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Mit der Nase, mit den Augen...etc

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Olaf Toenne
 
 
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04.Dec.03 18:56

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Herr Lauth - ***.olauth.de/radiolauth - hat mir freundlicherweise die Genehmigung zur Veröffentlichung dieses sehr wertvollen Berichtes erteilt. Gerade Anfänger in der Radiotechnik von damals werden hier sicherlich viele hilfreiche Tipps und Kniffe entdecken. Eventuelle Aktualisierungen des Verfassers werden hier direkt einfliessen.

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Es gibt sehr viele Sammler, die ihre Geräte -etwa aus Zeitmangel oder aus Scheu vor der Technik- nicht selbst reparieren können oder wollen. Auch solche Kollegen sollten in der Lage sein, eine Reihe technischer Mängel ohne großen Zeitaufwand zu erkennen, um etwa beim Kauf überschauen zu können, ob der geforderte Preis realistisch ist bzw. wie aufwendig die Reparatur sein wird. Die nun folgenden Seiten enthalten größtenteils sehr grundlegende Hinweise, wie man, auch ohne aufwendige Hilfsinstrumente, nur durch die Sinnesorgane, Fehler entdecken kann.




Mit der Nase:



Überlastete Widerstände, Transformatoren, Spulen oder Kondensatoren melden sich durch einen mehr oder weniger brenzligen Geruch, den man nicht länger als nötig "genießen" sollte, nachdem man das defekte Bauteil dadurch lokalisiert hat. Dann aber muss das Schaltungsumfeld mit Spannungs-, Widerstands- und Strommessungen genauestens untersucht werden.

 

In den 40er und 50er Jahren wurden zur Gleichrichtung häufig Selengleichrichter eingesetzt. Sie bestehen aus einer Säule runder oder quadratischer Platten. Einen defekten Selengleichrichter kann man riechen. Der Geruch ist der gleiche wie bei faulen Eiern. (Schwefelwasserstoff, SH2).



Mit den Augen:



lassen sich ebenfalls wichtige Informationen gewinnen. Hier einige simple Beispiele:


Defekte Folienkondensatoren hinterlassen oft ihre (meist schwarzen) Spuren auf dem Gehäuseboden, weil sie so viel Wärme abgegeben haben, dass ihre Vergussmasse aufgeweicht wurde und herabgetropft ist.

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Auch defekte Elkos entdeckt man häufig durch Augenschein, weil sie, ebenfalls durch übermäßige Erhitzung, Chemikalien abgegeben haben. Meist ist das Ergebnis ein weißer, salzartiger Belag, der sich an und um die Austrittsstellen bildet und der auch die Umgebung zersetzen kann, besonders, wenn es sich dabei um hauchdünne Leiterbahnen einer gedruckten Schaltung handelt.

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Ein simpler Spannungsprüfer kann wertvolle Informationen liefern, z.B. ob ein Chassis unter Spannung steht oder nicht. Selbst bei Wechselstromgeräten, deren Chassis theoretisch vom Netz getrennt ist, kann dies vorkommen, etwa bei Kurzschlüssen im Netztrafo oder in Entstörkondensatoren. Außerdem ist es möglich, dass der Netztrafo von vorne herein als sogenannter "Spartrafo" geschaltet ist, bei dem ein Pol der Netzzuleitung mit dem Chassis verbunden ist. Je nach Stellung des Steckers kann also auch hier die volle Netzspannung am Chassis liegen, wie in dem folgenden Beispiel, einer Philips "Sagitta 363".


