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grundig: 97a (97 a); Musikgerät

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Geert Schulte
Geert Schulte
 
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28.Dec.10 14:18

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 Zur Zeit arbeite ich an diesem Gerät. Ich habe es fast völlig ruiniert in die Hände bekommen, und eigentlich sollte es als Ersatzteilspender herhalten. Nach dem ich eine ganze Reihe von elektrischen Fehlern beseitigt habe kommt nun die Mechanik rund um den Antrieb der Skalenzeiger an die Reihe.

Grundsätzlich funktioniert der Antrieb für den FM- und die AM-Bereiche bis auf die Trennung über die beiden Rutschkupplungen bei der Bereichsumschaltung. Das Skalenseil für den FM-Teil ist verölt und rutscht zusätzlich durch. In diesem Zustand ist der Kraftschluss für beide Kupplungen hergestellt, aber das ist ja nicht der Sinn dieser Anordnung. Bevor ich nun das Seil neu aufziehe stellt sich die Frage, ob die so vorgefundene Mechanik zumindest vollzählig an Bord ist.

Bei der Umschaltung auf den FM-Bereich wird die linke Kupplungsscheibe ein wenig brutal von der Reibscheibe weggedrückt ... aber es trennt sich. Das scheint mir doch ein wenig zu simpel, zumal an den Komponenten scheinbar schon mehrfach "geschraubt" worden ist. Für einen besseren Einblick habe ich die Schaltachse, die durch die UKW-Taste betätigt wird, ausgebaut.

 So sieht sie aus. Sind das alle Teile die auf diese Achse gehören, oder fehlt da etwas?

Die beiden Hülsen mit den Reibscheiben haben zwei Gewindebohrungen, die einander gegenüber liegen. Die entsprechenden Madenschrauben sind jeweils nur einfach vorhanden.

Der ganze Antrieb ist mir suspekt. Ich wäre sehr dankbar, wenn ein Besitzer eines solchen Gerätes mir Fotos von einem einwandfrei funktionierenden Antrieb überlassen könnte. Über Hinweise zur Einstellung würde ich mich ebenso freuen.

Mit freundlichen Grüßen

Geert Schulte

This article was edited 28.Dec.10 14:30 by Geert Schulte .

Eike Grund
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28.Dec.10 22:45

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Guten Abend Herr Schulte,

<<<< das sollte eher so aussehen.

Die Anordnung auf der Achse ist auf beiden Seiten der Kupplungsscheiben gleich,  auf dem Foto ist die Feder auf der rechten Seite zusammengedrückt, daher schlecht zu erkennen.

Die Madenschraube ist 2 mal vorhanden, in jedem Loch eine.

Bei Ihnen scheinen falsche Teile benutzt worden zu sein, der Durchmesser des  mittleren, mit den Madenschrauben fixierten Ringes muss so groß wie der der Belagscheiben sein.

Viele Grüße von E. Grund

 

 

 

Geert Schulte
Geert Schulte
 
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29.Dec.10 11:00

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Hallo Herr Grund,

herzlichen Dank für das klärende Bild. Damit ist für mich die Sachlage geklärt und ich weiss jetzt wie ich vorgehen muss.

Mit freundlichen Grüßen und den besten Wünschen für das neue Jahr.

Geert Schulte

This article was edited 29.Dec.10 11:05 by Geert Schulte .

Geert Schulte
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03.Jul.11 01:12

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Nach dem Herr Eike Grund mit seiner Information den richtigen Aufbau der Kupplung deutlich gemacht hatte, erhielt ich von Herrn Peter Groh das freundliche Angebot einen Teileträger (Musikgerät 97) zu übernehmen. Ich habe dieses Angebot gerne angenommen und zeige im folgenden Bericht den detaillierten Aufbau und die Instandsetzung des Antriebes.

Bild 1  Aus der ursprünglichen Kupplung wurden Teile entfernt und/oder durch nicht zugehörige Teile ersetzt. So fehlen auf der linken Seite der radial montierbare Seeger-Ring, der die Kupplungswelle in seiner Position sichern soll, und eine Pertinax-Scheibe. Die Druckfeder ist bereits maximal zusammengedrückt. Die zwischen den beiden Kupplungs-Reibscheiben erforderliche Mitnehmerscheibe wurde hier durch die mittig angeordneten Hülsen ersetzt. Da der Seeger-Ring fehlt stellen die beiden Madenschrauben in den Hülsen die einzige Sicherung für die Kupplungswelle dar. Auf der rechten Seite fehlt die Druckfeder für die Kupplungsscheibe sowie ein Messingring. Dort hat sich auch der Kupplungsbelag teilweise von der Scheibe gelöst. Auf Grund des fehlenden Gegendrucks hat sich der Belag am äußeren Rand zur Welle hin gekrümmt. Das Material beider Beläge ist vollständig ausgehärtet. Das Skalenseil des FM-Antriebes umschlingt die Seilrolle nur einfach und ist zudem mit Öl oder Fett verunreinigt worden.

