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Sender Ebersbach Oberlausitz technische Details

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Wolfgang Lill
Wolfgang Lill
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06.Feb.18 18:58

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Herr Fritz Traxler, ehemaliger Mitarbeiter der Funktechnik in der DDR, hat mir einen interessanten Beitrag zum MW Sender Ebersbach übermittelt, den ich unseren Lesern nicht vorenthalten möchte:

1. Es handelt sich um einen gegen Erde isolierten selbststrahlenden Mast mit Dachkapazität.

Soweit man das erkennen kann. Oder ich würde es zumindest so denken.

2. Die Wirksamkeit der sogenannten Dachkapazität besteht in der Anzahl 

und Länge der oben angebrachten horizontalen Stäbe. Hier sind es 4, die die

Antenne verlängern. Der Antennenmast wird elektrisch um  Stäbe, multipli-

ziert mit deren Länge l verlängert. Im vorliegenden Fall könnten es ca 20-25 m sein.

Man könnte einmal die Länge eines solchen Auslegers mit der Größe der darauf

stehenden Störche vergleichen.

3. Der Strahlungswiderstand eines am Fußpunkt gespeisten Vertikal-Strahlers,

der noch wesentlich kürzer als Lambda/4 ist dürfte kaum 3-5 Ohm übersteigen.

Vielleicht hat man mit dieser Erweiterung das ganze auf 6-7 Ohm angehoben, mehr nicht.

Dafür ist das ganze mechanisch zu klein, zu kurz; selbst wenn man dieses System auf der obersten Frequenz des Mittelwellenbereiches, der bei 1620 KHz endet, betreibt, so bleibt alles in verhaltenen Grenzen.

Vielleicht sind die von mir angenommenen Werte sogar noch schlechter, noch niedriger.

4. Die horizontalen Drähte (2 Quadratformen) haben wenig elektrische Bedeutung.

In ihnen fließt kein Strom, da sie nur Stellen gleicher Potentiale verbindet. Das war früher im Funkwesen der deutschen Post ein hoher wiederholter Streitfall. Sie dienen lediglich dazu, die Symmetrie zu erzwingen  und daß das große Kreuz in sich stabil bleibt.

Im Prinzip reicht, und das ist auf den 50m- Masten unserer früheren 5KW-Sender zu sehen, ein  Drahtquadrat an den äußersten Enden der Ausleger.

5. Das idealste für die Ausbildung einer Dachkapazität ist eine kreisrunde Scheibe, mit Maschendraht belegt. Bei n= 6 Ausleger ist ein ausreichendes Maximum erreicht. Telefunken hat an dem selbststrahlenden Mast am MW-Sender Hörby 8 Ausleger (1938 errichtet) verwendet, aber das bringt in der Besserung des Vertikal-Diagramms (und Verringerung der Steilstrahlung) kaum noch Verbesserungen. Das Optimum liegt bei L = 0,39 Lambda

Foto; Telefunken Hausmitteilungen 1939

6. Indem der Mast elektrisch verlängert wird, steigt (hebt sich) das ganze Stromverteilungsdiagramm von unten nach oben an. Damit kommt der Punkt der Einspeisung in eine Zone, wo der Strahlungswiderstand sich vergrößert. Das hat 2 Vorteile:

Hier muß man das Griechische wirklich richtig ausschreiben, In der E-Mail-Übertragung gibt es kein eta

eta = Auf dem Bruchstrich steht "Strahlungswiderstand RS"

   Unter dem Bruchstrich steht " Strahlungswiderstand RS + RV Verluste im Erdnetz"

Man kann mal mit Zahlen spielen. Wenn es gelingt, den Strahlungswiderstand von 3 auf 6 Ohm anzuheben, und das Erdnetz hat 5 Ohm gleichbleibend,  so erhält man  einen Wirkungsgrad eta von 37,5 % und dann ein neus eta von 54,5 %

Ergo: für dieses miese Verhältnis wird die meiste HF für das Erdnetz erzeugt und dort "verbraten".

Außerdem wird die Widerstands-Abwärts- Transformation des Senderausgangs an den Antennen-Fußpunkt nicht ganz so dramatisch und die HF-Verluste in den Transformations-Netzwerk werden etwas geringer.

7.Mit dieser Dachkapazität wird das Vertikal-Dagramm etwas mehr an den Erdboden gepreßt. Die "obere Kuppe"  wird eingedrückt.   Die liegende 8 wird schlanker. Das Diagramm wird in der Horizontalen gestreckt. Damit steigt die Reichweite, die versorgte Fläche!  Und die Steilstrahlung dieses Systems wird etwas verringert.

8. Es gibt noch einen anderen zu beachtenden Aspekt: Die Antenne besteht nicht nur aus dem eigentlichen Mast sondern offensichtlich noch aus weiteren 8 vertikalen Drähten. Das würde den scheinbaren Mastdurchmesser vergrößern (Breitbandigeit des Systems) . 

Man muß schon viel Klimmzüge machen, um mit einem solchen Kompromiss zumindest einfache Erfolge zu erzielen. Und nach wie vor ist eine optimal dimensionierte Antenne noch immer das allererste Erfordernis.

3 Gedanken zum Schluß:

1.) Vielleicht können sich ältere Mitarbeiter von Wilsdruff an diesen Mast noch erinnern.

2.) Vielleicht hat Tesla noch ein Diagramm über die frequenzabhängige Größe (und dessen Änderung)  des komplexen Eingangswiderstands am Einspeisungspunkt?  

>>> Hinweis;                                                                                                                                            leider habe ich die technische Doku dieses aus der CSSR importierten Senders mit Mast nicht 

3.) Auch ist es schwierig, aus theoretischer Sicht heute nach 35 Jahren etwas beurteilen zu müssen.

Ich habe noch alte Telefunken-Hausmitteilungen aus den dreißiger Jahren, dort hat man solche Meßergebnisse dargestellt und vorgerechnet und gegeneinander abgewogen. Ich schicke Dir demnächst 2 dieser Aufsätze.

Herr Fritz Traxler hat auch noch einige Unterlagen zur Geschichte der Kleinsender in der DDR, hier Bautzen:

Leider aber sind diese Akten ohne ein Bild...wir suchen also gerade von dem Bautzner Sender noch Foto (s)

 

This article was edited 07.Feb.18 02:05 by Wolfgang Lill .

  
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