Bei Koffergeräten, aber auch manchmal bei Röhrengeräten, mit gedruckter Schaltung kann es vorkommen, dass die Platine gebrochen ist oder eine bzw. mehrere Leiterbahnen eine Unterbrechung aufweisen. Eine gebrochene Platine ist relativ leicht festzustellen, besonders wenn der abgebrochene Teil seitlich herabhängt, etwa noch mit den Beinchen von Transistoren usw. an dem Rest der Platine hängend. Schwieriger wird es dagegen bei Leiterbahnunterbrechungen, wenn sie nicht gerade durch die zerstörerische Wirkung von ausgelaufenen Akkus, Elkos oder Batterien hervorgerufen worden sind. (Typisches Beispiel sind die "Tourings", die mit einem Stabilisationsakku ausgerüstet waren. Siehe dazu die Anmerkungen auf Walter Mohls Website "Nostalgische Radios"). Halten sich die Leiterbahnunterbrechungen noch in überschaubaren Grenzen, so kann man sie durch genaues Untersuchen (Lupe) rekonstruieren und sie mit Brücken aus Litze oder versilbertem Draht reparieren. In komplizierteren Fällen wird man nicht ohne umfangreichere Service-Unterlagen des betreffenden Gerätes auskommen. (Siehe Bezugsquellen!) Ganz feine Haarrisse lassen sich selbst bei ziemlicher Vergrößerung nur schwer feststellen. Manchmal hilft es aber, die Platine aus verschiedenen Blickwinkeln zu untersuchen.

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Beim Auseinandernehmen eines Gerätes sollte man sich nicht nur aus den bereits genannten Gründen Zeit nehmen, auch wenn es oft schwerfällt. Es kann durchaus sein, dass irgendwo abgebrochene Teile herumfliegen, die man später dringend benötigt.

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Wenn man z.B. aus lauter Ungeduld an dem Knopf für die Sendereinstellung herumdreht, obwohl sich ein unnormaler Widerstand bemerkbar macht, so ist oft die Folge, dass das Skalenseil reißt. Dann ist ein wenig Suchen und etwas räumliches Denken angesagt, um Länge und Verlauf des Skalenseils zu rekonstruieren. Aber auch bei neuerworbenen alten Radios hat man oft das Glück, wenigstens die Bruchstücke des Skalenseils zu finden. Jedenfalls gilt: Vor weiteren Aktionen alle losen Teile bewahren, die zum Gerät gehören könnten! (Nebenbei gesagt: Was man darüber hinaus in machen Gehäusen findet ist oft ebenso interessant: Eine 5-Pfennig-Münze aus der Kaiserzeit, eine vollständige Packung Stumpen aus den fünfziger Jahren, Werbefiguren u.a.) Es lohnt sich also in jedem Fall, die Augen offenzuhalten und nichts voreilig wegzuschmeißen.

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Manchmal ist festzustellen, dass der Skalenzeiger sich gut bewegen lässt, dass er aber in die falsche Richtung läuft, weil das Skalenseil bei einer früheren Reparatur falsch aufgelegt wurde. Bei kapazitiver Abstimmung z.B. muss sich der Zeiger auf die Sender mit den größten Wellenlängen zugbewegen, wenn der Drehko eingedreht wird. Das sind bei Mittelwelle die Sender Budapest und Beromünster. Wichtig ist es auch, nachzuschauen, ob der Sender (oder die Frequenz), die der Zahlenzeiger angibt, tatsächlich stimmen. Befindet sich der Zeiger beim Abstimmen jeweils um etwa den gleichen Betrag links oder rechts von der Stelle, auf der er eigentlich stehen sollte, so ist höchstwahrscheinlich bloß der Zeiger auf dem Skalenseil verrutscht. Möglich ist jedoch auch, dass sich ein Skalenrad auf seiner Achse gelockert hat. Wenn jedoch der Betrag, den der Zeiger "danebenliegt" nicht in allen Bereichen der Skala gleich ist. kann man davon ausgehen, dass dies keine mechanische Ursache hat, sondern mit Fehlern im Oszillator zusammenhängen.

