radiomuseum.org
Please click your language flag. Bitte Sprachflagge klicken.
  The thread rating is reflecting the best post rating. Have you rated this thread (best post)?

Nachruf zum Tode von Hermann Rebers

Moderators:
Ernst Erb Bernhard Nagel Heribert Jung 
 
Please click the blue info button to read more about this page.
Forum » Literature, Addresses, Events, Clubs and Museums » MUSEUM FINDER » Nachruf zum Tode von Hermann Rebers
           
Hans-Werner Ellerbrock
 
Editor
D  Articles: 524
Schem.: 32
Pict.: 8715
04.Mar.18 12:35
 
Count of Thanks: 12
Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   1

Nachruf auf Hermann Rebers

 

Am 01. Februar 2018 starb Hermann Rebers im Alter von 88 Jahren. Er ist vielen Radiosammlern bekannt durch sein Nordmende-Museum, das er von 1998 bis 2010 im Anbau seines Windmühlenturmes betrieb.

Aber auch durch seinen stets guten Rat zu Reparaturen von Mende-Geräten und das Heraussuchen von speziellen Ersatzteilen für diese Marke war er bei vielen Radiofreunden beliebt.

Regelmäßig, auch noch im hohen Alter fuhr er zu den Radiobörsen nach Lamstedt, Mellendorf, Hannover und Friedrichshafen, um dort seinen Stand aufzubauen und mit Freunden zu „schnacken“.

 

Zum Gedenken nun ein Rückblick auf sein interessantes Berufsleben und Hobby.

Im Folgenden ein Interview, dass ich im Frühjahr 2010 mit Hermann führte. Veröffentlicht in ähnlicher Form in der Mitgliederzeitung des Verein GFGF, Nr. 192 aus 210, S.116-117.

 

Interwiew mit Hermann Rebers, Radio-Mende-Museum Uphusen

 

Hans-W. Ellerbrock besuchte Hermann Rebers in seinem Radiomuseum in Uphusen an der Stadtgrenze zu Bremen. Dort lebt er schon seit vielen Jahren mit seiner Ehefrau Rosie in einer historischen Windmühle. Um zum Museum zu gelangen, muss man also erstmal mühselig den Windmühlenberg erklimmen.

Aber der Aufstieg hat sich gelohnt. Schon der Weg zum Eingang der Ausstellung ist mit vielen großen Reklameschildern dekoriert. Jeder freie Platz auf dem Grundstück wurde nach und nach für Lagerräume umgenutzt. In einem Anbau erwartet mich Hermann, 81 Jahre jung und stets mit neuen Projektideen erfüllt. Eigentlich sollte in dem Anbau ein Teil der Wohnung erweitert werden, aber es kam anders. Anstatt Wohnzimmerschrank und Bücherregale stehen dort jetzt Rundfunkgeräte aus allen Epochen.

Den Eingangsbereich bildet ein Wintergarten, in dem winters auch die Gartenpflanzen untergestellt werden. Dort kann man unter anderem die Entwicklung der Typenreihe „Rigoletto“ verfolgen. 12 Geräte dieses Modells sind von 1950 bis 1978 ausgestellt. Im großen Raum sind ca. 400 Geräte ausgestellt, Detektorempfänger, Kathedralen, Tischgeräte, TV-Geräte, Laborgeräte, Kofferradios und vieles andere aus den Häusern Mende und Nordmende.

Das Ganze wird untermalt mit Fotos, Schriftstücken, Kalendern und Werbeprosekten rund um die Mendewerke. Fotos aus den Werken in Dresden und Bremen. Aus zwei Bakelit-Mende vom Typ 153W- aus dem Jahre 1939 ertönt Radio Bremen FM in Stereo-Wiedergabe, eingespeist über die TA-Eingänge aus einem modernen Stereo-Tuner.

In einer gemütlichen Sitzecke findet dann der Smalltalk statt. Während dem Gast Kaffee und Kuchen gereicht werden, nimmt Hermann einen Detektor-Empfänger in Betrieb und bietet dem Gast anschliessend den Kopfhörer zur Begutachtung an. Dieser Raum sollte übrigens einmal Wohnzimmer werden.

Das geht nur in einer harmonischen Zweierbeziehung. Ehefrau Rosie unterstützt das Hobby, achtet aber auch darauf, dass ihre eigenen Wünsche nicht zu kurz kommen. In der Turmwohnung sind nur wenige, ausgewählte Rundfunkgeräte zugelassen und wenn es zur Funker- und Radiobörse nach Friedrichshafen am Bodensee geht, sorgt Rosie dafür, dass auch eine Woche Urlaub dabei abfällt.

