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Mein Weg zum RoeTest

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Werner Sticht
 
 
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30.Jul.19 21:19
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Mein Weg zum RoeTest

Vorbemerkung:
Ich verwende in dem Beitrag keine Links. Internet-Suchmaschinen finden jedoch aus meinen
Angaben schnell die Quellen.

Einige von uns haben in den 60er und 70er Jahren mit dem Radiobasteln begonnen.
Es wurden, da die Teile noch teuer waren, alte Geräte vom Sperrmüll gesammelt,
repariert oder ausgeschlachtet.
Ich selbst habe mir damals eine Röhrensammlung zusammengestellt.
Die Röhren konnte ich jedoch nur in den Geräten selbst prüfen.
Seit damals plante ich den Selbstbau eines Röhrenprüfers.
Die Geräte im Handel konnte und wollte ich mir nicht leisten.

Was sollte mein Röhrenprüfer können?

Ich habe eine Liste zusammengestellt.
- Mit dem Gerät sollten Kennlinien der Röhren aufgenommen werden können.
- Die Spannungen Ua und Ug2 sollten sich bei der Aufnahme der Ug1-Ia-Kennlinie nicht verändern.
- Das Gerät sollte problemlos um weitere Röhrenfassungen erweitert werden können.
- Die im Gerät erzeugten Spannungen und Ströme sollten auch für andere Zwecke verwendbar sein.
- Das Gerät soll keine hohe Einarbeitungszeit zur Bedienung erfordern.

Orientiert habe ich mich bei meinen Planungen an RPB12 von Helmut Schweitzer
"Röhrenmessgeräte in Entwurf und Aufbau".
Als ich einmal die Kennlinien einer EL34 mit einem Funke W20 aufgenommen haben,
habe ich allerdings eine stabilisierte Ug2 zu schätzen gelernt.

Geräte mit stabilisierten Spannungen konnte man mit erträglichen Kosten in den End-60er Jahren
nur selbst bauen. Ich habe mir also ein Netzgerät mit zwei positiven und zwei negativen
Spannungen gebaut und in der Art verwendet, wie es Volker Lange-Janson in seinem Artikel
"Röhrenprüfer selbst gebaut" im Internet beschreibt.
Viele Röhren habe ich damit nicht geprüft. Es war unhandlich.

Mein neuer Ansatz

Um das Jahr 2010 habe ich mich wieder mit dem Thema Röhrenprüfen beschäftigt.
Durch das Internet konnte ich mich - insbesondere über Jogis Röhrenbude - ausgiebig
informieren. Ich habe daraus das folgende Schema eines Röhrenprüfers erkannt.

- Die Spannungsquellen liefern Heizspannung, negative Gitterspannungen (sollten mindestens 2
  sein), positive Spannungen für Anode, Hilfsanode, Schirmgitter (sollten mindestens 2 sein).
- Zu den Messmitteln zählen Spannungs- und Strommesser. Aber auch Belastungswiderstände zur
  Gleichrichtermessung gehören hier her, ebenso Vorwiderstände für Stabis und Magische Augen.
- Die Schaltmatrix ist bei den meisten klassischen Prüfern die Platte, auf die man die
  Prüfkarte legt und die Stifte einsteckt. Bei den anderen Geräten ist es oft nur eine Reihe
  von Schaltern, für jeden Fassungskontakt einen, mit denen man die Spannungen anwählen kann.
- Die Sockelplatte enthält die Röhrenfassungen. Es kann, wie beim Metrix U61, auch eine  
  Vielfachbuchse für viele einsteckbare Sockel sein.
- Der Elektrodenschlussprüfer ist fast immer ein Schalter, mit dem Schlüsse zwischen
  verschiedenen Elektroden erkannt werden sollen.

Viele Röhrenprüfer - insbesondere die Selbstbaugeräte - sparen an den Baugruppen
Elektrodenschlussprüfer und Messmittel, ja lassen sie manchmal völlig weg.
Als Messmittel kann ja ein bereits vorhandener Vielfachmesser dienen.
Statt einer Schaltmatrix werden sogar Verbindungen mit Bananenstecker-Kabeln vorgeschlagen.
Nur die Spannungsquellen der heutigen Selbstbaugeräte entsprechen dem jetzigen Stand der
Technik und stellen die entsprechenden Baugruppen der klassischen Prüfer in den Schatten.