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Defekte Widerstände, besonders solche, die aus speziellem Draht gewickelt waren, kann man leicht erkennen, und wenn man Glück hat, kann der Wert des Widerstandes rekonstruiert werden, wenn genügend Bruchstücke des Widerstandsdrahtes und des Wickelkörpers noch vorhanden sind. Dazu schätzt man die einmal vorhandene Zahl der Windungen ab und ermittelt den spezifischen Widerstand des Drahtes durch entsprechende Längen- und Widerstandsmessungen. Für die Berechnung des gesamten Widerstandes braucht man dann noch den Umfang des Widerstandskörpers. Ob es sich nun aber um durchgebrannte Drahtwiderstände oder um verbrannte Kohlewiderstände handelt: In den meisten Fällen wird es nicht ausreichen, einfach nur den jeweiligen Widerstand zu ersetzen. Denn die Überlastung, die ihn das Leben kostete, hat ihre Ursache woanders, etwa in einem Kurzschluss. In den überaus meisten Fällen ist dies wiederum ein defekter Kondensator. Dieselbe Feststellung gilt auch für verbrannte Netz- und Tontransformatoren.

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Zu den Kontrollen, die unbedingt vor dem ersten Einschalten zur Routine werden müssen, gehört auch, sich anzuschauen, welche Spannung gewählt wurde, ob die Sicherung in Ordnung ist und ob sie richtig bemessen ist. Wenn sie geflickt wurde oder zu "großzügig" bemessen wurde, kann man darauf schließen, dass das Gerät zu viel Strom gezogen hat. Es besteht also die Gefahr, dass dadurch Netztrafo oder Gleichrichter beschädigt wurden. Außerdem ist zu checken, ob der Spannungswert stimmt.

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Manchen Kontakten sieht man es regelrecht an, dass sie ihre Funktion nicht erfüllen können. Entweder müssen sie nachgebogen oder gesäubert werden, falls sie nicht geradezu abgebrochen sind. Selbst hochwertige Kontakte aus Gold oder Silber können nicht funktionieren, wenn sie eine schwarze Oxidationsschicht aufweisen. Diese ist übrigens nicht immer mit Kontaktspray wegzubekommen.

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Glühende Elektroden bedeuten bei Röhren nichts Gutes, denn sie weisen auf eine Überlastung hin. Wenn z.B. bei einer Endröhre das Schirmgitter (d.h. die zweite Elektrode von außen) zu glühen beginnt, kann man ziemlich sicher sein, dass dies folgende Ursache hat: Die Anode bekommt keine oder eine (viel) zu niedrige Spannung. Ob dies nun von einer Unterbrechung im Ausgangsübertrager herrührt oder von einem Kurzschluss im Anodenkreis- das müssen nähere Untersuchungen ergeben. Auf jeden Fall ist es nicht ratsam, der Röhre längere Zeit eine solche Überlastung zuzumuten. Wenn die Endröhre regelrecht "rote Backen" bekommt, d.h. wenn die Anodenbleche glühen, ist daran garantiert eine Verschiebung des Arbeitspunktes im Spiele.Bei Gleichrichterröhren mit diesem Effekt ist natürlich zu vermuten, dass der Gesamt-Gleichstrom zu hoch liegt, etwa wegen defekter Sieb- oder Ladekondensatoren oder wegen Röhren, die mit falschem Arbeitspunkt arbeiten.

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Es ist leider recht selten, dass man Röhrendefekte sehen kann. Solche Ausnahmen sind: Milchig-weiße, pulvrige Beläge an der Innenseite des Glaskörpers deuten darauf hin, dass die Röhre nicht mehr dicht ist. Bei genauerem Hinsehen entdeckt man dann auch einen mehr oder weniger großen Haarriss oder gar größere Beschädigungen des Glases. Silbrig-glänzende Beläge (z.B. bei den Europaröhren) dagegen sagen nichts Negatives über die Qualität der Röhre aus.

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Oft genügt es, ein eingeschaltetes Gerät gründlich zu beobachten, um herauszufinden, welche Röhrenheizungen noch funktionieren. Aber nur bei Geräten, deren Heizfäden parallel geschaltet sind (also bei den meisten Wechselstromgeräten) wird eine solche Beobachtung eventuell zur Ermittlung einer defekten Röhre führen. Schwieriger wird es bei Allströmern, bei denen die Heizfäden ganz oder teilweise hintereinander geschaltet sind und bei denen auch mehrere Heizkreise vorhanden sein können. Bei Batterie-Röhrengeräten ist es besonders schwierig, Heizfadenbrüche durch bloßes Beobachten des eingeschalteten Gerätes zu ermitteln. Das gelingt sogar kaum bei vollkommen abgedunkeltem Zimmer. Hier führen Widerstandsmessungen oft eher zum Ziel.

