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Rundfunk in Salzburg

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Wolfgang Lill
Wolfgang Lill
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02.Mar.19 17:51

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Am 21.Dezember 1930 eröffnet die RAVAG den vorläufig letzten Zwischensender, den Mönchsberg- Sender. 

Wie damals eine solche Feier abläuft, das ist schon interessant.

                           

Ausschnitt Salzburger Volksblatt vom 21.Dezember 1930

Jetzt gibt es im ganzen Bundesgebiet neben dem Hauptsender Wien Rosenhügel die "Zwischensender" in Graz, Linz, Klagenfurt, Innsbruck und nun endlich auch in Salzburg.

Ursprünglich sollte Salzburg nach Wien die zweite Station in Österreich sein, die einen Sender bekommt,da ja die Salzburger Festspiele als überregional bedeutendes Kulturereignis von hier aus in die "Welt" übertragen wurden. 

Erster Senderstandort ist im Gelände oben links; Salzburg Mönchsberg /Foto Wolfgang Lill v.15.02.2019

Aber Probleme gab es mit dem Grundankauf und den Kosten für diese Anlage, wie Bau des Senderhauses, der Standort Salzburg war für die RAVAG nicht billig ! 

Veröffentlicht in der Zeitschrift "Bergland " Heft 1/1931

Der Sender wurde von der Firma "Vereinigte Telephon und Telegraphenfabriks- A.-G  Czeja, Nißl und Co" in Wien erbaut.  

Weitere technische Beschreibung aus der Zeitung Salzburger Volksblatt vom 20.Dezember 1930:

Er arbeitete mit einer Wellenlänge von 218,5 m, entspricht 1373 KHz, die entsprechend der Regelung der Verteilung der Wellenlängen auch von anderen Sendern in Europa benutzt wurde. 

Es wurden 500 Watt unmodulierte Trägerwelle in die Antenne gesendet und diese Leistung steigt bei Besprechung auf ungefähr 700 Watt bei einer Spitzenleistung von 1500 Watt. 

Aber noch weiter im Artikel dieser Zeitung:

 

Später wird , das entspricht auch dem Foto, auf die Befestigung der Reusenantenne zwischen einem 35 m hohem Gittermasten und am alten Wasserturm korrigiert.

Ich habe noch eine tolle Werbung der Städtischen Elektrizitätswerke Salzburg: hier konnte man sich von der damals vorzüglichen Übertragungsqualität  ( Sender mit breiten Seitenflanken ?) durch die Übertragungstechnik und Wiedergabe mit Konzertlautsprecher selbst überzeugen. 

Und natürlich machten sich das sofort die regionalen Fachhändler zu nutze und schalteten reichlich Werbung für Rundfunkgeräte. Eine tolle Werbung habe ich hier in der Radiowoche entdeckt:

Die Kundenbewertung des Empfängers ist interessant ( aus heutiger Sicht auch lustig) hier nochmal in vergrößerter Form:

Schauen wir uns das Eröffnungsprogramm von 21.12.1930 noch einmal an.Die Eröffnungsfeier des Salzburger Senders startete um 10,30 Uhr und endet gegen 23,00 Uhr.

Das blieb auch in der Folge in der nächsten Zeit so. 

                     

 

Im Salzburger Volksblatt erscheint wöchentlich sonnabends das Rundfunkprogramm:

Interessant ist, das schon nach der dritten Ausgabe die Beilage  "Salzburger Radiowoche" wieder ersetzt ist durch das  

"Programm Radio Wien" mit dem Zwischensender Salzburg. Das Lokalprogramm des Salzburger Senders war in Tat anfangs sehr bescheiden. Es beschränkte sich auf den Wetterbericht , der zumeist von München übernommen wurde, Berichte vom Gaisbergrennen und von Premieren im Stadttheater.

 

Am 04.Februar 1931 erscheint diese Meldung. Einen Reservesender gibt es für solche Fälle noch nicht, aber vielleicht ist auch die Übertragungsstrecke aus Wien das Problem ?

 

Ich will hier auch den hervoragenden Service der Mitglieder vom Salzburger Radioklub erwähnen, die kostenlose Beratungen zu Radiofragen zweimal wöchentlich durchführen.

Am 21.März 1931 wird der 7500ste aus den bei den Anmeldungsstellen der Post eingehenden Neuanmeldungen der Rundfunkgeräte, der glückliche Gewinner einer goldenen Armbanduhr, ausgelost.

In ganz Österreich sind zu diesem Zeitpunkt etwa 400000 Radiogeräte angemeldet .

