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Lockeren Röhrensockel befestigen

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Forum » Valves / tubes - Semiconductors » Valves / Tubes; practical use and procurement » Lockeren Röhrensockel befestigen
           
Harald Pohlmann
Harald Pohlmann
 
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18.Jan.04 02:16

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Hallo,

Bei Röhren mit angekittetem Bakelitsockel tritt im Laufe der Zeit recht häufig eine Lockerung ein. Aus diesem Grund tauchen immer wieder abenteuerliche oder unschöne Befestigungsversuche auf, die die Originalität der Röhre unwiederruflich ruinieren.

Als Alternative habe ich mit Schellack gute Erfahrung gemacht. Er wird in Alkohol nicht allzu dünnflüssig aufgelöst und mit einem feinen Pinsel in den Spalt zwischen Kolben und Sockel geträufelt. Es darf nur soviel verwendet werden, dass die Flächen im Spalt benetzt sind, aber nichts in den Hohlraum zu den Stiften läuft. Am nächsten Tag wenn der Lack trocken ist, fülle ich den Spalt noch mal bis oben auf.

Der trockene Lack ist so fest, dass auch beim Herausziehen aus strammen Fassungen der Sockel fest am Glas bleibt. Mit der Wärmebeständigkeit hatte ich noch keine Probleme, da besonders bei alten Röhren die Wärmequelle weiter oben sitzt.

Falls etwas gegen diese Methode spricht oder jemand eine gute Alternative weiß, wäre ich um einen Ratschag dankbar.

Grüße, Harald Pohlmann

Eilert Menke
 
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18.Jan.04 10:40

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Der früher i. d. R. verwendete Klebstoff (Kitt) für Röhrensockel und Gitter-/Anodenkappen ist Quarzpulver feinst gemahlen, vermengt mit Wasserglas. Eignet sich auch gut zur Reparatur, sofern die Anschlußdrähte zwischen Röhre und Sockel nicht zu kurz. Aber recht umständlich in der Anwendung. Evtl. muß die Röhre neu gesockelt werden (Zuleitungen am Sockel ablöten, alten Kitt aus Sockel entfernen, Röhrenkolben mit (verlängerten) Zuleitungen auf Sockel neu verkitten). Wegen der Originalitiät sollte diese Mischung mit geringen Mengen brauner Farbpigmente versetzt werden. Näheres siehe E.E. in "Radios von gestern".

Eine weitere sehr geeignete und bei sorgfältiger Anwendung unsichtbare Befestigungsmethode ist die Verwendung herkömmlicher Sekundenkleber auf Cyanidbasis, sofern der alte Kitt noch vollständig und stabil erhalten. Da sehr dünnflüssig, einfach in der Anwendung. Hitzebeständig. Die öfters geäußerte Befürchtung, der Sekundenkleber könne den Glaskolben beschädigen, kann ich nicht bestätigen. Für sehr alte bzw. wertvolle Exemplare ist diese Methode aufgrund der dann nicht mehr gegebenen Originalität allerdings weniger zu empfehlen.

E.M.

PS: Beim "Ziehen" einer Röhre ist diese - nach Möglichkeit - grundsätzlich am Sockel, nicht am Kolben (!), anzufassen.

This article was edited 19.Jan.04 09:58 by Eilert Menke .

Jacob Roschy
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18.Jan.04 19:25

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Mit Zweikomponenten- Klebern wie Uhu-Plus etc. habe ich sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Nach dem Aushärten wurden mir davon schon mehrere, auch wertvolle Röhren der RENS-Serie zerstört, indem der Kolben an der Klebestelle abgesprengt wurde.

Daher bin ich auf andere Methoden übergegangen :

Wenn die Röhre nur wenig lose ist, verwende ich temperaturbeständiges Pattex. Dies ist aber nur möglich, wenn der alte Kitt noch vollständig im Sockel ist und das Pattex nur die beiden dicht benachbarten Flächen von Glas und Kitt zu verbinden braucht. Röhren, die sich kaum erwärmen, klebe ich z.T. auch mit normalem Uhu- Alleskleber.

