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Rema GmbH, Stollberg; Radio-Hersteller in der ex. DDR

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Iven Müller
Iven Müller
 
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14.Aug.03 12:46

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REMA
Fabrik für Rundfunk, Elektrotechnik und Mechanik

Diese Firma und ihre Belegschaft hat in beträchtlichem Maße die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Stollberg und deren Umgebung zwischen 1945 und 1990 mitbestimmt. Die Produkte der Firma waren im Inland heiß begehrt und spielten auch im Export eine nicht unerhebliche Rolle.

 

Die Ursachen für einen außerordentlich guten Ruf sind sicher mit darin zu suchen, dass ausgezeichnete Fachleute ein Potential aufbauten, welches stets die technische Spitze mitbestimmte bzw. der Konkurrenz eine Nasenlänge voraus war. Wesentlich war auch, dass von Anfang an der eigene Nachwuchs im Betrieb ausgebildet wurde.

 

In den Wirren des Kriegsendes fanden sich ehemalige Mitarbeiter von Telefunken aus Posen, Grünberg und Berlin hier in Stollberg zusammen. Aus diesem Personenkreis gründeten fünf tatkräftige Männer am 10.Juli 1945 die Firma REMA GmbH, Fabrik für Rundfunktechnik und Mechanik. Es waren dies die Herren Harry Wolfram, Werner Hepp , Kurt Dörmann, Wilhelm Hövelmann und Herr Jacobi.

 

Am 21. August 1945 wurde Antrag auf Errichtung eines Großhandelsunternehmens für Herstellung und Vertrieb von Rundfunkgeräten, feinmechanischen und elektrotechnischen Geräten und Einzelteilen beim Landrat zu Stollberg gestellt. Der Betrieb ist beim Bürgermeister anzumelden. Am 29. Oktober 1945 wurde die Anmeldung des Betriebes durch den Stollberger Bürgermeister bescheinigt.

 

Ende 1945 hatte der Betrieb bereits 30 Mitarbeiter. Bevor die Produktion von Rundfunkgeräten begann, wurden Lockenwickler, Zigarettenrollmaschinen, Lampen, Ladegleichrichter und elektrische Feueranzünder hergestellt.

 

Zu den ersten Rundfunkgeräten gehörten:

 

 

1945          Typ 214 W

1947          Typ 133

1948          Typ 443 W

1949          Typ 654 WS.

 

So wurden von 1945 bis 1950 bereits zehntausend Einkreisempfänger produziert. Als Besonderheit soll z.B. auf eine Schulfunkanlage für die Oberschule Stollberg hingewiesen werden, welche 1948 gefertigt und installiert wurde. Ab 1951 konnten Super und ab 1956 Kofferempfänger produziert werden.

 

Anlässlich des 25-jährigen Bestehens konnte auf folgende Produktionszahlen verwiesen werden:

 

1950 - 1955  Super                  40.000 Stück

                    Koffergeräte         15.000 Stück

 

1956 - 1960  Super                  56.000 Stück

                    Koffergeräte         44.000 Stück

 

1961 - 1965  Super                  92.000 Stück

                    Koffergeräte         53.000 Stück

 

1966 - 1970  Super                 145.000 Stück

                    Super Chassis

                    für Tonmöbel       120.000 Stück

 

Die Zahl der Mitarbeiter stieg von 105 im Jahr 1950 auf 366 im Jahr 1970. Bereits 1959 exportierte REMA Rundfunkgeräte in über 50 Länder.

Die Produktion zeichnete sich durch eine große Fertigungstiefe aus. Viele Einzelteile wurden im Betrieb selbst hergestellt: z.B. Blechteile, Drehteile, Spulen, Lautsprecher, Schalter oder Drahtzuschnitte.

Dieses Produktionsprofil war meist aus der Not geboren, da es entsprechende Zulieferer nicht gab bzw. dafür die notwendigen Kapazitäten extern nicht zur Verfügung standen. Eine Spezialisierung konnte erst in späteren Jahren erfolgen, als Kapazitätserweiterungen durch so genannte wirtschaftsorganisatorische Maßnahmen in Form von Angliederungen von Betrieben erfolgten.

