radiomuseum.org

 
Please click your language flag. Bitte Sprachflagge klicken.

177 KHz ist nun Geschichte: Sendemast Zehlendorf gesprengt

Moderators:
Ernst Erb Jürgen Stichling Bernhard Nagel 
 
Please click the blue info button to read more about this page.
Forum » Radio- and technical History » Decades of broadcasting » 177 KHz ist nun Geschichte: Sendemast Zehlendorf gesprengt
           
Wolfgang Lill
Wolfgang Lill
Editor
D  Articles: 689
Schem.: 398
Pict.: 7935
28.Mar.17 15:00

Count of Thanks: 5
Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   1

Mein Gast heute für RMOrg; Herr Kai Ludwig von B1 , hier sein Artikel zum...

 

Sendemast Zehlendorf gesprengt

Der 357 Meter hohe Sendemast in Zehlendorf bei Oranienburg, der seit 2015 der letzte noch verbliebene Rest der dortigen Sendestation war, ist am 25. März 2017 um 14.00 Uhr gesprengt worden. Der Sendebetrieb lief noch 28 Stunden vorher – für Deutschland wohl ein neuer Rekord, was die zeitliche Abfolge von Abschaltung und Mastsprengung betrifft.

Bild 1: Die noch vollständige Sendestation Zehlendorf im Jahre 2003; v.l.n.r. Langwellenmast, Mittelwellenmast, Langwellen-Flächenantenne (Fotos: Kai Ludwig)

Noch bis zum 24. März 2017, ca. 10.30 Uhr, wurden über den jetzt verschwundenen Mast vier UKW-Frequenzen abgestrahlt, und zwar 90,8 MHz mit Antenne Brandenburg, 91,8 MHz mit Power-Radio, 95,4 und 107,9 MHz mit unterschiedlichen Regionalversionen von BB-Radio sowie 104,9 MHz mit Radio B2.

Die Frequenzen 95,4 und 104,9 MHz werden jetzt aus Eberswalde abgestrahlt. Die Frequenz 107,9 MHz wanderte nach Gransee, nachdem die Berliner Frequenz 107,5 MHz seit dem Umzug zum Fernsehturm im nördlichen Berliner Umland jetzt erheblich besser zu empfangen ist.

Die Ausstrahlung von Antenne Brandenburg auf 90,8 MHz ist ersatzlos entfallen. Sie diente einzig dazu, die Regionalfenster aus der einstigen Bezirksstadt Frankfurt (Oder) auch in den westlichen Barnim zu senden, den ansonsten die Berliner Frequenz 99,7 MHz abdeckt.

Die Frequenz 91,8 MHz sollte ebenfalls in Eberswalde wieder aufgeschaltet werden Hierfür gibt es allerdings bis jetzt keine Bestätigung durch Empfangsbeobachtungen.

Ursprünglich diente der 1978 errichtete Mast als Sendeantenne für die Langwelle 177 kHz. Deren Nutzung durch das Deutschlandradio endete am 31. Dezember 2014.

Anschließend gab es im Frühjahr 2015 noch experimentelle Ausstrahlungen eines digitalen Signals. Bemerkenswert war dabei die offensichtliche Beteiligung der Bundeswehr, erkennbar an der Kennung ihres internen Hörfunks („Radio Andernach“).

Seinerzeit versuchte die Media Broadcast, für ihre AM-Rundfunksender eine Nachnutzung in Form von anderweitigen, schmalbandigen Datenübertragungen zu finden. Diese Bestrebungen blieben jedoch vergeblich.

Digitalsignal auf 177 kHz am 10.04.2015​

Keine Aussagen gibt es bislang dazu, wie bei der ungewöhnlich dichten Abfolge von Abschaltung und Sprengung mit der UKW-Technik umgegangen wurde. Sie befand sich nicht im Stationsgebäude, sondern in einem Container direkt am Mast.

Hierzu einige Einblicke aus dem Jahre 2003:

Der Container am Fuß des Langwellenmastes, in dem die UKW-Technik untergebracht war

UKW-Senderanlage der damaligen Firma Telefunken Sendertechnik, Berlin (heute Transradio)

Steuersender für „ORB 1“ (d.h. Antenne Brandenburg mit Regionalprogramm Frankfurt/Oder) auf 90,8 MHz

Steuersender 91,8 MHz, nach Insolvenz des ursprünglichen Nutzers, Radio Power 4 (Angermünde), abgeschaltet

 

und jetzt noch eine interessante Information von mir ;

 

Das gesamte Geäudeareal steht unter Denkmalschutz, so auch der Sendemast.Laut Information  in einigen Presseveröffentlichungen soll der Abbau des Mastes von der Denkmalbehörde des Landkreises OBERHAVEL genehmigt worden sein. Wann diese Teil- Genehmigung erteilt wurde, konnte ich in Telefonaten mit Kollegen der Behörde leider nicht in Erfahrung bringen. 