Röhren mit sehr losem Röhrensockel mit viel Luft dazwischen klebe ich mit Silikon aus dem Baumarkt, man kann sogar einen braunen Farbton entsprechend des alten Materials wählen. Da dieses Matereial dauerelastisch bleibt, ist eine große möglichst Fläche bzw. Raum zwischen Glaskolben und Sockel auszufüllen. Dabei vermeide ich, dass die Drähte von der Füllmasse umschlossen werden, da ich über die Isolierfähigkeit dieses Silikons keine verlässlichen Angaben habe. Sockel und Glaskolben werden danach mit Klebebband oder Draht bandagiert und die Röhre kopfstehend zur Aushärtung aufgestellt, damit das Silikon sich am oberen Ende des Sockels ablagert.

MfG JR

Ernst Erb
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18.Jan.04 22:54

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Nebst Themen wie: Sockelschaltung herausprüfen, Dioden statt Gleichrichterröhren, Schutz von Gleichrichterröhren, Gitter- oder Anodenkappe lose, Seitenanschluss lose, Wackelkontakte und Schlüsse, Aussenmetallisierung, Gebrochene Stifte und Regenerierung von Röhren bringe ich in Rvg auch das Thema "Wackelige Sockel". Zuerst den Originaltext, dann aber bitte meine Bemerkungen dazu lesen:

Wackelige Sockel (auf Seite 247)
Die vor dem Zweiten Weltkrieg entwickelten Radioröhren weisen fast durchweg einen Sockel auf, den ein spezieller Kleber mit dem Glas verbindet. Häufig ist nun dieser Kleber zerbröckelt und der Sockel wackelt. Verschiedene Röhren sind nahezu unmöglich am Sockel herauszuziehen. Es besteht die Gefahr, dass man den Glaskolben so verdreht, dass die Zuführungsdrähte sich berühren und Kurzschluss bilden oder abreissen.

Sockel sind normalerweise mit einer Mischung aus Wasserglas und Quarzstaub feinster Körnung geklebt. Das Kleben einer seltenen Röhre sollte fachgerecht erfolgen. Wasserglas ist gut erhältlich und Quarzstaub verwendet die Farbenindustrie. Allerdings handelt es sich um gereinigten Quarzstaub, der weiss statt braun aussieht. Man gibt dem Wasserglas, das an der Luft austrocknet, unter gutem Umrühren Quarzstaub bei, bis eine breiartige Masse entsteht. Das Verhältnis beträgt ungefähr eins zu eins. Der Brei erhält etwas braune Farbe in Form von Anilinpulver oder Tempera-Farbe (wasserlöslich, hinterher aber nicht mehr abwaschbar). Die Masse ist sofort zu verwenden und zieht innerhalb 15-30 Minuten an. Wasserglas gilt als sehr guter Glaskleber, da es das Glas selbst anlöst.

Eine rasche Reparatur einer "gewöhnlichen" Röhre erzielt man am besten mit einem Zweikomponenten-Kleber. Da zwischen Glas und Sockel teilweise ein Zwischenraum besteht, sind Kontaktkleber nicht und Einkomponenten-Kleber weniger geeignet. Am Sockel herausziehbare Röhren halten mit sparsam aufgetragenem Ponalleim, der glasklar aushärtet und deshalb unsichtbar bleibt.

Ergänzung dazu und Streichungen
Weil Sammler oft zu viel Zweikomponentenkleber verwenden, besteht die Gefahr, dass schon durch das Aushärten des Klebers ein Glasbruch entstehen kann - aber nicht bei sachgerechter Behandlung. Somit hatte ich beim neuen Text jenen Satz herausgenommen. Dafür eingesetzt:

"Jedenfalls sollte der Kleber nicht stark aushärten, wie das Zweikomponentenkleber etc. tun, sonst riskiert man mit der Zeit feine, u.U. versteckte Galsbrüche, besonders bei grossen Temperaturunterschieden bei Betrieb der Röhren."

