Schnelle Fehlersuche im Wechselstrom-Empfänger

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Schnelle Fehlersuche im Wechselstrom-Empfänger 
28.Dec.14 12:36
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Dietmar Rudolph † 6.1.22 (D)
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Dietmar Rudolph † 6.1.22

Diese Ausführungen, die dem Buch "Renardy, A.: Radio-Service-Handbuch, 4.A., Franzis, 1967" (Titel der früheren Auflagen: "Leitfaden der Radio-Reparatur") entnommen sind, sind weniger für "alte Hasen" gedacht, sondern eher für Hobby-Bastler mit weniger praktischer Erfahrung. Sie sind trotzdem lesenswert.

1.5 Wechselstromempfänger

Bei der schnellen Fehlersuche ist das Hauptaugenmerk auf die in Bild 1.5-1 dargestellten Schalteinzelheiten zu richten; Schwingkreise sind dabei übergangen. Am kalten Gerät schließt man das Ohmmeter an die Kondensatoren C 11 oder C 10 des Netzteils an, um festzustellen, ob ein Schluß vorliegt. Wenn die Schirmgitterspannungen nicht durch einen Spannungsteiler hervorgebracht werden, was bei neuzeitlichen Empfängern fast nie mehr der Fall ist, darf man beim Anschluß des Ohmmeters nur noch feststellen, daß die Batterie dieses Meßinstruments die Kondensatoren des Netzteils auflädt; nach einem kurzen Ausschlag geht die Anzeige fast auf Null herunter. Bei Wiederstandsmessungen über C 1 und C 2 kommt der Widerstand der parallel liegenden Wicklung des Netztransformators zum Vorschein. Sollte einer der Kondensatoren einen Schluß aufweisen, so ist in der Regel die zugehörige Wicklung verbrannt, eine Erscheinung, die auch durch den Geruch und den Augenschein bemerkt wird.

Nach dem Einschalten des Gerätes wird die an den Kondensatoren C 10 und C 11 auftretende Spannung gemessen. Spannungsunterschiede kommen durch den Spannungsabfall zustande, den der gesamte vom Empfänger aufgenommene Strom am ohmschen Widerstand der Netzdrossel Dr hervorruft. Weitere Spannungsmessungen werden an den Anoden und - soweit vorhanden - an den Schirmgittern der Röhren vorgenommen. Hierbei kommen Fehler an den Widerständen R 1, R 2, R 4, R 6 und an den Kondensatoren C 3, C 4, C 6 zum Vorschein. In den meisten Fällen wird man bemerken, daß einer der Kondensatoren durchgeschlagen und der zugehörige Widerstand verbrannt ist. An C 9 muß der Spannungsabfall zu messen sein, den der ohmsche Widerstand der Primärwicklung des Ausgangstransformators verursacht. Weist die Katode der Endröhre gegen das Chassis die für die betreffende Röhre vorgeschriebene Gittervorspannung auf (plus an der Katode, minus am Chassis), so läßt fehlende Spannung an C 9 einen Schluß dieses Kondensators vermuten. Eine Unterbrechung im Sekundärkreis des Ausgangstransformators erkennt man oft daran, daß die Transformatorbleche bei eingestelltem Sender mitschwingen und die Modulation hörbar machen.

Besondere Aufmerksamkeit verdient der Kopplungskondensator C 8, weil die Anodenspannung der vorhergehenden Triode die Gitterspannung der Endröhre verfälscht, wenn sein Isolationswiderstand nicht groß genug ist. Durch übermäßig großen Anoden- und Schirmgitterstrom erschöpft sich dann die Katode der Endröhre vorzeitig; bei einem schweren Isolationsfehler ist die Wiedergabe verzerrt.

Zur Untersuchung der Isolationseigenschaften des Kopplungskondensators C8 8 wird das Voltmeter entweder an die Buchsen für den zweiten Lautsprecher (Anschluß III) oder zwischen Katode und Chassis (Anschluß IV) gelegt. Man mißt also den Spannungsabfall, den der Anodenstrom am Widerstand der Primärwicklung des Ausgangstransformators oder denjenigen, den der Katodenstrom am Katodenwiderstand hervorbringt; größerer Strom verursacht höheren Spannungsabfall.

Wird nun das Steuergitter mit dem Chassis verbunden, wie es die Verbindung I in Bild 1.5-1 andeutet, so darf sich an der Anzeige des Voltmeters nichts ändern, wenn C 8 in Ordnung sein soll. Ändert sich der Ausschlag, so ist zu entscheiden, ob es sich tatsächlich um einen Isolationsfehler von C 8 handelt oder - was auch im Bereich des Möglichen liegt - um übermäßigen Gitterstrom der Röhre infolge schlechten Vakuums. Diese Feststellung trifft man durch die Verbindung II, nachdem der Schluß I aufgehoben ist. Gehen Katoden- und Anodenstrom auch bei Schluß Il zurück, was sich durch Rückgang des Ausschlags des Voltmeters bemerkbar macht, so ist C 8 auszuwechseln; anderenfalls ist die Endröhre auszutauschen. Es ist zu beachten, daß die Verbindung der Anode mit dem Chassis durch Schluß II nur kurze Zeit bestehen darf, weil in diesem Fall die gesamte Anodenspannung des Gerätes an den Widerständen R 4 und R 6 liegt, die sich erwärmen und auf die Dauer Schaden nehmen können.

Bei halbautomatischer Erzeugung der Gittervorspannungen für die Röhren des Niederfrequenzverstärkers nach Bild 1.5-2 können die Vorspannungen an den Punkten a und b gemessen werden. Mit einem Voltmeter hohen Innenwiderstandes sind sie auch an den Kondensatoren C 10 und C 11 und an den Steuergittern der Röhren festzustellen. Die Siebglieder R 10/C 11 und R 9/C 10 arbeiten auf Grund der Tatsache, daß winzige Gitterströme fließen.

Es zählt zu den häufigsten Fehlern, daß einer der Widerstände R 7 und R 8 verbrannt ist, weil ein Schluß im Gerät, beispielsweise ein Durchschlag im Siebkondensator C 4, vorliegt. Dann macht das Gerät den Eindruck, als sei es in Ordnung, doch fehlt die Anodenspannung, weil der Kreis bei R7/R8 unterbrochen ist. Dagegen mißt man an den Polen des Ladekondensators C 3 eine übermäßig hohe Spannung. Wenn man erkennt, daß der negative Pol des Ladekondensators gegen das Chassis isoliert ist, muß auf die genannten Fehlermöglichkeiten geachtet werden.

MfG DR


In dem Buch von Ernst Erb: "Radios von gestern" findet man zusätzlich einiges zur "methodischen Fehlersuche":  Hier lassen sich als .pdf Texte herunterladen, die entsprechende Abschnitte in dem Buch behandeln.

Für diesen Post bedanken, weil hilfreich und/oder fachlich fundiert.