luxor: Reparaurbericht Radio Luxor 4349W mit AFC

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ID: 562130
Dieser Artikel betrifft das Modell: Virtuos 4394W (Luxor Radio AB; Motala)

luxor: Reparaurbericht Radio Luxor 4349W mit AFC 
16.Dec.21 10:27
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Beat Sager (CH)
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Beat Sager

Das Gerät entspricht der schwedischen Version, die baugleiche finnische Version findet man hier. Die vorliegende schwedische Version hat eine graue Skalenscheibe, gleichfarbige Knöpfe und das schwedische Staatswappen ist auf der Mitte der Skala aufgedruckt, während dem die Skala und die Knöpfe bei der finnischen Version dunkel erscheinen. Im Innern fällt sofort auf, dass lediglich bei der finnischen Version über dem UKW Empfangsteil eine Abschirmhaube angebracht ist. Was die Stöhrabstrahlung betrifft, galten damals in Finnland demzufolge vermutlich strengere Regeln als in Schweden.

Vor dem Einschalten:

Zunächst wurden die bekannterweise ausfallgefährdeten Wickelkondensatoren überprüft, und mussten fast ausnahmslos ersetzt werden. Ausser dem Typ, welcher im Ratio-Detektor verbaut ist, und ersetzt werden musste, waren alle Elkos erstaunlicherweise in bestem Zustand.

Die beiden Drehkondensatoren waren, durch das eingetrocknete Fett, so verharzt, das die Achsen festsassen. Damit sie ausgebaut und wieder zum Laufen gebracht werden konnten, musste die ganze Front ausgebaut und die Skalenseiten entfernt werden. Danach konnten die Drehkondensatoren ausgebaut und gereinigt werden. Um die Achsen wieder zum Laufen zu bringen, genügte es, die Lagerbuchsen mehrmals mit Citrus Spray einzusprühen und vorsichtig zu drehen, bis kein Drehwiderstand mehr zu beobachten war. Nun wurden die Lager und Zahnräder mit Silikon Spray geschmiert, und alles wieder zusammengebaut. Nach dem Einbau mussten nur noch die Kontaktfahnen für die Masseverbindung in den Drehkondensatoren mit Tuner Kontaktreiniger behandelt werden.

Erste Gehversuche:

Nach dem Einschalten funktionierte das Radio auf allen Wellenbereichen einigermassen gut. Besonders im UKW Bereich ist jedoch noch ein Abgleich von Nöten. Auffällig ist, das gleich nach dem Einschalten, noch bevor die Röhren aufgeheizt waren, ein brumm hörbar war. Die Ursache war der Netztransformator, der durch das Streufeld, die Brummspannung direkt auf den darunterliegenden Ausgangsübertrager eingekoppelt hat. Bei vergleichender Betrachtung, mittels Bildern vom gleichen Radio Typ, stellte sich heraus, dass der Transformator nicht dem Original entsprach, und somit früher einmal ersetzt wurde. Zudem war der ausgetauschte Transformator nicht anstatt wie das Original horizontal, sondern vertikal montiert. Damit erklärt es sich, weshalb das Streufeld den Ausgangsübertrager beeinflussen konnte.

 

Neuer Netztransformator:

Die Heizspannung sowie die Anodenspannung waren bei einer Netzspannung von 230V einigermassen dem Schema entsprechend korrekt. Nach einer längeren Betriebsdauer von über einer halben Stunde sank die Heizspannung auf ca. 5.7V, was natürlich nicht tolerabel ist, und der Transformator lud zum Spiegeleierkochen ein. Mit Hilfe der Widerstandsänderung einer Wicklung lässt sich die Wicklungs-Temperatur bekanntlich leicht errechnen. Im Kaltzustand bei 20°C betrug der Widerstand der Anodenwicklung 227.4Ω und stieg im Warmzustand auf 286.5Ω. Formel: Tend = (Rheiss - Rkalt)/(α * Rkalt) + Tkalt wobei der Temperaturkoeffizient α für Cu 0.00393 beträgt. Das ergibt somit: (286.5 - 227.4)/(0.00393 * 227.4) + 20 = 86°C und das bei ausgebautem Radiochassis. Eingebaut im kleinen Radiogehäuse erreicht die Temperatur locker nochmals 20°C mehr, was leicht zur Zerstörung der Wicklungsisolation führen könnte. Somit war klar: Ein anderer Netztransformator muss her!