Bemerkung:
Ponallleim ist natürlich ein Einkomponenten-Kleber, doch bleibt er ziemlich elastisch. Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass unser Chemiker, Georg Schön, noch weiterführende, prinzipielle Erwägungen einbringen könnte, wenn er das liest. Jedenfalls betrachte ich den Vorschlag von Jacob Roschy mit elastisch bleibendem (das ist wichtig) "Silikonkleber" auch als sinnvoll. Die Marke Pattex könnte auch ein Ponalleim sein, denke ich. Wer weiss das genau? Bei Sekundenkleber hätte ich die selben Befürchtungen, die sich beim Zweikomponentenkleber eingeschlichen haben.

Franz Harder
 
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18.Jan.04 23:07

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   5 Finger weg von Silicon - gegen die Verwendung von Silicon in unserem Hobby spricht die Säurehaltigkeit der Masse. Nun, die Essigsäure kann das Kupfer nicht unmittelbar auflösen, aber Langzeitkorrosion an Metallen (da man ja nicht mit klarem Wasser nachspülen kann) ist nicht auszuschließen.
Weiterhin bilden sich durch die Essigsäure hochohmige Verbindungen. Ich bin hier schon einmal böse reingefallen und habe erst nach längerer Fehlersuche die bereits seit mehreren Wochen ausgehärtete Siliconmasse als Übeltäter ausfindig gemacht. Bei Röhren, die den G1 Anschluß über den Sockel herausführen, kann eine hochohmige Verbindung zum Anoden- oder G2 Anschluß bekanntlich ungeahnte Folgen haben.

Die Methode mit dem Wasserglas (Vorsicht Ätzend!) funktioniert gut und wird von mir favorisiert.

mfg F.H.
Georg Schön
 
 
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19.Jan.04 00:39

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   6 Hallo,
in diesem Thread wurden einige Fragen aufgeworfen:

-Isolationseigenschaften von "Silikon" :
die sind hervorragend.
Ich habe mir z. B. aus essigabspaltendem Baumarkt-Silikon einen Riemen für einen van de Graaff-Generator hergestellt!
Problematisch ist, daß das Durchreagieren von einigen Millimetern Schichtdicke Tage dauert, es muß nämlich Wasserdampf hinein- und die Spaltkomponente dann wieder herausdiffundieren. Durch Einstellen des Objekts in eine Atmosphäre hoher Feuchte (Teller mit Wasser in Wärmeschrank)und Temperatur kann man etwas beschleunigen.
Allerdigs ist es nicht richtig, daß das Material Essigsäure "enthält". Erst wenn Luftfeuchtigkeit eindringt, wird Essigsäure abgespalten, die dann verdunstet. Aber selbst während dieses Vorganges ist das Material ein guter Isolator!

-Korrosion durch Silikonkleber:
Es gibt da drei Sorten, sauer-, neutral- und aminhärtend. Am meisten wird das essigsauer härtende angeboten. Wenn man Angriff der Essigsäure auf Kupfer fürchtet, kann man auf das neutralhärtende oder das aminhärtende Silikon ausweichen, diese spalten Äthanol bzw. Diäthylamin ab.Alle drei Silikon-Arten sind recht Temperaturbeständig, man kann ihnen bis 150° zumuten.
Eine essighärtende Kartusche, die ich zur Hand habe, gibt sogar 200 ° an.
Interessanterweise ist da ein Feld drauf, in dem Cu, Pb und PVC steht,
und dies rot durchgestrichen. Für Kupfer und Blei ist das chemisch naheliegend,
warum man es für PVC nicht verwenden soll ist mir nicht klar.

Neuerdings gibt es Kartuschen mit "Hybrid Polymer - MS Polymer", als Kleber für Glas (und mehr),dieses härtet auch durch Feuchtigkeit aus und spaltet nur Äthanol ab. (Dieses Material ist kein Silikon, in der Masse ist es Polypropylenoxid, Silicongruppen dienen nur als Vernetzer.Hersteller "Soudal")
Ich habe erst einige wenige Klebstellen damit an Glas und Metall hergestellt, mit bestem Erfolg.Über die Temperaturbeständigkeit davon habe ich keine Angaben. Auf Grund des Hauptbestandteils PPO dürfte es aber bei weitem nicht an Silikon heranreichen.