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Unbedingt ratsam ist es, bei "neuen" Geräten zu checken, ob Röhren fehlen oder ob die Röhrenbestückung richtig ist. Es schadet einem Gerät z.B. nicht, wenn jemand aus Versehen oder gar mit Absicht eine ECH 4 gegen eine ECH 3 ausgetauscht hat. Die Röhrenheizung ist zu sehen, jedoch funktioniert das Gerät wegen der anderen Belegung der Kontakte nicht.

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Manchmal fehlen die Befestigungsbügel für die Röhren (siehe unter "Ohren"). Ob es einmal solche gegeben hat, erkennt man an zwei verwaisten Befestigungen (Lötösen oder dergl.) links und rechts von der Röhre. Zur Verminderung der Mikrophonie bzw. zur Abschirmung erhalten manche Röhren einen Abschirmbecher, der unterschiedlich befestigt sein kann (geschraubt, gesteckt oder mit Bajonett). Ob dieser fehlt, erkannt man an einem entsprechenden Kragen um die Röhrenfassung.

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Manche Geräte, besonders die der gehobenen Preisklassen, verfügten über Zubehör, wie Nachhall oder Kabelfernbedienungen. Wenn diese nicht benutzt wurden, mussten die entsprechenden Anschlüsse überbrückt werden, wie z.B. die Nachhalleinrichtung des Nordmende "Tannhäuser 8004". Wenn solche Spitzengeräte absolut schweigen, obwohl alle Betriebsspannungen normal sind, so ist es empfehlenswert, nach solchen Buchsen Ausschau zu halten, wobei die Beschriftung der Rückwand oder das Schaltbild gute Dienste leisten.

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Bei dem nachfolgenden Beispiel (Loewe-Opta Globus) läuft ohne die Fernbedienung oder den entsprechenden Adapter überhaupt nichts, noch nicht einmal die Skalenbeleuchtung!

 


 


Der Adapter fehlt, das Gerät bekommt nicht einmal Strom.

 

 

Der Adapter ist eingesteckt. Das Gerät spielt.

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Alte Geräte enthalten viel Staub, der uns auch sehr nützlich sein kann. Er hilft, die Lage verrutschter Bauteile zu rekonstruieren, z.B. die von Spulen auf Ferritstäben. Auch Schrauben, Muttern, Abschirmungen, Spulenkerne und Lötverbindungen, die bei früheren Reparaturversuchen vergessen wurden, lassen sich manchmal lokalisieren. Vorraussetzung ist allerdings, dass man die Staubschichten nicht allzu voreilig beseitigt.


 

Mit den Fingern:



lässt sich testen,


ob ein Netztrafo, ein Elko, eine Feldspule oder ein Ausgangsübertrager zu heiß wird oder ob die Erwärmung im erlaubten Rahmen bleibt (Handwärme oder wenig darüber.) Aber Vorsicht ist geboten: Das Chassis darf dabei nicht unter Spannung stehen. Das kann sogar bei einem Wechselstromgerät mit sog. "Spartransformator" der Fall sein. Auf der sicheren Seite ist man, wenn man das Gerät nach nicht zu langer Zeit vom Netz trennt und dann die "Fingerprobe" an den o.a. kritischen Teilen macht.

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Viele älteren Röhren haben einen Gitteranschluss an der Oberseite (z.B. AF 7, EF 3, EBL 1 etc.). Bei solchen Röhren kann man die Finger als "Signalinjektor" benutzen und erste Anhaltspunkte über den Zustand der betreffenden Schaltungsstufe gewinnen. Jedoch auch hier ist Vorsicht geboten: Dieser Hinweis gilt nur für Röhren mit einer aufsteckbaren Kappe. Bei Röhren mit einem Schraubanschluss (z.B. Röhren des Typs "RENS... " ist der äußere Anschluss meist die Anode, und da sollte man besser mit den Fingern davonbleiben.

