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Sender Katzenstein ( bei Karl- Marx- Stadt / Chemnitz )

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Wolfgang Lill
Wolfgang Lill
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09.Aug.20 11:00

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Tatsächlich war der Hartmannsdorfer Sender  aus meiner heutigen Sicht nur ein Versuchssender zum Testen des Ballempfanges und der CCIR- Norm. Das dürfte der Grund für eine nur zögerliche Berichterstattung gewesen sein.

Der geplante Standort um sowohl das Vogtland als auch das Gebiet Karl- Marx-Stadt und Gegenden des  Erzgebirges zu erschließen, war auf dem 627 m hohen Katzenstein bei Affalter.

Schauen wir uns die aktuelle Senderkarte von Anfang 1956 an:

   

Quelle : Radio- und Fernsehen Heft 9/1956 Seiten 274/ 275

Mit dem Sender Katzenstein konnten mit Inbetriebnahme offiziell am  21.12.1955 auf Kanal 8 OIRT ; Bild 201,25 MHz, Ton 207,75 MHz auch solche Orte wie Annaberg, Marienberg, Flöha, Rochlitz, Zwickau  mit Fernsehen versorgt werden. 

Nach wie vor waren Ende 1955 im Gebiet Karl- Marx- Stadt nur 309 Fernsehteilnehmer angemeldet. Das zeigt auch, Hartmannsdorf ist nur eine Versuchsstation gewesen.

Baubeginn der Anlagen auf dem Katzenstein, im Erzgebirge, war der 15.August 1955. Buchstäblich in Windeseile wurde eine Baubaracke errichtet.

                    

...und dann ging es mit Volldampf los. Es wurde eine Zufahrtsstraße angelegt.                                Hier im Bild: der Bauplatz Nebengebäude, Unterkunft, Küche, Kulturraum. Diese Maurerarbeiten starteten am 1.Oktober 1956.

Wie damals der Gerüstbau aussah, ist hier zu sehen: Das DDR Stangengerüst mit Eigenbau - Leiter

                               

Baustellenbilder aus der Chronik des Funkamtes Dresden

Am 27.Oktober wurde bereits das Dach montiert.

Für die Aufstellung des Sendemastes mußte die Fundamente gebaut werden. Nach den Ausschachtungsarbeiten wurde allein für das Turmgeviert 200 m3 Beton hergestellt und eingebaut. Erschwerend für die Bauleute kam ungünstige Witterung dazu mit Sturm Nebel und Starkregen.

Während ein Teil der Bauleute nun mit dem Innenausbau beschäftigt war, erfolgte draußen die nicht einfache Montage der 60 m hohen Stahlgitterkonstruktion uns des ca 12m hohen Sendemastes   Die Signalzubringung erfolgte über eine im Juli- August 1955 errichtete Dezimeterrichtfunkstrecke von Oschatz zum Senderstandort Katzenstein.

An dieser Stelle möchte ich einen Zeitzeugenbericht eines jungen Mannes einfügen, der damals von Anfang an vor Ort war:

Wiederum war es ein vielbefahrene Staatsstraße. Es war die F 169 zwischen Karl-Marx-Stadt über Stollberg nach Aue. In unmittelbarer Nähe des Ortes Gablenz, liegt der Ortsteil Waldschenke bestehend aus zwei Bauernhöfen und vier Siedlungshäusern und ein paar hundert Meter entfernt der 630 m hohe Katzenstein. Ein kleines Wäldchen eine Hochspannungsleitung, ein Feldweg zum Acker des Bauern Schneider und ein Gedenkstein wurden zum Startplatz für das Fernsehen im Erzgebirge.                        Der Acker wurde zum Bauplatz für einen provisorischen Steinbau, bestehend aus einem ebenerdigen Sendergebäude und einem zweistöckigen Unterkunft- und Versorgungsgebäude, einem Stahlgittermast als Antennenträger. Üblich war damals das Aufstellen einer Baracke mangels Baukapazität, das Wetter in dieser Gegend schloß dies aus. Der spätere Betrieb bestätigte dies immer wieder.

Im Oktober 1955 stieß ich zur Baustelle per Buslinie Karl- Marx-Stadt - Aue, ein alter Bus mit Anhänger, jeweils mit Schaffner. Ich fuhr bis Bedarfshaltestelle Waldschenke. Es waren 27km für2,15 DM der km zu 8Pfg und dies über Jahrzehnte. Der Zufall wollte es und der Schaffner wohnte im Ortsteil Waldschenke und wies mir den Weg zur Baustelle. An der Scheune des Bauern Haase vorbei führte ein Feldweg zum Bauplatz der künftigen Sendestelle. An diesem Tag war der Berg im Nebel verschwunden und ohne die Hinweise des Schaffners hätte ich wohl lange gesucht. Ein einziger Bauplatz,begehbar nur in Gummi - Stiefeln, eine Baubaracke, Bauwagen, Handwerker aus allen Gewerken, waren die ersten Eindrücke.     Die Verbindung zur Außenwelt ein Telefon mit Handkurbel. Wir als künftige Betreiber sollten die Firmen so gut wie möglich unterstützen, vermitteln und bei der Stange halten. Wir, daß waren zeitweise vier bis fünf Kollegen, die vor Inbetriebnahme die Stelle kennen lernen sollten, zum anderen helfen bei Montagearbeiten z. B. der Parabolspiegel aber auch zu ganz profanen Arbeiten der Fäkalienbeseitigung  im nahen Wäldchen.

Besonders die Anfahrt war für die Lieferfahrzeuge problematisch. Manchen Kraftfahrer mußten wir überzeugen nicht umzukehren oder die Ladung am Fuße des Berges zu entladen. Mit Wintereinbruch, einst Oktober spätestens November, gelang es die Lieferautos nur mittels Traktor der hiesigen MAS bzw. MTS (Maschinen- und Traktorenstation) Affalter, ja selbst mit Pferdefuhrwerk auf die Baustelle zu bringen. Besonders die Baufirma wurde unterstützt, Baukapazität in den 50-Jahren war kostbar. Wohnungen, Schulen, Krankenhäuser, Kindergärten, Betriebe alle hatten Bedarf an Baukazität, da war Fernsehen schon ein wenig Luxus. Richtige Maurer, mit dem Motto ein Bier, ein Stein, ein Kalk die gab es noch und sie stellten ein Gebäude her, welches sich der Landschaft anpasste. Der Außenputz ein Kratzputz, wie er gemacht wird wissen wohl heute nur noch wenige. Mehr und mehr kamen die Spezialbetriebe von Dresden und Berlin für den Aufbau der Sendeanlagen. Sie benötigten Unterkunft und Verpflegung, so knüpften wir Verbindung zur umliegenden Gastronomie. Erzgebirgler sind einfache bescheidene Menschen mit denen man in der Regel gut zusammen arbeiten kann. Am schnellsten lernt man sich in den Gastwirtschaften kennen und der Wirt kennt sie alle. Unterhalb des Turmes liegt  Streitwald und sogleich die erste Kneipe, Fleischerei mit Landwirtschaft und eine Gaststube. Der Wirt, Mehnert Albert, ein Orginal der aussah wie Hindenburg und unter diesem Namen bekannt war. Hier haben wir später an Wochenenden zu Mittag gegessen. Roulade, Klöße, Rotkraut wie zu Hause, alles für 1,50 DM und ein Bier für 40 Pfg. Der Wirt wurde nicht reich, aber jeder Gast konnte sich das leisten.

Hinweis: Mit DM ist  die Mark der DDR gemeint, diese hieß damals auch DM

Wenige Meter weiter zu Tal der Ort Affalter mit der Bahnhofsgaststätte. Dieser Wirt hatte symbolisch eine drei geteilte Mütze, Bahn und Post und Kneipe. Man konnte ein Bier trinken,eine Bockwurst dazu essen,   Briefmarken kaufen, Pakete verschicken, Ferngespräche führen, die Einheimischen Kohlenbestellen undnebenbei erfuhr man das Neueste aus dem Dorf. Das alles war heutigen Postfilialen weit voraus. Ein Stück weiter in Richtung Zwönitz, lag am Ortsausgang, die Gaststätte Umbach. Hier fanden die Skatabende des Ortes statt. Außer Bier und Bockwurst wurden einem notfalls die Haare geschnitten. Ging man bei Umbach vorbei in Richtung Wald lag die Gaststätte 􏰀Guter Brunnen" und direkt daneben wurde aus dem Brunnen in einer kleinen Fabrik Selters und Limonade produziert. Später waren wir Direktbezieher für unsere Stelle. Weitere kleine Gartenlokale gab es,keiner von allen ist reich geworden, aber es war ihr Geschäft und die Arbeit war ihr Lebensinhalt, nicht der Job , nicht der Gewinn. Aber ihre gute Bewirtung für unsere Handwerker und Monteure trug mit dazu bei die Fertigstellung unserer Sendestelle voran zu treiben.

In den wenigsten Gaststätten fand ein Generationswechsel statt, es wurden immer weniger. Manch Freizeitstunde verbrachten wir in den Kneipen, erfuhren viel Interessantes, von der älteren Generation, ihren Kampf um das Überleben im Krieg, die Sorge um das tägliche Brot. So ward ihr größter Wunsch in Frieden ihrer Arbeit nachzugehen, mehr als verständlich. Unser Bau ging voran, der gesetzte Termin rückte näher, der Winter ebenso. Die Arbeiten am Nebengebäude kamen zum Stillstand. Die Montage des Fernsehsenders und der technischen Anlagen, der Stromversorgung, der Lüfteranlagen, der Richtfunktechnik und die Antennenanlage mußten zum Abschluß kommen. Der Fernsehsender wurde vom Werk für Fernmeldewesen aus Berlin geliefert, aufgestellt, verkabelt und in Betrieb gesetzt. Selbst der Konstrukteur der Hochfrequenzstufen, der Topfkreise für die Senderöhren, war mit anwesend. Ein Oberin- genieur immer nachdenkend, Distanz warend, durchschritt ständig den Sendesaal. Eines Tages stand in diesem ein Fenster offen, es begann zu regen. Ein Meßgerät wurde naß. Herr Oberingenieur sah es, gab den Dienststellenleiter einen Hinweis, dieser letzlich an einen Kollegen das Fenster zu schließen. Eine unüblicheArt des Aufbaus, aber auch so etwas gab es. Der Herr war noch aus guten alten Siemens-Zeiten,zu derer einwenig später wieder heimkehrte. Die gemachten Erkenntnisse und Unterlagen gingen den gleichen Weg. In Berlin damals keine Ausnahme, eher die Regel. Große Schwierigkeiten hatten die Kollegen des Sachsen-Werkes aus Radeberg mit der Richtfunkstrecke für Bild und Ton. Die neue erweiterte Südstrecke mit unserer Gegenstelle auf dem Collm bei Oschatz, lag 80 km Luftlinie entfernt und das Streckenprofil brachte große Empfangsprobleme. Die Parabolspiegel für Bild und Ton hatten einen Durchmesser von 4 bez. 2,5 m Durchmesser und waren auf einem Podest des Stahlgitterturmes in 27 m Höhe montiert.

