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Restauration Seibt Piccolette (II)

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Rüdiger Walz
Rüdiger Walz
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02.Sep.09 15:44

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Restauration Seibt Piccolette II

Ich bekam aus einer Haushaltsauflösung eine Seibt Piccollette Ausführung II. Das Gerät war in relativ schlechtem Zustand. Der Wohnung des Vorbesitzers war feucht und das Gerät offensichtlich feucht gelagert gewesen.
 
Im Gegensatz zu den bisher im RMorg abgebildeten Geräten war das Gerät nicht gebeizt, sondern mit brauner Lackfarbe angestrichen. Die scheint original zu sein, da unter der abblätternden Farbe das zutage tretende blanke Holz niemals gebeizt gewesen war. Vor allem oben über den Vorschaltwiderständen war die Farbe durch die Hitze abgeblättert. Es handelt sich um grobes Kistenholz, das zur Verbesserung der Oberfläche reichlich gespachtelt wurde.
 
Bild 1 Gerät roh aussen
 
Das Chassis wies einige Reparaturspuren auf. Das Gerät scheint lange in Betrieb gewesen zu sein. Einer der Netzteilkondensatoren scheint aus Ende der 60er Anfang 70er Jahre zu stammen. Die roten Pfeile markieren offensichtlich ausgewechselte Bauteile.
 
Bild 2 Gerät innen
 
Einer der Netzteilkondensatoren war durch einen amerikanischen Elko Bauart 40er Jahre ersetzt worden. Der andere durch eine modernere Type. Die Vorwiderstände waren nicht original und ein dritter hinzugeschalteter Widerstand war defekt.
Auch schienen einige kommerzielle Sikatrop-Kondensatoren nachträglich eingebaut worden zu sein. Sie wurden aber so belassen. Lediglich Netzteilkondensatoren und Vorwiderstände wurden ersetzt. Der verbliebene originale Kondensator wurde einseitig abgetrennt und ein zweiter Kondensator aus den 40er Jahren, der dem Original vermutlich ähnlich sieht eingebaut. Beide Kondensatoren sind defekt, die neuen 4 µF Kondensatoren wurden darunter versteckt. Die beiden Schirmgitterkondenstoren waren defekt und wurden innen durch neue Typen ersetzt.
Die verwendeten Vorwiderstände sind wie die Bilder im RMorg zeigen sehr unterschiedlich. Hier wurde ein Drahtwiderstand 1,2 / 1,5 kOhm 8 Watt eingebaut. Bei 230 V ist der Heizstrom für die P2000 jetzt genau 75 mA.
Die Selendiode von AEG zeigte bei Überprüfung mit Hochspannung in Sperrichtung 20-30 mA, war also defekt. Es wurde in Reihe eine Diode 1N4004 geschaltet. Da die Spannungen an den Röhren trotzdem noch zu hoch waren, wurde zusätzlich ein Widerstand 2,2 kOhm 1/2 Watt in Reihe geschaltet. Da Widerstand und Diode sehr klein sind, lassen sie sich gut verstecken und stören das Gesamtbild nicht.
 
Unterschiede zu den im RMorg gezeigten Piccolette Geräten.
 
Mein Gerät ist eindeutig die Ausführung II mit Selengleichrichter. Die Schaltung scheint übrigens im Prinzip der Pierette 2149P und der Piccolette 49 zu entsprechen. Die Anordnung der Bauteile ist auffällig ähnlich. Es zeigt die Not der Firma Seibt, die offensichtlich bis 1949 diese primitive Konstruktion beibehalten musste und lediglich die Gehäuse veränderte.
 
Zusätzlich hat mein Gerät ein Potentiometer zur Einstellung der Lautstärke durch Veränderung der Schirmgitterspannung der ersten P2000 und einen DKE Kondensator in der Rückwand  für die Rückkopplung wie im Schaltplan gestrichelt eingezeichnet. Dazu muß der Ein/Aus Schalter mit Isolierband abgedeckt werden, da sonst der Kondensator die Netzleitung berühren würde. Die Lautstärkeregelung funktioniert nicht besonders gut.
 
Das Gerät hat kein Papiertypenschild oben rechts auf dem Chassis wie die anderen abgebildeten Geräte. Daher kann ich keine Seriennummer angeben. Es sind auch keine Klebespuren erkennbar.
 
Das Gehäuse
 
Das Gehäuse wurde mit brauner matter Lackfarbe im gleichen Ton wie das Original gestrichen. Der Lautsprecherstoff zeigte durch Feuchtigkeit braune Verfärbungen. Er war leider von der Frontpappe nicht ablösbar. Daher wurde er mit Feinwaschpulver und einer feuchten Bürste so gut wie möglich gereinigt. Die Front wurde feucht zwischen Papier und dann Zeitungen gepresst um eine Verformung zu vermeiden.
 
Das Ergebnis ist akzeptabel.
 
 
Bild 3 Gerät nach der Restauration.
 
Auch auf dem Chassis sind die notwendigen Eingriffe kaum zu sehen.
 
Bild 4 Chassis nach der Restauration.
 
Die Skala wurde offensichtlich auf Photokarton photographisch kopiert. Man verwendete offensichtlich Vorlagen für Postkarten, auf der Rückseite sind die Adresslinien erkennbar. Vor meiner Skala befinden sich passend zugeschnittene durchsichtige Kunststoffscheiben zum Schutz. Ich bezweifele, dass sie original sind, da die Skalen Beschädigungen durch die Knöpfe aufweisen.
 
Bild 5 Skala.
 
Das Gerät ist ein typischer Vertreter der Notradiozeit. Als Bauteile wurden Restbestände der Wehrmacht verwendet. Die Auflage dürfte relativ gering gewesen sein. Da die Geräte reparaturanfällig waren und sie einfach in die Mülltonne passen, dürfte ihre Zahl im Laufe der Jahre noch weiter reduziert worden sein.
Die Konstruktion ist abenteuerlich. Die Leistung ist mit zwei Röhren bescheiden. Am Abend konnten allerdings ca. 6 Sender mit mäßiger Lautstärke hier im Frankfurter Raum empfangen werden. Erstaunlich ist der offensichtlich lange Einsatz des Gerätes.

This article was edited 05.Sep.09 18:10 by Rüdiger Walz .

  
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