Viele Entwicklungstendenzen des Betriebes sind natürlich den zentralistischen Entscheidungen der Planwirtschaft geschuldet. Als anerkannter Hersteller von Kofferradios wurde REMA beispielsweise 1964 die Produktion des neuentwickelten UKW-Koffergerätes "Trabant T 8" nicht mehr ermöglicht, sondern die VVB Rundfunk und Fernsehen hinderte den Betrieb zugunsten eines großen VEB die Produktion aufzunehmen.

 

Das ständige Wachstum des Betriebes erforderte natürlich auch räumliche Veränderungen. Begonnen hatte alles in den Räumen des heutigen Arbeitsamtes in der Goethestraße bzw. der ehemaligen Strumpffabrik Blaschke in der Fabrikstraße. Von dort erfolgte der Umzug in Räumlichkeiten des ehemaligen Blechformwerkes, dann in Räume der ehemaligen Nadelfabrik Dietrich ( Wollerfabrik) und schließlich 1954 in die alte Schuhfabrik Geßner auf der Schillerstraße. In der Folge ergaben sich notwendige bauliche Erweiterungen, die Spulenwickelei wurde in die Tischlerei Ahner in der Bachgasse verlagert und am 1. Juni 1959 das Werk II in der ehemaligen Fuchs-Fabrik in der Fabrikstraße bezogen. Später kamen weitere Betriebsstätten dazu, so die ehemalige Seifenfabrik in der Hohen Straße, Räume der Kaufmannfabrik in der Zwickauer Straße, die Richterfabrik am Rosentalweg und diverse verstreut liegende Lager.

 

Wurde der Betrieb 1945 als reines Privatunternehmen gegründet, so wuchs ständig der Druck des Staates auf stärkere Einflussnahme.

 

Am 14. April 1954 erfolgte die Umwandlung in eine OHG und am 01.04.1959 wird die staatliche Beteiligung aufgenommen. Der Betrieb nennt sich nunmehr REMA-Fabrik für Rundfunk, Elektrotechnik und Mechanik, Wolfram & C0. KG. Am 01. Mai 1972 wird die KG verstaatlicht und nennt sich nun VEB Rundfunktechnik REMA Stollberg. Von 1974 - 1981 entstand ein Gebilde von verschiedenen Betriebsstätten.

Die Belegschaft, Gerätestückzahl und Warenproduktion entwickelte sich in dieser Zeit wie folgt:


1974: ca.    400 Personen, ca.   40.000 Geräte, ca.    40 Mio. Mark

1981: ca. 1.400 Personen, ca.  106.000 Geräte, ca.  141 Mio. Mark

 

Im Rahmen der Bildung bezirksgeleiteter Kombinate wurde REMA am 27.08.1981 Stammbetrieb des Kombinates Rundfunk und Haushalttechnik.

 

Am 02.01.1986 wird REMA wieder aus diesem Kombinat herausgelöst und dem Kombinat Rundfunk und Fernsehen Staßfurt zugeordnet (mit dem VEB Sternradio Sonneberg wurden dann Komponenten gemeinsamer Anlagen entwickelt und produziert).

 

Am 01.07.1988 erfolgte die Zuordnung zum Kombinat Robotron.

 

Die REMA-electronic GmbH wurde am 01.07.1990 gegründet und bereits Ende November 1990 kam das endgültige Aus für die Produktion von Rundfunkgeräten.

 

Am 30.09.1991 wurde der Betrieb liquidiert.

 

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Ergänzung -  nach dieser Chronik lässt sich eine Firmenbezeichnung "Rondo" oder "Ponti" nicht erkennen.

Die Firma hatte immer "REMA" im Namen.

 

Iven Müller

 

 

Entnommen - mit freundlicher Genehmigung der Stadtverwaltung - von www.Stollberg-Erzgebirge.de

In Stollberg ist unter anderem eine Ausstellung zur Firmengeschichte der REMA eingerichtet worden.

This article was edited 14.Aug.03 17:37 by Iven Müller .

  
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