-Pattex und Ponal:
Die haben nichts gemeinsam. Ponal ist eine Primärdispersion aus Polyvinylacetat in Wasser, entwickelt als Holzleim. Ponal und alle Varianten davon ("Weißleim, Propellerleim, etc") binden dadurch ab, daß das enthaltene Wasser in das Holz wegschlägt. Wenn dies bei nicht pörösen Untergründen nicht möglich ist, dauert die Trocknung sehr lange.Pattex:Dies ist inzwischen eine sehr problematische Bezeichnung, da Henkel unter diesem Namen inzwischen mehrere, chemisch und technisch ganz verschiedene Klebstoffe verkauft. Unter anderem auch ein "MS-Polymer" unter der Bezeichnung "Pattex-Montage".
Das ursprüngliche Pattex ist eine Lösung von Synthesekautschuk in organischen Lösemitteln, im Prinzip eine synthetische Variante der klassischen "Gummilösung", der Mutter aller Kontaktkleber.

- Wasserglas/Quarzmehl:
hmmmmmm, das ist sehr traditionsbewußt! Vorsicht aber beim Hantieren mit dem Wasserglas, das ist sehr ätzend, Brille tragen! Ich arbeite lieber mit Silikon bei Röhren, wenn viel Volumen zu füllen ist.
Wenn der ursprüngliche Röhrenkitt noch da ist, und man nur einen dünnen Spalt zu füllen hat, arbeite ich mit Cyanacrylatkleber.
Grüße,Georg Schön-

This article was edited 19.Jan.04 18:17 by Georg Schön .

Martin Renz
Martin Renz
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19.Jan.04 00:30

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   7

Pattex ist ein Kontaktkleber, der in verschiedenen Ausführungen erhältlich ist, es gibt auch eine Variante mit erhöhter Temperaturfestigkeit. Ich halte ihn auf Grund seiner Eigenschaften nur für bedingt geeignet.

Ponal gehört zu den PVAC-Leimen, im Volksmund Holzleim oder Weissleim. Die Eigenschaften der verschiedenen erhältlichen PVAC-Leime und ihrer Verwandten können stark variieren. Insbesondere dauerhafte Elastizität und die Hitzefestigkeit sind kritisch zu betrachten. Ich wäre auch hier eher vorsichtig.

Silikon gibt es auch in einer neutral vernetzenden Ausführung, die die Nachteile der Essigsäure-Vernetzung möglicherweise vermeidet. Ich habe darüber aber keine Erfahrung.

mfg

Martin Renz

This article was edited 18.Dec.11 18:26 by Martin Renz .

Iven Müller
Iven Müller
 
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19.Jan.04 09:32

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   8

Die Befürchtung von Herrn Erb mit dem Sekundenkleber kann ich aus leidiger Erfahrung bestätigen. Der Kleber ist zwar für eine schnelle Reparatur vielleicht verlockend, er sprengt aber das Glas. Und das in kaltem Zustand. Die Spannungen die dort beim schnellen Aushärten auftreten sind dem Röhrenkolben nicht zumutbar.

Also  - Finger weg !

 

Gruß Iven

Felix Schaffhauser
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20.Jan.04 10:34

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   9

Ich bin ein Gegner der Verwendung von steif aushärtenden Klebeverbindungen. 1. ist eine solche Verbindung unwiederruflich und endgültig, was nicht immer gewünscht ist. 2. sehe ich auch eine Gefahr wegen der Entstehung von Spannungen.
Viel besser und bei mir bewährt ist die Verwendung von ganz normalem weissem Papierleim, wie er überall unter verschiedensten Namen in meist weissen Plastikspendern angeboten wird. Der Leim trocknet transparent aus, bleibt leicht elastisch und entwickelt genügend Festigkeit, dass der Glaskopben fest sitzt. Die Röhre sollte man ohnehin nicht am Kolben ausziehen , sondern nur am Sockel. Dies gilt besonders für die Aussenkontaktröhren , wo man beachtliche Federkräfte überwinden muss.
Ein weiterer Bonus meiner Methode ist die relativ leichte Lösbarkeit mittels warmem Wasser, wenn man den Sockel wieder einmal entfernen möchte (Korrosion oder Kurzschluss bei den  Anschlussdrähten etc.)