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Um überschlägig abzuschätzen, wie gut der NF-Teil arbeitet, beziehungsweise ob er überhaupt noch funktioniert, dreht man den Lautstärkeregler auf und berührt die Tonabnehmerbuchse mit dem Zeigefinger. Dazu muss natürlich der Wellenschalter auf "TA" bzw. "P.U." (= Pick-Up) bzw. "Phono" oder "Plattenspieler" stehen. Falls die Buchse nicht ohne weiteres zugänglich ist, wird man einen dünnen Gegenstand (Stückchen Schaltdraht, Schraubenzieher oder ähnliches) in die Hand nehmen müssen. Mit einiger Routine kann man an der Lautstärke des Brumms erkennen, ob die Verstärkung der Schaltung entspricht. Aussagen über die Qualität der Verstärkung (Klirrfaktor, Verzerrungen) lassen sich mit dieser Methode jedoch kaum machen. Dafür empfiehlt es sich, eine Tonquelle (Plattenspieler, HF-Teil oder Tonband) anzuschließen. Aber Achtung! Besonders bei älteren Geräten kann man sehr leicht die TA- Buchse mit den Lautsprecheranschlüssen verwechseln, und diese können die volle Anodenspannung führen!

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Zum Schluss ist aber nochmals eine eindringliche Mahnung angebracht: Die Finger als "Testgeräte" sollte man nicht überstrapazieren. Ich möchte das an einem Beispiel deutlich machen: Bei einem Röhrengerät stellte ich einen sehr starken Brumm fest. Die Diagnose schien klar zu sein: Sieb- und/oder Ladeelko defekt. Um die Probe aufs Exempel zu machen, ließ ich das Gerät einige Zeit laufen, trennte es vom Netz und fasste dann mit den Fingern an den Elko, um seine Erwärmung zu testen (s.o.!). Ergebnis: Ein starker Stromschlag.

This article was edited 10.Aug.04 02:17 by Eilert Menke .

Olaf Toenne
 
 
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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   2 Der Grund dafür stellte sich sehr bald heraus: Der Becher, also der negative Pol des Elkos, hatte überhaupt keine Verbindung mehr zum Chassis! Die Befestigungsschraube hatte sich im Laufe der Zeit gelöst und die Befestigungsfläche war zusätzlich oxidiert. Die volle Anodenspannung lag also kapazitiv an der Außenhaut des Elkos.


Mit den Ohren:




lassen sich wahrscheinlich die meisten Fehler feststellen, wenn es um Rundfunkgeräte geht. Auch hierzu wieder einige Beispiele:


Wenn ein Gerät nur funktioniert, wenn der Klangregler auf "dunkel" steht und dann auch nur schlecht, dagegen bei der Stellung "hell" allenfalls noch einige hässliche Kratzgeräusche von sich gibt, so ist mit ziemlicher Sicherheit anzunehmen, dass es sich um einen Klangregler der primitiven Sorte handelt (eine Abzweigung aus Kondensator und Potentiometer, von der Anode einer NF-Röhre nach Masse), wie in diesem Schaltungsbeispiel:



Brummen ist ein häufiges Phänomen, das vielfältige Ursachen haben kann, nicht nur eine defekte Siebung. Besonders Allstromröhren scheinen dafür anfällig zu sein, in ihrem Inneren Beläge zu bilden, die je nach Lage Wechselspannungen auf brummanfällige Elektroden (Steuergitter oder Diodenstrecken) einstreuen.