Hohe Sendeleistung auf dem Collm, ca. 8 W bei 1500 Mhz, hohe Empfindlichkeit auf dem Katzenstein, genaueste Ausrichtung der Spiegel führten schließlich zum Erfolg. Trotzdem waren in den folgenden Betriebsjahren witterungsbedingt Feldstärkeschwankungen bis zum Totalausfall zu verzeichnen

Die Entfernung war einfach zu weit, eine nochmalige Zwischenstation wäre notwendig gewesen aber seinerzeit nicht machbar. Weithin sichtbar stand er nun der 60 m hohe Stahlgittermast mit nochmals 12 m Fernsehantenne und den beiden Parabolspiegeln. Bild und Ton aus Adlershof lagen an, der Fernsehsender war bis zur 3-kW-Stufe betriebsbereit, die Endstufe mit 10 kW sollte und konnte erst zu einem späteren Zeitpunkt in Betrieb gehen. Der große Tag konnte kommen.

15. Dezember 1955 - der Katzenstein sendet bereits probeweise, offiziell ab 21.Dezember 1955

Der fünfte Fernsehsender aus dem WF-Werk aus Berlin ging in Betrieb, die ersten Bilder wurden ausgestrahlt und alle am Bau Beteiligten strahlten mit. Keine Ansprachen, kein weißes Band wurde durchschnitten, aber ein Telegramm eines begeisterten Teilnehmers erreichte uns: Bild und Ton einwandfrei. Das war allen Bestätigung ihrer Mühen. Ein wenig enttäuscht waren die Einheimischen, das der Fernsehsender Karl-Marx-Stadt Kanal 8 im Programm stand und nicht Katzenstein.

Dieser wiederum war noch weit entfernt von einer fertigen Sendestelle. Weder die sanitären Einrichtungen, noch Unterkünfte, Büros, Lager, ja nicht einmal die Heizung war fertig. Ein riesiges Heizgebläse sorgte im Sendesaal für Mensch und Anlage für die notwendige Temperatur. Kurz vor Sendestart war unser Kontakt zur Außenwelt ein Telefon mit Handkurbel und dem zweimaligen Besuch vom Postzusteller Siegfried. Heute nicht mehr vorstellbar, besonders das damals der Zusteller zweimal am Tag bis an die Wohnungstür die Briefe zustellte. Wir indes brachten nun täglich Bilder ins Haus mit Fernsehern. Am Vormittag um 10 Uhr eine Testfilm für Industrie und Handel, Dauer 30 min., Nachmittags 13 Uhr 30 bis 15 Uhr einen Film, übrigens Filme die man heute noch sendet, nochmals 16 Uhr 30 die Wiederholung des Testfilmes. Der Höhepunkt das Abendprogramm um 20 Uhr mit Fernsehansagerin, mit Nachrichten beginnend und dann die vielfältigsten Beiträge bis etwa 22 Uhr. Der Montagabend war sendefrei. Am Wochenende entfielen die Testsendungen und es gab kleine Programme am Vor- und Nachmittag meistens für die Kinder. Unsere Aufgabe, dies störungsfrei zu senden, gelang leider nicht immer. Zu jeder Sendung wurde der Sender ein- und wieder ausgeschaltet. Allein dies war eine Prozedur mit Tücken.

Von Hand wurde alles einzeln zugeschaltet, der Lüfter, die Heizung, auf Sollwert eingeregelt, die einzelnen Stufen, bis letztlich die Endstufe hochgeschaltet wurde. Dabei war eine 15 minütige Heizungsdauer einzuhalten. Jedesmal war man froh wenn alle Schütze, Relais, Kontakte der Blockierung funktionierten und die Hochfrequenzleistung des Senders stand. Die ersten Tage des Betriebes standen die Kollegen von WF noch zur Seite. Kaum waren sie fort, die erste Störung. Ein Drahtbruch am Schleifer eines Heizregelgerätes. Schon den Einschub aus dem Schrank zu hieven bedurfte es zweier Kollegen.                   In Eilarbeit gelang es uns gerade noch mit Programmbeginn fertig zu sein.
Doch fortan waren wir gewarnt lieber etwas zeitiger einzuschalten. Wir, das waren nun vier Schichten zu drei Kollegen, die rund um die Uhr unsere Stelle bevölkerten.

Unsere Belegschaft

Wer war noch auf dem Berg? Voran der Dienststellenleiter, ihm zur Seite eine technische Leiterin, eine Büro- und Lagerkraft, ein Hausmeister und gleichzeitig Kraftfahrer, zwei Frauen als Reinigungskräfte, später noch als Betriebsköche, vier rüstige Rentner als Wachkräfte􏰁 B􏰁. Diese wiederum wurden durch Polizisten des Wachschutzes􏰂 A􏰂 unterstützt. Die Tagesdienstler kamen aus den umliegenden Ortschaften , der Schichtdienst vorwiegend aus Karl-Marx-Stadt und weiter. Die Schichtler waren alles junge Hüpfer um die zwanzig, im Tagesdienst spätes Mittelalter bis zur Rente. Rüstige Rentner, sie standen hoch im Kurs, als es noch Arbeit für alle gab und keine Arbeitsämter. Auf Grund des Altersunterschiedes gab es außer der Dienstzeit auch unterschiedliche Interessen, doch eins einte uns alle, an einem Fernsehsender hatten wir noch nie gearbeitet. Unser aller gemeinsame Aufgabe war über den ersten Winter zu kommen. Unser Dienstablauf im Schichtdienst sah drei Schichten je 8 Stunden vor, dazwischen 8 Stunden Pause. Nach Hause zu fahren war meist verkehrtechnisch nicht möglich. So blieben wir auf der Betriebsstelle und da  unsere Übernachtung noch im Bau war, bekamen wir eine fahrbare Unterkunft in Form eines  Wohnwagens.

Der Winter ging zu Ende, der Frühling kam und Stück um Stück konnten wir nun die gesamte Betriebsstelle in Besitznehmen.

Unser Unterkunft - und Sozialgebäude Komfort der 50 er Jahre. 

Das fertige Haus besaß 10 Übernachtungsräume für je zwei Kollegen mit Schrank, Bett, Tisch. Eine kleine Küche mit Elektroherd, Kühlschrank, Spüle mit Heißwasserspeicher und einem Geschirrschrank. Daneben der Kulturraum mit Klubtisch und Sessel, Fernseher 􏰀Rembrandt" und Radio 􏰀Weimar". Im Zwischentrakt die sanitären Anlagen mit Dusche. Im Erdgeschoß war die Zentralheizung mit Kohle,eine beheizte Garage, die Wasserversorgung. Im gleichfalls fertiggestellten Hauptgebäude war Büro und Lager, eine Werkstatt, zwei Räume direkt am Eingang für den Betriebschutz.                                                                                        Alle waren untergebracht in neuen warmen Räumen. Alle waren zufrieden. Dazu kam ein Kleinbus vom Typ Framo als Zubringer für Personal und Material. Anfangs wurden wir sogar vom Hauptbahnhof in Karl-Marx-Stadt abgeholt, außer Sonntags. Später wurde dann die Strecke Aue - Katzenstein befahren. Unser Kraftfahrer kam aus Affalter und nahm das Auto mit nach Hause. Auf dem Weg holte er alle Tagesdienstler nahezu vor ihrer Haustür ab und am Arbeitsende umgekehrt. Eine beispielhafte soziale betriebliche Regelung kennzeichnend für die Politik des Staates.

Viele Kollegen hatten derzeit nicht solchen Komfort zu Hause, keine Fernheizung, kein Bad, kein WC sondern Trockenklo auf halber Treppe, Ofenheizung, Wasser und Abwasser war im Winter eingefroren. Da blieb mancher selbst in der Freizeit auf unserem Berg.

Neben diesen betrieblichen Vergünstigungen kam aber noch ein weiterer wichtiger hinzu. Zum Projekt Katzenstein gehörte auch der Bau von Wohnungen für die Beschäftigten. Eine Neubauwohnung, ein Traum vieler Kollegen. Es stand nun die Frage wo gebaut werden sollte. Die einen wollten das Haus in direkter Nähe der Sendestelle, möglichst im Wald, die anderen in der Stadt. Letztere setzen sich  durch.

In Aue auf dem Zeller Berg wurde ein Wohnhaus mit acht Wohnungen gebaut. Bereits vor Fertigstellung stellte die Stadt für einige Kollegen ebenfalls auf dem Zeller Berg Wohnungen zur Verfügung. Es waren höchstgefragte Fernheizwohnungen, teils mit geheizter Garage, alles zum Preis von 40 - 50 DM. Damit fuhr unser Bus die Strecke Aue-Katzenstein, die verbliebenen Karl- Marx-Städtler mußten die Buslinie nach Aue benutzen. Eine recht genutzte Strecke im Berufsverkehr vorrangig für Zeitkarteninhaber. Eine solche war für uns, bedingt durch den Dienst nicht lohnend. Derzeit wurde bis Sonnabendmittag gearbeitet, da war es kritisch mitgenommen zu werden. Nur durch den Busschaffner, der uns mittlerweile kannte war es möglich, er regelte den Zustieg. Zeitkarten, Feuerwehr, Katzensteiner und der Rest der noch hinein paßte. So war es damals als die Werktätigen noch mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fuhren, die Auslastung war keine Frage und die Preise stabil. Wir bekamen vom Betrieb nach Fahrschein- vorlage alles was über einen Eigenanteil von 10 DM lag, erstattet.

Fernsehwerbung 1956

Kaum zu glauben aber wahr, in den Schaufenstern der Geschäfte liefen Fernseher wie unser Rembrandt, speziell mit dem Programm für Industrie und Handel und waren auch noch sofort zu kaufen. Aber auch privat, wo ein Fernseher stand fanden sich Gäste ein, die Wohnstube wurde zum Fernsehgemeinschaftsraum. Besonders auf dem Lande wo kein kulturelles Angebot bestand, war Fernsehen eine echte Bereicherung, hier besonders für die ältere Bevölkerung. So kam es, daß die Zuschauerzahl ständig stieg aber auch die Nachfrage nach Fernsehgeräten und bald, wie bei uns gewohnt, Überstieg die Nachfrage das Angebot.Auch wir bekamen die steigenden Zuschauerzahlen zu spüren, bei auftretenden Störungen.Wir waren bemüht durch intensive Pflege,rechtzeitigen Röhrenwechsel, ständiger Kontrolle der Betriebswerte Ausfällen vorzubeugen, leider manchmal vergeblich. Besonders Defekte an den luftgekühlten Leistungsröhren, führten zu Folgeschäden an Topfkreisen. Diese zu beseitigen dauerte manchmal bis zu einer Stunde. Es mußte ja alles vor Ort repariert werden, einen Ersatz gab es nicht, weder als gesamtes Bauteil noch eine Ersatzanlage. Auf Grund der Häufigkeit der Störung wurde die Beseitigung zur Routine und in Art des Leistungssport vollzogen. Im Nachhinein kann man sagen, diese Anlage kannten wir in allen Winkeln und Ecken. Weder Nach- oder Vorarbeit konnte die Störung verwischen, sie ward durch die Öffentlichkeit besiegelt. Jede Störung wurde zeitlich erfaßt, Ursache und Fehlerbeseitigung, kamen eigene Fehler hinzu, hatte dies Konsequenzen materiell bis im Extremfall zum Verlust der Stelle. Selbstverständlich half dies dem Zuschauer alles nichts, deren Ärger war voll zu verstehen. Während bei der Störungsbeseitigung die Zeit rast, wird sie vorm Fernseher sitzend zur Ewigkeit. Zu Recht wünschte sich der Teilnehmer eine Entschuldigung. Während der Störung ist dies technisch nicht möglich und danach konnte dies nur durch das Studio in Adlershof erfolgen, zumindest in den ersten Jahren. Alle Störungen mußten sowieso zum Hauptschaltraum gemeldet werden und jedes Mal mit der Bitte eine Entschuldigung zu bringen. Meistens jedoch vergeblich mit der Begründung wegen eines Senders könne man nicht die ganze Republik belästigen. Nur eine Berliner Störung wurde sofort entschuldigt. In vielen Aussprachen haben wir diese falsche politische Entscheidung kritisiert, Ausfälle sollten nicht sein.