mit bestem Sammlergruss
Felix Schaffhauser

Harald Pohlmann
Harald Pohlmann
 
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20.Jan.04 11:18

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   10

Hallo,

vielen Dank für die zahlreichen Tipps, da habe ich auf jeden Fall für die unterschiedlichsten Probleme eine Lösung.
Besonders problematisch sind bei mir die Aussenkontaktröhren. Gerade die kleinen Bauformen haben keinen Kragen am Sockel und sind daher sehr gefährdet. Gibt es eventuell ein spezielles Ausziehwerkzeug?

Viele Grüße, Harald Pohlmann

Jacob Roschy
Jacob Roschy
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20.Jan.04 15:42

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   11

Hallo Herr Pohlmann,

leider scheint es kein Ausziehwerkzeug für Aussenkontaktröhren zu geben, mir ist in all den Jahren noch keines begegenet. Man kann sich nur behelfen, indem man mit einen Schraubenzieher, oder besser mit zwei diagonal, die Röhre vorsichtig aushebelt. Gerade für Typen wie EF9, EBF2 und EBC3 mit Sockel ohne Kragen ist das ein Problem, wenn diese in einer schwergängigen Fassung stecken. Warum man auch der dickeren ECH4 nur den kragenlosen Sockel verpasst hat, obwohl man ihrer gleichgroßen Vorgängerin ECH3 einen solchen mit Kragen zugestanden hatte, werde ich nie verstehen.

MfG JR

Michael Seiffert
Michael Seiffert
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22.Jan.04 12:01

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   12

Hallo!

Habe soeben bei Ebay Angebot für einen Spezialkleber für Röhrensockel gefunden:

Artikel Nr. 3268358580

Über die Zusammensetzung schweigt man sich aber aus, stammt angeblich aus militärischer Anwendung.

MfG.

M. Seiffert

So sucht es sich leichter:

http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?ViewItem&item=326835850&category=38692&rd=1

This article was edited 22.Jan.04 12:36 by Michael Seiffert .

Hans Kamann
Hans Kamann
 
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14.Aug.04 10:27

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   13 Nach Lesen der verschiedenen Beiträge habe ich noch keine wirklich hilfreiche Idee gefunden, wie ich nun den Glaskolben einer AZ11 auf ihrem Sockel befestigen kann. Die AZ11 wird im Betrieb ziemlich warm, somit sehe ich Risiken bei Zweikomponentenklebern wie UHU Plus. Ich habe mehrfach festgestellt, dass diese Art Kleber bei längerer Wärmeeinwirkung spröde bzw. weich wird. Sekundenkleber habe ich schon mehrfach erfolgreich verwendet, aufgrund der verschiedenen Beiträge hier bin ich dahingehend unsicher geworden. Silikon: Was passiert bei Wärmeeinwirkung ? Den Vorschlag von Herrn Erb, Wasserglas zu verwenden, halte ich derzeit für das sinnvollste, jedoch: woher bekommt man Wasserglas ? Und woher das Steinmehl ?
Detlef Boeder
Detlef Boeder
 
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14.Aug.04 13:47

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   14 Hallo Hans,

Wasserglas gibt es in der Apotheke, b.z.w. die können sowas bestellen. Quarzpulver gibt es in Modellbauartikelhandlungen. Auch die Farbstoffe dazu.
Traditionell ist das die richtigste aber aufwendigste Lösung.
Zum Sekundenkleber Cyanacrylat:
Ich habe schon viele Röhrenkolben wieder angeklebt und kann dies nur empfehlen. Mir ist jedenfalls noch keine einzige Röhre kaputtgegangen. Vorausgesetzt - der alte Kitt haftet noch vollständig und unzerbröselt im Sockel.
Punktweise dosiert ist der dünnflüssige und damit fast unsichtbar kapillar einziehende Sekundenleber sehr leicht zu dosieren und vorallem sauber zu handhaben. Mittlerweile gibt es Weiterentwicklungen des Sekundenklebers - ohne stechende Gerüche und praktisch kein weisslicher Schleier beim arbeiten.
Silikonmassen würde ich nicht verwenden.

