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Rundfunk in Ostböhmen, Sender Standort Stěžery

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Wolfgang Lill
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22.Jan.17 17:02

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Die Wiederbelebung des Standortes durch den Sender Dechovka auf 792 KHz machte mich neugierig.

Der Standort Stěžery-  Charbuzice liegt etwa 4 Km westlich von Hradec Kralove.

Blick vom Senderstandort auf Hradec Kralove

Bei meinen Recherchen hat mich natürlich interessiert, wann es mit dem Rundfunk in Hradec Kralove begonnen hat und ich bin auch hier wieder auf die letzten Kriegstage im Mai 1945 gestoßen. 

In den Wirren der letzten Kriegs- und Nachkriegstage melden sich in vielen Städten tschechische Widerstandskämpfer über erbeutete, selbst gebaute oder die so genannten Flak-Sender. Flaksender hat die deutsche Luftwaffe überall im Deutschen Reich und auch im Protektorat installiert; sie wurden in der Nähe größerer Städte eingerichtet, um die Flak-Einheiten präzise über herannahende Bomberverbände zu unterrichten und zu warnen. Meistens haben sie mit geringer Leistung auf Frequenzen am oberen Ende des Mittewellenbereiches (ca. 520 kHz) gearbeitet.

Gewöhnliche Rundfunksendungen haben diese Flaksender nicht verbreitet, sie wurden nur bei Bedarf eingeschaltet. Die Flaksender waren auch gar nicht für die zivile Bevölkerung gedacht, Mitteilungen und Befehle wurden über sie meist verschlüsselt durchgegeben. Dennoch haben viele Radiohörer bei Bomberalarm die Flaksender eingeschaltet – trotz mehr oder weniger verschlüsselter Sprache war der Inhalt der Durchsagen meist durchaus zu verstehen.

Aus zwei zunächst getrennt operierenden Widerstandssendern im ostböhmischen Hradec Králové (Königsgrätz) wird nach dem Krieg der „Východočeský vysílač“ (‚Ostböhmischer Sender’) auf 1260 kHz (238 m). Die Sendungen der Aufständischen aus Hradec Králové beginnen am Nachmittag des 5.Mai 1945.

Eine Gruppe junger tschechischer Widerstandskämpfer hatte sich Ende 1943 eine Sendeanlage vom Typ „Telefunken SB 1“ organisiert. Die Sender vom Typ „SB 1“ (1 kW) waren eigentlich zum Funkverkehr mit U-Booten bestimmt. Der „SB 1“ war seiner Zeit bei der Firma Petráček in Hradec Králové zur Reparatur eingelagert. Die jungen Widerstandskämpfer haben die Technik einfach aus dem geparkten LKW gestohlen… (Dieser „SB 1“ war übrigens bis 1983 in Betrieb, er diente lange Jahre als Störsender!) Anfang Mai 1945 meldet sich aus Hradec Králové eine zweite Radiostation. Zu Beginn sendet dieser Sender aus dem Gebäude der VČE („Vychodočeská energetika“ – ‚Ostböhmische Energiewerke’), später aus dem Vorort Všestary (Schestar). 

In Hradec Králové (Königsgrätz) geht am 25.August 1945 der „Východočeský vysílač“ (‚Ostböhmischer Sender’) in Betrieb. Die Lokalstation steht unter dem Patronat des „Sdružení měst českého severovýchodu“ (‚Vereinigung der Städte des böhmischen Nordostens’) und arbeitet mit schwacher Leistung auf 1260 kHz (238 m). Als Sendeanlage dient weiterhin der „Telefunken SB1“, der im Jahr 1948 in den „Zámeček“ (Schlössl) im Vorort Nový Hradec (Neukönigsgrätz) verlegt wird.

Im November 1950 übernimmt Československý rozhlas den „Východočeský vysílač“, die beiden angeschlossenen Studios in Hradec Králové und Pardubice (Pardubitz) werden zu „krajská studia“ (Bezirksstudios) und liefern den Zentralprogrammen zu.

Im Jahr 1953 bekommt Hradec Králové im Vorort Stěžírky (Lanzendorf) einen stärkeren Sender der Baureihe „TESLA SRV3 B“ (1484 kHz).

Die Projektierung stammt aus dem Jahre 1951, der Plan ist TAJNE ( geheim).

Trotzdem gibt es von der Brigade, welche diesen Sendemast zusammenbaut und errichtet im damaligen Brigadebuch einige Fotos;

Die Speiseleitung zum Antennenhaus ist unterirdisch verlegt.

Aus dem Studio in Hradec Králové wird Anfang der 1960er Jahre das Bezirksstudio für Ostböhmen.

Einen genauen Termin des Beginns der Arbeiten auf dem eigentlichen Sendergelände bei Stěžery konnte ich bislang noch nicht in Erfahrung bringen. 

Jedenfalls rundum gesichert mit (neu ) Nato- Stacheldraht und Warnschildern. Diese Warnschilder hat der Besitzer absichtlich am Zaun gelassen und so reagierten Anwohner auf meine Anfrage am 29.01.2017 (!) immer noch mit dem Hinweis, das ist militärisches Sperrgebiet. 

