Maserieren als Holzimitation

ID: 161670
Maserieren als Holzimitation 
02.Apr.08 17:14
29624

Martin Renz (D)
Ratsmitglied
Beiträge: 694
Anzahl Danke: 81
Martin Renz

Maserieren:
Die Technik des "Maserieren" wird auf Holz ebenso angewandt, wie auch auf Metall oder auch Stuck(-Gips).
Es geht dabei immer darum, mit Hilfe von Farblasuren das Aussehen von natürlichem Holz nachzubilden. Verwandt mit dieser Technik ist das "Marmorieren". In seiner weitesten Entwicklung sind beide Techniken in den Kirchen und Schlössern des Hochbarock zu bewundern. Heute wurde diese Technik überwiegend durch die fotografische Reproduktion abgelöst und überschwemmt in Form von melaminharzbeschichteten Spanplatten mit Holzdekoren Möbelhäuser und Baumärkte. Allenfalls ökonomisch ein Fortschritt.

Hier ein Beispiel einer recht primitiven Form des Maserierens. Ich habe es bei uns in der Werkstatt an einem alten Schrank gefunden:
Maserierte Holzfläche

Die Holzstruktur entsteht durch das Wegstreichen der Farbe mit einem Gummikamm, nicht durch den Untergrund oder das Holz selbst!

Grundprinzip des Maserierens:
Beim Maserieren kommt folgendes Prinzip zur Anwendung: Zunächst wird eine Grundfarbe im gewünschten Holzton aufgetragen. Nach dem Trocknen dieser Schicht wird mit einem breiten Pinsel oder einer Rolle eine zweite Schicht Farbe vollflächig aufgetragen. Diese ist meist von dunklerer Farbe und kann auch leicht lasierend (durchscheinend) sein. Bevor diese zu trocknen beginnt, wird nun mit Hilfe von rillenartigen Stempeln, Gummikämmen und speziellen Pinseln eine Holzstruktur erzeugt, in dem man mit den Werkzeugen über die Fläche rutscht und so einen Teil der Farbe wieder wegwischt. Dabei ist eine gewisse Fingerfertigkeit und Kenntniss der Holzstruktur erforderlich.  Nach jedem Wischgang wird das Werkzeug gesäubert und dann daneben neu angesetzt. Wenn Äste und Unregelmässigkeiten im Holz erzeugt werden sollen, werden diese in der Regel vorher zwischen diesen beiden Arbeitsgängen mit Hilfe von speziellen Pinseln und Schwämmen aufgetupft. Bevor die Farbe der zuletzt aufgetragenen Maserung ganz trocknet, kann man noch mit einem sehr langhaarigen, flachen und weichen Pinsel die Maserung nach aussen etwas verwischen. So erhält man Maserlinien, die auf der Innenseite scharf begrenzt sind und nach aussen unscharf verlaufen, so wie das bei richtigem Holz auch zu sehen ist.

maserierte Türe        Santospalisander, unlackiert

Links eine in gelungener Masertechnik lasierte Türe, rechts zum Vergleich ein Ausschnitt einer noch unlackierten Platte, die mit Santos-Palisander furniert wurde, also echtem Holz. Man sieht hier schön die Eigenheiten von Holz.


Maserfurniere werden mit speziellen Pinseln gestupft. Die Farben unterscheiden sich hier weniger stark voneinander.

Die Technik erfordert sowohl eine gewisse künstlerische Begabung, als auch handwerkliche Fähigkeiten. Es spricht nichts dagegen, es einmal mit ein paar Holzbrettchen zu versuchen und im Erfolgsfalle ein Blechgehäuse damit zu bearbeiten. Etwas Phantasie ist sicher notwendig, will man sich die notwendigen Werkzeuge nicht teuer erkaufen. Im Anhang habe ich ein paar Links aufgeführt, die sowohl gelungene Beispiele als auch Bezugsquellen nennen. Auch kurioses, wie ein Auto mit aufgemalten Eichepaneelen ist dabei. Bei den Werkzeugen fällt mir spontan ein Backpinsel mit Silikonborsten ein, wie er in vielen Supermärkten angeboten wird. Gummimattenreste mit Rillen lassen sich verwenden, eventuell die ein oder andere Erhebung wegschneiden, damit der Abstand der Jahrringe nicht zu gleichmässig wird. Alte, hart gewordene Pinsel lassen sich zum Stupfen gebrauchen, der alte Badeschwamm sollte doch eh schon mal erneuert werden....

Verwendbare Lacke:
Die Auswahl der Lacke richtet sich nach dem Untergrund und der notwendigen  Originalität. In diesem Zusammenhang ist oft von "Bierlasur" die Rede, eine wässrige Farbdispersion, der zur Verbesserung der Eigenschaften vor Verwendung etwas Bier beigegeben wird. Man kann solche Lacke nach alter Rezeptur  nehmen, muss aber nicht.
Acrylatlacke eignen sich deshalb ganz gut, weil sich die Werkzeuge zwischendurch leicht mit (Seifen-)Wasser reinigen lassen und kein umweltschädliches Lösemittel dafür gebraucht wird.

Zum Abschluss der Arbeit kann alles noch mit einem transparenten Lack überzogen werden, dieser sollte entweder sehr rasch aufgemalt werden, besser jedoch in 2 Gängen gespritzt werden. (erst dünn, dann satt). Sonst verläuft die schöne Arbeit zu einer braunen Sosse und verdirbt!.

Ich wünsche viel Erfolg bei den Versuchen und würde mich über Rückmeldungen und Erfahrungsberichte freuen.

 

EE: 8.3.22 Die externen Links entfernt, da "tot".

Für diesen Post bedanken, weil hilfreich und/oder fachlich fundiert.