Gruss
Detlef Boeder

This article was edited 14.Aug.04 13:53 by Detlef Boeder .

Rüdiger Walz
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17.Aug.04 00:16

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   15 Im Buch "Werkstoffkunde der Hochvakuumtechnik" von W. Espe und M.Knoll von 1936 werden eine ganze Reihe Sockelkitte angegeben, Wasserglas ist jedoch nicht dabei.
Wasserglas wird zwar in alten Büchern gerne als Kitt für zerbrochenes Porzellan angegeben, aber aufgrund seiner Basizität und damit möglichen Schädigung der Kupferzuleitungen würde ich es nicht zum Röhrenreparieren verwenden.

Angewendet wurden kommerziell früher meistens Novolacke oder Resole (beides Bakelitvorstufen) in Alkohol gelöst mit Füllstoffen wie Mamorpulver oder Schlämmkreide zu einem Brei verrührt. Die Röhren wurden meist zur Beschleunigung der Aushärtung im Ofen erhitzt, was die meist braune Farbe des Sockelkitts verursacht, bzw meist sind diese Bakelitvorstufen von sich aus bräunlich-gelb.
Weiterhin werden von Espe und Knoll aber auch Mischungen aus Schellack, Alkohol und Füllstoffe wie Gips oder Andere empfohlen.
Von Gips als Füllstoff muß ich aus eigener Erfahrung abraten. Er führt zur Korrosion an den Zuleitungsdrähten.
Die drei letztgenannten Kitte haben den Vorteil (oder auch Nachteil), daß sie durch Erwärmen wieder lösbar sind.
Espe und Knoll berichten auch von Kitten auf Basis von anorganischen Zementen auf, wie Gips + Wasser oder Mamorzement + Wasser oder Magnesiumoxid + Magnesiumchlorid + Wasser oder Bleiglätte + Glycerin, auf die ich nicht näher eingehen möchte.
Bei Blaupunktröhren und manchen anderen frühen Röhren wurde auch Picein, ein teerartiges Material als Schmelzkleber verwendet.

Alle Reparaturen an Röhren mit Klebern sollten reversibel sein. Es kommen also nur Schmelzkleber oder lösliche Kleber in Betracht. Bedenken Sie, daß später vielleicht der Kolben vom Sockel gelöst werden muß, weil ein Anschlußdraht durchkorrodiert ist. Mit Epoxid, was wie berichtet zum Kolbenbruch führen kann und Sekundenkleber ist das nicht ohne weiteres möglich. Wasserglas kommt aus diesem Grund und wegen Korrosion ebenfalls nicht in Betracht.

Es bleiben meiner Meinung nach nur Schellack, moderne Schmelzkleber oder Hochtemperaturpatex, mit denen ich gute Erfahrungen gemacht habe.




This article was edited 17.Aug.04 00:17 by Rüdiger Walz .

Hans Kamann
Hans Kamann
 
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17.Aug.04 09:10

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   16 Vielen Dank für die detaillierten Ausführungen, interessant sind gerade die Probleme mit der Elastizität bei Erwärmung.

Um jetzt mal "zu Potte" zu kommen, habe ich einen Versuch durchgeführt:

Zwei AZ11, gleiche Bauart ( wobei ich nicht weiss ob es überhaupt verschiedene Bauarten gegeben hat ), mit losem Röhrensockel, habe ich geklebt.

Eine wurde mit normalem Holzleim "Marke Ponal" geklebt. Der Kleber ist nahezu unsichtbar, weitgehend ungiftig und lässt sich sehr leicht verarbeiten.

Eine andere habe ich mit Kleber "Pattex Repair Extreme" geklebt. Dieser Kleber soll angeblich bis 120 Grad Temperaturfest sein.

Beide Röhren werden derzeit abwechslend benutzt. Im Graetz 164W zwei Stunden Dauereinsatz. Danach Abkühlung und Austausch gegen den jeweils anderen Probanden. Ich habe diesem Versuch eine Woche gegeben, danach werde ich vom Ergebnis berichten.

