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seibt: 3 ; Schaltung und Restaurieren

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Wolfgang Eckardt
Wolfgang Eckardt
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28.Jan.07 23:12

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Der Seibt 3, irrtümlich oft als 3W bezeichnet, ist in den gängigen Katalogen 1930/31 zu finden. Im "Lange / Nowisch" Band VII ist das Schaltbild zu finden, doch gibt es zu meinem vorhandenen Gerät (Nr. 2143529) erhebliche Unterschiede.
Ich habe die Schaltung aufgenommen und beim Modell hoch geladen.

Die wichtigsten Unterschiede sind:
1. Statt Siebdrossel sind 2 RC-Siebketten, einmal 4µF/6,5kΩ für die beiden Vorstufenröhren und für die Anode der Endröhre 2µF/4kΩ.
2. Die Erzeugung der Gittervorspannungen und die Aufteilung der verschiedenen Anoden-/Schirmgitterspannungen erfolgen anders.
3. Der Antennen-Eingangskreis besitzt eine schwenkbare Ankopplungsspule für L und M.
In allen gefundenen Literaturstellen (Bedienungsanleitung, Kataloge) wird als Audionröhre die REN804 angegeben. Die manches Mal genannte REN904 dürfte sicher noch nicht zur Anwendung kommen, da sie ja gerade 1930 taufrisch auf dem Markt erschien. Erst im Modell 3a (1931/32) wird auf die REN904 als Austauschmöglichkeit hingewiesen.
Auch wird die RE134 als Grundausstattung benannt. Zusätzlich heißt es:
„Eine beträchtliche Erhöhung der Lautstärke kann durch Benutzung eines Schutznetz-Endrohrs Type RES164d oder RES164 erzielt werden."
Als Gleichrichter bietet Seibt seine VG230 an „...oder ein Rohr RGN504 von Telefunken ...“.

Beim Restaurieren des Gerätes traten die üblichen Probleme eines gealterten Radios auf. Typisch der Kombinations-Block-Kondensator mit seinen 8 Lötanschlüssen. Er war aufgequollen und natürlich elektrisch „tot“. Hier ein Bild seines Innenlebens nach Abnahme der Teerverguss-Abdeckplatte.

Die rot markierten 8 Punkte sind die äußerlichen Lötanschlüsse .
Beim verfolgen des Schaltungsverlaufes trat eine hinterlistige Tücke auf. Es fehlte irgendwie ein Siebkondensator 1µF für die Siebung der Gitterspannung der Endröhre. Erst bei der Demontage des Kondensatorblockes löste sich das Rätsel. Dieser Kondensator ist mit in dem Block enthalten. (Im Bild der zweite von links obere Reihe.)  Er besitzt keine eigenen Anschlüsse sondern war gleich intern mit den anderen Anschlüssen verbunden (siehe auch Schaltskizze).
Ein paar weitere Detailbilder sollen das Ganze etwas verdeutlichen.
Hier noch einmal der Kondensatorblock im vorgefundenen Zustand sowie die Widerstände der Siebketten (Bild oben), die zwischen Bronzefedern geklemmt werden,  und der Netztrafo mit seinen Anschlüssen.
Eine Besonderheit der Seibt-Geräte sind die zwischen zwei Bronzefedern steckbaren Widerstände und Kondensatoren - also Montage ohne Lötkolben.
Hier links im Bild die beiden "berüchtigten" Kondensatoren an den Anoden der Gleichrichterröhre - natürlich beide defekt.
Für die Funktion wäre es nun einfach, Ersatzkondensatoren passender Werte an den Kontaktfedern anzulöten. Das erschien mir aber von der Optik her frevelhaft. Daher entschied ich mich für folgende Lösung:
Die beiden Kondensatorbeläge werden durch je eine Kontaktfahne aus Messingfolie nach rechts bzw. links herausgeführt und mit dem Kontaktstift verlötet. Auf jeweils einer Seite jedes defekten Kondensators habe ich diese Fahne abgelötet und nach oben weggebogen - wie im folgenden Bild rechts zu sehen ist:
Anschließend wird ein passender, möglichst kleiner Ersatzkondensator mit seinen Drahtenden an die Kontaktstifte gelötet und der "neue" Kondensator kann wieder einfach zwischen die Federn geklemmt werden. Wenn man den Ersatzkondensator nach unten dreht, so ist beim Blick in das Gerät die originale Optik nicht gestört.
Die eingesetzten Widerstände lagen mit ihren Werten alle im Toleranzbereich und mussten nicht erneuert werden, ebenso nicht die kleineren Kondensatoren im pF-Bereich.

Ich war erstaunt, dass beim Probebetrieb die erwarteten Kontaktstörungen nicht auftraten - das Gerät "spielte" auf Anhieb!

Gesamtbilder vom Chassis habe ich beim Modell hochgeladen.


Ich möchte hier noch die Frage an die Besitzer des Modells stellen, ob bei ihrem Gerät die gleichen Schaltungsunterschiede zum Schaltbild von Lange/Nowisch vorhanden sind (d.h. das Schaltbild wäre grundsätzlich falsch!) oder ob es Varianten des Modells im inneren Aufbau gab.
 

Abschließend noch ein Hinweis auf das Folgemodell Seibt 3a. Der steht gerade bei mir auf dem Arbeitsplatz. Auch dort habe ich bereits Unterschiede in der Schaltung zum Schaltbild in Lange/Nowisch festgestellt. Ansonsten ist es die Weiterentwicklung des hier vorgestellten Seibt 3. Dazu demnächst etwas.

Wolfgang Eckardt

This article was edited 29.Jan.07 20:39 by Wolfgang Eckardt .

  
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