Der Standort wurde jedoch mit Beginn der Aufnahme der Sendungen von Radio Svobodna Evropa ( Radio Freies Europa) in die Aktion R-405 eingebunden. Das dürfte im Sommer 1951 begonnen haben.

Bei meinem Besuch im letzten Jahr ist nur noch ein Sendemast aus "alten Zeiten" zu sehen. Die Fundamentreste zeugen von weiteren Sendern, die ursprünglich in dem Gelände standen.

Dies ist ein Wachturm. Bei starkem Wind war es sicher kein Vergnügen, da oben auszuharren, ingesamt waren 22 Wachsoldaten ständig am Objekt eingesetzt, um es sicher zu schützen.

 

Was immer dazugehörte ist ein Schutzbunker. Dieser Eingang liegt versteckt neben einem kleinen Holzhaus und bietet jedoch nicht allzuviel Schutz.

Der nördliche Teil des jetzigen Geländes war nochmal extra eingezäunt. Dort wurde eine ausrichtbare Kurzwellensendeanlage vorgehalten als Reserve für die diplomatischen Dienste der CSR, Damit konnte man bei Notwendigkeit ( zumindestens sagt man es so ) alle diplomatischen Vertretungen weltweit erreichen.

Das Gebäude gehört zu diesem "diplomatischen" Teil

Hier auf diesem Telekom- Turm ist auch ein UKW- Sender installiert, er überträgt mit 1 KW Sendeleistung auf der Frequenz 95,3 MHz des Regionalprogramm Cesky Rozhlas Hradec Kralove.

Er öffnet täglich von 05,00 Uhr bis 19,00 Uhr sein regionales Programmfenster  auf vier UKW Frequenzen :

Die bedeutendste ist in Trutnov auf dem Schwarzen Berg in 1299 m Höhe , ERP 20 KW auf 90,5 MHz ( leider noch kein Foto) .  Dazu kommt noch ein Sender in Rychnov ERP 1 KW auf 96,5 MHz und in Hoděšovice​ ebenfalls ERP 1 KW auf 104,7 MHz.

Telekom- Turm in Charbuzice

Um nochmal auf Cesky Rozhlas Hradec Kralove zurückzukommen: Das Studio des Regionalsenders befand sich immerhin 54 Jahre in der Villa Fuchs, Vrchlického 985.

Dann, am 26.02.1999, wurde das Gebäude mit neuen Studios an der Havlíčkova Strasse 292 in Betrieb genommen.

Der jetzige Direktor Herr Pavel Kudrna ist nicht nur für Hradec Kralove sondern auch für den Regionalsender in Pardubice verantwortlich.

Damit dürften jahrelange Rivalitäten zwischen den beiden Regionalsendern begraben sein.

Schnell noch einen Blick auf den Fernmeldeturm  in Hoděšovice​ ebenfalls ERP 1 KW auf 104,7 MHz sowie terristisches Fernsehen DVB-T.

Aber zurück nach Stěžery-  Charbuzice

Neuer Besitzer des Areals, einschließlich des Senders und der baulichen Anlagen ist die Firma

Rajmont s.r.o. Diese Firma entwirft, produziert und liefert Anlagen für Induktionserwärmung, induktives Glühen, Hoch- und Mittelfrequenzgeneratoren aller Leistungs- und Frequenzbereiche. Dazu kommen Leistungs- Schaltnetzteileprodukte und Applikationen für die Industrieautomatisierung.

...und Herr Rajmont hat auch ein Hobby, die Elektronik an sich und noch mehr den Rundfunksender.

also jetzt sendet er auch 792 KHz das Programm von Dechovka.

Das ist Sender Nr. 1, zusammengebaut aus verschiedenen Komponenten, sozusagen ein             no Name- Sender,  aber es gibt noch einen weiteren:

Dieser, genannt Májak, arbeitet auf 1854 KHz mit etwa 150 Watt Leistung. Er setzt jede 1/4 Stunde eine Wettermeldung ab. 

Anpassung im Antennenhaus links der kleine Wettersender , rechts der große bis 10 KW möglich.

Auch das Notstromaggregat wurde wieder auf Vordermann gebracht.

Traforaum

Die Ausstrahlung des Pogrammes von Hradec Kralove und auch von Pardubice über den Mittelwellensender wurde am 31.01.2004 eingestellt. Beide Sender sind seitdem nur noch über UKW und internet zu empfangen. 

Im Zusammenhang mit dem Erwerb des Grundstückes entstand die Idee, die vorhandene Technik wieder zu nutzen. Seit Anfang Oktober 2016 wird nun über den Sender das Programm von Dechovka ( das Blasmusik- Radio aus Prag ) ausgestrahlt. Maximal jetzt mit 5 KW . Geplant ist eine Aufstockung der Leistung auf ERP 10 KW. Immerhin schafft der Sender mit Tagwelle 70 ...80 Km. Das ist erstaunlich.

Einen großen Anteil an der Rekonstruktion der Anlage hat auch Herr Novák aus Prag, er ist ein großer Spezialist für Mittelwellensender. Das nachfolgende Bild  ( Foto von oben Herr Novák) ) entstand bei der Wartung des Mastes.

Zufahrtsstraße, ehemaliges Pförtnergebäude

 

This article was edited 31.Jan.17 12:15 by Wolfgang Lill .

  
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