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mende: W; Ultra-Selektiv

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Andreas Steinmetz
 
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14.Jun.04 19:28

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Liebe Kollegen,

der Mende Superselektiv ist jetzt tatsächlich doch noch fertig geworden! Damit nicht jeder "das Rad neu erfinden" muß, hier meine Tips:

1. Zur Schwingneigung: Zu deren Beseitigung ist es erforderlich, alle serienmäßigen Abschirmungen zu überprüfen und ggf. zu ersetzen. Dazu gehören insbesondere die Innenbeschichtung des Holzgehäuses (die alte entfernen und neu auftragen mit Graphit- oder EMV-Spray von "Kontakt-Chemie", alle Anschlüsse wiederherstellen), die Gehäuserückwand aus Metall und die metallene Bodenplatte. Während der Abgleicharbeiten sind diese Teile natürlich nicht angebaut. Da muß man die Verstärkung mit dem Drehknopf an der Rückseite soweit herunterdrehen, daß man genügend weit vom Schwingeinsatz entfernt ist und, ganz wichtig, die
Antennenleitung weit von den Röhren entfernt verlegen, sowie das Chassis erden. Daß nur Röhren mit einwandfreien Abschirmungen verwendet werden können, sollte jedem klar sein. Als Regelröhre (REN 1004) sollte man unbedingt die spätere, abgeschirmte Version einsetzen, und das, obwohl die Anode keine HF führt! Außerdem müssen bei einem verbastelten Gerät, wie dem mir vorliegenden, alle Massepunkte an die Originalstellen gelegt werden, insbesondere bei den Sammelbechern. Sonst hat man keine Chance! Als weitere Quelle des Übels hatten sich die Fußpunktkondensatoren der Bandfilter herausgestellt. Sie gilt es, in jedem Falle zu erneuern. Beim 2. Bandfilter müssen diese Kondensatoren 400V vertragen können, falls der Drehko mal einen Kurzschluß hat.
Beherzigt man alle diese Tips, dann kann man im geschlossenen Zustand mit voller
Verstärkung arbeiten und die ganze Empfindlichkeit nutzen!

2. Zum Abgleich: Mende empfiehlt einen Abgleich bei mittleren Frequenzen mit Hilfe der Kondensatoren. Meine Erfahrung lehrt, daß das zumindest bei einem sehr verstellten Gerät nicht ausreicht. Man sollte zumindest bei hohen Frequenzen mit C, und bei niedrigen mit L abgleichen, wie das sonst auch üblich ist. Die genaue Lage der Abgleichfrequenzen ist im Gegensatz zum Super unkritisch. Ich verwendete eine asymmetrische Rechteckfrequenz von ca. 35% *) Tastverhältnis, so daß man mit einer Einstellung sofort viele Stellen zur Gleichlaufkontrolle zur Verfügung hat. Wegen der Rückwirkung der Antenne auf den Eingangskreis empfehle ich, den Meßsender genau so anzukopplen, wie der Empfänger später hauptsächlich verwendet werden soll. Also z.B. mit Ersatzantenne oder, wie ich es gemacht habe: ca. 4m Antennendraht, in dessen Nähe der Meßsender mit ebenfalls einem kurzen Stück Draht gebracht wird. Den eingebauten Antennentrimmer sollte man dabei etwa in Mittelstellung belassen, damit die Ankopplung nicht zu fest wird und damit genügend rückwirkungsfrei bleibt. Der Einfluß der L-Abstimmschrauben ist gering und wird erst gegen Ende des Abgleiches, wenn schon fast alles stimmt, deutlich. Beenden sollte man mit C.
Die Abgleichreihenfolge unbedingt beachten: zuerst MW (L-Trimmer am Becherboden), dann LW (L-Trimmer am Becheroberseite). Entgegen meiner ursprünglichen Ansicht erfolgt der Abgleich bei allen Kreisen auf Maximum, keine gegenseitige Verstimmung erforderlich, da die Bandfilter von der kritischen Kopplung weit entfernt sind. Bei gutem Drehko-Gleichlauf läßt sich ein hervorragender Gesamt-Gleichlauf, besonders bei MW, erreichen.
Während der Abgleichprozedur sollte die Verstärkung nur mäßig eingestellt werden (Poti auf Chassisrückseite), weil sonst wegen der fehlenden Abschirmungen die Schwingneigung zu einer Verstimmung der Gesamt-Durchlaßkurve führt. Als Abgleichindikator kann ein Oszi mit Vorteiler grob in die Richtung der Audion-Gitterleitung gebracht werden. Ggf. muß dann aber der letzte Kreis nach Entfernen des Indikators fein nachgetrimmt werden (nur mit C).
Noch ein Tip: Der letzte (Einzel-)kreis sollte als Serienkondensatoren zum Drehko je den halben vom vorgschriebenen Wert bekommen, damit der Gleichlauf besser abgleichbar ist. Denn die anderen Fußpunktkondensatoren wirken ja auf zwei statt auf einen Kreis! Die Praxis gab mir Recht...

3. Empfangsresultate: Sehr gute Empfindlichkeit. Trennschärfe recht gut, bei niedrigen Frequenzen wegen der Physik deutlich besser als bei hohen, aber auch starke Beschneidung der hohen Tonfrequenzen. Empfangs-Wunder sollte man aber nicht erwarten: steht neben dem abgestimmten Sender ein starker, schlägt dieser deutlich durch. Das konnten die Super aus der damaligen Zeit schon besser. Nur das Pfeifen infolge Kreuzmodulationen ist diesem Empfänger selbstverständlich gänzlich unbekannt.

Schade, daß das Gerät nicht mir gehört und daß ich es inzwischen wieder abgegeben habe. Sollte jemand weitere Infos zum Restaurieren benötigen, dann wende er sich gerne direkt an mich. Leider fehlt  mir die Zeit, hier "ein Buch" zu schreiben...

Diese Infos poste ich an alle drei Mende Fünfkreis-Geradeausempfänger der damaligen Epoche, da sie weitgehend baugleich sind.


Andreas Steinmetz

*) Ergänzung: Frequenzbeispiel für MW: Grundwelle 300kHz. Dann ergeben sich Abgleichpunkte bei 600kHz, 900kHz, 1200kHz und 1500kHz.
Frequenzbeispiel für Langwelle: Grundwelle 80kHz. Entsprechend ergeben sich die Abgleichpunkte bei 160kHz, 240kHz, 320kHz (und 400kHz).

This article was edited 14.Jun.04 21:03 by Andreas Steinmetz .

  
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