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Mittelwellensender Dobrochov

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Wolfgang Lill
Wolfgang Lill
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30.Apr.14 21:54

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Fortsetzung von "Reichssender Donau"

Aus der Broschüre ROZHLSOVÝ VYSILAČ MORAVA
des MINISTERSTVO POŠT, 4.X.1947 >>> Rundfunksender Mähren des Ministeriums für Post 
vom 4,Oktober 1947
 
DER RUNDFUNKSENDER MÄHREN
Autor:Ing. Vladimír Caha.  
Etwas euphorisch, hier die etwas gekürzte Übersetzung 
dieses Artikels
 
Die Rauchwolken haben sich verzogen, die Feuer waren gelöscht und mit einem 
blutigen Morgenrot eines freien Morgens endet eine furchtbare Nacht, 
die Nacht der Jahre 1938/45. 

Der 310 Meter hohe Gipfel südlich von Prossnitz in Mähren erwacht aus einem 
schlaftrunkenen Traum, dass er wahr ist, 
davon zeugen die übrig gebliebenen Spuren des Krieges. 
Die rauchenden Ruinen des einstigen deutschen Propagandasenders sind ein 
sprechendes Symbol dafür, was er jahrelang der ganzen Welt verkündet hat. 
Die rauchenden Ruinen eines Senders, den wir einst aufgebaut haben als 
mährisch-schlesischen Landesrundfunksender.
(...)
 
Die Deutschen sind verschwunden und wir bleiben wieder alleine unter uns 
mit leeren Händen die sich brüderlich die gemeinsame Freude teilen, 
die Freude, die aus der Wirklichkeit und der anstehenden Arbeit entspringt.
Und mit diesen leeren Händen beginnt sich allmählich die Grabstätte des 
profanen "Donausenders" auf der Předina zu verändern. 
Schutt für Schutt, Stein für Stein wird weggeräumt und den Anfang des 
Jahres 1946 erlebt die Předina schon zum großen Teil vorbereitet für den Bau 
des neuen mährisch-schlesischen Landessenders. 

Diese Arbeiten zeigen jedoch bald in vollem Umfang die von den 
Kriegsereignissen herrührenden Verwüstungen und die zerstörerischen Kräfte 
der Besatzer. Immer deutlicher zeigt sich, dass es unmöglich sein wird, 
ohne grundlegende Eingriffe in die Gebäude und ohne grundlegende Änderungen 
den ursprünglichen Sender wieder aufzubauen. 
Diese würden längere Zeit in Anspruch nehmen, was einer dringenden und 
schnellen Inbetriebnahme des Senders entgegen steht. 
So stellen uns die Umstände vor die schwierige Aufgabe in möglichst 
kurzer Frist eine Hochleistungssendeanlage zu beschaffen. 

Sicherlich ist es nicht notwendig, zu erwähnen, dass die nachrevolutionäre 
Zeit diese Aufgabe nicht gerade erleichtert hat.
Und auch hier bestätigt sich die Gültigkeit unserer alten Redensart von der 
höchsten Not ebenso wie in vielen anderen Fällen; 
vielleicht können wir es als glückliche Zufall ansehen, 
dass es uns gelungen ist, vom damaligen Informationsministerium in London 
eine neue 100 kW starke Sendeanlage modernder Bauart der 
Firma Standard Electric zu bekommen. 

Interessant, dass diese Sendeanlage eigentlich bestimmt war für Malaysia, 
für einen Propagandasender. 

Zum Bau des Propagandasenders ist es aber nach der Kapitulation Japans 
nicht mehr gekommen und so wurde es uns mit Unterstützung unseres 
Außenhandelsministeriums möglich, diese Sendeanlage zu kaufen.
Dieser Kauf hat sich vollzogen in einer Zeit, in der ein Transport 
durch Deutschland mit normalen Verkehrsmitteln überhaupt nicht möglich war 
und deswegen war es nötig, die Sendeanlage aus England mit Autos anzuliefern. 
163 Tonnen Material wurden im englischen Hafen Hull eingeschifft und nach 
Rotterdam gebracht. Sein weiterer Transport geschah in drei Etappen. 

In Prag wurde das Material auf die Eisenbahn verladen und so ist es nach 
Dobrochau gekommen.
Mit den ersten Transportkisten ist in das Betriebsgebäude des Senders, 
das sich unterdessen allmählich wieder seinem ursprünglichen Aussehen annähert, 
eine ganz eigene Bewegung und ein ganz eigenes Leben gekommen. 

310 große und kleine Kisten, mit einem Gewicht von einigen Kilo bis acht Tonnen, 
haben das Außengelände vor dem Sender in Beschlag genommen und Dank 
des Verständnisses der Zollorgane des Zollamtes in Prossnitz für ein 
schnelles Handeln und dank des günstigen Wetters war die gesamte Sendung 
aus England innerhalb von 13 Tagen verzollt. 

Die Sendung wurde ausgepackt, Kiste für Kiste verschwindet und dafür füllt sich 
das Lager mit mannigfaltigen Material vom fertigen Bauteil bis zum 
halbfertigen Bauteil und Kleinmaterial.
Als erste Etappe des eigentlichen Aufbaus können wir die baulichen 
Veränderungen bezeichnen, die sich unterscheiden vom ursprünglich 
für diese Sendeanlage vorgesehenem Gebäude. 