Bild 2  Nach der Demontage der Skalenseile und dem Lösen der beiden Madenschrauben läßt sich die Welle ohne Wiederstand heraus ziehen. Es besteht die Möglichkeit von der rechten Seite her eine passende Achse nach zu schieben, für den Fall, dass nur die Achse getauscht werden soll. Diese Arbeit könnte dann ohne vollständige Demontage der Kupplung und der Skalenseile einfach ausgeführt werden.

Bild 3  Die beiden Hülsen haben deutliche Pressspuren in den Belägen hinterlassen. Die linke Scheibe kann weiter verwendet werden. Die Fehlteile sollen aus der Kupplung des Teileträgers ergänzt werden.

Bild 4  In dem Teileträger des Typs 97 findet sich eine korrekt montierte Kupplung. Hier ist die Umschaltwelle bereits demontiert. Beide Skalenseile umschlingen die Seilführungen korrekt und alle Bauteile befinden sich an ihrem Platz. Die Funktion ist aber auch hier nicht hinreichend gegeben. Auf der Mitnehmerscheibe und auf dem rechten Kupplungsbelag sind Kleberreste sichtbar. Mitnehmer und Belag lassen sich zwar trennen, haben aber kaum noch Haftreibung.

Bild 5  Die Mitnehmerscheibe ist auf der rechten Seite vollflächig mit Kleberresten bedeckt. Die pyramidenförmigen Zähne können so in dem Belagmaterial auf der Kupplungsscheibe keinen Halt mehr finden.

Bild 6  Die rechte Kupplungsscheibe ist durch den Einsatz des Klebers unbrauchbar geworden. Im äußeren Bereich des Belages sind nahezu alle Poren mit dem Kleber ausgefüllt. Die verklebten Zähne des Mitnehmers habe sich wohl über längere Zeit ihre Kreisbahn in das Material geschnitten.

Bild 7  Die linke Kupplungsscheibe weist im Prinzip den gleichen Schaden auf, nur wurde hier noch nicht mit einem Kleber hantiert. Die Zähne des Mitnehmers haben trotzdem ihre Spuren hinterlassen. Die Beläge werden stark beansprucht, wenn der Abstimmknopf weiter gedreht wird, obwohl die Skalenzeiger in der jeweiligen Endstellung angekommen sind. Auch schwergängige Drehkondensatoren werden zu einer rutschenden Kupplung, und damit zum erhöhten Verschleiß bei den Kupplungsbelägen führen. Damit sind die Kupplungsscheiben aus dem Teileträger erst einmal die zweite Wahl für den Wiederaufbau.

Bild 8  Eine der vorhandenen Kupplungsscheiben zeigt, bis auf den Abdruck durch die Metallhülse im inneren Bereich, keinen Verschleiß am Kupplungsbelag. Da die Zähne auf der Mitnehmerscheibe zweireihig nur am äußeren Rand liegen ist das für die Funktion ohne Belang.

Bild 9  Anders sieht es bei der zweiten Kupplungsscheibe aus. Der Belag hatte sich am äußeren Rand gelöst und nach innen zur Welle hin gekrümmt (siehe Bild 1). Die Zähne der Mitnehmerscheibe hätten sich nicht mehr mit dem Belag verzahnen können. Der Belag war ausgehärtet und musste nun wieder plan auf die Kupplungsscheibe gebracht werden.

Bild 10  Dazu habe ich eine dünne "Spur" eines Zweikomponenten-Klebers zwischen die Kupplungsscheibe und den abgekrümmten Teil des Belages gelegt. Danach habe ich die Kupplungsscheibe in einen kleinen Schraubstock gespannt und die Backen soweit gespannt, bis der ausgehärtete Belag gerade eben, aber deutlich hörbar, gebrochen ist. Die Bruchstücke wurden durch den Kleber fixiert und nach einer Härtezeit von ca. Stunde zeigte sich, dass die Aktion gelungen ist. Den heraus gequollenen Kleber habe ich zwischenzeitlich abgefräst. Der nun plan anliegene Belag erfüllt wieder vollflächig seine Funktion. Unklar ist für mich geblieben, wie die Materialeigenschaften des Belages ursprünglich waren.

Bild 11  Die alten Kleberreste auf der Mitnehmerscheibe wurden vorsichtig mechanisch gelöst und so jeder einzelne Zahn wieder freigelegt. Die Oberfläche habe ich mit einer weichen Drahtbürste poliert, damit die Zähne ihre Spitzen behalten.