Im Jahre 1934 lesen wir im Salzburger Volksblatt, das der Wiener Sender auf dem  Bisamberg in Wien seinen Betrieb mit einer Leistung von 100 KW aufgenommen hat. Der "Zwischensender" Salzburg wird je nach Veröffentlichung mit 0,6 bzw 0,5 KW angegeben, die Sendefequenz hat sich gemäß Luzerner Wellenplan ab 15.01.1934 auf 1348 KHz geändert.

Eines von zwei Bildern, die von dieser Sendeanlage auf dem Mönchsberg in Salzburg zu finden sind        ( Quelle ORS) 

Am 16.Februar 1935 wird der Sender gegen einen leistungsstärkeren 2 KW- Sender ausgetauscht.

Am 12.März 1938 überträgt auch der Sender Salzburg die Reportage vom Ballhausplatz in Wien. Nach dem Ende der Übertragung gegen 02,30 Uhr in der Früh  entscheidet man eine Aufschaltung vom Programm des deutschen Reichssendedienstes und übertrug vom Deutschlandsender noch die Nachrichten und Militärmarschmusik..... so vollzog sich die erste Phase des Anschlusses Österreichs in Salzburg.

2 Wochen später gibt es den Deutsch-österreichischen Rundfunk, er ist schon voll auf die Interessen der NSDAP ausgerichtet und übernimmt größtenteils Programme aus dem deutschen Reich.

Die Frequenz des Salzburger Senders wird mit Beginn des 2.Weltkrieges geändert und gesendet wird das Einheitsprogramm des Großdeutschen Rundfunks ( ab Juni1940) auf der Süddeutschen Gleichwelle 519 KHz (Dornbirn, Innsbruck, Nürnberg, Salzburg​).  Die Sendeleistung wurde auf 5 KW erhöht.

Am 16.Oktober 1944 kommt es bei einem anglo- amerikanischen Luftangriff zu einem Totalschaden an der Sendeanlage auf dem Mönchsberg.  Mit einer provisorischen Antenne gelang es jedoch, den Sendebetrieb nach schon 2 Tagen wieder aufzunehmen.

Am 3.Mai 1945 um 22,15 Uhr  besetzt die Wehrmacht den Salzburger Sender. Am 4. Mai früh 6,00 Uhr wird die Bevölkerung von Salzburg über den Sender informiert, dass die Stadt den amerikanischen Truppen kampflos übergeben und damit eine sichere Zerstörung der Stadt Salzburg verhindert wird. Am 4.Mai gegen 13,30 trifft der US- General Young im "Österreichischen Hof" ein und erklärt den Angriffsplan auf die Stadt Salzburg. Es sollte massives Artilleriefeuer geben, 200 Viermotorige Bomber standen bereit.......von der Stadt wäre nicht mehr viel übrig geblieben ! 

Der Rundfunk in Salzburg hatte einen wichtigen Anteil daran, das in dieser Situation  Ruhe und Ordnung gewahrt wurde. 

Mit Kriegsende am 8.Mai 1945 war der Salzburger Sender noch betriebsbereit. 

Nach der Befreiung durch die US- Armee begann die Sendergruppe "Rot- Weiß- Rot " am 6.Juni offiziell ( Versuchssendungen liefen bereits seit 3.Juni 1945) mit einem Programm und nutzte dazu die vorhandene Technik. Die Frequenz in Salzburg bleibt zunächst 519 KHz.

In den "Salzburger Nachrichten", das ist die Tageszeitung, die auch heute, im Jahre 2019 noch erscheint, ist in der ersten Ausgabe am 7.Juni 1945 gleich auf Seite 1 der Start von "Rot- Weiß- Rot" ein wichtiges Thema.

"Rot- Weiß- Rot" sendet in der Amerikanischen Besatzungszone in Österreich. Der Kommandant des XV.Armeecorps, General Robertson hielt eine Eröffnungsansprache ..."mit dem heutigen Tage wird Ihr Sender unter unserer Leitung offiziell wieder eröffnet . Dadurch, daß unserem Sendernetz Salzburg, Linz und Innsbruck angeschlossen sind, werden diese Städte wieder miteinander verbunden sein und Sie alle kommen wieder in engen Kontakt mit der ganzen Welt....ich freue mich deshalb "Rot- Weiß- Rot" als eines Ihrer wichtigsten Informationsquellen zu eröffnen..."

Dazu dürfte die folgende Meldung aus den Salzburger Nachrichten vom 7.Juni 1945 noch interessant sein:

 

Im August 1945 wurde am Mönchsberg ein 5 KW starker Westinghouse- Militärsender sowie ein 70m Mast aufgestellt. Entsprechend dem Kopenhagener Wellenplan erfolgte die Frequenzänderung auf 1250 KHz.