 

 

This article was edited 29.Mar.17 02:05 by Wolfgang Lill .

Wolfgang Lill
Wolfgang Lill
Editor
D  Articles: 689
Schem.: 398
Pict.: 7935
29.Mar.17 15:32

Count of Thanks: 4
Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   2

So aufgenommen am 26.März 2017 ca 13,30 Uhr Fotos oben und darunter von Herrn Joachim Kullmann.

Vielen Dank

25.03.2017, 14,00 Uhr Sprengung >>> Fall des Mastes innerhalb von ca 15 Sekunden

und nachdem sich die Wolken verzogen haben....Blick auf die "wiederhergestellte" Kulturlandschaft,

This article was edited 30.Mar.17 18:52 by Wolfgang Lill .

Mario Spitzer
Mario Spitzer
Editor
D  Articles: 181
Schem.: 148
Pict.: 362
29.Mar.17 19:15

Count of Thanks: 3
Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   3
250 KW Mittelwellensender 696 khz Stimme Russland (Radio Moskau, jetzt via DAB+ Mega Radio)
 
50 KW Mittelwellensender (zuletzt mit 20 KW betrieben auf 603 khz OldieStar* von Oliver Dunk
(Heute Radio B2), parallel dort auch auf UKW 104,9 khz ausgestrahlt.
 
Der alte Kühlturm, als der Sender noch mit Röhren betrieben wurde.
 
Der Sendemast, wie er nach dem Unfall mit einer einem Kampfflugzeug "MIC 21" von der sowj. Armee  1979 wieder errichtet wurde. Er strahlte ursprünglich die Stimme der DDR mit Seewetterbericht, später Deutschlandradio Kultur. Für den ursprünglichen Röhrensender war ein Schiffsdieselmotor mit Generator vorhanden.

 

Wolfgang Lill
Wolfgang Lill
Editor
D  Articles: 689
Schem.: 398
Pict.: 7935
01.Apr.17 11:44

Count of Thanks: 3
Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   4

An dieser Stelle will ich noch einmal über die Geschichte des Standortes Zehlendorf informieren:

Im Jahre 1936 wurde an diesem Standort mit dem Aufbau von Kurzwellensendeanlagen begonnen. Die Rundfunkübertragungen der Olympischen Sommerspiele aus Berlin, die vom 1. bis 16.August 1936 stattfanden,  konnten damit bereits zeitaktuell nahezu weltweit erfolgen.

Bekannt wurde die Sendeanlage unter der Bezeichnung "Funksendestelle Rehmate". Insgesamt wurden hier neun Sender installiert, die über 26 verschiedene Antennen nahezu bis zum Ende des 3. Reiches in Betrieb waren.

1945 erfolgte die Demontage der Anlagen als Reparationsleistung für die Sowjetunion.

Nur wenige Reste, nämlich 3 Antennenträger aus Holz,  blieben vor Ort.  Mit den Holz von zwei dieser Antenneträger baute man den 98 m hohen Sendemast in Golm bei Potsdam  auf , dieser sendete dann ab 1. Mai 1948 das Regionalprogramm Potsdam mit einer Senderleistung von 20 KW auf 564 KHz. Er wurde wegen Baufälligkeit am 25.Oktober 1979 gesprengt....bzw durch einen 50 m hohen Stahlsendemast ersetzt.

Aber zurück nach Zehlendorf:

Es wurde 1952 beschlossen, auf diesem Standort den Zentralen Langwellensender der DDR zu errichten. Dieser wurde im Jahre 1955 in Betrieb genommen.

1956 bis 1958 diente eine Dreieckflächenantenne;bestehend aus einem in Form eines Dreiecks an den Turmspitzen in 150 m Höhe isoliert aufgehängten Drahtes, an den radial zum Mittelpunkt des Dreiecks führende Drähte angebracht sind, an dem die Speiseleitung endet. 

Die damalige Sendeleistung betrug 500 KW, auf Frequenz 185 KHz. 

Bereits 1958 soll ein 750 KW- Sender, Hersteller Funkwerk Köpenick versuchsweise betrieben worden sein.

Abgestrahlt wurde von diesem Standort das Programm des Deutschlandsenders.