Wir konnten jedenfalls feststellen, wurde ein Ausfall durch die hübsche Fernsehansagerin entschuldigt, war der Zuschauer sofort milde gestimmt. Aber nicht nur Störungen waren in den ersten Jahren Anlaß zum Ärger der Teilnehmer, sondern auch die Bildqualität. Synchronisationsfehler in Zeile und Bild, bemerkbar durch Zeilenreißen und durchlaufendes Bild, Geisterbilder, Moire, geringe Auflösung, unscharfe Bilder, Plastik usw. alles wurde im Betriebstagebuch festgehalten und unzählige Telefonate geführt und beanstandet. Die Kollegen des Hauptschaltraum bestätigten dies auch, konnten aber auch nichts ändern. Eine schlechte Filmkopie, die Aufnahmeröhre eigentlich längst verbraucht, doch keine Neue vorhanden, fehlende Devisen usw die Ursache. Aber letztlich mußte gesendet werden. Wenig beeinflußbar waren die Zubringerstörungen von Bild und Ton durch die Richtfunkstrecken. Besonders im Sommer traten totale Rauscheinbrüche auf, kein Bild, bei Ton konnten wir auf die Rundfunkleitung schalten, sonst hieß es nur warten. Gleichfalls im Sommer kreisten um unseren Berg  die Gewitter und unser Antennenmast bot sich regelrecht zur Entladung an. Die Antenne hielt stand, aber Sender, Modulation und Telefon verabschiedeten sich. Wenn dann noch der Strom ausfiel war absolute Ruhe,denn erst viel später bekamen wir eine Netzersatzanlage. Die Kollegen des Fernmeldetrupps hatten etliche Stellen aufzugraben um die Telefon - und Modulationsleitungen zu reparieren. Ein Vorteil hatten wir noch, bei großen Störungen waren alle Kollegen im Einsatz egal ob Dienst oder frei, keiner fragte nach Vergütung. Es gab nur ein Ziel alles mußte wieder laufen. Die abgeschiedene Lage, das kleine Kollektiv, der Schichtdienst schuf eine nahezu familiäre Atmosphäre, sachlichen Streit nicht ausschließend, es schloß aber auch das gesellschaftliche Umfeld ein, wo das Miteinander doch überwiegte, eine Tendenz vom 􏰂Ich zum Wir 􏰂 sich abzeichnete. Sicher auch damit zusammenhängend das die finanzielle Entlohnung nicht gravierend unterschiedlich war. Im Gegenteil Qualifizierung und Verantwortlichkeit zeichnete sich zu gering aus.

Nicht immer erweist sich das Geplante in der Praxis als die optimale Lösung. So die Zugänge unsere Überwachungskabinen im Sendesaal. Die eine Seite war mit dem Fernsehsender und der dazugehörigen Richtfunktechnik voll in Anspruch genommen.

Die andere Seite war für die Aufstellung der UKW -Sender geplant. In der Mitte dagegen befanden sich zwei Kabinen zur Überwachung für den Fernsehsender und die UKW - Sender. Nur ein Nachteil bestand, der Zugang zu den Kabinen war entgegengesetzt zur jeweiligen Anlage und man mußte im Störungsfall immer um die ganze Kabine rennen und das war für uns wirklich

                 

ein Zeitverlust. Der Projektant versicherte uns im Nachhinein dies bewußt so gemacht zu haben. Wir sollten Zeit haben, nicht sofort unüberlegt in die Anlage eingreifen. Wir als Betreiber sahen dies anders und eine unserer ersten Änderungen war die Türen genau auf der jeweils anderen Seite einzubauen.

Eine weitere Verwunderung rief bei uns der Bau zweier Hundezwinger hervor. Selbst ein Raum für die Futterzubereitung war vorgesehen. Das Ganze für 15 000 DM. Später bekamen wir auch zwei Hunde, Assi und Greif. Eigentlich sollten die Wachleute die Hunde führen, doch bei manchen war es umgedreht. Sie machten viel Arbeit besonders mit Futter beschaffen, sicher einigen auch Freude, aber einen Nutzen hatte die ganze Sache nicht und so wurden sie später wieder abgeschafft. Eines war Fakt, bei allem Verständnis für Ordnung und Sicherheit, sie war zu vordergründig, kostete viel Geld. Allein der Wachschutz􏰀 A􏰁 belief sich monatlich für das Funkamt auf ca. 3000 DM.  Da waren wir nun Alle, trotz verschiedener Ansichten, be- dingt durch Alter und Beruf. Die Kollegen des Tages- dienst älter und lebenserfahrener, aus teils schwer arbeiteten Berufen kommend. Die Technik vom Beruf her Elektriker, Fernmeldehandwerker, Rundfunkmechaniker vorwiegend aus dem privaten Handwerk und alle jünger.                                         Den Beruf Fernsehmechaniker oder Funkmechaniker gab es noch nicht. Die Meister im privaten Hand- werk waren ja meist Mechanikermeister, früher für Nähmaschinen, Fahrrad, Elektro, die sich später spezia- lisierten. Aber wohl gerade diese Zusammensetzung von Alt und Jung gab der Gemeinschaft jene Festigkeit die sich über Jahre bewährte. In der Musik gab es natürlich andere Interessen und Ansichten. Wir Jüngeren hörten alles was uns gefiel, egal von wem. Anfangs hatten wir nur unseren Fernseher Rembrandt, der hatte einen Kanal und einem UKW - Bereich von 87 bis etwa 93 MHz und da kam nur der bayerische Rundfunk, den wir hörten. Aber dies hörten auch Leute des Betriebsschutzes und denen missfiel dies. Es gab Aussprachen und Rücksprachen und leider setzten sich die Engstirnigen durch, aber wir bekamen ein Radio􏰀 "Weimar" und konnten noch andere Sender empfangen. So glaubte man die Probleme zu lösen, in der Wirkung ja, die Ursache nicht.

Ein weiteres Beispiel. Montagabend war lange Zeit bei uns sendefrei, die Konkurrenz sendete. Sowohl technisches Interesse und Neugier am Programm, veranlaßten uns die große Sendeantenne zur Empfangsantenne zu machen. Der Sender Ochsenkopf auf dem Kanal 4 mit seiner Frequenz von 62,25/67,75 MHz und vertikaler Polarisation hatte sowieso in dieser Gegend die besseren Aus- breitungsbedingungen. Ob hier nur technische Fragen bei der Frequenzvergabe vorlag, wer weiß es. Natürlich waren wir uns des Vergehens bewußt, Westfernsehen auf einer Betriebsstelle der Deutschen Post, aber nach Bautzen sind wir nicht gekommen. Wir haben uns vieler solcher Extratouren geleistet und den eigenen Standpunkt vertreten. Aber die Sendestelle und das Kollektiv standen im Mittelpunkt und die Weiterbildung auf fachlicher  wie gesellschaftlicher Ebene. Fachlehrgänge in Königs Wusterhausen waren an der Tagesordnung, Lehrgänge für Arbeits- und Gesundheitsschutz und viele andere kamen hinzu. Für die Schaltberechtigung an Hochspannungsanlagen mußten wir in Aue die Einreise beantragen falls der Wohnort nicht der Gleiche war, das anno 1956. Für uns war in Lößnitz die Kontrolle, die uns bald kannte und passieren ließ. Das waren noch die großen Zeiten der Wismut. Ebenso auf gesellschaftlichem Gebiet war Gewerkschaft, Massenorganisatoren, Partei mit ständigen Lehrgängen präsent und auf solch kleiner Betriebsstelle hatte fast jeder eine Funktion. Bei aller Weiterbildung und Versammlung, Abordnungen muß- ten man aufpassen, das auch für die eigentliche Arbeit noch Zeit blieb. Es gab den Partei - und FDJ - Sekretär, den Vertrauensmann der Gewerkschaft, mit Kassierer, Kultur- und Sportbeauftragten, den page10image47951856Unsere beiden verdienten Küchenfeen Herta Ebert und Charlotte Faulhaber 

page10image47954768   Hausmann Otto Richter bei der Pflege der Schafe

 

Vorsitzenden der DSF-Gruppe, Kassierer, Arbeits- und Gesundheitsschutz - Obmann, einen Energiebeauftragten, den Brigadebuchschreiber und wir hatten auch noch Helfer und Lagerleiter für das Kinderferienlager, einen Naturschutzbeauftragten, einen Kollegen der für die Betreuung der Lehrlingezuständig war.Später hatten wir dann noch eine Küchenkommission. Bislang bekamen wir in der MTS - Affalter Mittagessen, der Weg weit, daher sehr zeitaufwendig und im Winter recht beschwerlich. So überlegten wir selbst zu kochen, da unsere beiden Reinigungskräfte bereit waren dies zusätzlich zu übernehmen. Unterstützt vom Hausmeister und Kraftfahrer wurde dies in den folgenden Jahren ein voller Erfolg. Essen wie bei Muttern und jeder Gast auf dem Katzenstein war des Lobes für Essen zum Preis für Gäste 1 DM und wir erhielten vom Funkamt noch einen Zuschuß.

Dieser wurde wiederum, später Opfer der Betriebsküche, Wolle wurde verkauft, in jeden Betriebskollektivvertrag festgelegt. Darüber hinaus haben wir Schafe gehalten, Heu gemacht und verkauft, ja selbst in eigens gebautem Gewächshaus Gemüse und Salat angebaut. Ja auf so einem Berg ab vom Schuß, kamen wir schon auf tolle Ideen. Aber es war auch Ausdruck sozialer Fürsorge jeden Werktätigen ein Mittagessen zur Verfügung stellen, Betriebsküchen waren die Regel .