Noch im Juni wird ein Sendestudio im Franziskanerkloster in der Altstadt von Salzburg eingerichtet.  Ab 09.Juli 1945 sendet "Rot- Weiß- Rot" bereits ein Vollprogramm von 06,00 Uhr bis 23,00 Uhr. Die Amerikaner haben in der Franziskanergasse Nr. 5 ihr Rundfunkstudio eingerichtet. Diese Adresse war in der Zeit von 1933 bis Anfang Mai 1945 ein Gestapo- Gefängnis.

Das Bild stammt nicht aus dem Jahre 1945, aber das Gebäude an sich ist so erhalten, dort war das erste Studio der Amerikaner eiligst eingerichtet worden . Foto Bestand ORS 

Diese Technik erinnert mich schon an die 60iger Jahre. Auch das nächste Foto. Beide vom ORS-Archiv

Eine Zeitungsnotiz über den neuen Studiostandort habe ich zumindestens bei den Salzburger Nachrichten nicht gefunden. Aber diese Tageszeitung, die auch heute noch existiert, erschien damals auf einer Seite,vorn und hinten bedruckt.

Das Studio in der Franziskanergasse Nr. 5 existierte dann bis zur Inbetriebnahme des neuen Landesstudios  am 21.Juli 1972.

Probleme gab es mit dem Senderstandort auf dem Mönchsberg wegen der schlechten Bodenleitfähigkeit. 

Hier zwei Fotos von Walter Brummer vom inzwischen ehemaligen Senderstandort Mönchsberg  von 2002, dort befand sich damals die Funküberwachung der Telekom Austria .

Im Jahre 1950 beauftragte die Amerikanische Besatzungsbehörde den Bau der Fundamente und eines Gebäudes  für den Sender Moosstraße ( Nähe Flugplatz ) in Salzburg. 

Eine glückliche Hand hatte man jedoch bei der Standortwahl nicht, der geplante Sender lag genau über der Einflugschneise des Flughafens Salzburg.

Salzburg Moosstraße,105 b,  Betriebsgebäude,  3 Fotos Archiv ORS

Statt der geplanten 80 m wurde der Mast nur 60 m hoch genehmigt und die geplante Sendeleistung von 20 KW musste auf 10 KW reduziert werden.. 

Auf 1250 KHz geht er nun endlich am 1.August 1952 in Betrieb. Der alte Sender auf dem Mönchsberg bleibt jedoch noch in Reserve. 

Die Sendeanlage auf der Moosstraße ist nicht neu. Diese wurde vermutlich samt Rohrmast aus Wien herbeigeschafft und stand wohl ursprünglich dort auf der Sulzwiese.

Salzburg hat einen festen Platz auf den Skalen der österreichischen Hersteller und ist teilweise auch auf deutschen Radioskalen zu finden.

Aber wieder sind die Bedingungen nicht optimal und man dachte an den Aufbau einer großen Mittelwellensendeanlage in Bergheim, nördlich von Salzburg. Dort sollten 2 Masten je 200 m hoch errichtet werden. Man kaufte Anfang der 60iger Jahre  das Grundstück an der Iselstraße an  und begann mit dem Bau von Fundamenten und von einem Gebäude. Dieser Bau musste jedoch aus "flugtechnischen Gründen" eingestellt werden. 

Wer sucht wird fündig! Hier steht noch ein Fundament, inmitten einer Wiese zwischen Fischach und Iselstraße, von der geplanten Sendeanlage. Im Hintergrund der wolkenverhangene Untersberg.

Foto: Martin Fuchs, vielen Dank !

Es gab noch einen weiteren Sender der ab 18.Juni 1954  das erste Programm ( das war das Regionalprogramm) vom Standort Salzburg- Lehen aus auf Mittelwelle 773 KHz übertrug, das nur mit 200 Watt.  Da gab es selbst in Salzburg schon Empfangsschwierigkeiten.  Im Dezember 1954 konnte jedoch der Sender auf 1 KW verstärkt werden . 

Der Sender auf der Moosstraße sendete das 2. Programm ( überregional) inzwischen auf 1475 KHz, diese Frequenz war jedoch wegen der Ausbreitungsbedingungen ungünstig und ab 6.November 1955 wechselte man auf 584 Khz.  Dadurch wurde in gebirgigen Lagen ein besserer Empfang möglich.  "Rot- Wiß- Rot" stellte seine Sendungen am 26.Juli 1955 ein, die Anlagen nutzte fortan Österreich 1.