Bild 12  Die originale Kupplungsachse des 97a weist nur geringe Gebrauchsspuren auf, die durch die Madenschrauben in den Abstimmköpfen und in der Mitnehmerscheibe verursacht wurden. Die Sicherung der Welle im Chassis des Gerätes erfolgt über den radial montierbaren Seeger-Ring. Die Pertinaxscheibe befindet sich zwischen dem Chassisblech und dem Seeger-Ring. Damit besteht keine Gefahr, dass man beim Einstellen der Kupplungsmitnehmerscheibe versehentlich die Achse herauszieht und damit die Kupplung schlagartig in alle Bestandteile zerlegt.

Bild 13  Die Wellen für die Typen 97 und 97a unterscheiden sich. Zur Lagerung der Welle auf der rechten Seite der Kupplung wurde sie am Ende im Durchmesser reduziert.

Bild 14  Der Wellenteil, der die Einzelteile der Kupplung aufnimmt, hat bei beiden Typen einen Durchmesser von 4,0 mm. Die Welle für den Typ 97 ist auf einen Durchmesser von 2 mm,  und für den Typ 97a auf 3 mm abgedreht. Das Verhältnis von reduziertem Durchmesser zur Länge des reduzierten Wellenteils beträgt bei beiden Wellen ca. 1:1,5. Damit ist die "effektive Wellenlänge" für die Kupplung unterschiedlich. An den weiteren Bauteilen der beiden Kupplungen konnte ich keine Unterschiede feststellen. Damit kommt bei der Welle des Typ 97a eine etwas höhere Federspannung bei einem verkürzten Schiebeweg heraus.

Bild 15  Nach dem die Bestandteile des Antriebes überarbeitet sind liegt alles zur Montage bereit. Auf diesem Bild ist noch die Welle des Typs 97 zu sehen. Verwendet habe ich aber die originale Welle des 97a.

Bild 16  Die Welle ist im Schraubstock eingespannt. Die Kupplungsscheiben und die Mitnehmerscheibe werden lose aufgesteckt. Sie müssen ohne merkliches Spiel leicht und wiederstandslos auf der Welle gleiten. Die Bauteile sind noch nicht gefettet. Aus dieser Sicht ist die Funktion dieser Bauteile deutlich zu erkennen.

Bild 17  Hier ist die Kupplung vollständig zusammengebaut (bis auf die Pertinax-Scheibe). Der Seeger-Ring ist montiert und die Funktion der Kupplung kann ausserhalb des Chassis von Hand geprüft werden.

Bild 18  Nach dem Probeaufbau und einem Funktionstest wurde die Kupplung wieder zerlegt. Danach habe ich die Welle ohne Kupplung in ihre Einbaulage im Chassis eingesetzt und das Gegenlager auf der rechten Seite (Blechwinkel) so zurechtgebogen, dass die Welle mit eingesetztem Seeger-Ring und der Pertinaxscheibe nahezu spielfrei läuft. Nach Schmierung der Welle mit einem Tropfen Getriebeöl SAE 80W90 und dem Einbau der gesamten Kupplung erfolgte die Zentrierung und die Festsetzung der Mitnehmerscheibe.

Bild 19  Das Auflegen der Skalenseile ist bei diesem Gerät eine einfache Übung. Dabei musste ich feststellen, dass die Seilrollen am Chassis nicht mit den Seilführungen der Kupplung fluchten wollten. Schnell wurde klar, dass der Schöpfer der provisorischen Kupplung die Rollenhalter am Chassis für seine Konstruktion zurecht gebogen hatte. Wegen der beiden "Mitnehmerhülsen" auf der Kupplungswelle hatten die Seilführungen eine andere Lage bekommen. Nach dem Ausrichten der Seilführungsrollen ließen sich die Seile problemlos aufziehen. Nach der Montage und Ausrichtung des Umschalthebels samt Welle wurde die Arbeit durch eine nun tadellos funktionierende Kupplung belohnt.

Bild 20  Neben den fehlenden Teilen für die Kupplung hat der Teilespender auch das Grundig Firmenlogo, den Messingwinkel und den Grundig Schriftzug beigesteuert.

Bild 21  Der Lautsprecher und die Abstimmanzeigeröhre waren deutlich besser als die vorhandenen Teile. Das mechanisch intakte Gehäuse ließ sich nur mit viel Handarbeit wieder in einen guten Zustand versetzen.

Bild 22  Die Skalenscheibe konnte leider nicht ersetzt werden. Das Original des 97a ist aus Kunststoff und eigentlich in einem guten Zustand. Leider hat einer der Vorbesitzer mehrere Markierungen für seine Lieblingssender auf die Skala geklebt. Vor allem die Reste des Klebers lassen sich nicht mehr entfernen, sind aber bei geschickter Aufstellung des Gerätes nur im Nahbereich auszumachen.

Bild 23  Die originale Rückwand ist in einem guten Zustand und rundet das Bild diesen hübschen Radios ab. Das Gerät ist nach der elektrischen Überholung auf allen Frequenzbereichen empfindlich und absolut alltagstauglich.

  
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