Bild - Tonabstand von 6,5 auf 5,5 Mhz  (von OIRT- Norm auf CCIR- Norm)

Immer wieder mußten wir bei vielen Stellen nachstoßen, ehe unsere 10 kW - Endstufe in Betrieb ging und wir nun mit voller Leistung auf eine Acht - Eben - Schmetterlingsantenne mit jeweils vier Dipolen pro Ebene strahlten.Das entsprach der normalen Strahlungsleistung von etwa 100 kW in diesem Frequenzbereich. All die Maßnahmen trugen dazu bei, dieTeilnehmerzahl zuvergrößern. Dies wiederum gab wohl den Anlaß, die OIRT - Norm mit 6,5 MHz Bild - Ton Abstand auf die CCIR Norm mit 5,5 MHz umzustellen. Die Teilnehmer hatten zwar die Möglichkeit tschechische Sender zu empfangen, aber die wenigsten verstehen wohl diese Sprache. Weit entscheidender aber war, man wollte ja auch in der BRD empfangen werden. Umgedreht hatten selbstverständlich versierte Bastler längst den entsprechenden Kanal für CCIR Empfang umgestimmt. Noch war die Zahl der Empfänger überschaubar und so wurde jeder Empfänger kostenlos durch die Werkstätten und der Post umgestellt. Am Sender erfolgte diese problemlos am Frequenzmodulator, ein neuer Quarz mit 5,5 MHz kam zum Einsatz. Die Tonsenderfrequenz änderte sich von 202,75 auf 201,75 MHz. Es war eine sich abhebende politische Entscheidung, der Sache dienend, keine wilde Antennenstürmerei auslösend in späteren Jahren.

Der erste 10 kW-UKW- Sender mit WF Meßgestell Stromversorgung

Neben dem Ausbau des Fernsehsendernetzes, begann der Aufbau einer Sendekette im UKW - Rundfunk. Er bedeutete eine wesentlich bessere Hörqualität gegenüber dem herkömmlichen Mittelwellenrundfunk. Das WF - Werk aus Berlin lieferte einen 10 kW - Sender, er wurde gegenüber dem Fernsehsender aufgestellt. Der Sender sollte das Programm Radio DDR  auf der Frequenz 95.8 MHz abstrahlen. Zuvor mußte die Stromversorgung, die Luftkühlung, die Modulationszuführung und der Antennenanschluss erfolgen. Die UKW-Antenne wurde unterhalb der Fernsehantenne montiert, wobei die vorher angebrachte Kabinenverkleidung demontiert wurde. Ausbreitungsgründe bedingten dies, fehlende Erfahrung die Ursache. Die Strahlungsleistung durch den Antennengewinn betrug damit wie international üblich etwa  100 kW.

Ein weiteres Problem war die Modulationszuführung. Die bisherige Rundfunkleitung übertrug nicht den Frequenzgang von ca. 30 Hz bis 15 kHz, wie für UKW erforderlich, der Vorteil wäre sonst nicht zur       Geltung gekommen.So waren die Kollegen des Fernmelde  wesen gefordert mit Entzerrungskünsten den Frequenzgang sicher zustellen.Nach all diesen Arbeiten ging der Sender am 23.11.1957 ins Programm, bis auf eine Nachtsendepause von 0 - 4 Uhr, außer vom Sonnabend zum Sonntag Damit war für uns eine ständige Überwachung auf Modulations - oder Senderausfall notwendig. Die Sendedisziplin war exakt einzuhalten, bei Programmschluß zwei Pausenzeichen, Sender aus. Länger gestrahlt ohne Genehmigung, zählte wie ein Ausfall. Reparaturen mußten auf die wassergekühlte Kunstantenne erfolgen.                      Oft gab es dann mit der betriebseigenen Wasserversorgung Schwierigkeiten und wir hatten gleich zwei Störfälle Wasser und Hochfrequenz. Flexibel zu sein war schon damals mehr als gefragt. So war die Sendepause manchmal eher vorbei als uns lieb war, doch um 4 Uhr mußten wir wieder in der Luft sein. Radiocon eine Überwachungsstelle für Frequenzeinhaltung war da sehr aufmerksam und erfaßte alle Ausfälle und Abweichungen. Neben diesen stationären Meßdienst gab es weitere die uns überwachten und besuchten.

Messdienste

eine spezielle Einrichtung des Funkwesens für die verschiedenen Anlagen. Der Sitz in Ost- Berlin, in unmittelbarer Nähe des Alexanderplatzes. Ein altes Gebäude, der erste Firmensitz des FuTA, Funktechnische Anlagen. Später Abriß des Gebäudes und neue Standorte. Diese Messdienste waren mit den entsprechenden Meßgeräten ausgestattet, die auf den einzelnen Betriebsstellen nicht vorhanden waren. Diese Kollegen versuchten nun immer wieder die Anlagen zu verbessern. Speziell der Fernseh- sender, der erst in der 3 kW - Stufe moduliert wurde, war Schwerpunkt. Es bedurfte ja einer großen Modulationsleistung und das bei einer Bandbreite von 5Mhz.Das geschah mit Kettenverstärkern bis zu 20 Röhren, wobei jede einzelne durch eine Feinsicherung geschützt war. Hier mußte man fast täglich prüfen, ob alle Feinsicherungen noch in Ordnung sind und damit die Röhre noch arbeitet. Die Meßdienste versuchten durch neue Röhren, Abstimmung, die optimalsten Ergebnisse für die technischen Parameter zu erreichen. Es wurde versucht größte HF-Leistung zu erreichen , die manchmal zu Kosten der Betriebssicherheit ging und wir auch im Notfall die Änderung wieder rückgängig machten, als uns der Meß- dienst verlassen hatte. Wir waren oft gemeinsam froh wenn wir nach einer Nacht voller Versuche den alten Zustand wieder erreichten. Es passierte das Parameter besser wurden, dafür aber störanfälliger. Der Meßdienst war nicht kleinlich bei Röhrenwechsel, die Betriebsstelle mußte die Röhrenkosten einhalten, sonst legte der Hauptbuchhalter sein Veto ein.Außerdem Fernsehmeßdienst gab esTrupps UKW-, Kurz-, Mittel-, Langwellensender, Richtfunk- und Antennendienste,für Stromversorgung usw. Ihr Arbeitsbereich    die Sendestellen,die Überprüfung der Anlagen und Störteilreserve, ihre Lagerung usw. alles wurde in einem Protokoll festgehalten.

Außer den Meßergebnissen enthielt es auch eine Einschätzung über den Zustand der Anlagen und damit indirekt über die Arbeit der Betriebsstelle, dies ein Beleg der Arbeit für unser Funkamt. Diese Trupps sammelten die Erfahrungen der Sendestellen,der Industrie und der Postinstitute in Berlin und so ausgrüstet mit Wissen und speziellen Meßgeräten.VieleTrupps konnten so neue Erkenntnisse an uns weitergeben,  zur Betriebssicherheit und für bessere Übertragungungsparameter. Es gab auch Sollwerte, die für die Anlage Grenzwerte waren und je nach Meßmethode erfüllt oder nicht erreicht wurden. Für den Hörer oder Seher oft nicht wahrnehmbar.

Hier gab es nun auchTrupps die formal feststellten, Parameter nicht eingehalten und somit übergeordneten Stellen Anlaß gaben Rechenschaft zu fordern. Es war die Ausnahme, sich auf Kosten anderer zu profilieren. Es hätte uns auch nicht gestört, nur das schlimme daran, erklären zu müssen,das nicht versäumte Arbeit,sondern ganz einfach die Anlagen keine besseren Parameter zu- ließen. Es dauerte, wie so oft, eine ganze Zeit, bis man für verschiedene Anlagen die entsprechenden Sollwerte festlegte. Im Allgemeinen bestand jedoch mit den Meßdiensten eine freundliche Zusammenarbeit durch die vielen Jahre, aber man war auch froh, wie so oft bei Besuchen, auf das Ende einer Überprüfung.

Mehr Fernsehprogramm erforderte Ausbau der Technik

Die Zuschauergemeinde wuchs, die Anforderungen an das Programm des Fernsehfunks. Das Abendprogramm bot interessante Fernsehspiele, Ratgebersendungen, Nachrichten, alles direkt und so waren die damaligen Studiokapazitäten erschöpft. Man versuchte von außerhalb zu übertragen, erst Berlin, später aus der gesamten Republik. Besonders Sportereignisse wurden ins Auge gefaßt. Zu diesem Zwecke war es nötig die Richtfunk strecken von Adlershof zu den Sendern auch in umgekehrter Richtung zu betreiben. Die Endstellen wiederum hatten aber nur einen Empfänger RVG 904. Wir brauchten deshalb einen Sender RVG 904. Also mußten wir in unserer Deziecke Platz schaffen für die Aufstellung des Senders.Dies geschah wie so oft im Eilverfahren. Es gab nun die Möglichkeit Fußball aus Aue und Karl - Marx- Stadt, vom Sachsenring in Hohenstein - Ernsthal , vom Fichtelberg usw. zu übertragen, indem vom Übertragungsort zu uns eine Dezistrecke aufgebaut wurde.Diese Trupps liefen unter den Namen  "die leichten Dezis," die kleinere Richtfunkstrecken zwischen Übertagungswagen und der einzuspeisenden Stelle des festen Richtfunknetz aufbauten. Die Geräte waren relativklein,französischer oder englischer Bauart. Die Streckenumschaltung war einfach, alles geschah von Hand, Kabel mußten umgesteckt werden, alles per Anweisung mittels Telefon. Je nach Ort mußten fünf oder mehr Richtfunkstellen um- stecken. So kam es anfangs zu langen Schaltzeiten, 10 Minuten waren keine Seltenheit. Später hatten wir HF - Schalter da blieben wir unter einer Minute, da waren wir ehrgeizig, die Südstrecke war schneller als die Nordstrecke zur Küste hoch.

Eine der ersten Übertragungen aus dem Bezirk Karl- Marx- Stadt kam vom Kulturpalast der Wismut in   Siegmar, eine Turnmeisterschaft. Weitere Höhepunkte waren dann die Rennen auf dem Sachsenring, die unvergessene Radweltmeisterschaft mit Täve Schur und Bernhard Eckstein. Absoluter Höhepunkt für alle verfügbaren Dezistrecken war jedoch die Friedensfahrt im Mai. Mittlerweile waren die Standorte festgelegt, so auch die Zwischenstationen der sogenannten leichten Dezis. Zum Beispiel der Sechsruthenweg in Glösa direkt an der Autobahn war ein erprobter Standort für Übertragungen aus Karl-Marx-Stadt. Bekannt waren uns die Kollegen der Trupps, meist Berliner, so auch ihr Auftreten. Beim ersten Besuch kam zuerst der Kraftfahrer herein und man dachte es ist der Fernsehchef persönlich. Mit der Häufung der Besuche erfuhren wir das Neueste aus der Hauptstadt und aus Adlershof. Innerhalb der Sendestelle wurde der Ablauf zur Routine, sowohl der Aufstellung der Geräte, wie auch der Benutzung unser sozialen Einrichtungen.Die Trupps waren so heimisch, daß wir selbst Mühe hatten in Küche und Klubraum Platz zu bekommen Der Ton wurde mittels Rundfunkleitung nach Adlershof geschaltet über die Verstärkerämter . Diese Art der Übertragungen bedeutete eine enge Zusammenarbeit der Richtfunkstellen, der jeweilig einspeisenden Stelle und dem Hauptschaltraum in Adlershof. Nicht immer verlief dies reibungslos.

