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Kopplung induktiv oder kapazitiv

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Dietmar Herian
 
 
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12.Feb.20 20:17

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Kürzlich fand ich in einem bisher nicht dokumentierten französischen Vitus AC erneut ein 'Bauelement', das ich schon vorher mal gesehen hatte, aber nicht weiter beachtet hatte :

Ein blanker Draht umwickelt einen noch textil-isolierten Draht - beide Drähte haben keinen elektrischen Kontakt.

Nach Suchen fand ich heraus, dass der Schaltplan des Vitus 601S nahezu identisch ist mit dem AC, allerdings ist dieser mit einem Allstrom-Netzteil und 6,3V Röhren ausgestattet.

Ich fand das 'Bauelement'  im Schaltplan wieder:

Es koppelt den 'alternativen' Vorkreis auf das Gitter der VK-Röhre. Was mich etwas verwirrt ist die Tatsache, dass es als Induktivität so gezeichnet ist als wäre es ein Teil des Spulensatzes. Das ist aber nicht der Fall. Die Funktion ist völlig unabhängig vom Ort wohin ich das 'Bauelement' auch immer verbiege. Die Wirkung dürfte wohl eher kapazitiv sein - so hatte ich das auch in meinen anderen 'Begegnungen' gesehen.

Kann jemand sagen ob induktive oder kapazitive Kopplung?

Gibt es etwas Vergleichbares in deutschen Geräten oder ein Schaltzeichen dafür?

This article was edited 12.Feb.20 22:22 by Dietmar Herian .

Dietmar Rudolph
Dietmar Rudolph
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13.Feb.20 09:46

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Es handelt sich um eine kapazitive Kopplung. Allerdings ist die Koppelkapazität so klein, daß dafür kein Kondensator passend eingebaut werden kann. Zusätzlich läßt sich eine solche "gimmick loop" Kapazität durch Abwickeln leicht trimmen.

Im Schaltbild des Siemens 47W Länderband ist nach der 2. HF-Stufe so eine Kopplung mit einem "gimmick loop" zu finden.

Die Beschreibung zum "gimmick loop" ist unter "TRF Receivers: Sensitivity Variation over Tuning Band" nachzulesen.

MfG DR

Dietmar Herian
 
 
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13.Feb.20 15:46

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Hallo Herr Dr. Rudolph,

wie immer ist Ihre Antwort so, dass nichts weiter zu sagen bleibt und Sie sind zur Stelle wenn man Ihr phänomenales Wissen braucht. In moderner Sprache würde man wohl sagen : "voll cool!"

Herzlichsten Dank dafür!

 

P.S. den Vitus AC werde ich in den nächsten Tagen einstellen.

Walter Schmidt
 
 
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13.Feb.20 19:17

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Hallo Herr Herian,

das Schaltbild ist irreführend, eine "gimmick loop", wie von Herrn Rudolph beschrieben, sehe ich hier eher nicht, ich vermisse die Schleife, die direkt um die Sekundärspule des Bandfilters gelegt ist. Es handelt sich natürlich hier um eine kapazitive Kopplung. Die um den Draht gewickelten Windungen erfüllen hier die Funktion eines Koppelkondensators zwischen den heißen Enden der beiden Bandfilterspulen. Warum aber diese Ausführung? Die Kapazität ist sehr gering, maximal 5pF, das war wohl in der Produktion einfacher oder billiger als z.B. ein Keramikkondensator. Eigentlich besitzen die beiden Kreise des Eingangsbandfilters eine kapazitive Fußpunktkopplung. Aber um, wie schon beschrieben, eine gleichmäßige Empfindlichkeit und Bandbreite über den gesamten Frequenzbereich zu wahren, wird dieser Koppel-C zusätzlich eingeführt, das verstärkt die Kopplung am kurzwelligen Ende des Empfangsbereichs.

Diese Art von Koppelkondensatoren wurde z.B. im Grundig 380W angewendet:

Hier als Kopplung zwischen den beiden ersten ZF-Kreisen, jeweils für AM und FM. Die Kapazität beträgt ca. 1pF.

Und hier als Koppel-C zwischen den beiden letzten AM-ZF-Kreisen, Kapazität ca. 5pF.

Das gleiche Prizip wird auch bei den Drahttrimmern angewandt:

Ein Draht wird um einen inneren Drahtkern gewickelt, die Kapazität wird durch Abziehen des äußeren Wickels abgeglichen.

