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saba: 330W - hoffnungslos verpfuscht

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Harald Pohlmann
Harald Pohlmann
 
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19.Dec.04 00:59

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   1 Hallo,

vor einiger Zeit habe ich ein Saba-Gerät geschenkt bekommen, das vom Innenaufbau dem 330er entsprechen müsste (Das Gehäuse is ähnlich, hat aber keinen gewellten Rand sondern Stufen). Leider ist die Technik arg verpfuscht worden. Aber ehe ich das ganze entsorge, wollte ich mal nachfragen, ob mir jemand ein paar Tipps geben könnte, wie es im Originalzustand aussehen muss. Dann würde ich den Wiederaufbau versuchen, da die meisten Teile noch vorhanden sind.

Der Netztrafo wurde mal aus- und wiedereingebaut. Dabei sind aber nicht mehr alle Leitungen an die Originalanschlüsse zurückgekommen, und die Isolierung ist stellenweise zerfasert. Auch der Sicherungshalter mit den Spannungsanzapfungen ist ab.



Ist der Ladeelko original ? Auf jeden Fall wurde unten am Chassis geschraubt und gelötet.



Der Drahtwiderstand ist an drei Teilen abgenommen und mit neuen Widerständen überbrückt. Ganz rechts sind noch etliche Widungen vorhanden, die zerfleddert sind und Kurzschlüsse vereursachen können.




Weitere abgetrennte Leitungen.



Am Stator des Drehkondensator ist ein eigenartiges Phänomen. Auf der Oberfläche des Verbindungssteges sitzen kleine Metallkügelchen, die wie kondensierter Quecksilberdampf aussehen. Sie sind aber fest und scheinen aus den Poren des Körpers gekommen zu sein. Wahrscheinlich ist durch Materialverlust der Steg kürzer geworden, denn die Rotorplatten passen nicht mehr lose in den Stator sondern waren an beiden Rändern nach innen gekrümmt.



Viele Grüße, Harald Pohlmann
Peter von Bechen † 15.7.19
Peter von Bechen † 15.7.19
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19.Dec.04 11:39

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   2 Hallo Herr Pohlmann,
da haben Sie ja eine echte Herausforderrung vor sich!
Wenn das Gehäuse noch o.k. ist, lohnt es sich sicherlich, das Gerät wieder herzurichten.
Ich habe kürzlich einen Saba 311 restauriert, der hat ähnlich ausgesehen.
Das grundsätzliche Problem dieser Geräte sind die Drehkondensatoren. Die Platten werden mit Zink-Druckguss verbunden. Bei Feuchtigkeit entsteht Zinkpest, die den Stator aufbläht. Dadaurch verschieben sich die Platten und der Kondesator hat einen Kurzschluss.
Das Phänomen war bereits in den 40er-Jahren bekannt. Saba hat deswegen bis in die 50er Jahre Ersatz-Statorpakete mit Messing-Guss angeboten.
Es gab aber in der Radiopresse etliche Vorschläge, wie man die Kondensatoren retten könnte. Einer davon war, das Statorpaket mit der Lötlampe zu erwärmen, dass der poröse Zink anschmilzt und das Ganze sich beim Abkühlen wieder zusammenzieht. Ihr Exemplar ist offensichtlich dermaßen behandelt worden. Die Metallperlen entstehen, wenn man den Zink lange genug mit der Lötlampe erhitzt.
Ob der Kondensator wieder funktioniert, sollten Sie mal testen (mit dem Ohmmeter). Ich bezweifle, dass er noch geht.
Bei Drehko in meinem Gerät war nix mehr zu retten. Ich habe ihn ausgeweidet und einen anderen (keineren ) von Philips in das Saba-Drehkogehäuse eingebaut. Sieht zwar nicht ganz original aus, fällt aber nicht auf, wenn man nicht genau hinschaut. Mein Gerät sollte schließlich funktionieren. Falls mir wieder Erwarten ein solcher Drehko (möglichst mit Messing) in die Hände fällt, kann man den leicht austauschen.

Der Elko ist sicherlich erst später in das Gerät gekommen. Die Drahtwiderstände "Auf der Stange" sind auch ein altbekanntes Problem. Ich habe bis jetzt noch keinen komplett intakten gesehen. Da hilft nur Parallelschalten von neuen Widerständen, wobei die Drähte des alten zu entfernen sind. Den Trafo würde ich erst mal separat prüfen, bevor er wieder eingabaut wird. Habe hier auch schon welche mit Wicklungsunterbrechnungen gehabt.

