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Mittelwellensender Domamil ( Moravske Budejovice )

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Wolfgang Lill
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21.Jun.15 16:54
 
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Im Jahre 1951 beschloß man auf dem Gelände einer ehemaligen Flakbatterie der Wehrmacht, die auch über starke Scheinwerfer verfügte und deren Stromversorgung und Sicherheit durch Bunkeranlagen gesichert war, einen neuen Mittelwellensenderstandort für die Übertragung von 2 Programmen des Tschechoslowakischen Rundfunks aufzubauen.

Die Arbeiten begannen im April 1952. Im März 1954 war das im Bild zu sehende Dienstgebäude fertig und auch zwei Sender vom Typ Tesla SRV 30B  ( 2 x 30 KW)  wurden fertiggestellt und begannen zunächst noch über provisorische Verbindung zu dem 60 m und dem 50 m Mast Ihren Betrieb.

Das Rauschen in die westlichen Sendungen wurde von einem Sender auf einem Hügel bei Moravske Budejovice verbreitet

Martin Bobek hat recheriert und schreibt dazu folgendes ( gekürzt);

Velký Radvan ist der Name eines Hügels über Domamül bei Mährisch Budwitz. Oben auf dem Berg recken sich hinter einem Zaun aus verrostetem Stacheldraht zwei 100 Meter hohe Masten in den Himmel. In der Ära des Sozialismus hatten sie ein einziges Ziel. Sie haben Lärm im Äther verbreitet, mit dem sie den Empfang westlicher Rundfunksender zunichte gemacht haben.

In Domamil hat man sich angeblich erzählt: Schlimme Gewitter kommen hier her wegen des Senders. "Die Leute haben sich angeblich einmal vor dem Blitz in einem Schutzbunker versteckt, aber der Blitz ist vom Sender bis zum Tor geflitzt  und hat dort das Schloss außer Gefecht gesetzt", erinnert sich Gabriela Strelkova aus Domamil.

Sie hat in den 80er Jahren am Sender als Mitglied der bewaffneten Wache gearbeitet. Während des Sozialismus war nämlich die vorrangige Aufgabe der Domamiler Masten nicht, ein verständliches Signal zu senden, sondern im Gegenteil Lärm, der die Sendungen des westlichen Rundfunks stören sollte.

"Wir haben im Äther Verwirrung gestiftet. Das ist zwar eine Schande, aber wir mussten halt arbeiten. Die Kommunisten hatten Groll auf unsere Familie. Denn Papa war während des Krieges ein von London aus angeleiteter Partisan und ich hatte die Wahl, entweder an der Werkbank als Automechaniker zu arbeiten oder am Sender saubere und fachtechnische Arbeit zu leisten", erinnert sich Jaroslav Fanta, der ganze 36 Jahre als Radiotechniker gearbeitet hat im bewachten Areal bei den Domamüler Masten.

Die ununterbrochen bewachte Anlage entstand auf der Stelle einer ehemaligen deutschen Flugabwehr, die mit starken Scheinwerfern ausgestattet war. Dass die neuen Masten zum Stören westlicher Sender dienen, das war unter der heimischen Bevölkerung kein Geheimnis. Laut sprechen durfte man darüber natürlich nicht. "Wenn mich wer gefragt hat, was wir am Sender so tun, habe ich nur 'no comment' geantwortet", sagt Franta. Ursprünglich sollte im hölzernen Häuschen beim Sender eine eigene Wachmannschaft stationiert sein, schließlich waren dort nur Sicherheitsleute untergebracht. In den härtesten Zeiten waren am Sender mehr bewaffnete Sicherheitsleute als Betriebsangestellte beschäftigt. Pro Schicht bis zu mehr als 20 Mann.

Der geheime Störsender wurde nach Inbetriebnahme "Sender Domamül, Betriebsstelle Nr. 46" genannt. Mit dieser Nummer haben sich auch die Techniker am Sender gemeldet, wenn früh am Morgen bei ihnen das Telefon einer geheimen Sonderverbindung geläutet hat.

"Es haben sich bei uns die Anführer aus der Zentrale auf dem Zluty kopec (Gelber Berg) in Brünn gemeldet und gesagt: 'Anfahren'. Dann haben wir uns mit dem Telefon mit der langen Schnur dran zu den Instrumenten und Gerätschaften begeben und den Sender auf die Frequenz von Radio Freies Europa, Radio Vatikan oder der Deutschen Welle abgestimmt. Dann haben wir auf weitere Weisung den Schalter der sogenannten Grille umgelegt. Das war ein kleiner Motor aus irgendeinem deutschen Flugzeug. Darin war ein Kondensator, der die Trägerwelle des zu störenden Rundfunksenders zum Schwingen gebracht und auf ihr einen Pfeifton gesendet hat", erklärt Franta.

Am meisten hat Domamül westliche Rundfunksender bis ins Jahr 1964 gestört. Dann kam es zur Lockerung: Es wurden nur einige Frequenzen gestört, später nur gesprochenes Wort oder ausgewählte Sendungen. 

