radiomuseum.org

 
Please click your language flag. Bitte Sprachflagge klicken.

saba: S-350W 350W; Kombinierte Gegenkopplung-Mitkopplung

Moderators:
Martin Renz Ernst Erb Vincent de Franco Martin Bösch Mark Hippenstiel Bernhard Nagel Otmar Jung Heribert Jung Eilert Menke 
 
Please click the blue info button to read more about this page.
Forum » Radios and other type of sets (Physics) etc. » MODELS DISPLAYED » saba: S-350W 350W; Kombinierte Gegenkopplung-Mitkopplung
           
Dietmar Rudolph
Dietmar Rudolph
Editor
D  Articles: 2304
Schem.: 885
Pict.: 464
04.Mar.14 16:19

Count of Thanks: 3
Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   1

Der Saba 350W ist der letzte 3-Kreis Geradeaus-Empfänger, der vor dem Krieg gebaut wurde.

Von besonderem Interesse ist die hierbei realisierte Rückkopplungs-Schaltung.

Anders als sonst bei Geradeaus Empfängern üblich, ist hier als Rückkopplung nicht nur eine Mit-Kopplung realisiert (wie das bei "normalen" Geradeaus-Empfängern üblich ist), sondern die Rückkopplung kann auch als Gegen-Kopplung eingestellt werden.

  • Mit-Kopplung ergibt eine Bandbreiten-Verringerung. (Für Fernempfang)
  • Gegen-Kopplung ergibt eine Bandbreiten-Vergrößerung. (für Ortsempfang)

Die Lösung des Problems geschieht recht elegant mit Hilfe eines Potentiometers. Dreht man das Poit nach rechts, erhält man eine Mit-Kopplung, während bei Links-Drehung eine Gegenkopplung errfolgt.

Eine Beschreibung findet man in "Fortschritte der Funktechnik, Bd. 4, Frankh, 1939, S. 44 - 45"

Eine sehr elegante Lösung für das Problem des Frequenzgangs hat Saba mit der kombinierten Gegen‑ und Mitkopplung geschaffen, die Abb. 63 zeigt.

Die Form der Resonanzkurve läßt sich hierbei stetig zwischen spitz und flach verändern. Zu diesem Zweck besitzt der Hochfrequenztransformator eine dritte Wicklung, deren Mitte mit dem Chassis verbunden ist. Hierdurch haben die Punkte P und Q jeweils um 1800 gegeneinander verschobenes Potential. Diese Punkte sind mit den Enden des Potentiometers W verbunden dessen Schleifer über eine dritte Wicklung des Gittertransformators am Chassis liegt. Steht der Schleifer oben, an einem Ende des Potentiometers, so hat er das Potential des Punktes P; es ist also z. B. stärkste Rückkopplung [Mitkopplung] vorhanden. Steht er am anderen Ende, so hat er das Potential des Punktes Q; an Stelle der Rückkopplung tritt dann starke Dämpfung [Gegenkopplung] auf. In den Zwischenstellungen ergibt sich ein allmählicher Übergang zwischen beiden Grenzfällen.

[Im Text wird stets von "Rückkopplung" gesprochen, wenn eine "Mit"-Kopplung gemeint ist. Diese saloppe Sprechweise führt gerne zu Mißverständnissen.]

Im Schaltbild findet sich das bewußte Potentiometer als Nr. 7. Zudem ist es mit ® (für Rückkopplung) bezeichnet.

MfG DR

Georg Beckmann
Georg Beckmann
Editor
D  Articles: 421
Schem.: 15
Pict.: 3
04.Mar.14 16:45

Count of Thanks: 4
Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   2

Sehr geehrter Herr Rudolph,

 

hier habe ich dazu einmal etwas gelesen von Herrn Freudenberg, der inzwischen leider verstorben ist.

Saba MHG

Mit freundlichen Grüßen

Georg Beckmann

Dietmar Rudolph
Dietmar Rudolph
Editor
D  Articles: 2304
Schem.: 885
Pict.: 464
05.Mar.14 11:54

Count of Thanks: 3
Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   3

Die hier beschriebene kombinierte Mit- und Gegenkopplung unterscheidet sich von der (später erfundenen) Mehrfach-Hochfrequenz-Gegenkopplung (MHG). Herr Freudenberg hat die MHG sehr gut analysiert. Eine empfehlenswerte Lektüre!