Gruss
Ernst Erb
Ernst Erb
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17.Aug.04 12:27

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   17

Wir können hier die klassischen Materialien der Röhrenhersteller durchdiskutieren, doch sollten wir andererseits auch dem ganz normalen Anwender klare Antworten geben, die er mit Kauf und einfacher Anwendung verwirklichen kann.

Zuerst zu den klasssischen Klebern. Es gibt deren so viele "Familien", dass wir die hier nicht abhandeln können, denn innerhalb "Familie" gibt es diverse Varianten aber auch Marken etc. Das beginnt schon bei den "Eisweissklebern" bis hin zu hochmodernen.

Ganz einverstanden bin ich mit Rüdiger Walz nicht, denn die Kombination Wasserglas / Schlemmkreide wurde in alten Fachbüchern als industrielle Anwendung für eben diesen Zweck beschrieben - nebst anderen Verfahren - vielleicht habe ich die Quelle in "Radios von gestern" genannt - vielleicht nicht, doch kann ich der Sache nicht nachgehen. Macht hier auch keinen Sinn, da umständlich. Auch schon Schmelzkleber ist wohl für viele Anwender zu umständlich, da Hitze im Spiel ist. Schellack finde ich eine gute Alternative von Herrn Walz, weil noch relativ einfach beschaffbar und lösbar - und leicht reversibel.

Ponalleim, den man überall finden kann, ist auch heute meine Methode, da es unsere Vorgaben erfüllt. Felix Schaffhauser hat das in Post 9 beschrieben - und richtig auf die notwendige Elastizität hingewiesen, sofern man von modernen Klebern aus geht (Die damaligen prfessionellen Materialien waren das nicht, hatten aber andere Eigenschaften). Den Versuch von Herrn Kamann finde ich interessant, warten wir ab. Der Sekundenkleber-Vorschlag von Herrn Boeder unter der von ihm beschriebenen Umständen dann wohl anwendbar, wenn nur punktweise und sehr sparsam angewendet. Da fürchte ich nur die Reversibilität - doch meine ich, dass das für "gewöhnliche Röhren" keine Rolle spielt. Wir haben also zu unterscheiden: Gebrauchsröhren und Sammlerröhren. Das scheint mir der wichtigste Punkt. 

Gerald Gauert
 
 
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17.Aug.04 15:27

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   18 Ich gehe ebenso wie Herr Boeder vor und verwende Sekundenkleber auf Cyanacrylatbasis.
Dieser Sekundenkleber kann mit Aceton angelöst werden und somit ist auch ein erneuter Wechsel des Sockels zu Reparaturzwecken möglich. Dazu die Röhre in ein schmales, verschließbares Glasgefäß stellen, bis zur Klebefuge mit Aceton auffüllen und etwa 10 Minuten einwirken lassen. Wegen der leichten Entflammbarkeit sollten die Anschlussdrähte bereits vor dem Bad gelöst werden (Freibohren mit 1mm Bohrer oder Lötzinn absaugen).

This article was edited 17.Aug.04 15:28 by Gerald Gauert .

Jacob Roschy
Jacob Roschy
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17.Aug.04 17:52

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   19
 

Starr aushärtende Kleber, ob Zweikomponenten- oder Sekundenkleber findet / fand man (einschließlich ich selbst) nur so lange für gut, bis man sein Lehrgeld bezahlt hat (ich auch).

Daher kommen für mich nur noch elastisch bleibende Kleber in Frage.

Neben den hier schon erwähnten Typen verwende ich gelegentlich auch ganz normalen Uhu- Alleskleber, wenn die Erwärmung nur gering ist.