Einen Originalersatz zu finden dürfte bei diesem seltenen Radio Modell gegen unmöglich tendieren. Die Suche nach einem Ersatzmodell, welches in das kleine Radiogehäuse reinpasst, führte wieder einmal zu den Chinesen, welche ein passendes Modell mit den richtigen Spannungen und genügender Leistung anbieten. Bestellt wurde der Trafo bei Aliexpress und das Teil ist schon nach etwa zwei Wochen eingetroffen. Es handelt sich um einen Trafo mit Schnittbandkern der natürlich, durch die Bauweise, kein Streufeld erzeugt. Kurz ausgepackt und gleich mit 230V Nennspannung versorgt waren die Ausgangsspannungen korrekt 6.3V und 170V. Aber halt, da haben doch die Chinesen nur die Leerlaufspannung berechnet, unter Last wird die Spannung um etwa 10 - 20% abnehmen. Und so war es denn auch: Nach dem Einbau und Inbetriebnahme betrug die Heizspannung nur noch 5.6V! Was nun? Da gibt es nur eine Lösung, etwas mehr Windungen müssen aufgetragen werden. Zunächst wurde ein Stück Draht durch den Kern gezogen und daran die Spannung mit etwas mehr als 0.1V/Wdg gemessen. Mit zusätzlichen 6 Windungen sollte es also gehen. Mit einem Schraubendreher und zwei Zangen wurden die Wicklungskörper auf dem Kern verschoben und neu fixiert, sodass ein genügender Spalt entstand um die 6 Windungen aufzutragen. Verwendet wurde ein TQ Litzendraht mit 0.34mm2 Querschnitt. Jetzt musste nur noch die zusätzliche Wicklung mit der Vorhanden in Serie geschaltet werden, und tatsächlich die Heizspannung beträgt nun korrekt 6.3V. Bei der Anodenspannung tritt natürlich das gleiche Problem auf. Trotz Ersatz des vorhanden Selengleichrichters, welcher ebenfalls nicht dem Original entsprach, durch einen Si. Gleichrichter, ist die Anodenspannung etwa 10% zu gering, das heisst sie beträgt jetzt 207V anstatt 227V. Damit kann ich jedoch leben. Ansonsten ist der Transformator von guter Qualität, der gemessene Leerlaufstrom beträgt lediglich 3mA und im Dauerbetrieb erwärmt er sich nur leicht.

 

UKW Einrast Zeiger:

Die UKW Abstimmung erfolgt nicht wie beim AM Bereich durch eine lineare Abstimmanzeige, sondern durch eine Rundskala am rechten Einstellknopf. Auf der Skala sieht man drei Zeiger, welche oben Einrasten, und so die Einstellung auf die wichtigsten Sender erleichtern sollen. Die Zeiger sind mit dem Skalenrad durch Friktion verbunden. Sie können nur durch festhalten von unten mit einem Werkzeug und gleichzeitigem drehen am Einstellknopf verschoben werden. Das ist aber nur möglich wenn das ganze Radiochassis ausgebaut wird. Für das Einstellen der Zeiger musste also das Radio in die Werkstatt gebracht werden. Das ist nicht gerade kundenfreundlich! Auch ist eine solche Einrichtung nur praktikabel, weil die AFC Schaltung die Oszillator Frequenzdrift in einem gewissen Bereich nachregeln kann. Gleichzeitig wenn der Zeiger einrastet, wird auch die AFC Ausschalttaste über einen Hebel blockiert, was ein unbeabsichtigtes wegdriften des Oszillators verhindern soll. Alles in allem eine unpraktische Einrichtung. Die Zeiger sind jedenfalls von mir an einen Ort verschoben worden, wo sie nicht einrasten können.

