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grundig: Satellit 1000 Reparatur

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Boris Witke
 
 
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21.Nov.17 12:31

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Ein Satellit ist ein Premium Radio mit Premium Wartungsaufwand.
Kürzlich fand ich einen mäßig erhaltenen Satellit 1000 in der Exportversion TR6002, den ich günstig erwarb. Zuerst wurde die Antenne gewechselt und der Steckschuh an der Antennenleitung ergänzt (hatte gefehlt, Leitung war gelötet).
Der Ein/Aus Schalter war serienmäßig so geschaltet, dass gedrückt = Aus und gezogen = Ein. Habe ich durch Umlöten geändert, jetzt gedrückt = Ein.
Mit Batteriespannung funktionierte das Gerät auf einigen Bereichen, aber das Netzteil erwies sich nach dem üblichen Check von Spannungswähler und Sicherungen als defekt. Derjenige, der an dem Gerät vor mir einen Reparaturversuch gemacht hat, hatte den Ladeelko (beim Sat1000 C554, 2200µF 20V) durch einen neuen, größeren ersetzt. Danach funktionierte das Netzteil nicht mehr und der Mann hat aufgegeben. Er hat übersehen, dass der original Elko drei Minusstifte besaß, die an einer Stelle die Minusverbindung erst herstellen. Wird dieser Elko durch einen gewöhnlichen ersetzt, dann muss die jetzt fehlende Minusverbindung mittels Drähtchen ergänzt werden, sonst streikt das Netzteil. Eine derartige Konstruktion ist an mehreren Satellit Serien zu finden.
Ich habe bewusst nicht "Masse" geschrieben, denn die Masse liegt beim Sat1000 100 Ohm (R553) unter Plus. Auch diese Technik findet sich in mehreren Grundig Geräten, nicht nur im Satellit. Der Grund dafür würde mich interessieren, bestimmt weiß ein Insider mehr dazu.
UKW zeigte anfangs springende Senderstärke, also Schieber- Kontakte gereinigt (s. unten). Danach Instrumentenausschlag auch bei Ortssender nicht über 3 (bei AM z.T. 4-5). Vermutung Tantal Elko (Ratio, C6). Zum Ausbau muß die ZF Platine ausgeschwenkt und das letzte Bandfilter, in dem sich die Platine mit der Ratioschaltung befindet, ausgelötet und geöffnet werden. Vor Ausbau von C6 festgestellt, Platinenaufdruck stimmt nicht mit der Polarität von C6 überein. Genaue Recherche ergab, Schaltplan ok, Platinenaufdruck ok, C6 falsch herum eingebaut (original !). Tantal- C6 gegen normalen Elko gewechselt und Ratiofilter wieder eingebaut. Jetzt Instrument bis Vollausschlag und super Empfang, ohne Abgleich. Da ich bei Grundig UKW Teilen schon öfter Scherereien mit Tantalelkos hatte, hier die allgemeine Empfehlung, Tantals gegen normale Elkos zu wechseln.
Blieb das Problem Totalausfall KW2-9 . Die 3 Tantals auf der KW Tunerplatine wurden vorsorglich gegen normale Elkos getauscht, das brachte aber keine Verbesserung. Dann Test der Transistor- Arbeitspunkte. T1 (Vorstufe) hat 1/3 zu wenig Emitterstrom, das wurde erstmal belassen. Am Stabilisierungstransistor T3, Oszillator (T4) und Mischer auf die 1.ZF von 1,85 MHz (T2) alles ok. T4 schwingt 1,85 MHz oberhalb der Empfangsfrequenz, was sich mit einem 2.Radio leicht feststellen ließ. Da das Gerät ab 2.ZF (460 kHz) normal arbeitete, mußte mit viel Mühe das Kästchen mit dem 2. Mischer ausgebaut und untersucht werden, zudem kein Signal des 2. Oszillators gefunden werden konnte. Er müßte auf konstant 2,31 MHz schwingen. Der Diodenmessbereich zeigte den Fehler schnell: Ausfall des 2. Oszillatortransistors (T6). Möglicher Grund: T6 sitzt nahe am Abschirmblech. Das liegt auf Masse, also (fast) auf Plus. Das Transistorgehäuse ist im Layout mit der Basis verbunden und liegt normalerweise über 4k7 an 1,25V (von Minus aus gesehen). Bei Berührung mit dem Schirmblech wird die Basisspannung des NPN Transistors hochgerissen, was dessen Ende bedeutet. Die Diodenstrecken des 2. Mischers (T5) zeigten normale Durchgangs- und Sperrwerte. Nach Wechsel von T6 (BF184) und Einbau des Mischmoduls war die Kurzwelle wieder in Ordnung. Dabei hat sich herausgestellt, dass das Aufnehmen des 2. Oszillators schwierig ist, da er kaum abstrahlt. Es geht, wenn man die Teleskopantennen beider Geräte (Satellit und Hilfsradio, letzteres auf ca. 2,31 MHz eingestellt) ganz nahe nebeneinander bringt.
Anfangs erwähnte ich den hohen Wartungsaufwand beim Satellit. Das bedeutet u.a. Reinigung von z.T. über 200 Kontakten. Dazu einige Hinweise: Die Flöhe des Trommeltuners habe ich früher mit Kontakt 60 gereinigt (nicht eingesprüht, sondern mit K60 getränktem Lappen gerieben, bis sie blank waren). Das klappt heute nicht mehr, die schwarze Oxidschicht ist mittlerweile zu fest. Da abrasive Methoden wegen der Edelmetallbeschichtung nicht in Frage kommen, habe ich Sidol verwendet, was recht gut funktioniert. Nach Reinigung wird alles trocken nachgewischt. Etwas schwieriger ist die Reinigung der Federn. An denen sollte man nicht herumbiegen. Am besten entfernt man 2-3 Reihen Trommeltuner- Module, indem man sie ausklinkt und herauszieht. Dann kommt man ganz gut an die Kontaktseite der Federn, die auch mit Sidol behandelt wurden. Dabei unbedingt von oben gegenhalten, um die Federn nicht zu verbiegen.
Ein anderer Fall sind die Schieber der Wellenbereichsschalter. Dazu zieht man am besten die Knopfkappen ab, dann kann man sie auch besser putzen. Am Schaltergestänge findet sich eine kleine Blechnase, die man vorsichtig hochbiegt. Eine verschiebbare Nase wird dann unter der hochgebogenen vorbei bewegt, um die Kontaktschieber zu entsperren. Ein weiterer Schieber (quer im Gestänge, ebenfalls nicht sichtbar) gibt dann die Kontaktschieber entgültig frei. Ganz vorsichtig herausziehen und reinigen, weil die Reiter nur lose in den Schieber eingeklemmt sind. Man macht das am besten an einem Ort, wo in weiterem Umkreis nichts herumliegt (also nicht in der Werkstatt), damit man einen fortgesprungenen Reiter wieder findet.
Nach dieser oft tagelangen Prozedur (incl. Gehäuse- und Chassisreinigung)  macht ein Satellit wieder richtig Spass. Die Kurzwelle beeindruckt durch enorme Empfindlichkeit, und die UKW Leistung ist bei Portables unerreicht, vielleicht mit Ausnahme des Braun T1000.

  
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