 

Auf den Radiobörsen im norddeutschen Raum sind die Rebers Stammgäste. Meist haben sie den größten Tisch und das bunteste Sortiment. Angereist wird mit dem 3-Liter-Auto und Anhänger. (Insider wissen, was es mit den 3 Litern auf sich hat.) Nordmende-Teile und –geräte werden natürlich nur als Doubletten angeboten Auf den Sammlertreffen wird nämlich vieles abgegeben, was nicht in die Sammlung passt, wo also nicht (Nord)mende draufsteht.

 

Im Folgenden das Gespräch.

Hermann, seit wann gibt es das Museum ?

1998 war es so weit fertig, dass ich es der Öffentlichkeit vorstellen konnte.

 

Wie kamst Du auf die Idee, ein Rundfunkmuseum aufzubauen?

Über meine private Sammlung seit 1969. Ein VE dyn aus Familienbesitz sollte entsorgt werden. Noch mal angeschlossen und erwartet, dass es knallt und stinkt. Aber….er brummte freudig los und dann hörte ich die Hansawelle von Radio Bremen.

 

Warum liegt der Sammlungsschwerpunkt bei der Marke Mende/Nordmende?

Seit meiner Pensionierung 1990 besaß ich bereits 80 Geräte verschiedener Hersteller, darunter auch VE und andere alte. Viele Luxusgeräte diverser Hersteller. Auf Märkten kaufte ich dann weitere Geräte dazu. Doch dann sagte ich mir eines Tages, dass dieses Sammelsurium geändert werden muss. Das hängt auch mit meiner mehrjährigen Arbeit im Nordmende-Werk zusammen.

Mit der Zeit fehlte mir auch der Lagerplatz für diese vielen Geräten.

 

Wann begann Deine Leidenschaft für die Radiotechnik, welche Umstände führten dazu?

Im Alter von 10Jahren. Wir hatten im Elternhaus einen Seibt Roland 4L (Kathedrale mit 6 Kreisen). Meine Lieblingssendung sonntags kam aus dem Tivoli in Kopenhagen vom Sender Kalundborg. Ausserdem hörte ich oft den Reichssender Hamburg auf MW und den Deutschlandsender. Dann schafften Nachbarn ein neues Radiogerät an. Ich durfte dran drehen und war begeistert. Später erfuhr ich dann, dass es ein Mende- 2-Kreiser 153W war. Auf jeden Fall hatte es mir die Funktechnik ab da angetan.

 

 

Wann hast Du angefangen, Rundfunkgeräte zu sammeln?

Ich bekam ein Radio, dass entsorgt werden sollte und dachte mir. “Das ist zu schade zum wegschmeissen.“ Als Mende-Angestellter kaufte ich später ein Modell 450-10. Ich bekam damals Personalrabatt und konnte mir daher solch ein großes Gerät leisten. Als Berufsschullehrer unterrichtete ich die Radio- und Fernsehtechniker. Ab und zu brachte mir ein Schüler ein Radiogerät für meine Sammlung mit.

 

 

Worauf basieren Deine umfangreichen Kenntnisse über das Nordmende-Werk und die Geräteentwicklung?

Ich wollte Radiokonstrukteur werden. Das hatte ich mir schon als 12-Jähriger Oberschüler vorgenommen. Nach dem Abitur war ich 1 Jahr lang bei Krupp-Atlas als Praktikant beschäftigt, insbesondere in den Abteilungen Elektromedizin und Echolote. Danach begann ich mein Studium in der Fachrichtung Elektrotechnik an der TH Hannover, das ich im 2. Semester aus Gesundheitsgründen unterbrechen musste..

1949 bewarb ich mich ohne Studienabschluss bei Nordmende in Bremen. Ich wollte in der Rundfunkbranche Geld verdienen.

Das Einstellungsgespräch beim Obering. Hans-Werner Heer (Schöpfer der legendären Geradeaus-Fünfkreiser 1932 bis 1935) artete aus zu einem Prüfungsgespräch. Dann legte er mir das Schaltbild des gerade zur Produktion vorbereiteten Rimlockröhren-Supers Nordmende 275W vor. Ich musste die Funktionsstufen erklären. Unter anderem erläuterte ich die Funktion des neuen AEG-Selen-Brückengleichrichters. Mein Hinweis, dass dadurch die Siebung einfacher ist, eine Anodenwicklung beim Netztrafo eingespart wird und der Gerätebau kostengünstiger wird, hat ihn so beeindruckt, dass er mich gleich als Rundfunkmechaniker einstellte. Er hatte also eine überraschende Gesellenprüfung abgenommen.

Meine Personalnummer war 278, was auf die Größe der Belegschaft schliessen lässt.

Ich wurde dann als Servicetechniker für die Reparatur von Kundengeräten eingesetzt, Fehlerbeseitigungen, die die Händler an das Werk abschoben. Mende wollte die Kunden damit zufrieden stellen. Später war ich dann schwerpunktmäßig an der Entwicklung von neuen Modellen im Rang eines Werkmeisters beteiligt und dem Oberingenieur direkt unterstellt Zu meinen Aufgaben zählten die Materialkontrolle und die Qualitätssicherung.