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Verzerrungen: Häufigste Ursache für Verzerrungen sind Verschiebungen von Arbeitspunkten, ganz besonders der Endröhren. Fast immer ist daran der Koppelkondensator beteiligt. Er hat im Lauf der Zeit immer mehr Durchgang für Gleichspannung bekommen, das heißt, er ist zusätzlich zu einem Widerstand geworden, obwohl er eigentlich nur Wechselspannungen durchlassen sollte. Man kann sich das an einem Beispiel verdeutlichen: Angenommen, der Koppelkondensator hat den Wert von 5 MOhm angenommen, so bildet er mit dem Gitterableitwiderstand von 1 MOhm einen Spannungsteiler, der ein Sechstel der Anodenspannung der Vorröhre an das Gitter gelangen lässt. Bei 60 Volt gelangen also 10 Volt dorthin. Die Röhre "versucht" zwar gewissermaßen, die sich dadurch ergebende Verschiebung der Gittervorspannung (das ist die Differenz zwischen Katoden-und Gitterpotential!) auszugleichen. Es ergibt sich ein höherer Anodenstrom, der am Katodenwiderstand einen höheren Spannungsabfall bewirkt. Dieser steigt z.B. von 7 auf 11 V an, wenn wir bei unserem Beispiel bleiben (EABC 80 als Vorröhre und EL 84 als Endröhre). Das würde aber bedeuten, dass die effektive Gittervorspannung, also die Spannung zwischen Gitter und Katode, auf -1V zusammengeschrumpft ist, denn (+10 V - 11V) ergibt -1 V. Damit ist die Gittervorspannung aus dem linearen Bereich der Ug/Ia-Kennlinie in den gekrümmten Teil gerutscht. Daher die Verzerrungen. Man kann sich den Sachverhalt vielleicht am besten durch ein Phänomen aus der Optik klarmachen: Ein vollkommen planer Spiegel gibt das Bild genauestens wieder, ein gekrümmter jedoch keineswegs, wie man an einem Rasierspiegel oder im Spiegelkabinett auf der Kirmes beobachten kann.



Verschlucken ist ein Phänomen, das sich dann ergibt, wenn der Arbeitspunkt der Endröhre sich bei 0 Volt oder darüber angesiedelt hat. Es kann allerdings auch schon in dem oben erwähnten Beispiel eintreten, wenn die Amplitude des anstehenden NF-Signals größer als die besagten -1V ist. Unter "Verschlucken" versteht man ein an- und abschwellendes Geräusch.

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Verzerrungen können auch vom Lautsprecher, also der Endstation des langen Weges der elektrischen und akustischen Schwingungen, herrühren, wenn etwa die Schwingspule am Magnet "aneckt" oder die Membrane Schäden aufweist. Beim VE 301 konnte man wenigstens noch mit wenigen Handgriffen die Lage des Schwingankers verändern, wenn er an die Pole des Hufeisenmagnetes anstieß.

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Wenn Zweifel darüber bestehen, ob Störgeräusche aus dem Gerät selbst oder von außen kommen, sollte man versuchen, ob diese Störungen auch auf anderen AM-Bereichen auftreten. Oft stört ein benachbarter Computer oder eine Neon-Lampe nur in einem begrenzten Frequenzband. Wenn z.B. MW "verseucht" ist, KW aber nicht, kann man davon ausgehen, dass die Störung von außen kommt.

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Wenn man gar nichts hört, obwohl Skalenlampen und Heizung brennen, sollte man ins Auge fassen, dass die Endröhre keine Anodenspannung bekommt. Dies kann wiederum durch einen Fehler im Netzteil oder durch einen Fehler in der Endstufe selbst hervorgerufen werden, etwa durch einen Kurzschluss oder eine Unterbrechung im Anodenkreis.



In diesem Beispiel (Siemens "Herr im Frack") kann also die Ursache des absoluten Schweigens sein:


a) Unterbrechung der Primärwicklung des Ausgangsübertragers,
b) Unterbrechung im Sekundärkreis des Ausgangsübertragers, etwa dadurch, dass der Schalter offen ist,
c) Kurzschluss in einem der beiden Kondensatoren, die den Ton beeinflussen sollen.
d) eine Unterbrechung im Symmetrierwiderstand zwischen den beiden Heizungsanschlüssen oder
e) eine Unterbrechung des Katodenwiderstandes der RES 964.
f) die Endröhre ist verbraucht.

Der "Herr im Frack" hat übrigens noch eine Besonderheit, die noch nicht einmal im Schaltbild vorkommt: Er besitzt eine "Stummschaltung", bei der das Steuergitter der Endröhre auf Masse gelegt wird und deren Schalter durch Ziehen des Abstimmknopfes betätigt wird!