Viel Spaß beim Reparieren/Renovieren/Restaurieren.
Gruß
Peter von Bechen

Detlef Boeder
Detlef Boeder
 
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19.Dec.04 13:45

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Hallo Herr Pohlmann, Hallo Herr von Bechem.

Herr von Bechem, könnte Sie ein Bild zeigen von dem Austausch des neuen Drehkos in den alten Rahmen?
Herr Pohlmann, wie sieht denn das restliche Radio aus? Keine RW mehr dabei, da Sie den genauen Typ nicht identifizieren können? Fehlt auch der Abschirmmantel um den Trafo?
Bei >dem< Chassis könnten Sie auch eine Totalaufarbeitung machen. D.h. oben abbauen bis auf die Spulen. Spulen einwickeln, Chassis entrosten, entfetten und neu im entsprechenden Farbton lackieren. In den Drehko eine kleineren einbauen wie von Herrn von Bechem beschrieben. Das ist aber mechanisch schon aufwendiger und setzt entsprechende Werkzeuge und Erfahrung in rundfunkmechanischen Arbeiten vorraus die Achse dann mit dem restlichen Antrieb zu koppeln. Das ist aber andererseits auch der besondere Reiz an der Sache.
Meine beiden originalen Drehkos konnte ich erhalten, habe aber bei dem zweiten die Isolierbrücken der Statorisolierungen neu fräsen lassen müssen, da sie durch die mechanische Spannung gesprungen waren. Das ganze Zusammenspiel muss man dann versuchen neu auszurichten.
Das ist aber nicht in allen Fällen so machbar. Dann hilft nur oben gesagtes.
Wie sieht den die Wellenschleuse vorne links aus? Die ist auch oft ein Problemfall genauso wie der Drehkotrimmer.
Hat der Elko 15µF? Die Länge stimmt jedenfalls. Bei meinen Chassis ist der auch so vom Durchmesser her. Es kann aber auch einer mit aufgesetzter rundlicherer Kappe sein.
Bei Reparaturen an den Drahtwiderständen ist das Problem, das man die erforderlichen Drähte nicht mehr hat und auch nicht beschaffen kann. Leider sind die häufig abgebrannt, da die Sicherung meisten geflickt worden ist bei Schluß am Drehko oder anderen Teilen. Hier am einfachsten Ersatzwiderstände auflöten. In einem meiner beiden ist der Widerstandsstab zum Glück noch heile gewesen.(Chassisbild hier)
Die Kondensatoren waren auch noch intakt. Ich musste nur den 2x50nF EntstörC oberhalb des in Ihrem Bild gezeigten TonblendenCs ersetzten.
Das ist der an den beiden Anoden der RGN1064. Infolge Feuchtigkeit und dadurch verursachten Feinschluss wird er heiß und die Vergussmasse kocht aus.
Ansonsten hatte ich noch einen unterbrochenen KathodenR mit 4k an einer RENS1284.
Abgleich hier noch problemlos bei akzeptabler Empfindlichkeit.
Gibt es da Probleme, neben den Röhren auch die KreisC's genauer untersuchen. Wichtig hier auch der BandfilterC mit 5nF. Ich habe auch an einer Wellenschleuse mal feilen müssen, da sie streifte. Dies verändert dann etwas die Kapazität, stört aber nicht weiter. Aber das muss man von Fall zu Fall näher untersuchen.

Gruss
D.Boeder



This article was edited 15.Jan.05 17:52 by Detlef Boeder .

Georg Schön
 
 
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19.Dec.04 18:59

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   4 Hallo Hr v. Bechen,
Sie haben das Problem der Zinkdruckguss-Teile
an Saba-Drehkos der 30er bestens beschrieben,
nur einen kleinen Punkt möchte ich nachbessern:

"Zinkpest" gibt es nicht.

Es gibt die Zinnpest, das ist der Zerfall von
Zinn zu Alpa-Zinn, der stattfindet, wenn Zinn
längere Zeit unter 13 ° C gelagert wird.
Dabei spielen gewisse Zinnverbindungen eine
katalytische Rolle, insgesamt ist die Sache
autokatalytisch, weswegen weitgehende Analogie
zu einer Infektion besteht.