Eine geplatzte Übertragung

Eine Fernsehübertragung in den ersten Jahren war für alle Beteiligten eine interessantes ,aufregendes Ereignis.Es war schon ein Erlebnis das Bild nach Adlershof gebracht zu haben. Die einspeisende Sendestelle wiederum konnte das Bild direkt auf den Sender geben, was allerdings dem Studio nicht gefiel, aber anfangs technisch nur so möglich war. Möglich war aber damals auch das kein Bild in Berlin ankam.

In den 60iger Jahren wurde in Karl - Marx - Stadt die Schloßteichwoche mit abschließenden Pressefest auf der Küchwaldwiese gefeiert. Ein wahres Volksfest mit 100 - tausenden von Teilnehmern. In diesem Rahmen war auf dem Schloßberg, dem Miramar, eine Folklore der Volkskunst geplant, die das Fernsehen übertragen wollte. Alles wurde in Marsch gesetzt, Übertragungswagen,die Trupps der Dezitechnik, die Strecken aufgebaut, nur auf dem Katzenstein ein undefinierbares Bild. Empfang der Gegenstelle war da, die Kollegen der leichten Dezis ratlos, der herbeigerufene Meßingenieur gleichfalls. Ein Kraftfahrer wurde geschickt neue Geräte aus Leipzig zu holen. Inzwischen bemühten wir uns das ankommende Signal zu analysieren und siehe da, auf unserem umschaltbaren Monitor RVG 904, war das Bild umgekehrt, ein Positivbild. Über einen Verstärker konnten wir Sender wie auch die Strecke modulieren. Der Kraftfahrer war auch geflogen und die neue Strecke war einsatzbereit. Der Zeitpunkt der Übertragung war erreicht.

Die charmante Fernsehansagerin verkündigte mit schönen Worten, daß leider am Übertragungsort ein Gewitter sei und die Übertragung entfallen müsse. Was war geschehen ? Am Ort herrschte schönstes Wetter, doch die Generalprobe hatte dem angereisten Redakteur nicht gefallen und er setzte die Sendung wegen Niveaulosigkeit ab.

Zum Glück gibt es derartige Redakteure nicht mehr, unser Bildschirm wäre sonst größtenteils schwarz und schmeichelnde hübsche Ansagerinnen auch nicht mehr. Aller Einsatz der Technik war umsonst, doch wehe es wäre umgedreht gewesen. Ein Beispiel später. Ein inter nationales Fußballspiel aus Aue, Wismutspielte im Europacup, die Eurovision übertrug es. Tor für Aue, vor Begeisterung haute ein Kollege auf die Tischplatte unseres Kontrollpultes, seitlich war die Netzeinspeisung für die Geräte der leichten Dezis eingesteckt. Der Netzstecker löste sich, Bildausfall. Schrecksekunde bei uns allen, Stecker wieder reingesteckt, trotzdem ca. 1 min. kein Bild. Der Chef der Übertragung erschien höchstpersönlich um den Fall aufzuklären. Wir sollten die Schuldigen sein, wir hingegen erklärten eine derartige Netzverbindung für absolut unsicher. Fortan mußten die Dezis auf sicheren Sitz ihrer Netzstecker achten und zwei von ein- ander unabhängige Stromkreise nutzen.

                      

Selbst als wir bei einer späteren Betriebsausfahrt in der Gaststätte am Auer Stadion einkehrten und publik wurde wir sind vom Fernsehturm wurde uns die Störung nach Jahren noch schwer angerechnet.

Auch später merkten wir immer wieder, Störungen bei Fußballspielen sind nicht entschuldbar.
 

Ein Nachtrag zur ersten Störung.


Die Kollegen aus Berlin waren erstmals mit einer neuen Strecke angereist, bisherwaren es meist                 französiche Firmen, diesmal eine Englische. Diese hatte der Kollege untersucht und sich die Röhren angesehen und dabei ist eine Vertauschung entstanden, mit den bereits beschriebenen Folgen. Hätte dies der Fernsehfunk gewußt wäre die Ausrede der Technik zugeschrieben worden.

Die Technik mußte immer verfügbar sein, Künstler hingegen brauchten die Freiheit des Schaffens. Manche Übertragungen bzw. Proben konnten wir in Bild und Ton mit verfolgen, so eine Sendung aus dem Kulturhaus in Aue für eine Weihnachtssendung. Mit dabei war Prof. Wolfgang Ullrich vom Dresdner Zoo. Der Ärmste mußte achtmal seinen Auftritt absolvieren, zuletzt nahm man die erste Variante. Sicher seinerzeit hatte man noch Zeit, da fragte keiner was kostet das. Trotzdem schien manches ein wenig überzogen um den Preis der größten Perfektion. Die Reihe von mißlungenen Übertragungen ließe sich fortsetzen, die der gelungenen ist natürlich weitaus größer und alles bezieht sich nur auf die Einspeisung Katzenstein. Außer technischen - wie Programmfragen spielte die Politik eine Rolle, sogar manchmal äußerst primitiv, wobei der Westen in nichts nachstand, ja sogar die Vorreiterolle spielte. Nur ein Beispiel einer Boxeuropameisterschaft. Wir übernahmen das Bild der Eurovision, der Westen blendete ein, der Osten stiehlt das Bild. Daraufhin wurde durch Ballempfang von der CSSR auf dem Katzenstein das Bild auf die Strecke wieder eingespeist. Bei der Siegerehrung eines BRD-Boxers war dann wiederum der Ton weg und keiner, nicht einmal das Studio, wußte wo er geblieben war.

Auch dies war Fernsehen früherer Jahre und Störungen dieser Art waren immer ein Thema.

Besuch der Funkausstellung in West- Berlin 1958

Aus der 􏰂 Funktechnik􏰁 war uns der Termin bekannt und die Neugier und Interesse trieben uns nach Berlin. Zu zweit an unseren dienstfreien Tagen machten wir uns mit unseren Motorrädern Jawa auf nach Königs Wusterhausen. Dort übernachteten wir, stellten unsere Motorräder unter. Anderntags ging es per S- Bahn für Preisstufe 3 bedeutete 50 pfg, nach Berlin Mitte und von da mittels Rückfahrkarte Preistufe 1, 40 Pfg bis nach Westkreuz und per Fuß zu den Ausstellungshallen am Funkturm. Am Wegesrand Händler, einer im Rollstuhl schenkte meinen Kollegen einen Kugelschreiber, den er dankend nahm, ein Pfiff zwei Gestalten aus dem Gebüsch und der Schreiber war wieder weg. Das Werbe-Geschenk galt nur beim Kauf von Rasierklingen. Wir waren in der Marktwirtschaft angekommen. Selbstversändlich gab es eine Kasse für Ostbesucher, der Preis ermäßigt und nicht im Kurs etwa 1 : 4, sogar mit einem Begrüßungsgetränk.        Das alles schon damals im August 1958. Alles andere mußte man zum Kurs kaufen, entweder man tauschte an einen der vielen Wechselstuben oder vielmals nahm man auch Ostgeld, da hatte dann auch     jeder seinen speziellen Wechselkurs. Selbst vor den offiziellen Wechselstuben waren Leute die illegal Geld tauschten, es waren die kleinsten der Spekulanten. Eine Bockwurst hüben wie drüben ca. 1 DM, für den Ostler im Westen 4 Mark der DDR, der Westler im Osten 0,25 DM. Ja Westler konnten sich im Osten schon damals alles leisten. Wir leisteten uns nichts und zogen durch die Ausstellung und waren natürlich beeindruckt von der Vielfalt der Firmen mit ihrem Angebot. Musikschränke mit 10-fach Plattenspieler, verbesserte Klangqualität, Abstimmtechnik, Ausblick Stereo und 3 D - Technik, neue Röhren, damit höhere Empfindlichkeit des Empfanges bei UKW- und Fernsehen, herausklappbare Chassis usw. alles interessant und beeindruckend. Es begann ja auch die Elektrifizierung des Haushaltes mit allen möglichen Geräten. Angefangen vom Staubsauger, Kühlschrank, Schleuder, Waschmaschine, Waschbär, Kaffeemaschine bis zum Elektrorasierer. Ein großes Feld für die Industrie damals noch im Westen, erst recht im Osten. Selbstverständlich war auch damals viel, viel Reklame um Dinge die dem Verbraucher keinen Nutzen brachten,die schnell wieder verschwanden z.B der 10-fach Plattenspieler. Wir hatten genug gesehen und fuhren zurück in den Osten bis zum Alex um uns preiswert zu stärken, vor der Weiterfahrt nach Königs Wusterhausen. Dem Ort der Funksendetürme und dem Ausgangspunkt als Bildungsstätte für das Funkwesen der DDR. Am Morgen schwangen wir uns auf die Jawas in Richtung Autobahn um gegen 13 Uhr auf dem Katzenstein zu landen.

Bis Karl- Marx-Stadt lief die Fahrt reibungslos. Runter von der Autobahn, tauchte plötzlich neben mir mein Kollege auf, lachte über das ganze Gesicht, ich möge mir mein Motorrad ansehen. Es hatte kein Nummernschild mehr, unbemerkt während der Fahrt davongeschwebt. Meine Weiterfahrt war gestoppt und endete in meiner Heimat Karl-Marx-Stadt. Bei diesem Zwischenaufenthalt verging plötzlich meinem Kollegen das Lachen, als er merkte, er hat keinerlei Papiere mehr. Damit war eigentlich beider Weiterfahrt mit dem Fahrzeug beendet, doch unser Dienst wartete. Fahren ohne Nummernschild fällt sofort auf, ohne Papiere erst bei Kontrollen. Die Zeit drängte, mit einer Maschine ab zum Katzenstein über die Autobahn, Abfahrt Stollberg und da über die Landstraße 169 , diese wurde jedoch gebaut und wir nahmen eine unerlaubte Abkürzung über Mitteldorf und schon stand da der Abschnittsbevollmächtigte und stoppte uns. Mein Betriebsausweis vom Katzenstein rettete uns, wir durften weiterfahren, ja bekamen vom ABV noch den Hinweis uns beim Rat der Stadt Stollberg eine Ausnahmegenehmigung zu holen. Es wurde derzeit eine Umgehungsstraße für Stollberg gebaut, damals schon und fast letztmalig gepflastert. Glücklich erreichten wir unsere Stelle und sogar pünktlich. Wir resümierten, mein Kollege erinnerte sich vor der Abfahrt in Königs Wusterhausen die Papiere beim Anziehen der Motorradkleidung diese nebenan auf das Fahrzeug gelegt zu haben. Zufälligerweise war ein Kollege zum Lehrgang dort, den wir anriefen. Unberührt lagen sie da wie vermutet und per Post kamen sie. Nicht wieder kam mein Nummernschild, ein neues mußte sein. Auch die Ausnahmebescheinigung holte ich, trotz vieler Fahrten auf diesen Weg, gebraucht habe ich sie nie mehr. Eine Ausfahrt mit Erlebnissen und Hindernissen und neuen Erkenntnissen.