 

AFC Schaltung:

Die Automatische Frequenznachstimmung auch AFC (Automatic Frequency Control) genannt war zu damaligen Zeit eine umstrittene Einrichtung. Je nach Betrachtungsweise war die AFC eigentlich nur deshalb notwendig, weil der billig konstruierte Oszillator eine zu geringe Frequenzstabilität aufwies, und nachgeregelt werden musste. Bei einem hoch qualitativen Tuner, mit freischwingendem Oszillator, wie z.B. der Revox A76 wurde jedenfalls auf eine solche Einrichtung verzichtet. Besonders beim Empfang eines schwach eintreffenden Senders in unmittelbarer nähe eines Starken, konnte es leicht passieren, dass z.B. verursacht durch ein Störsignal, die AFC auf den unerwünschten starken Sender einrastete und dort hängen blieb. Auf jeden Fall sollte die AFC aus diesem Grund ausgeschaltet werden können.

Beim vorliegenden Röhrenradio wurde das versteckt und ohne Beschriftung mit dem Lautstärkeregler realisiert. Ein Schalter, der durch ziehen am Knopf betätigt wird, schliesst die AFC Einrichtung kurz. Sehr praktisch ist die kleine Taste neben dem FM Schalter, die ebenfalls die AFC ausschaltet. Beim Einstellen vom Sender wird diese gleichzeitig gedrückt, sodass ohne AFC genau auf den Sender eingestellt werden kann. Die AFC wird dann erst beim Loslassen wieder wirksam.

Das alles funktioniert natürlich nur richtig, wenn der ZF Verstärker korrekt abgestimmt ist. Hier war das nicht der Fall und so musste mittels einem Wobbler und einem Oszilloskop zunächst einmal der ZF Verstärker und der Ratio-Detektor (auch Diskriminator) richtig abgestimmt werden. Im RM findet man genügend Anleitungen wie das gemacht wird.

Und nun zur Schaltung: Der Ratio-Detektor Siehe auch hier ist mit den zwei Widerständen R28 und R31 (blau) symmetrisch aufgebaut, sodass sich bei der Mittenfrequenz, am NF Ausgang (rot), eine Ausgangsspannung von 0V ergibt. Diese Spannung wird über den Spannungsteiler und Tiefpass R25 R30 C57 auf die Anode der Kapazitätsdiode BA110 geführt. Wobei die Katode mit ca. +3.5V vorgespannt ist (grün). Wenn sich nun die Oszillatorfrequenz bei gleichbleibender Empfangsfrequenz durch drift erhöht wird die Ausgangsspannung vom Ratio-Detektor positiv. Dadurch verringert sich die Sperrspannung and der BA110, die Kapazität erhöht sich und die Frequenz wird nach unten korrigiert. Der Tiefpass hat eine Grenzfrequenz von etwa 7Hz, und bewirkt, dass das NF Signal keinen Einfluss auf die Nachregelung ausübt.

Die Wirkung der AFC wurde mit folgender Methode ermittelt:

Ein Messender, eingestellt auf 96Mhz, wird mit dem Antenneneingang verbunden, der Ausgangspegel soll dabei etwa 1mV betragen. Im Weiteren wird ein DVM am Ratio-Detektor Messpunkt X gegen Masse angeschlossen. Zunächst wird die AFC ausgeschaltet, und die Abstimmung so eingestellt, bis das DVM 0V anzeigt. Dann wird die Frequenz vom Messender einmal um 100Khz erhöht und danach um 100Khz erniedrigt. Es ergaben sich dabei folgende Messwerte:

ohne AFC  -8.3V und +8.2V

mit AFC     -1.7V und +1.1V

Wie man sieht hat sich also die Abweichung mit der AFC um etwa den Faktor 5 - 7 verkleinert. Somit kann festgestellt werden, es handelt sich hier um einen Proportionalregler mit ca. 5-facher Verstärkung. Das bedeutet nun für die Praxis: Die Oszillatordrift wird um diesen Faktor verkleinert aber nie ganz auskorrigiert.

Anlagen:

Für diesen Post bedanken, weil hilfreich und/oder fachlich fundiert.