Irgendjemand aus dem Kreis der Spielzeugsammler
(Eisenbahn) hat nun vor einiger Zeit die
"Zinkpest" in die Internet-Welt gesetzt.
Er schreibt sogar von einer Temperatur, unterhalb derer
die Zinkpest eintreten soll.
Daran ist eindeutig zu erkennen, daß er Zinn und Zink
verwechselt.

Die Korrosion mancher Zinkdruckguss- Sorten
rührt von bestimmten Verunreinigungen (Cu und Cd) her,
und ist typisch für die 30er und Kriegsjahre,
kommt aber leider auch in den 50ern noch vor.
Schutz bietet nur trockene Lagerung, "Reparatur"
ist praktisch nicht möglich.

Grüße,
Georg Schön

Peter von Bechen † 15.7.19
Peter von Bechen † 15.7.19
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19.Dec.04 21:25

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   5 Hallo Herr Schön,
danke für die Aufklärung. Ich bin kein Metallurge und meine Kenntnisse bzgl der kaputten Drehkos stammen aus meinem Vorleben als Modelleisenbahner...
Dass die Teile nicht reparabel sind, habe ich selbst erfahren. Habe alles probiert, was man damals empfohlen hat. Zum Schluss landeten sie doch in der Schrottkiste...
Gruß
Peter von Bechen
Harald Pohlmann
Harald Pohlmann
 
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21.Dec.04 18:58

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   6 Hallo Herr Boeder,

als Rüchwand ist eine nachgemachte Platte ohne Bezeichnung vorhanden. Auch auf dem Chassis steht keine Type. Das Gehäuse ist noch in einem restaurationswürdigen Zustand und entspricht nach der Ersatzteilliste auf der Modellseite der Ausführung 360/2a. Inzwischen habe ich die Teile an denen schon mal gelötet wurde ausgebaut. Der Trafo hat leider einen Windungsschluss. (Abschirmblech und Pappe sind noch vorhanden) Der Ladeelko ist doch wohl original; er hat einen Stempel von 1934. Die Kapazität ist sogar noch fast voll da, und der Leckstrom beträgt 1,5 mA bei 300 V. Die Fassung der Gleichrichterröhre ist verformt, was auf eine starke Überhitzung schließen lässt.

Hallo Herr von Bechen und Herr Schön,

Ein Statorpaket des Drehkondensators habe ich an den Stegen auseinandergesägt und die Zinkreste entfernt. Nun versuche ich mal einen Neuen Steg anzufertigen. Wenn zwischen die Platten 2mm starke Bleche gelegt werden haben sie den passenden Abstand. Aus Alustücken werde ich probieren eine passende Gussform anzufertigen und die mit Metallschmelze ausfüllen. Als Material versuche ich es mit Sanitär-Lötzinn. Es ist fester als Elektroniklot. Falls es gelingt, würde ich die Arbeiten dokumentieren und in einem neuen Post vorstellen.


Zum Schluss noch ein Tipp zum Entrosten von Eisenteilen. Das Spülmaschinenmittel Neodisher N von Dr. Weigert leistet dabei hervorragende Dienste. Es beruht auf Phosphorsäure und löst Flugrost in wenigen Minuten auf. Zink- und Chromschichten überstehen eine kurze Behandlung schadlos. Starke Verkrustungen benötigen einige Stunden. Eine gute Wirkung ergibt sich bei Verdünnung von 1/1 mit Wasser. Zum Schluss muss natürlich gründlich nachgespült und getrocknet werden. Poröse Oberflächen fette ich hinterher leicht ein, da sie sonst sehr stark die Luftfeuchtigkeit anziehen und beschleunigt weiterrosten.

Grüße, Harald Pohlmann
Harald Pohlmann
Harald Pohlmann
 
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30.Nov.05 13:04

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   7 Hallo,

den Trafo habe ich komplett zerlegt und die einzelnen Bleche in Neodisher entrostet. Sie sind bislang nach dem Trocknen ohne einfetten an norml feuchter Luft nicht weitergerostet. Im Original waren sie einseitig mit dünnem Papier beklebt, welches jedoch nach der Prozedur komplett herunter ist.

Kennt jemand eine Bezugsquelle für dieses Papier und ein Klebeverfahren um die Bleche wieder neu zu beschichten. Eventuell käme auch die Herstellung von Büttenpapier in Frage, das dann direkt über die Bleche geschöpft wird.

Weiterhin suche ich noch Fotos von der Unterseite, die vor allem die genaue Lage der Anschlussleitungen wiedergeben.

Grüße, Harald Pohlmann
  
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