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Starke Verzerrungen von Arbeitspunkten sind immer hörbar, können aber außer und neben dem besagten Koppelkondensator auch ihre Ursachen in offenen oder kurzgeschlossenen Gitter- und Katodenwiderständen oder in defekten Überbrückungskondensatoren haben. Neben die Diagnose durch Hören muss also auch hier die Überprüfung des Schaltungsumfeldes mit einem Vielfach-Messinstrument treten.

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Pfeifen/Heulen/Schwingen sind oft nur mit großer Mühe zu beseitigen. Sie haben meist ähnliche ähnliche Ursachen wie das "motorboating", nämlich in defekten Kondensatoren in Regelkreisen. Die Ursache kann jedoch auch in defekten Abschirmungen zu suchen sein, besonders von Röhren.

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Das können rote, silberne oder goldene Metallisierungen sein, aber auch schwarze oder graue Anstriche z.B. aus Grafit. Ein dünner Draht verbindet normalerweise diesen Belag mit einem Kontakt der Röhre, welcher seinerseits über die Fassung und die Verdrahtung mit Masse verbunden ist. Diese Abschirmung funktioniert nur dann, wenn diese Verbindung nirgendwo unterbrochen ist und der Belag selbst noch intakt ist, z.B. nicht vom Glas der Röhre abgeblättert ist.

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Das kann man meist gut sehen. Wenn man aber nicht sicher ist, kann man die Abschirmung mittels eines Schraubenziehers an Masse legen. Hört das Störgeräusch dann auf, lag der Fehler nur an der Abschirmung dieser Röhre, ansonsten muss bei den den anderen Röhren nach dem gleichen Fehler gesucht werden.

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Brummen ist ein sehr häufiges Phänomen, das vielfältige Ursachen haben kann, die nicht immer mit Fehlern im Netzteil, also beispielsweise mit der Siebung, zusammenhängen.

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Besonders Allstromröhren scheinen dafür anfällig zu sein, dass sie in ihrem Innern Beläge bilden, welche je nach Lage Wechselspannungen auf brummanfällige Elektroden (Steuergitter oder Diodenstrecken) übertragen. Auch kann der Brumm von der Gleichrichterröhre selbst herrühren.

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Eine Fehlfunktion kann auch daher rühren, dass bei Röhren die Verbindungen zwischen dem Sockel und der Fassung schlecht sind, etwa durch Oxidation. Das kann man oft dadurch feststellen, dass man die Röhren etwas hin- und herbewegt oder sie beklopft. Früher gab es dazu regelrechte Röhrenhämmer, aber ein Schraubenziehergriff oder ein Rundholz leisten dieselben Dienste. Nicht selten kommen auch Unterbrechungen in den Röhren selbst vor, beispielsweise hat die Katode der UY 1 die unangenehme Eigenschaft, sich von ihrem Befestigungssteg zu lösen, wenn es zu einer Überlastung der Röhre kommt. Solche Unterbrechungen kann man meist durch Beklopfen feststellen, aber nur in den wenigsten Fällen dauerhaft beheben.

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Es empfiehlt sich, Geräte, die man erst mal auf Mängel untersuchen will, auch dadurch zu untersuchen, dass man sie kräftig schüttelt, um lose Teile zu entdecken. Natürlich wird man sich vorher durch Augenschein vergewissern, ob nicht etwa große Teile locker sind, die dann das Schütteln nicht so gut vertragen würden, wie etwa Ferritstäbe, deren Verbindungen dann möglicherweise ganz abgerissen würden.

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Es empfiehlt sich also, die verdächtigen Schaltbuchsen mit Kontaktspray "einzunebeln" und sie evtl. zusätzlich auf gebrochene und verbogene Teile zu untersuchen. Gleiches gilt übrigens für die Schaltbuchsen, die das Ausgangssignal entweder an einen Ohrhörer oder an den eingebauten Lautsprecher weitergeben sollten. Im ungünstigsten Fall leisten sie weder das eine noch das andere!

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Viele Grüße

Olaf Toenne 



  
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