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Mittelwellen- Kleinsender DDR

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Wolfgang Lill
Wolfgang Lill
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23.May.19 12:10

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von unserem Gastautor; Kai Ludwig 

Mit der Einführung des bis heute in Europa geltenden Frequenzplanes für den Mittelwellenrundfunk im Jahre 1978 wurde das Mittelwellensendenetz des Rundfunks der DDR um 34 Kleinsender ergänzt. 

Grundlage war die Vereinbarung, in diesem "Genfer Wellenplan", die Frequenzen 1485 kHz, 1584 kHz und 1602 kHz zur freizügigen Nutzung für solche Sender bis maximal 1 KW Leistung zu reservieren.

Bei uns im ehemaligen Bezirk Dresden wurden Sender installiert in Bautzen, Kamenz, Zittau- Eckardtsberg, Ebersbach und Neugersdorf 

Dabei handelte es sich in der DDR nicht, wie verschiedentlich angenommen, um eine Weiternutzung der Technik, mit der bis 1978 die Mittelwellen von RIAS Berlin gestört wurden.

Die Abschaltung dieser Störsender war Gegenstand der Verhandlungen auf der Wellenkonferenz, die 1975 in Genf stattfand.

Für den regulären Rundfunkbetrieb auf 1485, 1584 und 1602 kHz   wurden stattdessen völlig neue Sendeanlagen errichtet. Deren technische Ausrüstungen waren 1976 in der Tschechoslowakei bestellt worden.

Die dortige Firma TESLA lieferte komplette Techniksätze, jeweils bestehend aus einer 36 m hohen Reusenantenne mit Dachkapazität, einem Container für die Technik und einem Sender ( 1KW) 

hier die Anlage in Zittau- Eckardtsberg, Foto: Herr Rehnisch -vielen Dank -

MW- Kleinsender von Tesla Typ SRB8 , Standort beim Technikverein Wilsdruff, Foto Wolfgang Lill

Ihren Platz fanden diese Anlagen auf Grundstücken mit einer Seitenlänge von jeweils 50 m. 

Einen Beitrag über diese Sender im ehem. Bezirk Dresden finden Sie hier

Die technische Erschließung der Standorte beschränkte sich auf die Anbindung an die örtlichen Niederspannungsnetze. Modulations- und Fernmeldeleitungen waren nicht vorgesehen; die Sender liefen mit Ballempfang.... d.h. als Programmquelle diente ein geeignetes UKW- Signal. 

Dabei kam es mehrfach zu Unregelmäßigkeiten. An entsprechend gelegenen Standorten wurden mitunter über Stunden hinweg UKW- Programme aus der BRD umgesetzt.  Konsequenz war dei Einführung einer mit dem Euphemismus "Qualitätssicherungssystem " bezeichneten Einrichtung, die im Funkhaus dem Tonsignal oberhalb von 15 kHz einen niedrig angesteuerten Pilotton zufügte und am Sender bei dessen Fehlen die Übertragung unterbrach. 

Damit folgte der Rundfunk der DDR letztlich dem  Vorbild des Westdeutschen Rundfunks, der nach einem Vorfall im Jahre 1970  ( für 40 Minuten lief Radio DDR1 über den Sender Langenberg, ausgelöst durch eine Ersatzschaltung bei gleichzeitiger Überreichweite , durch die der Ballempfänger den Sender Inselsberg einfing.) ähnliche Vorkehrungen traf.

Sender Langenberg, der 166 m hohe Mast stürzte am 2.9.1996 ein, bei Wartungsarbeiten war ein Kettenzug gerissen. Foto: frei 

Noch vor wenigen Jahren reagierten frühere WDR- Techniker ausgesprochen empfindlich, wenn dieser Vorfall zur Sprache kam. 

Bei der Frequenzplanung für die Mittelwellen- Kleinsender des Rundfunks der DDR wurde von einer Reichweite von 10 Km ausgegangen. Außerhalb der jeweiligen Versorgungsgebiete war vielfach ein Signalgemisch zu hören, was ein "Zeitzeuge" als unverständliches Gemurmel beschreibt.