Ab 8.Oktober 1953 sendet vom Gaisberg aus der erste noch provisorische UKW-Sender mit 1 KW Leistung auf 99 MHz. Es ist  ein rein österreichisches Programm. Noch sind es wenige, die einen Empfänger mit UKW besitzen, aber das ist sozusagen der Start in ein neues Rundfunkzeitalter. 

Ab 1.Oktober 1967 sendete "Österreich1 " auf 585 KHz, das zweite Regionalprogramm auf 773 KHz. Am 5. September 1977 wurde die Mittelwellenübertragung von "Österreich regional" und 1981 die von Österreich 1 eingestellt. Die  Standorte in der Moosstraße , Lehen und letztlich auch der Mönchsberg wurden einer anderweitigen Nutzung zugeführt.  So endete die Mittelwellenausstrahlung auf dem Standort Salzburg.

Das Franziskanerkloster wird insgesamt 27 Jahre bis 1972 für die Redaktion von"Rot-Weiß- Rot" und den österreichischen Rundfunk genutzt.

Der Bau des neuen Landesstudios an der Nonntaler Hauptstraße 49d in Salzburg eröffnet neue und viel bessere Arbeitsmöglichkeiten.

Bild google Maps.

Hier drei Bilder vom Bau / vermutlich Winter 1971/72, Fotos ORS

...und wieder ist gerade noch Winter, als ich am 15.02.2019 die Gelegenheit habe, das ORF Landesstudio zu besuchen.

 

             

Leider sind diese Grafiketexte sehr klein, aber hier noch die Räume des Sendezentrums 

Die ORF- Studios in Linz, Dornbirn, Innsbruck und Salzburg wurden in den Jahren 1969 bis 1972 unter Generalindendant Gerd Bacher nach Entwürfen von Architekt Gustav Peichl errichtet. 

Meine Meinung; für damals hochmodern und effektiv und sicher auch heute noch bestens nutzbar.

Im Innern des Gebäudes sind in den vergangenen Jahren einige Umbauten vorgenommen worden, äußerlich , so versicherten mir Mitarbeiter. ist es noch so erhalten, wie es damals gebaut wurde.

Hier wird im Landesstudio das regionale 24 Stunden Programm produziert.

Aus meiner Sicht recht futuristisch die Treppe nach oben. Meine erste Frage war deshalb ; drehen Sie gerade eine neue Folge von Raumschiff Enterprise ? 

Nein, aber da oben treffen wir gleich auf Wolfgang Zanon , er moderierte gerade die Morgenshow...und ich hoffe, das nun alle Hörer richtig munter geworden sind.

Ich darf mich auch mal am Mikro testen, eigentlich ganz einfach: auf den Knopf drücken und in das Mikro reden...aber viele Hörer würden dann denken, was ist heute los ? Überreichweite, ein sächsischer Sender überlagert Salzburg.

Was ich auch hier wieder bemerke, die Salzburger sind freundliche Leute. immer etwas Humor dabei. So darf ich mit Herrn Kerschbaum, dem Leiter Senderbetrieb Salzburg meine Visite im Haus fortsetzen.

Hier läuft ja alles zusammen, egal ob Verkehr , Politik, alles muss sorgfältig recherchiert, medienwirksam und verständlich an die Hörer gebracht werden. Dazu gehört ein abwechslungsreiches Programm.. und ich höre gerne , wenn ich in Reichweite österreichischer UKW- Sender bin, den ORF.

Im Publikumsstudio werden sowohl Rundfunk als auch TV- Sendungen produziert. Der ORF sendet aus dem Landesstudio täglich die Fernsehsendung " Salzburg heute" und sicher auch Sendungen, die in das Zentrale Sendernetz eingespeist werden.

Was es doch für schöne Arbeitsplätze hier gibt !

Abschließend darf ich noch einen Blick in das Fernsehstudio werfen, wo die Sendung "Salzburg heute", die täglich ab 19,00 Uhr läuft. Der Moderator Herr Manzl war leider noch nicht da, ein Grund mir von Herrn Kerschbaum erklären zu lassen , wie das mit mit der Panoramawand funktioniert....

Damit geht ein schöner und interessanter Tag für mich zu Ende. Ich bedanke mich ganz herzlich bei Herrn Ing. Kerschbaum  und allen weiteren Kollegen des ORS und ORF, die mir die Besichtigung ermöglichten.

 

 

This article was edited 22.Mar.19 18:52 by Wolfgang Lill .

  
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