Liblice Es war einmal...

ID: 730892
Liblice Es war einmal... 
29.Sep.26 13:47
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Wolfgang Lill (D)
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Wolfgang Lill

Bis zur letzten Hoffnung haben die Kollegen der Tschechischen Radiokomunikace (CRA) auf Interessenten gewartet, die die Sendeanlagen übernehmen und einer weiterhin sinnvollen Nutzung zuführen.

Die zwei Sendemasten sind mit 355 m Höhe das höchste Bauwerk Tschechiens und auch die höchsten Mittelwellensendemasten der Welt.

Die Neuerrichtung der jetzt vorhandenen Sendeanlagen erfolgte 1976. Zuvor stand hier seit 1931         ( Sendestart 31.12.1931) ein Blaw-Knox-Sendemast. Dieser war 280,40 m hoch.

2 FOTOs aus dem Buch, die ersten zehn Jahre des Tschechoslowakischen Rundfunks 1923-1933. Liblice war damals auch der leistungsstärkste Mittelwellensender in der Tschechoslowakei

1936 kam ein zweiter optisch baugleicher dazu.

Den 2.Weltkrieg überstanden diese Türme unbeschädigt. Ab 1950 (Kopenhagener Wellenplan) sendete man auf Frequenz 638 kHz.

Am 17.Oktober 1972 wurden die beiden Masten gesprengt. 

Am 20. Januar 1976 begannen die Baurbeiten für die neue Technik. Am 28.12.1976 um 20,58 Uhr wurde die Anlage  RKS 2 in Liblice mit zwei TESLA Sendern vom Typ SRV750 ( insgesamt 1500 kW Sendeleistung!) in Betrieb genommen.

Nachtbeleuchtung der zwei 120 m auseinanderstehenden Masten.

Weitere Informationen sehen Sie hier

Ich habe auch Vorschläge für eine weitere Nutzung schriftlich und in tschechisch eingereicht.

Hier das Schreiben in Deutsch zur Info:

Sehr geehrte Frau Tůmová,

ich möchte mich kurz vorstellen, mein Name ist Wolfgang Lill, ich wohne in Pirna unweit der tschechischen Grenze, und seit mehreren Jahrzehnten dokumentiere ich das Zeitgeschehen im Bereich des Rundfunks, des Fernsehens und der Funktechnik, vor allem in der ehemaligen DDR, der Tschechoslowakei / der Tschechischen und Slowakischen Republik, in Ungarn und in Österreich. 

Seit 2003 sind dazu etwa 1.300 Artikel von mir erschienen, darunter auch zahlreiche Beiträge in der Tschechischen Republik. Als Redakteur bin ich ehrenamtlich für Radiomuseum.org, ein Schweizer Internetportal, tätig. 

Über den Abbau des Mittelwellensenders Liblice hatte ich ebenfalls bereits mehrfach berichtet, mein Anliegen bezieht sich auf die Rettung von zwei Aufzügen der Marke Alimax, Schweden, die weltweit einmalig im Jahr 1976 gefertigt wurden und die in Liblice sich immer noch in Betrieb befinden sollen. 

Ich möchte den aktuellen Zustand dokumentieren und bitte Sie um eine Zugangsberechtigung, und eine Fotoerlaubnis, um vor Ort im Sendergelände einige Aufnahmen machen zu dürfen. Die Firma Alimax unterstützt diese Bemühungen und ist an einer Veröffentlichung im Radiomuseum.org interessiert.

Dabei habe die Hoffnung, daß bei einer Demontage dieser 355 m hohen Antennenanlage die zweiAufzüge nicht verschrottet werden. Meiner Meinung nach, gehört wenigstens einer dieser Aufzüge in das Technische Museum in Prag und der andere in die Ausstellung vom TESLA-Museum in Třešť  (Betreiber ist der HRCS).

Ich hoffe auf Ihre Unterstützung, sollten Sie keine Entscheidung treffen können, bitte ich Sie um die Weitergabe dieser E-Mail an zuständige Stelle.

Des Weiteren möchte Ihnen zwei Vorschläge zum Erhalt und den weiteren Betrieb des Senders machen, der aus meiner Sicht den Status des Denkmalschutzes verdient.

In der Tschechischen Republik, wie auch in Deutschland wird über DAB+ ein 24 Stunden Programm in Ukrainisch gesendet.  Welcher Ukrainische Bürger kann dieses Programm in seinem PKW hören? Bei allen mir bekannten Fahrzeugen, bis auf einen Porsche, habe ich  nur die Wellenbereiche Mittelwelle und UKW gesehen.

Meine Anfrage in Deutschland, warum man nicht die Mittelwelle oder UKW für die Übertragung nutzt blieb leider unbeantwortet. Gibt es in der Tschechischen Republik eine Entscheidung dazu? Der 20 KW-Mittelwellensender könnte diese Informationsübertragungen in den größten Gebieten von Tschechischen Republik, als auch in den Randgebieten der umliegenden Staaten, wie Ungarn, Slowakei, Österreich, Bayern, Sachsen und Polen sicherstellen.