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Luxor 4349W: Defekte ECH81 
05.Apr.23 14:23
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Beat Sager (CH)
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Beat Sager

Bis vor kurzem hat das Radio in der Küche als Blickfang und um Informationsendungen zu hören bestens gedient. Für die Wiedergabe von Musik ist das Gerät wegen der Tonqualität natürlich nicht zu gebrauchen. Ich selber betrachte das ewige Gequassel von Hintergrundmusik als akustische Luftverschmutzung. Wenn ich Musik hören will, dann höre ich, und sonst nicht.

Nun ist das Radio leider verstummt, nur noch der Phonoingang funktioniert, alle Wellenbereiche sind tot. Na ja, ich war ehrliche gesagt nicht ganz unglücklich darüber, Reparieren ist ja schliesslich mein Hobby.

Nach dem Ausbau des Chassis und anstecken des Gerätes am Stromnetz, glimmen alle Röhren in rötlichem licht dezent auf, an den Heizungen kann es also nicht liegen. Leider bin ich nicht glücklicher Besitzer eines Röhrenprüfgerätes. Vermisst habe das auch nicht wirklich, denn durch messen im Gerät habe ich bis heute noch jede Fehlerhafte Röhre ausfindig machen können. So auch in diesem Fall.

Eingeschaltet habe ich den MW Bereich, und den Lautstärke-Regler aufgedreht. Beim berühren vom Gitteranschluss von G1 der EBF89 mit der Messschnur ertönt ein lautes Brummen und die im Schema angegebenen Spannungen an G3 und der Anode werden in etwa eingehalten. Hier scheint also alles in Ordnung zu sein.

Anders sieht die Sache bei der ECH81 aus. Die Spannungen an der Anode der Triode sowie die Spannung G2 & G4 der Heptode sind viel zu Hoch >180V. Hier fliessen also keine Ströme. Da das Radio bis vor kurzem noch gespielt hat, kann der Fehler kaum an der normalen Alterung der Röhre liegen. Die beiden Systeme der Röhre haben eine gemeinsame Katode, somit dürfte in der Katodenzuleitung ein Unterbruch vorliegen. Dies kann an einer Lötstelle oder am Röhrensockel oder in der Röhre selbst liegen.

In meiner Jugendzeit habe ich etliche Radios zerlegt und die Röhren aufbewahrt. In diesem Fundus habe ich gleich 4 Stk. ECH81 gefunden bei denen, oh Wunder, die Beschriftung noch lesbar ist. Die ECH81 ist schliesslich eine Allerwelts-Röhre, die in so zu sagen allen Radios, die mit Noval-Röhren bestückt sind, vorkommt.

Nun, habe ich eine von diesen vier Findlingen als Ersatz eingesteckt, und siehe da, das Radio spielt wieder, sogar auf allen Wellenbereichen. Auch die diversen Spannungen an den Röhrenanschlüssen entsprechen ungefähr den Angaben im Schema. Nun werde ich das Radio noch abgleichen und dann kann es wieder in der Küche seinen dienst vollbringen.

Neugierig, wie ich immer noch bin, wollte ich unbedingt herausfinden was im Innern der Röhre defekt ist. Dazu habe ich zunächst den Glaskolben geöffnet und das Abschirmblech entfernt, sodass der Blick ins innere der Röhre frei wurde.

Durch den Schlitz im Anodenblech ist hier das Gittergewirr der Heptode gut sichtbar, sowie oben darauf gesetzt noch die Anode der Triode.

Und jetzt wird der Verursacher des Ausfalls deutlich sichtbar. (Pfeil)

Durch leichtes antippen des Katoden-Anschlussdrahtes mit einer Pinzette hat sich dieser gleich von der Katode weg bewegt. Aha da hat sich also die Punktschweissstelle gelöst. Vermutlich ist das der wiederkehrenden Wärmeausdehnung der Katode zu verdanken. Eigentlich sollte das bei einem korrekt verschweissten Draht nicht Passieren. Aber immerhin hat die Röhre mehrere Jahrzehnte durchgehalten. Von einem Garantiefall lässt es sich da höchstens noch träumen.

Für diesen Post bedanken, weil hilfreich und/oder fachlich fundiert.