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Loetkolbennostalgie

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Hans-Georg Schirmer
Hans-Georg Schirmer
 
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26.Jul.09 18:22

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Den ersten Transistor meines Lebens (OC 70, ca. 1957) habe ich allen Ernstes mit einem alten Klempner- (Spengler-) Loetkolben eingeloetet, den ich im Feuer des Kohleherdes meiner Grossmutter erwaermen musste. Der Transistor hatte es tatsaechlich ueberstanden, gab sein Leben allerdings wenig spaeter durch eine versehentliche Kollektor-Basis-Beruehrung auf.  

Wenig spaeter gab es den ersten elektrischen Loetkolben, wohl als Geschenk zu irgend einem Feiertag; von meinem Schueler-Taschengeld war so etwas nicht zu bestreiten. Es war ein 30 Watt-Kolben, wie ich ihn einige Jahre spaeter auch als Standardexemplar in der Werkstatt meines Lehrbetriebes vorfand. In diesem Betrieb lief pro Arbeitsplatz praktisch pausenlos je ein 30 Watt-Kolben, und ein Bewusstsein fuer das Energiesparen gab es nicht  (sieht man einmal von der staendigen Ruege des damaligen Seniorchefs ab "Tuer zu, wir heizen nicht fuer den Hof!", eine schon wegen der Heizkoerper unter den schaufenstergrossen Einglas-Scheiben zum Betriebshof nicht ganz wahre Feststellung).

Ob es 1961 schon temperaturgeregelte Loetstationen gab, weiss ich nicht mehr. Eine Moeglichkeit, die Wirkleistung des Loetkolbens zu reduzieren – z.B. um der Verzunderung vorzubeugen, war die Reihenschaltung mit einem Vorkondensator, z.B. geschaltet mit einem Kontakt, der durch die Ablage des Kolbens betaetigt wurde. Stets und staendig tauchte in den Fachrechenaufgaben der Gesellenpruefung zum Radio- und Fernsehtechniker die Berechnung eines solchen Kondensators auf. Nebenbei: Diese Art der verlustfreien Wirkleistunsbeeinflussung blieb Theorie; in meiner beruflichen Praxis, auch in den Betrieben meiner Lehrkollegen gab es keine Realisierung dieser Schaltung (mehr?).  Fuer die damaligen Lehrlinge, durchweg Absolventen von Real- und Volksschulen, zaehlten Aufgaben dieser Art zu den schwierigeren. Formelsammlungen waren in den Pruefungen noch nicht zugelassen.

 

Ich habe sehr viel spaeter, mehr aus mathematischem Interesse, versucht, eine explizite Formel fuer den Reihenkondensator herzuleiten, in der, abgesehen von Netzspannung und –frequenz nur die tatsaechliche und die gewuenschte, geringere Wirkleistung des Loetkolbens enthalten ist. Sie ist in der Anlage beigefuegt. Leider ist mir die Herleitung abhanden gekommen und mittlerweile bin ich algebraisch etwas aus der Uebung. Aber zur Kontrolle habe ich einen vorhandenen, aelteren 6 Mikrofarad-MP-Kondensator (5,97 m F, 1,5 MOhm Iso-Widerstand, gemessen mit Voltcraft LCR-Meter) in Reihe mit meinem 200 Watt Loetkolben geschaltet (242 Ohm, also etwa 217 Watt an momentan 229 V Netzspannung). Resultat: Nur noch 37 Watt Wirkleistung. Eingesetzt in die Gleichung, ergeben sich in der Tat etwa 6 Mikrofarad (wegen Verwendung eines simplen Taschenrechners war nur eine Stelle ablesbar). Einen 200 W-Kolben wuerde man sicher bei hoeherer, vielleicht 50%iger Standby-Leistung betreiben. Ein Blick auf die im Laufe der Zeit voellig verzunderte und heruntergebrannte Spitze zeigt jedenfalls, dass der Inhaber des Kolbens bisher noch nichts zu dessen Schonung getan hat.

 

(Phasenanschnittsteuerungen mag er wegen des Stoernebels allerdings auch nicht...)

 

Hans-Georg Schirmer

 

PS: Allen Unerfahrenen im Umgang mit elektrischen Spannungen sei  

       dringend  davon abgeraten, mit Netzspannung zu hantieren.

 

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