Gruß, Walter Schmidt

Dietmar Herian
 
 
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13.Feb.20 20:00

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Schöne Beispiele, aber doch grundsätzlich kein Widerspruch zu dem was Herr Dr. Rudolph ausgeführt hat. Die gezeigte Zeichnung vom 'gimmick loop' ist wohl nur eine der Ausführungsformen und das Prinzip der kapazitiven Kopplung bleibt auch hier erhalten. Selbst wenn der 'loop' auf der Sekundärspule liegt, wird dennoch die Kapazität zwischen den Drähten das koppelnde Element sein - sieht halt nur aus wie eine 'induktive' Spule.

Die Grundig-Ingenieure haben diese Kapazität aber als solche in den Schaltplan gezeichnet - das ist sicherlich weniger verwirrend als dieses offene Spulensymbol bei dem man zunächst mal stutzt!

Walter Schmidt
 
 
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13.Feb.20 22:18

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Hallo Herr Herian,

Sie suchten doch Vergleichbares in deutschen Geräten. Ich habe noch etwas gefunden:

Körting Transmare 39W, Koppelkondensator im Eingangsbandfilter.

Der Keramikisolator ist auch ein Kondensator ähnlicher Bauart. Kapazität 0,2pF, im Schaltplan auch als Kondensatorsymbol vermerkt. Auch hier: Aufgrund niedriger Kapazität konventionelle Bauart kaum möglich.

Gruß,

W.S.

Dietmar Herian
 
 
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14.Feb.20 16:09

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Hallo Herr Dr. Rudolph,

ich bin nochmal etwas tiefer gegangen und fand Ihre Abhandlung über Bandfilter mit konstanter Bandbreite hier.

Ich denke, dass im Beitrag #3 in Abb. 206 plus Kommentar mein Fall gut wiedergegeben wird.

Jetzt verstehe ich auch den Grund, warum man das braucht bzw. brauchte.

Schon die beiden alternativen Antennenkreise mit einem 4er-Drehkondensator deuten darauf hin, dass das Gerät wohl für Fernempfang ausgelegt war (Paris ist von manchen Orten in Frankreich ziemlich weit weg) - eine konstante Bandbreite schadet dabei sicherlich überhaupt nicht - ganz im Gegenteil!

Was an zwei gewickelten Drähten manchmal für eine Menge KnowHow hängt!

Dietmar Rudolph
Dietmar Rudolph
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15.Feb.20 10:29

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Herr Herian, Sie haben Recht mit dem Verweis auf diesen Beitrag:

(Der Text und das Bild daraus ist über "copy & paste" zur Verdeutlichung hier nochmals eingefügt und die betreffende Textstelle hervorgehoben.)

Eine andere Möglichkeit zur Durchführung einer gemischten Kopplung ist durch die Schaltung in Abb. 206 gegeben [331 - 333], bei der jedoch aus dem zuletzt genannten Grunde die Spiegelfrequenzen leichter durchkommen können.

Bei dieser gemischten Kopplung wird die bei der kapazitiven Spannungskopplung auftretende Abnahme des Kopplungsfaktors mit größerer Abstimmkapazität (kleinerer Frequenz) gemäß Gl. 238 ausgenutzt, um die erwähnte zu starke Zunahme des Kopplungsfaktors bei der kapazitiven Stromkopplung abzuschwächen. Der gesamte Kopplungsfaktor nimmt bei geeigneter Bemessung der beiden kapazitiven Einzelkopplungen mit abnehmender Frequenz wieder gerade so wenig zu, daß die absolute Bandbreite konstant bleibt.

  • Die obere Kopplungskapazität ist nur wenige pF groß und kann bereits durch eine passende Verlegung der oberen Zuleitungen zu den Schwingkreisspulen erzielt werden.

 

Der Englische bzw. Amerikanische Begriff "Gimmick Loop" bezeichnet genau so eine winzige Kopplungs-Kapazität, die "irgendwie" mit einer "Drahtkonstruktion" realisiert ist.

Zu einer entsprechenden losen, aber definierten Kopplung von 2 Schwingkreisen bzw. von 2 Schwingkreisspulen, Fig. 3-9, ist der "Gimmick Loop" eine sehr gute Lösung, zumal ein solcher "r-f transformer"  als Bauteil vorabgeglichen werden kann, was die Fertigung preiswerter macht.

 

MfG DR

Dietmar Herian
 
 
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18.Feb.20 21:55

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Das Modell Vitus AC ist nun angelegt und freigegeben.

  
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