Das wäre der erste Vorschlag zur Erhaltung dieses Senders.

Ein zweiter Vorschlag bezieht sich auf die Möglichkeit, diese Türme als Windmessmasten zu verwenden, für den späteren Ausbau mit Windrädern. In Deutschland wird gerade ein solches 365 m hohes Windrad errichtet. 

Für Ihre Bemühungen bedanke ich mich recht herzlich im Voraus und freue mich auf eine positive Antwort und die Möglichkeit einer kurzfristigen Besichtigung der Sendeanlagen vor Ort in Liblice.

Mit freundlichen Grüßen 

Ing. Wolfgang Lill 

Die Frau Anna Tůmová, Ředitelka pro komunikaci a strategické vztahy hat inzwischen  geantwortet.:

Vážený pane Lille,

děkujeme za Váš dopis a za dlouhodobý zájem o historii rozhlasového vysílání a technické dědictví spojené s vysílacími technologiemi v České republice. Velmi si vážíme práce, kterou v této oblasti již řadu let vykonáváte.

V současné době probíhají v areálu práce související s demontáží středovlnného vysílacího zařízení. Z důvodu bezpečnosti a organizace prací bohužel nemůžeme v tuto chvíli umožnit individuální návštěvy ani fotografování v areálu vysílače.

Co se týká Vámi zmíněných výtahů Alimak v areálu vysílače Liblice, předám Vaši informaci o jejich případném zachování kolegům, kteří mají na starosti technický provoz a související projekty. Zvážíme možnosti dalšího postupu a Vaše podněty budou součástí interní diskuse. 

Děkujeme také za Vaše podněty týkající se budoucnosti rozhlasového vysílání. Sdílíme názor, že rozhlas zůstává důležitým médiem, zejména v krizových situacích. I proto jsme se například podíleli na zpřístupnění Ukrajinského rádia pro občany Ukrajiny pobývající v ČR, a to prostřednictvím digitálního vysílání v síti MUX 23 a v digitálním rozhlasovém vysílání DAB+.

Pokud jde o budoucnost lokality Liblice, dlouhodobě jsme hledali možnosti jejího dalšího využití. Přes řadu jednání a veřejně deklarovanou snahu najít subjekt, který by byl schopen a ochoten vysílač převzít a dále provozovat, se takové řešení nepodařilo nalézt. Významným faktorem jsou vysoké náklady spojené s nezbytnou rekonstrukcí i následným provozem objektu.

Ještě jednou děkujeme za Váš zájem o vysílač Liblice i o českou vysílací infrastrukturu obecně.

meine Übersetzung :

Sehr geehrter Herr Lill,

haben Sie vielen Dank für ihr Schreiben und ihr langjähriges Interesse an der Geschichte des Rundfunks sowie am technischen Erbe der Rundfunktechnologie in der Tschechischen Republik. Wir schätzen die Arbeit, die Sie auf diesem Gebiet seit vielen Jahren leisten, sehr.

Derzeit laufen am Standort Arbeiten zum Rückbau der Mittelwellensendeanlagen. Aufgrund der Sicherheits- und Betriebsvorgaben können wir derzeit leider keine Einzelbesichtigungen oder Fotoaufnahmen auf dem Geländer der Sendeanlage gestatten.

Was die von Ihnen erwähnten Alimak-Aufzüge am Senderstandort Liblice betrifft, so werde ich Ihre Anmerkungen zu deren möglichem Erhalt an die für den technischen Betrieb und entsprechende Projekte zuständigen Kollegen weiterleite.  Wir werden die weiteren Vorgehensweisen prüfen und ihre Vorschläge werden in unsere internen Beratungen einfließen. 

Wir danken auch für Ihre Ausführungen zur Zukunft des Rundfunks. Wir teilen die Ansicht, daß das Radio - insbesondere in Krisenzeiten, ein wichtiges Medium bleibt. Aus diesem Grund haben wir beispielsweise dazu beigetragen ukrainischen Bürgern mit Wohnsitz in der Tschechischen Republik den Empfang von "Ukrainian Radio" über die digitale Ausstrahlung im MUX-23-Netz wowie DAB+ zu ermöglichen.

Hinsichtlich der Zukunft des Standortes Liblice haben wir uns lange um Möglichkeiten einer weiteren Nutzung bemüht. Trotz zahlreicher Verhandlungen und öffentlich bekundeter Bemühungen einen geeigneten und interssierten Betreiber für die Übernahme des Senders zu finden, konnte keine entsprechende Lösung erielt werden. Ein wesentlicher Faktor sind hierbei sind die hohen Kosten, die mit der erforderlichen Sanierung und dem anschließenden Betrieb der Anlage verbunden wären.

Nochmals vielen dank für Ihr Interesse am Sender Liblice und an der tschechischen Rundfunkinfrastuktur im Allgemeinen.

 

Gleichzeitig wurde jedoch eine Abrißgenehmigung beantragt bei der zuständigen Behörde in Cesky Dub. 