Ab 01.08.1962 wurde dann offiziell mit 750 KW gesendet über einen neu errichteten Stahlfachwerkmast, an dem die kegelförmige Reusenantenne befestigt war.

Mit  351m Höhe war er damals sogar das höchste BauwerkEuropas.

Die Frequenz  wurde auf  182 KHz geändert. 

Ab 15.11.1971 gibt es neuen neuen Namen für das abgestrahlte Programm. Aus dem "Deutschlandsender" wird die "Stimme der DDR".  Dieser Sender war nicht nur für die Bürger der DDR gedacht sondern auch für deutschsprachige Hörer ausserhalb der Grenzen der DDR. Er ist in ganz Europa zu hören und sehr wichtig war die Abstrahlung des Seewetterberichtes.

Mit dieser Veränderung kam es zur Abschaltung der beliebten Berliner Welle auf 1358 KHz,                je  20 KW- Sender in Köpenick und Potsdam auf 656 KHz . 

So blieb es bis zum 18.Mai 1978, da streifte eine sowjetischen Jagdfugzeug vom Typ MIG 21  ein Halteseil und so kam es zum Einsturz der Sendeanlage und auch zum Absturz des Fliegers. 

 

Als die Ursache des Einsturzes feststand, versprach die Sowjetunion, einen neuen Mast zu liefern und aufzubauen. Daraus wurde eine  Gemeinschaftsarbeit, daran erinnert diese Gedenktafel der Deutschen Post.

Hier mit Trauerflor nochmal aufgestellt vom jetzigen Besitzer der Tafel .

dieses Foto und nachfolgende; Robert Rozanski  vielen Dank

Im August 1979 war der neue Mast mit einer Höhe von 359,7 Metern fertiggestellt und er wurde am         7. Oktober 1979, zu Ehren des 30 . Jahrestages der DDR, wieder in Betrieb genommen.

Ab 23.11.1978 sendet man übrigens bis zum  Ende des offiziellen Rundfunkbetriebes am 31.12.2014, 24,00 Uhr  auf 177 KHz.

Im Ergebnis der friedlichen Revolution vom November 1989 in der DDR wird die "Stimme der DDR" ab 13.Februar 1990 wieder zum "Deutschlandsender".

Nach der Wiedervereinigung geht die Anlage in den Bestand der Deutschen Bundespost über.

Ab 16. Juni 1990 meldet sich auf der Frequenz in Abstimmung mit dem Einigungsvertrag der "Deutschlandsender Kultur " mit einem 24 Stunden- Programm. Das bleibt so bis 31.12.1993.

So richtig weiß die Bundespost nichts mit dem Senderstandort anzufangen ( meine persönliche Einschätzung). Die gesamte Sendeanlage sollte demontiert werden, die Reusenantenne am 359 m hohen Hauptsendemast wurde bereits abgebaut.                                                                                 Die Sendeleistung wurde zeitweise auf 100 KW reduziert.

Hier noch ein Foto vom bereits liquidierten 129 m hohen Mittelwellensendemast ( aufgenommen im Sommer 2015). Von diesem Mast wurde ab 1991 kurzzeitig "Mega Radio" , ab 1996 die "Stimme Russlands" auf 639 KHz bis Dezember 2013 abgestrahlt.

Im Jahre 2005 kommt es jedoch zum Umdenken. Ein neuer Sender wird geliefert. Der neue ist ein 500 KW Transistorsender der Firma Transradio Sendesyteme Berlin 

Schließlich ist es auch ein günstiger Standort in der Nähe der Deutschen Hauptstadt Berlin und  Deutschlandradio Kultur will sich auch über diesen starken AM- Sender nicht nur deutschland- sondern europaweit profilieren. 

Ab 29.August 2005 sendet man sogar 3 Stunden täglich im DRM- Betrieb. Leider hat sich dieses System für die Allgemeinheit nicht durchgesetzt.

Dank der Einsparoffensive der KEF ist nun all das Geschichte. Versuche , den Langwellensender nach der Abschaltung anderweitig für technische Zwecke oder andere Funkdienste ( siehe Beitrag oben von Kai Ludwig)  zu verwenden, wurden gemacht.  All das war ohne Erfolg.

Da steht er nun, am 24.Dezember 2014 und es sind nur noch wenige Tage bis zur offiziellen Abschaltung der Übertragungen des Langwellenrundfunks in Deutschland.

Nun nochmal zur Sprengung des unter Denkmalschutz stehenden Technischen Denkmales, der vom Landrat des Landkreises Oberhavel genehmigt wurde .... (Kommentar an dieser Stelle steht mir nicht zu) 

 

Die vorherigen Fotos sind 3 Tage nach der Sprengung entstanden.