Ausbau des Richtfunknetzes - zweigleisig

Fernsehdirektübertragungen mit Umschaltung der Richtfunkstrecke per Postdienstleitung und Zuschaltung aller dazugehörigen Relaisstellen war zur Routine geworden, es geschah in Sekundenschnelle. Mittlerweile wurden die Kabel nicht mehr umgesteckt, Schalter waren eingebaut. Doch alle Schnelligkeit reichte nicht, es wurde eine zweigleisige Bildstrecke benötigt, die beliebig in jeder Richtung zur Verfügung stand. Insbesondere das Studio wollte zum Beispiel vor Beginn einer Sendung das Bild anliegen haben, verständlich. Das bedeutete die Ausstattung der Strecke nochmals komplett mit Geräten, Ausnahmen die Endstellen die bereits einen Sender besaßen. Dazu gehörten auch die Deziantennen (Parabolspiegel), lediglich die vorhandenen Räumlichkeiten konnten genutzt werden. Auf unserer Anlage wurde zusätzlich ein dritter Spiegel am Turm montiert und ein Dezikabel verlegt. Mit dem Ausbau der Strecken erfolgten nun wesentlich mehr Direktübertragungen, das wiederum führte zur Entlastung des Adlerhofer Fernsehstudios. Besonders bei der Friedensfahrt im Mai waren die Bildeinspeisungen zahlreich, da waren alle Übertragungswagen, die letzte Dezistrecke in Betrieb. Man kam später zu einem Punkt der Überspitzung, die Leute saßen mehr am Fernseher als an der Strecke.

Eines war gegeben, das Studio hatte wieder die Kontrolle welches Bild gesendet wurde, nicht wie bisher das ein Sender direkt modulierte. Der Programmaustausch auf internationaler Ebene, sowie reine Transitübertragungen waren jetzt möglich, unabhängig vom laufenden Programm.

Intervision - Eurovision

Die Trennung der Welt in Ost und West, zweier politischer Systeme, spiegelte sich auch im Fernsehen wieder. Die Eurovision, das westeuropäische System mit CCIR- Norm, demgegenüber die osteuropäischen Länder mit der OIRT-Norm zusammengeschlossen in der Intervision. Die DDR mitten darin in der Intervision, allerdings mit Bild-Tonabstand nach CCIR. Eine Sonderrolle nahm Jugoslawien ein , die CCIR-Norm hatten. Auch andere westliche Länder wie England, Frankreich hatten spezielle Normen 

                  


Auf internationalen Strecken, darunter auch die Richtfunkstrecken der DDR, fanden Überspielungen für die verschiedenen Studios der Länder statt, ohne das sie ausgestrahlt wurden. Es gab auch Übernahmen von Eurovisions- wie Intervisionssendungen, vorrangig erstere. Das Eurovisionsbild kannte sicher jeder aus der DDR, umgedreht wird in der BRD kaum einer das Intervisionsbild gekannt haben. Eine der Übernahmestationen zwischen den Systemen war der Brocken,wo gleichfalls eine Sendestelle der Post war und wenige km Luftlinie enfernt der Sender Torfhaus auf westdeutscher Seite. Hier wird auch besonders deutlich wie beide Staaten jeweils die andere Seite informierten. Wir auf unseren Berg beka- men auch die Informationen beider Seiten, dazu von den übergeordneten Ämtern, dem Buschfunk und all das beeinflusste den Betriebsalltag einer Sendestelle.

Betriebsablauf auf dem Katzenstein

Durchgängiger Schichtdienst vieler Kollegen, weniger Kolleginnen und Kollegen im Tagesdienst prägten das Betriebsklima und erforderten gegenseitiges Verständnis. Der Schichtdienst sah mehrere Schichten aufeinander vor und hatte hier fast sein zweites Zuhause. Essen und wohnen waren gesichert, mit Bier, Limo, Cola versorgte uns ein Getänkevertrieb zum Händlerpreis. Skat, Schach, Tischtennis, ja sogar ein kleines Fotolabor hatten wir in Zweitnutzung der sanitären Fraueneinrichtung mit deren Einverständis, eingerichtet. Sicher banal für heutige Begriffe, für uns eine Errungenschaft! 

Darüber hinaus hatten wir eine Werkstatt die jedes Bastlerherz höher schlagen ließ, ausgerüstet mit einer Drehbank, Standbohrmaschine, Richtplatte, Werkbank, Hebelblechschere div. Werkzeugen. Wir waren immer weitab des Funkamtes und so relativ frei in unseren Entscheidungen. Einerseits zum Nachteil, anderseits beneideten uns die Kollegen im Funkamt der Freiheit. Grundsätzlich waren alle Sendestellen, gleich welcher Art und Größe Funkämtern zugeordnet.

Wir gehörten erst zum Funkamt Leipzig mit Sitz in Wiederau bis zum 31.12.1956, später zum neugebauten Funkamt Dresden, in unmittelbarer Nähe der AutobahnA 72 bei Wilsdruff. Noch heute sichtbar mit seinem Antennenmast. Sender Wilsdruff  1043 / 1044 KHz MW 250 KW, Funkamt Dresden sitzt dort

Weitere Funkämter gab es in Erfurt, Burg, Schwerin, Berlin und Oranienburg. Diese waren dem Bereich Rundfunk und Fernsehen beim Postministerium unterstellt, später gab es die Funkdirektion. Diese leitete den gesamten Funkverkehr, wir auf den Sendestellen leiteten unseren Betrieb und zu diesen gehörte mit Beginn an, auch das Feiern.

Arbeiten war die eine Seite, sie mußte sein, aber auch das Vergnügen schloß dies ein. Die Mittel des Sozial- und Kulturfonds wurden in vielfältigster Form genutzt, doch nicht allein die finanzellen Mittel waren ausschlag gebend, Initiative und jugendlicher Elan trieben alle mit.

Wir feierten innerhalb unser Stelle, organisierten Erzgebirgsausfahrten, Wildessen in Gaststätten, Sauschlachten mit Konservenverkauf, alle bekannten Gaststätten wurden erprobt, gemeinsame Theaterbesuche, Austellungen besucht, insbesondere die Leipziger Frühjahrsmesse.Wir verwandelten nicht nur bei Brigadeabenden unseren kleinen Kulturraum in einen prunkvollen Speisesaal, zum Fasching wurde jeder Gang und Winkel geschmückt. Wir gestalteten im Herbst Weinfeste, schleppten in das ganze Haus Äste aller Laubbaumsorten, ja wir räumten Zimmer aus und funktionierten sie um als Bar. Eine Fahrt führte über Lauter mit Zwischenstopp in der Probierstube der Likörfabrik von Max Schubert, Grünbitter eine spezielle Marke, sie wäre fast das Endziel geworden. Aber wir besuchten auch die Kultur war im Musikwinkel Klingenthal in Form des Museums. Ja selbst die Sprungschanze in Johanngeorgenstadt erklommen wir, da wurde uns schon vom runtersehen schwindelig, geschweige denn etwa runterspringen. Das Fernsehen vermittelt hier einen weitaus weniger gefährlichen Eindruck.

Bei all diesen Betriebsvergnügen, losgelöst vom Alltag, aller Pflichten und Sorgen ledig lernte man sich näher kennen, auch die Ehepartner. Aus vielen Junggesellen waren Familienväter geworden, Kindererziehung und Wohnungsprobleme und vieles andere gaben reichhaltigen Gesprächsstoff. Familien mit Kindern eine Normalität in der damaligen DDR. Von der Wohnung, über den Kindergarten, Schule bis zur Lehre oder Studium, war ein gesicherter Weg. Sicher konnte nicht jeder den Wunschberuf erlernen, doch eine Ausbildung mit späteren Arbeitsplatz eine Selbstverständlichkeit. 

Neben den zahlreichen kulturellen Veranstaltungen für die Erwachsenen kamen durch die Kinder neue hinzu. Besonders Kinderweihnachtsfeiern wurden zur Tradition. Eine ist mir besonders im Gedächtnis geblieben, vielleicht auch den Kindern die sie erlebten. Unser Berg lag im Dezember im tiefen Schnee, von der Waldschenke her, kam Bauer Hase mit Pferdeschlitten, Fackel und Weihnachtsmann. Es wurde bereits dunkel und die Kinder konnten durch die Fenster des Kulturraumes die Anfahrt sehen.

Helle Aufregung bei ihnen , die vorher mutig waren und behaupteten es gibt gar keinen Weihnachtsmann, waren plötzlich ganz klein und suchten die Nähe von Mutti oder Vati.  Es war wohl einer der gelungensten Auftritte des Weihnachtsmannes. Der Aufwand belohnt durch die Freude der Kinder. Damals konnten sich Erwachsene wie Kinder noch echt freuen über die einfachsten Dinge, ohne den finanziellen Preis zu hinterfragen.

Störungen und Meldungen

Das große Hauptproblem unserer Arbeit, die Störanfälligkeit der Anlagen. Die Zahl der Fernseher wurde größer und größer. Die Industrie lieferte und der Handel setzte immer mehr Fernsehgeräte um. Der Reparaturanfall für das Handwerk stieg. Dieses wiederum forderte die Ausweitung der Sendezeiten um letzlich Antennen zu errichten oder die Überprüfung der Fernseher vorzunehmen. So entfielen die Sendepausen zwischen den Programmen und wir strahlten ab 8 Uhr ein Testbild. Für uns bedeutete es den Wegfall von ein - und ausschalten des Senders. Einerseits entfielen damit Einschaltstörungen, anderseits war aber auch keine Möglichkeit erkennbare Fehler zwischenzeitlich zu beheben. Insbesondere waren es immer wieder Quecksilberröhren die unstabil arbeiteten. Blitzschäden und Netzspitzen waren weitere Störfaktoren. Die Energie war ein Engpaß in der DDR und dies von Dauer. Wir hatten speziell Netzregeleinrichtungen für eine konstante Spannung, doch selbst diese reichte nicht immer , ja selbst die Netzfrequenz war unter 50 Hz. Auch die Fernsehteilnehmer benötigten teilweise zusätzliche Stromregler, bis in die 60-ziger Jahre gab es noch Gebiete mit der Netzspannung von 110 V. Hier wurden noch Vorschalttransformatoren benötigt, da im Gegensatz zum Radio ein internes umstellen nicht vorgesehen war. So gab es auf Sender- wie Empfängerseite wesentliche Störpotientale, die Anlaß zu Ärger gaben.  