Am 28.09.2026 wurde ich durch folgende Meldung informiert, die ich unseren Lesern hier weitergebe:
 

Ein Fassadenkletterer vurde an einem Mast um 7,30 Uhr entdeckt. Die Tschechische Feuerwehr und ein Kletterteam rückte an und holte den Kletterer aus etwa 140 m Höhe wieder unverletzt runter.

Er wurde an die CZ-Polizei übergeben und er mußte ein Bußgeld von 10000 Tschechischen Kronen     ( etwas über 400 EURO) zahlen und er verließ als freier Mann das Gelände. Er hatte bereits auf einem anderen Standort im April ebenfalls eine "Besteigung" unternommen.

Das so etwas ein attraktives Adrealin-Hobby ist, kann man bei stillgelegten Anlagen schon öfters beobachten....

Hier ein Foto von einer Deutschen Klettertruppe, welche mit dem Hissen der Ukrainischen Fahne endete.

Inzwischen wurden Bewohner von Nachbargrundstücken informiert, daß seitens der Radiokomunikace der Abriss zwischen dem 12. und 16 Oktober 2026 erfolgen soll. 

Aus Kostengründen hat die Radiokomunikace es so entschieden. Technisches Denkmal ? ist da uninteressant. 

 

Es geht noch weiter

 

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Liblice Es war einmal...noch steht er 
12.Oct.26 09:27
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Wolfgang Lill (D)
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Wolfgang Lill

Der MDR ( Mitteldeutsche Rundfunk) brachte am 11.Oktober 2026 in seinen 19,00 Uhr MDR aktuell- Nachrichten einen 37 Sekunden-Beitrag über diesen ausgedienten MW- Sender.

Bildausschnitt MDR

Nach wie vor hält die tschechische Radiokomunikace den Abrißtermin geheim. Auch in diesem Beitrag welcher unter YOU TUBE:  MDR - Liblice aufgerufen werden kann, ist nur von dem Zeitraum 12.-16.10.26 die Rede. Selbst im Rathaus in Cesky Dub hat man keine präziseren Informationen.

 

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Liblice Es war einmal... 
12.Oct.26 09:31
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Wolfgang Lill (D)
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Wolfgang Lill

Vor dem Umfallen ! 11.10.2026 Foto Lill

hier nochmal ein Rückblick

 

ich bleibe dran

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Liblice Masten gesprengt am 15.10.2026 11,15 Uhr 
15.Oct.26 11:38
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Wolfgang Lill (D)
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Wolfgang Lill

Trotz einiger Proteste besonders in den letzten Tagen, wurden heute um 11,15 Uhr beide 355 m hohe Masten gesprengt. Insgesamt 4 Kg SEMTEX (ein Plastiksprengstoff der auch für militärische Zwecke eingesetzt wird) reichten für die Zerstörung der Stahlseile, welche die Masten aufrecht hielten und diese fielen kontrolliert zu Boden.

Fotos wurden bereitgestellt von Frau Havlinová und Frau Kuklová aus Liblice 

Frau Havlinova schreibt mir am 21.10.26

ich schicke ein paar Fotos, die ich auftreiben konnte, wie die Sender fallen. Angeblich wurde ein Aufzug demontiert, aber der andere sollte im Sender bleiben. Der Zaun ist durch den Fall der Sender beschädigt und der Bereich ist mit Band abgesperrt. Es wird gerade eine schnelle Demontage der Sender selbst durchgeführt, eine Firma arbeitet hier 24 Stunden am Tag, also ist von den Sendern kaum noch etwas übrig. Die zerschnittenen Teile werden auf einen Haufen gelegt und anschließend wahrscheinlich zur endgültigen Entsorgung gebracht. Gleichzeitig hat sich hier eine Hysterie entwickelt, viele Leute kamen und wollten ein Stück des Senders mitnehmen, einige handeln nun damit auf verschiedenen Verkaufsportalen. Leider ist es nicht möglich, an den Aufzug zu gelangen und Fotos zu machen, es gibt eine Agentur, die alles bewacht.

Bei den zugesandten Fotos ist der Fotograf angegeben Jakub Vtípil, der auch auf fc genannt wurde, damit es keine Missverständnisse darüber gibt, wer der Autor ist. Der Verein der Freunde der Gemeinde Liblice und die Stadt Český Brod haben einige Fragmente des Senders gesichert, und nun wird nach einem geeigneten Ort für die Aufstellung des Denkmals gesucht. Ob es direkt in Liblice oder in Český Brod sein wird, weiß ich noch nicht, aber das Ziel ist es, es in Liblice aufzustellen.

Wie kann man so ein trauriges Ereignis darstellen?

 Ich meine ein schwarz-weiß-Bild ist hier angebracht.

 

Fotos von Jacub Vtipil danke Ihnen

Das war das Ende des 1976 leistungsstärksten Mittelwellensenders in Europa

Das höchste Bauwerk Tschechiens ist nun der Sendemast in Krašov bei Plzeň  aus den 1970er Jahren.

Er ist 347,5 Meter hoch.

Geplant ist, bis Ende November das Senderareal vom Schrott zu befreien. 

 

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