Das bestehende Gebäude hat sich bedeutend unterschieden vom ursprünglichen 
Projekt. Räumliche Änderungen waren auch nötig, was den Einbau der 
Sendeanlage betrifft. Die Bauarbeiten liefen auf Volldampf.
Nicht nur die radiotechnische Bauabteilung 6 des Postministeriums wirkt auf 
der Baustelle, sondern auch einige weitere Firmen haben uns in unserem 
Bemühen unterstützt, den größten mährischen Sender schnell wieder 
aufzubauen.

Neben den Hochbauarbeiten, die die Firma Ing. Beneš in Prerau durchgeführt hat, 
haben sich an der Errichtung der Stromverteilungsanlage die 
Československé závody Brown-Boveri beteiligt (...), 
die Firma Installa, Ing. Grimm in Brünn, 
die Moravské elektrotechnické závody, 
die Firma Bílek in Brünn, die Firma Doležal und Těhník in Priessnitz.
Das Antennensystem ist das Werk der Vítkovické železárny 
(Witkowitzer Eisenwerke).
(...)
Der schönste Lohn für die Mühen war der unvergessliche Moment, 
als die einzelnen Teile der komplizierten Einrichtung elektrisch 
zum Leben erweckt wurden; der Generator zur Erzeugung der Heizspannung 
für die Elektronenröhren ist angelaufen, das Wasser ist in den Kühlrohren 
geströmt und die Röhren haben begonnen, in ihrem bekannten rosafarbenen 
Licht zu schimmern. 
Die Anzeiger der Messinstrumente sind in Bewegung geraten. 
Nach kleinen Einstellungen hat sich der neue Sender im Äther zuerst mit 
seiner Trägerwelle gemeldet, dann mit verschiedenen Pfeiftönen, 
ganz so wie ein kleiner Säugling, wie es so treffend ein Hörer 
in seinem Brief formuliert, bis er sich ebenso wie unsere übrigen 
Sender mit der Übertragung unserer unsterblichen "Verkauften Braut" (B.Smetana)
gemeldet hat.

Erst jetzt hatten wir gewonnen!
(...)
Der alte deutsche Sender auf der Předina ist verschwunden. 
Auf der Předina ist ein neuer tschechoslowakischer Sender gewachsen. 
Ein moderner Sender, der ein Prachtstück unseres Rundfunknetzes sein kann. 
Die alte Welt ist untergegangen, es wird geboren eine neue Welt, 
der der Rundfunksender Mähren dienen wird, zu unseren Gunsten hier daheim 
und zur Verbreitung des guten tschechoslowakischen Namens über die Grenzen 
hinaus. Diese Aufgabe widmet sich der junge Sender Mähren.

 

Die neue Sendeanlage war im Oktober 1947 betriebsbereit und wurde auf der Frequenz 922 kHz, ab März 1950 auf 953 und ab November 1978 auf 954 kHz betrieben.

Mehrfach wird auch die gute Arbeit des Kollektives gewürdigt. Einen Höhepunkt gibt es 1978 als es vom Präsidenten der Republik ausgezeichnet wird.

 

Der neue Antennenmast ist 150 Meter hoch und war 40 Jahre lang die Dominante der Předina und ein Wahrzeichen von Dobrochov.

Vom 3.Februar 1986 bis August 1988 war diese Sendeanlage wegen einer Generalüberholung außer Betrieb. In dieser Zeit wurde von einer Ersatzanlage  in Littau gesendet, die aber schon entsorgt ist.

Der neue Sender SRV201 von Tesla hat eine Endstufenleistung von 200 KW . Auch der Sendemast und die gesamten technischen Übertragungsanlagen, die Stromversorgung, die Generatoren wurden überholt und teilweise erneuert.

Nach wie vor wird die Anlage über insgesamt drei Freileitungen versorgt.

In diesem Gebäude läuft die Stromversorgung zusammen und vermutlich sind dort auch die Generatoren untergebracht.

Aus der Ferne sind insgesamt 4 Masten zu sehen. Links der Reservesendemast, in der Mitte Masten für Signalempfang und Weiterleitung , rechts der neue Sendemast .

Hier die Ostansicht des Sendemastes. Er ist insgesamt 170 m hoch.

Der  Mast des Ersatzsenders ist 55,5 m hoch, der 20 KW Tesla Sender ist der SRV21, er wurde 1986 ebenfalls gebaut.

 

Der 20 KW Reservesender SRV21

Treiberstufe des SRV201

und immer wieder ein faszinierender Anblick; die Endstufen

Auch dieser Sender läuft automatisiert, trotzdem ist der Technikerarbeitsplatz erhalten geblieben.

 

Der Sender Dobrochov sendet mit 200 KW Endstufenleistung rund um die Uhr das Programm Praha dvoika (Prag 2) und versorgt in erster Linie die Hörer in Mähren mit diesem Programm.  Er ist jedoch auch in Wien und auch in Dresden ganztägig noch gut zu empfangen... hoffen wir, das der Sender uns noch recht lange erhalten bleibt !

This article was edited 20.Jul.14 16:39 by Jürgen Stichling .

  
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