Wir waren uns dessen sehr bewußt und versuchten eigenbedingte Störungen unseres Senders auszuschließen oder zumindestens in der Zeitdauer klein zu halten. Nicht immer unter Beachtung der Vorgaben der Bestimmungen des Arbeitsschutzes, manchmal sogar unter Vernachlässigung der eigenen Sicherheit. Die Erzeugung einer Hochfrequenzleistung ,die Modulation mit einem Bildsignal ist der Kern des Senders, die Funktion des gesamten Senders wird durch eine Einschaltschleife von Kontroll - und Sicherheitskontakten gewährleitet wird, einer sogenannten Blockschleife. Fehlt die Luftkühlung, eine Betriebsspannung, wird eine Schranktür geöffnet usw. schaltete der Sender ab. Wir hingegen hielten viele Schranktüren mittels Überbrückungsstecker geöffnet um so schneller einen Röhrenwechsel vorzunehmen unter umgehen des Arbeitsschutzes. Oft war aber die Blockschleife selbst Ursache des Ausfalles z. B. durch unsichere Kontaktgabe. So galt es schnell zu entscheiden, Bauteilfehler oder Blockschleifenfehler, bei letzteres wurde die Schleife gebrückt und viel Störzeit vermieden. Der Fehler wurde nach Sendeschluß beseitigt und nicht selten mit beträchtlichen Zeitaufwand, ganz besonders wenn es sich um eine nur zeitweilig auftretende Unterbrechung handelte.

Bislang hatten wir einen Taktgeber für die Bildmodulation in Form eines Schachbrettmusters. Jetzt hatten wir einen Bildgeber mit verschiedenen Dias vom Kennungsbild des Senders bis zu Dias mit Störungsursachen. Durch diese Möglichkeit der eigenen Entschuldigung

  war auf der Sende - wie Empfängerseite für mehr Trans- parenz gesorgt. Allerdings war dies bei Ausfall des Bildsenders nicht gegeben, was manchen Zuschauer nicht ganz verständlich war. Der Gebrauch des Bildgeber war natürlich durch Vorschriften geregelt. Die Stationskenn- nung wurde zu Einschaltbeginn gestrahlt, festgelegt mit Zeitdauer und Zeitpunkt im Betriebstageblatt erfaßt. Ebenso bei Einblendung eines Dias, mit Nr., Zeit und Grund. Des weiteren mußte dies dem Hauptschaltraum in Berlin - Adlershof gemeldet werden. Darüber hinaus durfte auch, z.B während der Aktuellen Kamera und möglichst bei kurzen Programmübergängen keine Einblendung erfolgen. Leider war selbst am Anfang der Bildgeber nicht immer einsatzbereit. Trotzdem war es ein Fortschritt, da ja auch politische Aspekte der übertriebenen Sicherheit überwunden wurden, die ein Ein- spielen eines falschen Dias fürchteten.Jede Sendeminute, jede Programmzeit wurde im Betriebstageblatt erfaßt, zum einen für die Bezahlung vom Fernsehfunk an die Post, zum anderen der Berechnung der Kosten in Hinblick Energie, Röhrenbrennstunden usw. der Hauptbuchhalter stand da voll dahinter. Nicht länger wie 10 Minuten nach Programmschluß durfte gestrahlt werden, sonst bedurfte es besonderer Genehmigung. Reparaturen mußten dann auf Kunstantenne vorgenommen werden. Darüber und die genaue Frequenzeinhaltung wachte eine weitere Dienststelle der Post, Radiocon. Wurde und mußte die Frequenz der Sender korrigiert werden veranlaßte dies Radiocon, die derzeit die Meßgeräte dafür besaßen und die Sender noch Abweichungen der Sollfrequenz zuließen, bedingt der Technik 1955. Es waren Frequenzqarze die in einem Thermostat bei einer bestimmten Temperatur arbeiteten, wich diese ab, gab es eine Frequenzabweichung. Selbstverständlich bedurfte es eines Vermerkes im Betriebsblatt. Alles war noch nachvollzeihbar, aber daß im Störungsfall erst die Meldung erfolgen sollte und dann die Beseitigung, das widerstrebte uns Praktikern und wir haben dies oft mißachtet. Oft kam es deshalb zu Auseinandersetzungen, anerkannt wurde die schnelle Beseitung, beantstandet die späte Benachrichtigung. Wir konnten damit leben, höchst selten wurde die Richtigkeit unseres Handelns anerkannt. Das Leben im Arbeitsalltag lehrt, richtiges, gerechtes, sachliches Handeln bedeutet selten die Zustimmung übergeordneter Stellen, unabhängig des bestehenden Systems. Bei aller fachlicher Arbeit waren wir ständig konfrontiert mit Systemen in Ost und West.

13. August 1961

Die Trennung Berlins war schon lange im Gespräch, der plötzliche Termin überraschend. Eine Stadt zu teilen, ein harter Schnitt, besonders für die Berliner. Die Ursache hat viele Gründe, sie jedoch allein der DDR zuordnen, ist sehr einfach. Räumlich entfernt vom Ort des Geschehens, aber durch Rundfunk und Fernsehen ständig dabei, die Sender in Dauerbetrieb. Die Auslösung von besonderen Sicherheitsvorkehrungen war die Folge. Es wurden je nach Programm Funkschutzstufen ausgelöst von Stufe 􏰂B􏰁, 􏰂A􏰁 bis 􏰂S􏰂. Alle verfügbaren Reserven mußten bereitstehen, die Schichten vollbesetzt, der Kraftfahrer und Stellenleiter auf der Betriebsstelle, dafür keine Arbeiten von Fremdfirmen, keine Wartungsarbeiten, die Programme und Telefone ständig kontrolliert. Alles kostete Zeit und Geld, doch solange es keine Devisen waren, spielte das keine Rolle.

Eine direkte Auswirkung für uns war die Kampagne Störfreimachung , das bedeutete alle Bauteile aus westlichen Importen zu ersetzen. Wir erhielten die Aufgabe einen halbjährlichen Betrieb, ohne Lieferung von Bauteilen, zu gewährleisten. Die gesamte bereits vorhandene Störreserve mußte neu aufgelistet werden. Nichtvorhandene Bauteile wurden nachbestellt wobei immer die Frage der Störanfälligkeit stand, z.B bei einem Transformator. Bei Verschleißteilen z.B ein Schaltschütz war dies einfacher. So wurde vieles in die Störreserve aufgenommen, bestellt, geliefert aber nie verwendet. Nach Jahren als der Sender verschrottet wurde, erging es vielen Störreserven ebenso oder sie wurden privat z.B als Schweißtrafo genutzt. Diese Art der Lagerhaltung war nicht effektiv, geschuldet aber dem Umstand daß wir alle Reparaturen selbst vornahmen. In der BRD wurde die Reparatur durch die Herstellerfirma vorgenommen, da entfiel die Lagerung und erforderte weniger Personal. Die Langlebigkeit der Anlagen, auch hier zweiseitig,war die andere Seite. Ein Betrieb eines Fernsehsenders von1955-1973 wer kann den schon vorweisen? Auf dem Gebiet Elektronik ist Kurzlebigkeit das Normale, die Wertabnahme galoppierend. Wiederum ging es in diesen Jahren noch um die Dinge selbst, das aufgewendete Material und innewohnende Arbeitsleistung und erst in zweiter Linie um das Geld.

Die Diskussionen um die Erreignisse des 13. August 1961 waren vielschichtig, privat und in Versammlungen. Die Genossen des Betriebsschutzes sahen es anders, als in der Technik, die wir auch eine Gefahr der Abkopplung der Technik sahen, eine optimale Lösung hatte keiner, doch keiner hielt seine Meinung zurück oder wurde zurückgehalten. Wir alle hofften auf Fortschritte in der Entwicklung des eigenen Staates und des Ausbaus unserer Sendestelle mit neuen Anlagen.

UKW-Sender - der 2. Generation

Die ersten Sender lieferte das Werk für Fernmeldewesen (WF) in Berlin, die neue Generation produzierte das Funkwerk Köpenick(FWK).
Am 24.9.1960 löste ein neuer 10 kW - UKW - Sender vom Typ FWK den alten WF-Sender ab.

Weiterentwickelte Leistungsröhren in neuen Topfkreisen mit Motorabstimmung, Hochfrequenzleistungsschalter für die 250 W-, 1 kW- und 10 kW-Stufen mit Umschaltung auf Antenne oder Kunstantenne bez. Rückschaltung auf die jeweils kleinere Leistung beiAusfall, zentrale Einschaltung, neue Blockierung u. a. automatische Abschaltung bei Fehlanpassung, geschlossene Schrank- bauweise, leichtere Einschübe, Einsatz von Selengleichrichtern anstelle Röhren, neuer Frequenzmodulator mit höherer Frequenzgenauigkeit und verbesserten Übertragungsparametern, meß- und hörbare Verbesserungen. Der Einsatz neuer Bauelemente machte dies möglich, wobei man wissen muß, daß nur Bauteile des eigenen Landes zur Verfügung standen. Für die Konstrukeure eine besondere Herausforderung. Es durften nur Bauteile aus dem RGW (Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe) verwendet werden, doch meist waren da die DDR-Bauteile besser.

Ein kleines Beispiel zum sicherlich guten Ziel des RGW.I n dessen Rahmen fanden Absprachen statt über die Produktion verschiedenster Bauteile z.B. Röhrenproduktion . Die Empfängerröhre EL83 wurde bei uns nicht mehr gefertigt, sondern von der CSSR der Firma Tesla. Die gelieferten Röhren jedoch erreichten nicht die bisherige Qualität. Es mußten sogar Umbauarbeiten im Einsatzgebiet erfolgen, z.B Richtfunkgerät RVG 904, bis es letzlich soweit kam das eine Fertigung in der DDR im WF-Werk-Berlin wieder erfolgte. Sicher nicht generell die RGW-Zusammenarbeit kennzeichnend, aber auch kein Einzelfall. Es gab doch zwischen den Ländern beachtliche Qualitätsunterschiede. Unter diesen Aspekt waren die Produkte unserer Industrie sehr respektabel. Die Montage des Senders erfolgte durch den FFAB, (Funk- und Fernmeldeanlagenbau Berlin), einschließlich der Stromversorgung. Die Luftkühlung hingegen durch LTA, (Lufttechnischer Anlagenbau). Sie ist für die Sender recht aufwendig mit Zu - und Abluft. Es wurde ein provisorischer Bau an der Außenwand unseres Sendergebäudes errichtet, um den eigentlichen Lüfterraum umzubauen, da der bisherige Sender weiter betrieben mußte. Der 10 kW-WF-Sender wurde demontiert, in Berlin durch den ZMD (Zentraler Meßdienst) modernisiert auf 1 kW - reduziert und im III. Quartal 1962 stand er uns als Reservesender zur Verfügung. Die Abstrahlung geschah später über eine eigens neu errichtete Antenne ebenerdig im Gelände. Die Wismut und der Antennenmeßdienst waren unsere tatkräftigen Helfer. Auch der notwendige Anschluß an die Luftkühlung war nochmals recht aufwendig. Die Lüfteranlagen waren recht oft ein störanfälliger Punkt. Bei einer Lufteintrittstemperatur von 15 - 20 °C, erreichte die Abluft eine Temperatur von 50 - 60 °C. Im Sommer wurde diese Temperatur schnell überschritten und bei 70 °C schaltete die Übertemperatur den Sender ab. Wir mußten alles mögliche unternehmen, bis zur Leistungsreduzierung, um dies zu verhindern. Ein weiteres Problem waren die auftretenden Lüftergeräusche, die sich auf den Sender übertrugen z.B über die Röhren des Modulators. Bei der damaligen Aufnahmetechnik, gab es Spezialisten, die hörten uns speziell in den Modulationspausen ab und beanstandeten die auftretenden Geräusche. Kennzeichend dafür war der Fremd- bzw. Geräuschspannungsabstand und um diesen einzuhalten und zu verbessern haben wir in all den Jahren viel Zeit aufgewandt, wobei Röhrenwechsel noch das Einfachste war. So war eben schon ein relativ geräuscharmer Lüfter die beste Garantie, ein angeschlagenes Kugellager eines Motors eine Katastrophe.