Im April 1966 wurde zwischen den (Mittelwellen-) Sendern Jihlava und Moravske  Budejovice eine Modulationsleitung in Betrieb genommen, mit Hilfe derer aus Jihlava nach Domamil die Modulation des Programms "Praha" geliefert wurde. Domamil hat unterdessen zu stören aufgehört und das ordentliche Programm "Praha" auf 1594 kHz gesendetso gefunden bei Martin Bobeks Veröffentlichung zu dieser Sendeanlage

 

Das Foto vom 18.06.2015 zeigt links das Dienstgebäude. Der Mast war damals noch nicht vorhanden.

Gleichzeitig wurde das Gelände gut bewacht, eine Baracke für die Wachmannschaften bis zu 20 bewaffnete Armeeangehörige,  wurde errichtet.

Auch die Einfriedung mit Stacheldraht ist noch im Jahre 2015 gut erhalten.

Mit der Übergabe der Anlage wurde gleichzeitig eine Abhöranlage in Betrieb genommen, speziell für Sendungen der Stationen Radio Svobodna Evropa ( Radio Freies Europa) , den Vatikan und die Deutsche Welle. Mit den Abhörmaßnahmen wurden Störsender koordiniert, die im Kurzwellen und Mittelwellenbereich bis etwa 1964 rund um die Uhr, ab 1964 nur noch ausgewählte PROGRAMME störten. 

Am 21.August 1968 wurde der Senderkomplex von den Sowjetischen Truppen besetzt. Damit sicherten Sie die Funktion und die Ausstrahlung der richtigen !  Programme. So hatten Konterrevolutionäre in Domamil keine Chance mehr !

Vor Ort sagte mir ein älterer Herr, der damals Wachmann dort war, das bei den sowjetischen "Freunden" Bierfässer, Spirituosen , Gurken und Eier aus der Kantine verschwanden ....

Bei meinem Besuch am 17.06.2015 in Domamil fand ich eine gut gepflegte Anlage vor, leider ist auch hier der Betrieb automatisiert und ich fand am späten Nachmittag keinen Einlasser mehr .

Nach 1968 bis Ende 1989 wurden hier weiterhin die schon erwähnten gegnerischen Programme beobachtet und bestimmte Sendungen gestört.

 

Nach der Politischen Wende kam 1991 sogar Radio Freies Europa zu einer Frequenz in Domamil. Das Mittelwellenprogramm von CRo Dvojka wurde natürlich weiterhin abgestrahlt.

Einige aktuelle Fotos :

 

Neben dem Sender CRo dvojka  und ab 16,00 Uhr CRo plus mit 50 KW  auf Mittelwelle 1332 KHz

wird seit Ende März 2015 der Privatsender Cesky Impuls aus Prag hier mit 5 KW von hier ausgestrahlt. 

Der Cesky Impuls war für mich ein Grund, Empfangsversuche zu machen.  Dieser wird bei Prag auf 981 KHz ausgestrahlt mit 10 KW und in Domamil mit 5 KW auf 981 Khz, also Gleichwelle. 
Bei der Fahrt auf der Autobahn Prag - Brno stellte ich ab Km 41 ein zunehmendes Echo fest.Diese Art von Interferenzen hielten an bis etwa kurz vor Jihlava( Km 100) .  Bleibt meine "Vermutung", das man die Ausstrahlung des zweiten Senders zeitlich etwas verzögert hat..... 

Im Dorf Domamil selbst ( hier ein Bild vom Zentrum des Ortes) hörte ich auch den Mittelwellensender. Cesky Impuls ist bei einigen Hörern Standard geworden . Auf meine Frage, warum hören Sie noch Mittelwelle? sagte mir z.B. ein Einwohner, weil er mein Lieblingsprogramm sendet. 

In der Grenzregion zur Slowakei war der Sender immerhin noch mit 3-4 zu empfangen.

 

Noch einige fehlende technische Angaben werden von mir, sobald diese vorliegen, nachgetragen.

This article was edited 25.Jul.15 09:36 by Wolfgang Lill .

Wolfgang Lill
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21.Jul.15 16:24

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Von Herrn Dr. Frantisek Perina aus Zlin ( HRCS ) erhielt ich von einer Exkursion , welche im April 2014 stattfand einige schöne Bilder, welche ich meinem Artikel gerne anfüge;

Radiofreunde des HRCS bei der Exkursion auf dem Gelände

Hier ist der Fuß der neueren Sendeantenne zu sehen.

Der links zu sehende Mast dient unbekannter Kommunikation, dazu gab es für die Exkursionsteilnehmer keine Information. Auch in den Gebäuden selbst durfte nicht fotografiert werden.

Hier ist die Speiseleitung gut zu erkennen.

Fuß der "alten" Sendeantenne

und abschließend noch eine tolle Aufnahme von der "alten" Sendeantenne...Hallo hier spricht Cesky Impuls Sender Moravske Budejovice auf 981 KHz --------  !

This article was edited 21.Jul.15 16:25 by Wolfgang Lill .

  
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