Aufgefallen sind mit nun auch verschiedene mikroprozessor-gesteuerte Geräte im Internet.
Die meisten Geräte, die um 2010 beschrieben wurden, sahen jedoch aus wie Entwicklungsschritte
hin zu einem richtigen Röhrenprüfer. Einige Geräte hatten nicht einmal eine PC-Schnittstelle.

Wenn man aber Mikroprozessortechnik einsetzt, so sollte man das vollständig tun.
Als eine Mindestforderung an solche Geräte sehe ich die automatische Aufnahme von
Röhrenkennlinien durch das Gerät an.
Die Kennlinien sollten dann auch auf einem PC gespeichert werden.
Man kann sie mit dem PC dann ausdrucken und mit anderen Kennlinien vergleichen.

Bei meiner Suche nach mikroprozessor-gesteuerten Geräten fand ich die Internetseiten von
Jan van de Walle. Diese haben mich aufmerksam gemacht auf den
- µTracer von Ronald Dekker und den
- RoeTest von Helmut Weigl

Der µTracer

Der µTracer ist eine Platine, die über eine Serielle Schnittstelle (RS232) mit dem PC
verbunden werden muss. Die Platine selbst liefert nur die Prüfspannungen.
Schaltmatrix, Sockelplatte, Elektrodenprüfer muss man selbst beisteuern.
Über die Serielle Schnittstelle bekommt der µTracer vom PC u.A. mitgeteilt, welche Spannungen
er liefern soll.
Als Stromversorgung für die Platine des µTracer verwendet man das Netzgerät eines alten Laptop,
also 18-22V, etwa 50W. Damit kommt der µTracer dann aus.
Der µTracer erzeugt daraus zunächst einmal eine Heizspannung von bis zu 18V und einem maximalen
Heizstrom von 1,5A.
Neben der Heizspannung steht eine negative Gitterspannung 0 bis -50V zur Verfügung.
Es gibt zwei positive Spannungen, jede bis 400V/0,2A. Der µTracer kann aber nur 1ms breite
Impulse dieser Stärke abgeben. Und in diesen 1ms wird vom µTracer der Strom gemessen.
Der Wert wird dann dem PC mitgeteilt.
Wegen des Impulsbetriebs kann man so schon mal Pulse von 180mA, den Spitzenstrom, durch eine
Diode einer AZ1 leiten, ohne dass die Röhre Schaden nimmt.

Zum Prüfen einer Röhre mit dem µTracer ist auf dem PC das Messprogramm zu starten.
Die Betriebsdaten der zu testenden Röhre sind einzugeben. Diese Daten muss man sich aus einer
Röhrentabelle oder aus dem Internet besorgen.
Man kann sich zwar die Röhrensolldaten als Dateien speichern. Aber eine vorgegebene Datenbank
für Röhrendaten ist bei der Software nicht dabei.
Die Software veranlasst, dass zunächst die Röhre geheizt wird. Anhand von Vorgaben können dann
eine ganze Menge von Kennlinienarten erstellen. Es kann der Anoden- und Schirmgitterstrom nicht
nur in Abhängigkeit von Ua, Ug1 und Ug2 gemessen werden, sondern auch in Abhängigkeit von Uh.
Zu jeder Kennlinienart gehören 6 Einzelkennlinien, bei Bedarf auch mehr.
Auch von anderen üblichen Röhrenparametern (z.B. Steilheit) können Kennlinien erstellt werden.
Messwerte und Kennlinienplots und vieles mehr können in Dateien gespeichert werden.

Einen Bausatz für den µTracer kann man von Ronald Dekker käuflich für 225€ erwerben.

Das RoeTest

Das RoeTest von Helmut Weigl ist das andere herausragende Selbstbaugerät eines PC-gesteuerten
Röhrenprüfers. Es enthält auch einen Mikroprozessor im Gerät, der über eine serielle
USB-Schnittstelle von einem PC gesteuert wird. Der Prüfvorgang erfolgt auch hier durch ein
Programm von einem PC aus.
Der entscheidende Unterschied des RoeTest gegenüber den anderen neueren Röhrenprüfgeräten ist
seine Vollständigkeit. Das RoeTest ist nämlich nicht nur eine PC-gesteuerte Spannungsquelle,
sondern es umfasst auch eine PC-gesteuerte Schaltmatrix und eine PC-gesteuerte
Elektrodenschlussprüfung.

