wolfgang Lill .

  
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