Bei Saba hat man sich ganz offensichtlich schon frühzeitig genauer mit dem Problem der Rückkopplung (engl.: feedback) befaßt.

Mir ist kein weiteres Gerät bekannt, bei dem diese kombinierte Mit- und Gegenkopplung angewendet wurde. In so fern sind der Saba 350W und der 351GW einmalig. Die Kenntnis von dieser Methode dürfte nicht allzu weit verbreitet (gewesen) sein.

In der Nachstimmungs-Anleitung zum 350W und 351GW weist Saba daher ausdrücklich darauf hin, daß bei einem Abgleich keinesfalls die Gegenkopplung eingestellt sein soll.

Nachtstimmungs‑Anleitung für Gerät SABA 350 W und 351 GW

Will man ein verstimmtes Gerät der vorgenannten Typen nachstimmen, so stelle man es zweckmäßig auf einen Sender im Frequenzgebiet zwischen 500 und 600 kHz ein und sehe nach, ob der Einstell‑Skalenzeiger mit der Markierung des betreffenden Senders auf der Skala sich in Übereinstimmung befindet. Sollte eine Abweichung vorliegen, ist die Befestigungsschraube des Zeiger‑Führungsschlittens zu lösen und der Zeiger auf die Skalenmarkierung genau richtig zu stellen. Hierauf stellt man das Gerät auf einen Sender im linken Skalenteil ein. Stimmt auch hier der Zeiger mit der Markierung überein, so wird eine Verstimmung des Gerätes im allgemeinen nicht vorliegen. Stimmt aber die Markierung nicht mit der optimalen Leistung des abzuhörenden Senders, so müssen alle Trimmer mit der Bezeichnung Cm. und zwar von allen 3 Abstimmkreisen, sorgfältig nachgestimmt werden. Man beginnt hierbei zweckmäßigerweise mit dem mittleren der drei Kreise, hierauf mit dem ersten und dann mit dem dritten. War die Verstimmung im linken Skalenteil eine beträchtliche, so beginnt man nochmals am rechten Skalenteil von vorn und rückt am rechten Skalenteil den Zeiger zuerst etwas nach bis die Zeigereinstellung unter optimalster Leistung des Gerätes am linken wie am rechten Skalenteil genau übereinstimmt. Diese Einstellung nimmt man zuerst auf dem Mittelwellenbereich vor. Auf dem Langwellenbereich sind, wie bereits vorerwähnt die Induktivitäten auf optimale Übereinstimmung voreingestellt und daher nur noch die Parallel‑Kapazitaten C1 nachzustellen. Die geeignete Frequenz für diesen Abgleich liegt zwischen 300 und 380 kHz.

Zu beachten bleibt, daß während der Gesamteinstellung der rechte Drehknopf (Rückkopplung) leicht angezogen ist, d. h. etwas nach rechts eingedreht. Die in diesem Gerät verwendete Rückkopplungs‑Schaltung bringt, wie aus dem Schaltbild ersichtlich, mit sich, daß in der Stellung, links eine Bedämpfung der Kreise eintritt (Bandverbreiterung), während sie unter der Eindrehung noch rechts zur bekannten Selektions‑ und Leistungssteigerung beiträgt. Darum soll zweckmäßigerweise das Gerät nicht im bedämpften Zustand nachzustimmen versucht werden.

In "Pitsch, H.: Lehrbuch der Funkempfangstechnik, Bd. 2, VAG, 1964" wird anhand von 2 Schaltbildern für die Bandbreite-Regelung im ZF Bereich der Unterschied zwischen der (einfachen) Mit- und Gegenkopplung einerseits und der MHG Regelung andererseits verdeutlicht.

Bei der MHG-Schaltung wird zusätzlich eine Phasenbedingung eingehalten. Wie man aus den beiden Schaltbilden sieht, gibt es bei Abb. 649 einen Rückführ-Weg, während es bei Abb. 719a deren zwei gibt, einen auf die Primärseite und einen auf die Sekundärseite des ersten Bandfilters. Daher der Name: "Mehrfach"-Hochfrequenz-Gegenkopplung.

MfG DR

This article was edited 05.Mar.14 13:22 by Dietmar Rudolph .

  
rmXorg