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Goldstreifen am Gehäuse erneuern?!

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Werner Kassenbrock
Werner Kassenbrock
 
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04.Jul.04 11:22

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Wer kennt das Problem nicht: Geräte (vorwiegend der 50er Jahre) haben oft oben und unten einfache oder doppelte Goldstreifen. Eike Grund schlägt vor, diese bei Bedarf mit einem entsprechenden Eddingstift zu erneuern. Angeblich gibt es für Autos jedoch auch entsprechende Klebestreifen. Meine Fragen: Hat jemand schon mit diesen Klebestreifen gearbeitet? Wo bekommt man sie? Verziehen sich diese Streifen wenn das Gehäuse danach mit Klarlack behandelt wird?

Auf Antworten bin ich gespannt!

Gruß

Werner Kassenbrock 

Martin Renz
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04.Jul.04 18:29

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Hallo Herr Kassenbrock,

zur Überlackierbarkeit von Folien empfehle ich einen Versuch mit dem verwendeten Lack. Aufgrund der unzähligen Zusammensetzungen von Lacken und Folien kann hier sicher keine allgemeingültige Aussage gemacht werden. Beim Überlackieren von Eddingstiften ist ein Verwischen nicht unwahrscheinlich, insbesondere wenn verdünnungsmittelhaltige Lacke verwendet werden. Es hilft allerdings häufig, wenn die erste und eventuell zweite Schicht hauchdünn aufgenebelt wird, so dass der Lack erst gar nicht zum fliessen kommt. Bei Spritzpistolen wird dazu die Materialzufuhr gedrosselt, bei Spraydosen hilft ein größerer Abstand. Wenn die Lackschicht dann abgetrocknet ist, kann bedenkenlos satt aufgetragen werden, so dass die gewünschte glatte Oberfläche entstehen kann.

Ein etwas anders gelagertes aber ähnliches Problem hatte ich bei der Restaurierung eines Siemens G7: Auf der Oberseite befand sich eine weisse Ader, die im Lack eingebettet war. Der Zustand des Gehäuses war äusserst schlecht, so dass nur ein kompletter Neuaufbau des Lackes in Frage kam. Ich bin folgendermaßen vorgegangen:
Auf die abgeschliffene Oberseite des Gehäuses wurde eine Folie geklebt, wie sie der Papierfachhandel zum Einbinden von Schulbüchern vertreibt (spezielle Maskierfolien von Fachbetrieben sind möglicherweise noch besser geeignet).

Dann habe ich mir einen passenden Adernscheider gebaut: Ein Holzklotz wurde mit einem Einschnitt versehen (1 mal über die Kreissäge geschoben). In passendem Abstand wurden 2 Löcher mit d=5mm gebohrt und 2 Fachbodenträger eingesteckt.

Nun wurden 2 Messerabschnitte von einem Papiermesser mit abbrechbaren Wegwerfklingen in die Nut geklemmt, der Zwischenraum mit entsprechend dicken Furnierstreifen ausgefüllt und das ganze mit 2 Schrauben fixiert. Fertig.


Die Folie wurde mit einem scharfen Messer am Rand abgetrennt und nun mit dem Adernschneider schön vorsichtig am Rand entlang geschnitten. Entscheidend ist, dass die Messerchen ganz scharf sind und nur minimal weiter herausstehen, wie die Folie dick ist. Nun wurde Ader vorsichtig herausgenommen und die Fläche nochmals gut angedrückt.

Mit einem weissen Autolack Ausbesserungsstift wurde nun die Ader ausgefüllt, so dick wie möglich. Nach dem Trocknen wurde die restliche Folie entfernt. Nun kann der eigentliche Lackauftrag erfolgen, in diesem Fall klarer DD-Lack, anschließend Nußbraune "Patina", ein schwach haftendes, lasierendes Pigmentkonzentrat, mit dem die gewünschte Farbe und der gewünschte Deckungsgrad erreicht werden konnte. Darauf nochmals Klarlack. Nun ist die weisse Ader natürlich ebenfalls braun überdeckt. Da sie aber sehr dick ist, kann sie durch vorsichtiges Schleifen mit Schleifklotz mit Körnung 180 und dann 240 wieder freigelegt werden, ohne dass die Lackschicht der Fläche wieder durchgeschliffen wird. Die Ader ist nun eben ("bündig") mit der restlichen Lackfläche. Zum Schluß ein letzter Lackauftrag mit glänzendem Lack, und die Ader ist perfekt im Lack eingebettet.


Dieses Verfahren ist natürlich einigermassen Aufwendig, aber das Ergebniss kann sich sehen lassen und entspricht weitgehend dem Orginal. Einem Tischlör ist eben nix zu schwör ;-)

herzliche Grüße

Martin Renz

 

This article was edited 05.Jul.04 07:28 by Martin Renz .

Eilert Menke
 
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04.Jul.04 18:45

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Alle Achtung, Herr Renz, großartige Arbeit!

E.M.

Hans Kamann
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04.Jul.04 18:53

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Das ist Ihnen wirklich toll gelungen, wie haben Sie die Kurven derart beindruckend hingekriegt ?

Das Gehäuse sieht aus wie gerade aus der Produktion, vielleicht sogar besser

Nachtrag: Jetzt, nach der Aufklärung ist mir erst klar geworden, dass Sie "auf dem Gehäuse" schneiden, also dem Verlauf des Gehäuses mit dem Schneidwerkzeug folgen. Brilliante Idee. Ich habe vor einiger Zeit ein SABA Wildbad mit den selben Problemen gehabt - das werde ich mal nach diesem Verfahren versuchen zu überarbeiten.

Übrigens: Ich finde es es sehr gut, dass Sie den Gehäusestoff ersetzt haben und den Originalstoff zusätzlich abgebildet haben.

Grusss

This article was edited 06.Jul.04 16:49 by Hans Kamann .

Werner Kassenbrock
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05.Jul.04 07:14

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Hallo Herr Renz,

danke für die ausführliche Beschreibung die sicher für viele Sammler interessant war. Soetwas würde ich nie hinbekommen.

Gruß

Werner Kassenbrock

 

Martin Renz
Martin Renz
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05.Jul.04 07:25

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Hallo Herr Kamann,

mit den beiden 5mm Stiften als Anschlag und der flächigen Auflage des selbstgebauten Adernschneiders ist es nicht allzu schwierig, dem Rand des Gehäuses zu folgen. Wichtig ist, dass die Messer genau mittig zu den Stiften plaziert werden (siehe Foto oben). Beim Schneiden müssen immer beide Stifte am Gehäuse anliegen. Der Abstand der Stifte sollte auch nicht zu groß gewählt werden, sonst vergrößert sich der Abstand der Linie vom Rand in der Kurve merklich.

Bilder vom Gerät gibts unter http://www.radiomuseum.org/dsp_modell.cfm?model_id=21207

Grüße

Martin Renz

Herbert Odermatt † 26.Nov.05
Herbert Odermatt † 26.Nov.05
 
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05.Jul.04 11:36

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Grüezi Herr Renz

Herzliche Gratulation zu Ihrer sehr schönen Arbeit. Man sieht da sofort den absoluten Profi, der mit "einfachen" Mitteln und grosser praktischer Erfahrung uns Laien zeigt "wie es geht". Ihre grossartigen und fachmännischen Tipps und Kniffe machen uns Laien Mut auch solche Schritte zu wagen. Grossen Dank dafür !

Herzlich grüsst, Herbert Odermatt

  
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