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Nachbau von US-Widerständen (30er Jahre)

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Andreas Schmack
 
 
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10.May.09 20:00

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Lieber Leser,

nachdem ich ein altes Radio aus den 30ern reparieren musste, habe ich folgende Nachbauanleitung für einen speziellen Typ von US-Widerständen zusammengeschrieben. Ich hoffe dem ein oder anderen kann sie weiterhelfen.

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Wer schon mal ein Radio aus den 30ern zerlegt bzw. repariert hat (vorzugsweise ein amerkanisches Modell), der ist sicher auch schon über die typischen US-Widerstände aus dieser Zeit gestolpert: ca. 8 mm dicker und 3-4 cm langer zylindrischer Körper und davon radial abgehende Kontaktdrähte. Kodiert sind die Widerstände mit dem noch heute gebräuchlichen Farbcode – nur dass dieser nicht in Ringen aufgetragen ist sondern sich unterteilt in die Grundfarbe des Zylinders (entspricht 1. Ring), dem Farbtupfen am Rand (2. Ring) und dem Farbtupfen in der Mitte (entspricht Multiplikator). Sofern sich am zweiten Rand kein Farbtupfen befindet bedeutet dies eine Toleranz von 20%.

Blöd nur, wenn ein solcher Widerstand im Radio defekt ist oder fehlt – denn ein modern-geringeltes Exemplar (welches zumeist auch viel kleiner ist) sieht irgendwie fehlplatziert in so einem alten Schmuckstück aus. Genau vor diesem Problem stand ich aber bei meinem letzten Projekt. Die Lösung war im Nachhinein denkbar einfach und für praktisch jeden Hobbybastler nachzuvollziehen.

defekter Originalwiderstand
Bild1: defekter Originalwiderstand (5 kOhm)


Zunächst mal benötigt man einen mehr oder weniger modernen Kohle- oder Metallschichtwiderstand (z.B. aus einem Fernsehgerät aus den 60er/70er Jahren). Dieser sollte mindestens folgende Eigenschaften erfüllen: passender Widerstandswert (10-15% Abweichung sind normalerweise kein Problem, denn die Widerstände damals waren ohnehin nicht so genau) und zum anderen einen zylindrischen Körper, der von der Größe in etwa dem Original entsprechen sollte. Wenn die Baugröße passt, stimmt in der Regel auch die maximale Verlustleistung aber zur Sicherheit kann man ja auch noch mal nachrechnen (P = U * I = I² * R = U² / R).
Recht gut geeignet sind zumeist die 2 Watt Widerstände aus älteren Fernsehern (z.B. 70er Jahre).
Ist der passende Widerstand gefunden, müssen als erstes die Anschlussdrähte abgeschnitten werden. Danach werden die End- / Kontaktkappen des Widerstandes nachbearbeitet bis keine Reste der Anschlussdrähte mehr übrig sind und die Kappen auch auf den Seiten schön blank sind. Am Besten funktioniert das ganze mit einem Schleifeinsatz auf einer Minibohrmaschine (aufpassen, dass der Lack und die darunter liegende Kohleschicht des Widerstandskörpers nicht beschädigt wird!).

Bild 2 und 3: "moderner" 2 Watt-Widerstand mit abgeschliffenen Anschlüssen


Nun wird Silberlackdraht mit einem Durchmesser von 1 mm benötigt. Für den o.g. Widerstandstyp werden pro Anschluss ca. 10 cm Draht benötigt. Dieser wird (ggf. mit Hilfe einer kleinen Zange) genau zwei mal um den Widerstandskörper gewickelt und anschließend mit Abschlusskappe des Widerstandes ringsrum verlötet. Die Prozedur wird entsprechend für den zweiten Anschluss wiederholt.


Bild 3: Widerstand und neu gebogene Anschlussdrähte


Bild 4: Erster Anschluss angelötet


Abschließend benötigt der Widerstand noch seine originale Farbkodierung.
Hierzu habe ich mir im Baumarkt fünf Dosen "Buntlack" geholt. Er deckt gut, lässt sich leicht verarbeiten (kleiner Pinsel) und kostet nicht allzuviel (leider gänzt meiner recht stark => ggf. nach matt trocknender Version Ausschau halten).
Nachteil des Buntlacks: Er trocknet recht langsam. Man sollte jedoch unbedingt die Geduld aufbringen und warten, bis die Grundfarbe des Widerstandskörpers gut getrocknet ist bevor man die Farbtupfen aufbringt. Ansonsten laufen die Farben ineinandern und davon und beim Versuch das Ganze wegzuwischen verschlimmert sich der Schaden nur noch mehr.

Aus den fünf Grundfarben lassen sich alle weiteren Widerstandsfarben mischen:
rot + gelb = orange, rot + blau = violett, blau + gelb = grün; rot + gelb + blau = braun;
schwarz + weiß = grau

Zu guter letzt sollte man nach all der Arbeit ein durchaus ansehnliches Ergebnis erhalten. In meinem Beispiel glänzt die neue Farbe zwar recht stark aber wer weiß schon noch, wie damals die brandneuen Widerstände genau aussahen ;-)


Bild 5: links: nachgebauter 5K Widerstand, rechts defektes Original

Bilder in die richtige Größe gebracht, <560Pixel !!.
Wolfgang Bauer
 

This article was edited 16.May.09 00:30 by Andreas Schmack .

Felix Schaffhauser
Felix Schaffhauser
 
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15.May.09 17:57

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Gratuliere einerseits zur Idee, solche Originalteile mit neuem Material treffend nachzubilden und dann für die gute und subere Darstellung des Vorganges. Jedermann sollte damit imstande sein, sowas auch zu machen.

Sicher eröffnen solche kreativen Ideen auch ein weiteres Feld für anderweitige Nachbildungen und dürften somit eine gute Anregung sein.

mfG F.S.

  
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