MfG JR

Peter von Bechen † 15.7.19
Peter von Bechen † 15.7.19
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18.Aug.04 14:56

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   20 Ich habe auch schon gute Erfahrungen mit UHU-Alleskleber gemacht, selbst bei Gitterkappen. Man sollte allerdings beim Andrücken den überquellenden Kleber sauber entfernen (wenn nötig mit ein wenig Azeton). Sonst sieht das nicht so gut aus...
Ein weiterer Tipp ist farbloser Nagellack. Der ist offensichtlich auch ausreichend hitzebeständig und bleibt nach dem aushärten elastisch genug.
Gruß
Peter
Hans Kamann
Hans Kamann
 
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19.Aug.04 12:11

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   21 Falls ein Kleber verwendet wurde, der nachträglich nicht mehr gelöst werden kann ( irreversible Klebung ) kann das später zu einer bösen Überraschung führen. siehe diesen Thread: http://www.radiomuseum.org/dsp_forum_post.cfm?thread_id=29622 

Dort hatte ein Vorbesitzer eine Röhre falsch geklebt, die EM4 ist dadurch verdreht.
Hans Kamann
Hans Kamann
 
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28.Aug.04 09:44

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   22 Ich habe nun den Versuch mit der AZ11, die mit Ponal geklebt wurde, beendet. Der Röhrensockel wurde mit Ponal Holzleim leicht bestrichen, austretende Rest mit einem feuchten Lappen entfernt und dann der Glaskolben mit einem Streifen Tesafilm fixiert. Der Tesafilm wurde dazu einfach einmal vertikal über Glaskolben und Sockel geklebt. Nach ca. sechs Stunden habe ich den Tesafilm entfernt und die Röhre in Betrieb genommen, in Graetz 164 W.

Das Gerät lief seither an sieben Tagen jeweils ca. fünf Stunden im Dauerbetrieb. Es haben sich keine Veränderungen an der Befestigung feststellen lassen, Ponal ist offensichtlich sehr gut geeignet für diese Aufgaben.

Georg Schön
 
 
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05.Jul.05 20:59

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   23 Im Ullmann fand ich folgende Angaben zum Kitt für Glühlampensockel,
der Kitt/Kleber für Röhren dürfte ähnlich sein:

A cement composition consists of adhesives, fillers, and additives. A
typical thermosetting adhesive mixture consists of shellac (a natural
product) and phenol - formaldehyde resin. Limestone is often used as a
filler. Typical additives are colophony (a natural product) and silicone
resin. Filler and additives are added to obtain the required rheological
properties. Silicone resin also improves resistance to atmospheric
influences. The cement paste is obtained by mixing the resin - cement
powder with low-boiling organic solvents (alcohols).

Solch ein Kleber dürfte demnach heute noch hergestellt werden.


Viele Grüße
Georg Schön
Ulrich Bretz
 
 
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04.Sep.11 21:01

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   24

Bei der Betrachtung meiner lockeren GR 20-12 und dem Lesen dieses Threads ist mir noch eine Idee gekommen:
Ich habe in der Schublade noch "Sugru" liegen. Per Hand formbar, mit Wasser zu glätten, härtet an der Luft ohne Volumensänderung aus, bleibt dauerflexibel und ist bis 180Grad temperaturbeständig. Dazu mit geringer mechanischer Gewalt wieder rückstandsfrei zu lösen. Perfekt?
Ist natürlich keine "Original"-Lösung, dafür finde ich aber auch keinen der Nachteile, die bei den übrigen Klebe-Methoden auftauchen können.

Ich habe das Sugru inzwischen an einer alten EL12 getestet. Hält nicht bombenfest, aber gut. Entfernen lässt es sich ohne Mühe und natürlich zerstörungsfrei.
Weitere Tests konnte ich nicht durchführen, da meine restlichen Vorräte (vom letzten Jahr) alle schon ausgehärtet waren bzw. damit begonnen hatten. Als Vorrat sollte man sich also nur zulegen, was man in ca. 6-9 Monaten verbrauchen kann.

Zu erwähnen ist evtl. noch, dass es Sugru in verschiedenen Farben gibt, die sich untereinander mischen lassen. Man kann also die Farbe, wenn schwarz nicht "passt", mit etwas Geschick an den Röhrensockel bzw. den persönlichen Geschmack anpassen.

Nähere Informationen gibt es HIER.
Die Website ist leider auf englisch, erschliesst sich durch viele Bilder und Videos aber auch dem, der der englischen Spache nicht 100% mächtig ist.

Viele Grüsse,
Ulrich

This article was edited 04.Sep.11 21:05 by Ulrich Bretz .

  
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