Die Vorteile, die das RoeTest so einmalig machen, sind
- Das Programm auf dem PC enthält eine riesige Röhrentabelle mit ca. 20000 Typen.
  Dadurch wird die Bedienung des Geräts enorm vereinfacht.
- Man muss nicht mehr bei jeder Röhre die Fassungskontakte an die Spannungsquellen schalten.
  Das macht das RoeTest selbst. Die Datenbank kennt die Kontaktbelegungen.
- Die Elektrodenschluss-Prüfung erfolgt direkt an den Sockelkontakten. Man muss keine Schalter
  drehen. Das macht das RoeTest ganz von selbst.
- Die Programme ermitteln nicht nur die Prüfdaten und die Kennlinien. Sie werden auch
  gespeichert - allerdings in einem proprietären Dateiformat. Man kann sie ausdrucken.
- Die gespeicherten Kennlinien kann man per Programm auswerten und vergleichen.
- Unbekannte Röhren können ansatzweise anhand einer programmierten Prüfung zugeordnet werden.
- Die Software wird laufend aktualisiert.
- Der Autor, Helmut Weigl, hilft bei Problemen per E-Mail.

Das RoeTest ist zwar eine andere Kategorie von Röhrenprüfgeräten als alle anderen.
Aber auch das RoeTest hat seine Grenzen.
- Der Preis ist hoch. Etwa 1000 Euro muss man einkalkulieren. Eine CD mit Bauanleitung sowie
  den programmierten Mikroprozessor kauft man direkt von Helmut Weigl.
- Man muss das Gerät selbst zusammenlöten und in ein Gehäuse bauen.
- Die Spannungen und Ströme, die das RoeTest ab Version 9 liefert sind
  Anode: 0-600V/0,25A; G2: 0-300V/60mA; G1 und G3: -100-0V); Heizung: 0-20V/6A oder 0-125V/0,6A
  Es sind Gleichspannungen, keine Impulsströme. Man kann also regenerieren.
- Die Messung von Gleichrichterröhren erfolgt nur statisch mit Gleichstrom.
- Die Elektrodenschlussprüfung erfolgt mit 5V über einen Widerstand von 470k, also mit ca. 10µA.
- Die Daten für die geprüften Röhren kann man sich in einem umfassenden Protokoll ausdrucken.
  In ein anderes Programm kann man die Daten nicht exportieren.
- RoeTest kann Kennlinien aufnehmen und mehrere Linien als Diagramm abspeichern. Jede einzelne
  solche Linie - sie umfasst 40 Messpunkte - kann in einer Textdatei lesbar abgespeichert werden.
- Die Software enthält auch eine Bestandsverwaltung für die eigene Röhrensammlung.
- Das PC-Programm zum RoeTest ist zwar Freeware, aber nicht quelloffen. Die Datenbanken auf dem
  PC sind verschlüsselt und nur über das PC-Progrann zum RoeTest zu lesen bzw. zu ändern.
  Die Struktur der Datei für die Messergebnisse ist nicht dokumentiert.
  Die Software im Mikroprozessor ist nicht einsehbar.
 
Dass die Software nicht quelloffen ist und dass die Röhrendatenbank verschlüsselt ist, hat mich
längere Zeit abgeschreckt; der Aufwand für den Bau des Gehäuses in zweiter Linie.
Nach längerem Zögern habe ich mich doch für das RoeTest entschieden.

 

Über den Zusammenbau meines Geräts und nach dem Prüfen von weit über 1000 Röhren habe ich nun
einen längeren Erfahrungsbericht verfasst und im Internet veröffentlicht.
Er enthält sehr viele Links, wo man Hintergrundinformationen bekommen kann.
Dieser Beitrag hier ist nur eine Kurzfassung meines Berichts im Internet.

Suchmaschinen finden meinen Bericht mit den Stichworten: Mein RoeTest Werner Sticht.

Werner Sticht

 

  
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