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saba: 980WLK;

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Hermann Jung
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01.Sep.03 19:44

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Ergänzung zu der Zustandsbeschreibung des bei ebay am 30.8.2003 versteigerten Modells:

Holzgehäuse mit drei nachträglich gebohrten Löchern, Chassis mit Flugrost, alle Filtergehäuse oben durchbohrt, technische Funktion nicht vollständig O.K. (ist bei diesem Modell sehr wichtig, da die Sender (im Gegensatz zu den Nachkriegs-Automatik-Typen) nur über den Suchlauf, nicht manuell gesucht und eingestellt werden können)

This article was edited 14.May.04 15:54 by Hermann Jung .

Detlef Boeder
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01.Sep.03 20:59

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Hallo Herr Jung,

ja schon ziemlicher Flugrost. Muss erwähnt werden bei dem Preis. Ich leg ja auch besonders Wert drauf, dass möglichst alles erwähnt wird. Wieso sind da eigentlich Löcher gebohrt? Ja klar, damit man an die Kerne kommt beim Abgleich und die Abschirmhauben müssen logischerweise aufgesetzt sein. Denkt sich jeder. Ich auch, aber wie hat man den im Werk abgeglichen? Oder hat man fertig abgeglichene Filter verbaut? Auf dem Chassisfoto sieht es jedenfalls so aus als gibt es keine seitlichen Löcher. Wie funktioniert die Abstimmung den so, wenn sie gut geht? Tippe ich nach rechts an, und ich überquere z.B. 576kHz für Mühlacker, bleibt die Abstimmung stehen? Abstimmanzeiger gibt es ja keinen.

Ach ja, hier nochmal der Link, solange er noch sichtbar ist :-)

http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?ViewItem&item=3344539829&category=33154&rd=1

Gruss

Detlef Boeder

 

This article was edited 01.Sep.03 21:03 by Detlef Boeder .

Olaf Toenne
 
 
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Hallo, ich finde auch, das dieses Radio ein ganz besonderes Stück ist...gerade auch wegen der technischen Besonderheiten...doch wenn ich mir den Kaufpreis ansehe..ufff...man könnte ihn mit "Astronomisch" beschreiben...

Was denken sie??

Hermann Jung
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02.Sep.03 12:44

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natürlich sind 2110 Euro viel Geld, doch muß man hier relativieren.

 

Wir haben es mit dem SABA 980 WLK zweifellos mit einem Meilenstein der deutschen (sogar auch weltweiten) Radioindustrie zu tun. Die verschiedenen Versuche und Konzepte, die Ende der 30er Jahre mit motorischen Sendersuchläufen bei Spitzenradios der namhaften Hersteller gemacht/verfolgt wurden (neben rein mechanischen Festsenderlösungen), gingen von dem unveränderbar programmierten Festsendertransport/ motorischer Abstimmhilfe (recht schwaches Konzept, Motor als reiner Ersatz für Muskelkraft, heute aufgrund der festen Programmierung ziemlich unbrauchbar, Beispiel: Körting Transmare) über programmierbaren Festsendertransport/motorischer Abstimmhilfe (sowas wie nach dem Krieg die Philips Capella 753 oder der Grundig 5050-3D, Beispiel aus den 30ern: Nora Dux II) bis hin zu einzig dem SABA 980WLK mit echter motorischer Scharfabstimmung (mit der Schwäche der fehlenden manuellen Tuningmöglichkeit).

 

Legenden zu dem fehlenden Markterfolg des SABA 980 (was zur heutigen Seltenheit führt) gibt es einige:

 

Eine ist, wie schon in anderen Beiträgen angedeutet, dass die Fragilität der optimalen Funktion des Gerätes zu hoch war. Zu stark soll danach die Abhängigkeit von der perfekten Funktion der Bauteile und deren Abstimmung, die bei Fehlern in der Elektronik schnell zur Unbedienbarkeit des Gerätes führen konnte, gewesen sein (als einzige Erklärung eher unwahrscheinlich, denn Markterfolge erzielte man ja auch damals schon kurzfristig, technische Probleme durch alternde Bauteile ergaben sich aber meist erst längerfristig).