Interessant sind die letzten drei Bilder

Reste der Dreieckflächenantenne, warum die Mastenden stehen geblieben sind, kann ich mir nicht erklären. Das alte Abstimmhaus ist ebenfalls zu erkennen, rechts daneben im Bildhintergrund (das weiße) ist der 357 Meter Mast. Die Bilder sind auch am 31.3.2017 gemacht von Robert.

This article was edited 01.Apr.17 17:09 by Wolfgang Lill .

Wolfgang Lill
Wolfgang Lill
Editor
D  Articles: 689
Schem.: 398
Pict.: 7935
20.May.17 20:30

Count of Thanks: 3
Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   5

So könnte die Frage tatsächlich lauten...


Wir erinnern uns; der Landrat hat entschieden, das die unter Denkmalschutz stehende Anlage gesprengt wird.

Entgegen der Entscheidung des brandenburgischen Denkmalamtes !

Inzwischen ist emsige Bautätigkeit auf dem Gelände zu registrieren.

Ein Bekannter, der vor Ort ist, verfolgt alles sehr genau und schreibt mir dazu:

Da ist keiner, das gesamte Gelände ist verlassen. Am Haupteingang gibt es nichtmal eine Klingel und der Briefkasten ist auch schon eine Weile nicht geleert. Die Lkws die den Schrott vom Mast abgefahren haben,sind immer über einen Seiteneingang raus und rein, auf das Gelände. Die hatten einen Schlüssel. 

Auf diesem Foto, ist der Stand am 5.4.17 zu erkennen, bei dem Radler steht noch das kleine Häuschen für die Flughindernisbefeuerung und bei dem Bagger/Greifer, steht (das dunkle) kleine Häuschen der Stromversorgung /Sicherungen. 

 

Auf diesem Bild  ist dann zu erkennen daß, das Mastfundament freigelegt wurde, ganz links auf dem Foto ist die Mastaufnahme (rot). 
 

Der Maststumpf liegt dahinter. 

Hier ist das Fundament schon wieder umgeben von der Erde, noch ist der Stumpf nicht aufgerichtet. Außerdem sind alle Häuschen abgetragen. 

Ich hatte auch schon mal vor längerer Zeit, ein paar Mail's, an Media Broadcast gesendet, die Kollegen haben jedoch bis heute nicht geantwortet. 

Es wurde das Fundament des Mastes überarbeitet. Dort wurde rundherum, die Erde abgetragen und so wie es jetzt zu sehen ist (heller Sand)  neu angeschüttet. Es wurde auch der originale Mastfuß wieder aufgerichtet, so wie bei der Dreieckflächenantenne. 

Weder die örtlichen Zeitungen noch Rundfunk und Fernsehen nehmen Notiz von dieser interessanten Baumaßnahme.

Wäre es die neue Botschaftsfunkanlage der Nordkoreanischen Botschaft in Berlin, die hier klammheimlich errichtet wird, dann würden sich die Journalisten überschlagen... Es ist ja garnicht so abwegig, die Erde ist da, die Antenne für eine kurze Kurzwelle auch und die Senderichtung  dürfte sogar stimmen . 

6 Fotos von Robert R. aus Zehlendorf , am 20.05.2017 aufgenommen. Vielen Dank !

 

Inzwischen gibt es eine offizielle Information vom Landkreis Oberhavel, Pressestelle :

Die Media Broadcast GmbH war Eigentümerin des Mastes, nicht des umliegenden Grund und Bodens und der anderen denkmalgeschützten Gebäude. Aufgrund veränderter Übertragungstechniken gab es für den Mast keine Nutzung mehr. Die Eigentümerin beantragte daher am 22.11.2015 den Abbruch des Mastes. 

Die untere Denkmalschutzbehörde gab dem Antrag statt, da der Erhalt angesichts fehlender Einnahmen sowie des zukünftigen enormen Erhaltungsaufwandes, aber auch wegen fehlender Veräußerungsmöglichkeiten unzumutbar ist. Die denkmalrechtliche Erlaubnis datiert vom 01.03.2016. Beauflagt wurde neben einer detaillierten Dokumentation des Denkmals der Erhalt des Mastfußes einschließlich Seilwinden und der Abspannpunkte, um die Dimensionen des ehemaligen Mastes im Gelände nachvollziehbar zu lassen.

 

 

This article was edited 23.May.17 10:29 by Wolfgang Lill .

  
rmXorg