Bespielt wurden die Kleinsender zumeist mit dem Programm von Radio DDR1. Eine bemerkenswerte Besonderheit gab es von ca. 1983 bis 1987 bei der auf 1602 kHz betriebenen Anlage in Güstrow, die das im Sommer aus dem Funkhaus Rostock gesendete Programm "Ferienwelle" verbreiten sollte und daher das damalige UKW- Signal 95,55 MHz Marlow als Quelle benutzte. Ebenfalls auf Mittelwelle umgesetzt wurde dadurch das seinerzeit in den Abendstunden gesendete, als "Hallo und DT64 auf Ultrakurzwelle " ( !) präsentierte Vorlaufprogramm.

Nach 1990 wurden darüber hinaus auch die Anlagen Ribnitz- Damgarten (1485 kHz), Pasewalk, Heringsdorf, Stralsund ( alle 1584 kHz ) sowie Ueckermünde ( 1602 kHz) auf die Ferienwellen- Kette umgestellt.

Wie damals kursierenden Hörerbeschwerden zu entnehmen war, lief über diese Kette in dieser Phase statt Eigenprogramm zeitweise eine Übernahme von NDR2 aus Hamburg.

Eine weitere Umstellung betraf die Sender Spremberg (1485 kHz), Cottbus und Weißwasser ( 1584 kHz) sowie Forst und Bautzen  (1602 kHz). Unterlagen aus der Nachwendezeit verzeichnen hier Programmfolgen mit der Bezeichnung " Sorbischer Rundfunk- Sender Lausitz", die ansonsten über den Sender Lausitz ( Hoyerswerda sowohl Mittelwelle 999 kHz und auch auf UKW 100,4 MHz, Calau hier auf 95,1 MHz  und Reichenbach auf MW 1188 KHz liefen.

Foto; Sender Reichenbach 1188 kHz Wolfgang Lill

Kern waren hier die Sendungen in Sorbischer Sprache, für die 1987 die gesonderte vom Volksmund umgehend mit der Bezeichnung "Sorbensender" belegte UKW- Frequenz beim Mittelwellensender in Hoyerswerda in Betrieb gegangen war. Über den etablierten Sendebetrieb aus dem Funkhaus Cottbus hinaus gab es hier ab 1989 ( noch unter der Regierung Honecker)  auch zusätzliche Sendungen aus dem Studio Bautzen. 

Deren Mantel war ursprünglich das Programm der Calau- Frequenz 98,6 MHz                                     ( Regionalsendungen aus Cottbus und Radio DDR2 ). Genaue Angaben, wie sich das in der Nachwendezeit verhielt, liegen bislang nicht vor. Die hinzugenommenen 1- KW- Sender  auf 1485, 1584 und 1602 kHz  hatten zuvor das Programm von Radio DDR1 übertragen, während die Frequenzen 95,1 MHz sowie 999 kHz und 1188 kHz aus der Kette des Berliner Rundfunks herausgelöst wurden.

Keiner der Kleinsender auf 1485, 1584 und 1602 kHz ist noch von den Landesrundfunkanstalten der ARD übernommen wurden. Die beim ursprünglichen  Radio DDR1 (zuletzt Radio Aktuell ) belassenen Sender dürften mit dem Ende von dessen Mittelwellenverbreitung abgeschaltet worden sein, die übrigen zum Jahresende 1991. 

Der Abriss dieser Anlagen erfolgte bis Ende 1992. 

Alle von Tesla gelieferten Kleinanlagen wurden mit der Anlagenbezeichnung; SRV 1 T ( deren Enstufe mit einer sowjetischen Röhre GU-47B bestückt war) in die DDR geliefert.

Ein solcher Sender ist im Funkmuseum in Königs- Wusterhausen zu besichtigen, der andere,  mir bekannte, in Wilsdruff im Technikmuseum Rosenstraße. 

 

 

This article was edited 02.Jun.19 10:53 by Wolfgang Lill .

  
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