Als ich mich 1955 in Bremen-Mahndorf als Rundfunk-Händler selbständig machte, blieb ich weiter in Kontakt mit dem Werk und verfolgte dabei die weitere Entwicklung der Rundfunkmodelle.

 

Man hört gelegentlich, dass einige Firmenpatriarchen oft etwas eigenwillig, wenn nicht sogar spleenig waren. Traf das auch auf Martin Mende zu?

Er war sehr sozial eingestellt, besorgte Mitarbeitern Wohnungen. Im Herbst gab es „Kartoffelgeld“ als Zuschuss. Einmal im Jahr wurden Busse gechartert, dann unternahm die Belegschaft einen Betriebsausflug.

Bei der Vorführung neu entwickelter Modelle war Martin M. sehr geduldig. Er legte Wert auf eine optimale Klangwiedergabe. Dauernd musste ein Konstrukteur Kondensatoren und andere Bauteile umlöten bis Mende zufrieden war. Da kam der Chef-Rundfunk-Entwickler Fritz Trömel auf die Idee, diese Variationen per Schalter hinter dem Gerät vorzunehmen. Martin M. schlug dann vor, diese Umschaltung an der Front des Gerätes serienmäßig anzubringen. Das Klangregister war geboren.

 

Welche Geräte sind Deine Favoriten?

Der erste Tannhäuser von 1954/55 , Koffer Mambo , die Elektra-Serie als Konkurrenz zur Philetta, M153W, MS315W, M194W und das Modell M450W.

 

Welches sind besonders herausragende Modelle?

Zum Beispiel der Nordmende 370GW als Fortsetzung der Dresdner Vorkreislinie. Dann das erste Röhrengerät von Mende, der E30 von 1924. Dieses habe ich für einen stolzen Preis auf dem Sammlermarkt in Mellendorf erworben. Ferner der Tasti von 1967, der Transistorkoffer Flamingo aus dem selben Jahr mit dem Design von Raymond Loewy. Loewy, der auch die Zigarettenschachtel für Lucky-Strike, US-Greyhoundbusse und den Studebaker-PKW entwarf, erhielt dafür immerhin einen 5-stelligen Betrag für seine Unterstützung.

 

Sind alle ausgestellten Geräte betriebsbereit?

Nur etwa jedes zweite Gerät. Alle sind vollständig und warten auf eine fachkundige Restaurierung. Wichtig ist mir, die technische Entwicklung der Modelle in den einzelnen Fertigungsjahren zu dokumentieren.

 

 

Wie bist du in den Besitz der vielen Geräte gekommen? Es sind ja immerhin einige Raritäten darunter.

Von 1955 bis 1964 hatte ich ein eigenes Rundfunkgeschäft in Bremen-Mahndorf, ca. 6Km vom Werk entfernt. Zu mir kam die Belegschaft, um Geräte mit Personalrabatt zu kaufen. Die Firmenleitung wollte damit direkt nichts zu tun haben. Als kleines Extra legte ich stets eine Langdraht-Antenne oder einen UKW-Dipol, hergestellt aus Flachbandleitung, bei. Das gefiel den Kunden. Später brachten sie mir dann die ausgedienten Geräte wieder in meine Sammlung zurück.

Von einem alten Radiofreund bekam ich z.B. einen Telefunkensuper von 1939. Ich reparierte das Gerät, freute mich über das schöne Stück und erstand gleich darauf weitere Spitzengeräte von Telefunken, Körting und Saba und anderen Marken. Diese tauschte ich dann so nach und nach gegen Mende-Modelle ein.

 

 

Welches sind deine weiteren Pläne?

Am 3. Oktober 2010 ist das Museum zum letzten Mal für die Öffentlichkeit geöffnet. Danach soll der Bestand zum Verkauf angeboten werden. Die Räume werden nämlich künftig privat benötigt.

Seit einem Jahr kämpfte ich mit dieser Entscheidung. Da sich aber kein Nachfolger für die Sammlung fand, bleibt nur die Auflösung übrig.

Weitere Informationen werde ich in den nächsten Ausgaben der Funkgeschichte geben.

Behalten werde ich auf jeden Fall den Tannhäuser 1954/55, an dessen Entwicklung ich beteiligt war, das Transistorgerät Tasti mit den 3 Stationstasten und den Zweikreiser M194W von 1932 aus Dresden.

 

Danke für das Gespräch, Hermann und weiterhin viel Spaß mit dem Hobby.

Die Bildrechte liegen bei Hans-W.Ellerbrock. Vor Veröffentlichung bitte mit diesem wg. Genehmigung in Verbindung setzen.

 

 

 

 

This article was edited 04.Mar.18 20:04 by Hans-Werner Ellerbrock .

  
rmXorg