 

Eine zweite beschrieb Hans-Georg Brunner-Schwehr (das letzte noch lebende und auch bei SABA nach dem Krieg tätige Mitglied der einstigen Eigentümerfamilie) bei einem Vortrag in Duisburg vor ein paar Jahren, nämlich, dass die Motorsteuerung sich natürlich auch auf damaligen "Feindsendern" einstellte, deren Abhören während der Nazizeit strengstens verboten war. Daher soll der Ausbau der Motoren und die Umstellung auf manuelle Abstimmung von "höchster Stelle" vorgeschrieben worden sein. Der Verkauf dieses Modell machte dann gegenüber dem sonst identischen mechanischen Bruder 680WLK natürlich keinen Sinn mehr.

 

Eine dritte Version, ziemlich kaufmännisch nüchterne -, halte ich zumindest als Ergänzungsfaktor für ziemlich wahrscheinlich: SABA hatte Ende der 30er Jahre einfach nicht das Image (wie z.B. Körting oder Telefunken), das zum sofortigen Erfolg beim Verkauf im Marktsegment der Spitzenradios (mit Spitzenpreisen) geführt hätte (nachdem man sich zuvor bis maximal in der Mittelklasse bewegte). Diese Theorie wird auch durch die Tatsache unterstützt, dass sich auch das zweite Spitzenmodell neben dem 980, der 680WLK, damals schlecht verkaufte. Er ist daher heute ähnlich schwer wie der 980 zu finden. (z.B. auch der technisch geniale Dux II des imageschwachen Herstellers NORA verkaufte sich sehr schlecht).

 

Wie auch immer, der SABA 980WLK hat eine herausragende Stellung, gepaart mit dem hohen Seltenheitswert, die sich im Sammlerwert widerspiegelt. Den erzielten Preis bei ebay halte ich relativ gesehen, für eher günstig (wenn man bedenkt, dass für z.B. den Millionenseller Loewe OE333 vergleichsweise absurd anmutende Preise von bis zu 1800 Euro gefordert, teils auch bezahlt werden). Hier haben sich preismindernd sicherlich die beschriebenen beschädigten Komponenten Gehäuse, Chassis, Filtergehäuse ausgewirkt, die als Ersatzteile natürlich kaum zu beschaffen sind. Der unsichere technische Zustand hat aber mindestens ein gleich hohes Gewicht, denn wie beschrieben, ist die Bedienbarkeit des Geräts essenziell von der optimalen Funktion der Bauteile abhängig. Wieviel Zeit die Restauration eines allerdings insgesamt sehr schlechten Exemplars kosten kann, zeigt das Beispiel eines mir bekannten SABA-Sammlers (kommt vom Fach), der, nachdem er den Apparat glücklich gefunden hatte, 300! Stunden in die Restauration gesteckt hat, um heute ein perfekt funktionierendes Radio zu erhalten.

 

Ein perfektes von einem der wenigen noch kundigen Experten restauriertes Gerät, würde sicher preislich erheblich höher liegen als hier in ebay gesehen, mindestens auf dem Niveau eines perfekten späten Körting Transmare (der nicht durch übermäßig geniale Technik, sondern durch andere Merkmale besticht).

 

Zur Technik: Die Automatik funktioniert prinzipiell genauso wie bei den Nachkriegs-SABAs: beim Antippen der Wippe sucht sich die Automatik den nächsten Sender mit ausreichender Feldstärke, bleibt stehen, stimmt optimal ab. Das funktioniert sogar auf kurzer Welle. Zu den anderen Fragen zur Technik (z.B. zur Abstimmung) kann vielleicht ein anderes Mitglied helfen, ich bin da nicht vom Fach; ich vermute, dass die Filtergehäuse zum Zweck der Abstimmung abgenommen werden müssen.

 

Viele Grüße,

 

Hermann

 

This article was edited 02.Sep.03 12:45 by Hermann Jung .

  
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