Mit heutiger Technik nicht mehr nachvollziehbar, der heutigen Hörgewohnheit wo Lautstärke an die Schmerzgrenze geht, fallen sogar Störgeräusche nicht mehr auf. Die Modulationszubringung war ein ein weiteres Problem, die vorhandenen Rundfunkleitungen waren begrenzt ebenso die Qualität. Die vorhandene Richtfunktechnik RVG905 war nur für einen Kanal ausgelegt.Die Rafena Werke aus Radeberg hatten neue Geräte entwickelt. RVG 955 ermöglicht vier Kanäle und einen Dienstkanal womit alle Richtfunkstellen telefonisch verbunden waren. Wir bekamen sie geliefert und dies erforderte ein Umbau der sogenannten Deziecke. Geräteaufstellung, Versorgungsanschluß, Modulationsverkabelung alles geschah in Eigenleistung. Zur Vervollständigung der Bildstrecke erhielten wir einen zweiten Empfänger RVG 904. Die Geräteumstellung erforderte die Montage neuer Dezispiegel auf dem Podest des Turmes und das Verlegen neuer Antennenkabel. RVG 955 bestand aus Sender und Empfänger und bedeutete Betrieb in beiden Richtungen, Einspielungen waren möglich.

Kaum waren die Arbeiten beendet, begann der FFAB mit der Montage eines zweiten UKW-Senders vom neuen Typ FWK und gleichzeitig die Aufstellung einer Antennenweiche für zwei Sender auf eine Antenne. Diese wurde gleichfalls überholt und für 20 kW Sendeleistung ausgelegt.

Am 30.11.1961 ging der Sender auf der Frequenz 97,05 MHz mit dem Programm des Deutschlandsenders in Betrieb.
Für die Modulation des Senders stand nun ein Richtfunkkanal sowie eine Reserve der Rundfunkleitung zur Verfügung.

Mit der Abstrahlung eines Fernsehprogrammes und zweier UKW - Programme war eigentlich der Endstand der Stelle erreicht, Bau- und Montagearbeiten beendet, so nahmen wir an, die Zeit belehrte uns eines besseren. Fernsehen war Schwerpunkt unserer Arbeit, doch der Betrieb zweier UKW-Sender nahezu rund um die Uhr erforderte mehr Aufmerksamkeit, zumal uns leider unbemerkt Programm - als auch Senderausfälle unterliefen. Es war ständig manuelles Abhören notwendig.Um wenigstens Senderstörungen zu erfassen, bauten wir im Rahmen eines Verbesserungsvorschlages eine erste auto- matische Hochfrequenzanzeige mit akustischer Störsignalisierung. Mittlerweile waren es drei Programme die es zu überwachen galt, meistens lief alles über RVG 955, so daß man bei Störung eines Programmes bereits gewarnt war, die anderen Programme auf Ersatz zu schalten

Die Entwicklung war längst bei Stereosendungen, es galt Schritt zu halten und gleichfalls stereofon abzu- strahlen. Vorgesehen waren dafür Sendungen innerhalb des Programmes von Radio DDR II. Das hierfür erforderliche Multiplex - Signal erhielten wir nur auf dem Wege des Ballempfangs.  Ein speziell gefertigter Empfänger vom RFZ (Rundfunktechnisches Zentralamt) in Verbindung mit der Firma Rema aus Stoll berg und unter Leitung des Koll. Wasner vom RFZ wurde montiert, eine Spezialantenne aufgebaut und so emp- fingen wir den Sender unserer Kollegen aus Leipzig. Die wiederum waren längst vom einstigen "Karl-marx-Hochhaus" (heute wieder Europahaus)  in Leipzig nach Wiederau gezogen und hatten den gleichen Senderbestand. Sie waren aber näher an Berlin und auch dem einstigen Funkhaus in Leipzig. Wir aber hatten als Trost gute Fernsicht bis zum Völkerschlachtdenkmal. Fernsicht hatten wir oft, die Übersicht nicht immer,aber das schien uns nicht allein so zu gehen. Im Gegenteil springe ich in die Zeit des Jahres 2000 ist das wohl jetzt die Regel. Die Abstrahlung der Stereosendungen erforderte wiederum erhöhte Aufmerksamkeit, da wir anfangs manuell die Umschaltungen von Mono auf Stereo vornehmen mußten. Sebstverständlich war das Signal kompatibel, das heißt ein Monoempfänger konnte auch Stereo empfangen. Stereo stellte an die Modulation des Senders wie an den Empfänger u. a. die Bedingung eine 19 kHz Pilotfrequenz abzustrahlen bez. zu empfangen. Erforderlich war eine größere Eingangsspannung am Empfänger und ein kleineres Ausstrahlungsgebiet des Sender. Damit letzlich eine größere Senderzahl nötig. Im Laufe der Jahre vervollständigte sich die Stereotechnik, Umschaltungen Mono - Stereo enfielen, es wurde ständig die Pilotfrequenz gesendet. Obwohl sich Stereo für das Fernsehen, bedingt durch einen festen Sehpunkt, anbietet kamen Stereosendungen in Ost wie West erst spät zur Ausstrahlung. Stereorundfunk löste auch in der DDR eine verstärkte Nachfrage der entsprechenden Geräte insbesondere nach Schallplatten aus, Bastler hatten wieder Konjunktur die entsprechenden Lücken von Industrie und Handel zu schließen.

In den 60-Jahren begann die Zeit der regionalen Programme in den einzelnen Bezirken der DDR.

Regionalprogramme des Rundfunks , über Katzenstein von Karl- Marx- Stadt

das Bezirksstudio befand sich im Museum am Theaterplatz. Dieses Studio sendete über unseren Sender auf der Frequenz 92,85 MHz mit dem Programm DDR II. Selbstverständlich lieferte das Studio auch Beiträge außerhalb des Regionalprogrammmes. Wir am Sender hatten eine Rundfunkleitung anliegen mit dem Regionalprogramm Karl-Marx-Stadt. Genau diese Leitung mußte von uns per Hand täglich außer Sonntag in der Zeit von 4 Uhr 50 bis 5 Uhr auf den Sender aufgesteckt werden. Kurz vor 5 Uhr prüfte uns dann meist das Studio durch kurzzeitige Pegelabsenkung, ob sie wirklich auf Sender waren. Die Programme liefen bis 8 Uhr später noch länger bis 10 Uhr. Danach wieder Rückschaltung auf die normale Leitung. Bis auf Ausnahmen ging die Sache reibungslos, war das Programm der Kollegen vom Studio noch so gut, fiel der Sender aus, war alles aus. Die Hörerschar wuchs und viele hörten früh vor Arbeitsbeginn den Sender und wie bekannt begaben sich in früherer Zeit deren viele in einen Betrieb. Der Senderausfall wurde natürlich vom Studio sofort bemerkt und der Anruf erfolgte, warum , wieso, wie lange. Die Techniker des Studios konnten Ausfälle nachvollziehen, aber einzelne Moderatoren nicht, sie hatten keinerlei Vorstellungen von einem Sender und waren der Meinung so ein kleines Vertärkerle sei schnell gewechselt. Eigentlich bestand die Festlegung  jede Sendestelle hört ständig ein Programm ab, für uns war es das Programm des Deutschlandsenders und nur kurzzeitig andere Programme. Die Regelung wurde von den einzelnen Schichten unterschiedlich befolgt. Die einen verwiesen auf die Kontrolle durch das Regional-   studio , anderseits konnte man bei Eigenkontrolle sofort handeln und war zeitmäßig im Vorteil. Zwar selten aber doch geschah es und das Studio war überrascht über die schnelle Störbeseitigung.

Es ist aber auch in wenigen Fällen zum totalen Ausfall des Senders gekommen, zum Beispiel durch Volltreffer eines Blitzes. Nicht nur der Sender war kaputt, die Leitung war an mehreren Stellen defekt, Kabeldosen mit samt des Holzdübels flogen aus der Wand. Nach solch einem Blitzeinschlag hatte der Fernkabeltrupp zu graben und zu reparieren und das meist bei einem Wetter, wo man keinen Hund rausjagt. War die Leitung wieder geflickt, stieg das Rundfunkverstärkeramt in Person des Koll. Fanghänel auf den Plan mit Messung und gegebenfalls neuer Entzerrung. Regelmäßig wurden alle Rundfunk- leitungen gemessen, da ging es um Neeper und Dezibel. Meßton 800 Hertz , an 600 Ohm und 6 dB das waren die Richtwerte. Die Sender wurden auf 42 kHz Frequenzhub eingestellt. Die Pegelung der Studios, der Leitungen und schließlich der Sender ergaben beim Hörer bei allen Sendern die gleiche Lautstärke. Es wurde seinerzeit auf die Tonaussteuerung großen Wert gelegt und bei Umschaltung zum Regionalstudio war kein Unterschied zu bemerken.

Heute im Jahre 2000 ist die Technik fortgeschritten, aber leider von Sender zu Sender, ja innerhalb des Programmes Pegelunterschiede, das der Hörer die Rolle des Toningenieurs übernehmen muß.

Ein Vorteil war bei Störungen innerhalb der Regionalsendungen, es erfolgte kurzfristig für den Hörer eine Entschuldigung. Ansonsten war bei UKW-Senderausfällen eine Entschuldigung durch das zentrale Studio die absolute Ausnahme. Durch die Regionalsendungen hatten wir oft telefonische wie auch persönliche Verbindungen zu den Kollegen am Theaterplatz. Im Laufe der Entwicklung besonders dem Rundfunkleitungsausbau wurde die Leitungen über die Studios geschaltet. Modulationsprobleme entfielen, aber auch Senderstörungen wurden weniger, die Berührungspunkte weniger, Kontakte seltener.

Fernsehumsetzer

Das Erzgebirge mit seinen Höhen und Tälern ist bei noch so günstigen Standort mit einem Fernsehsender nicht zu versorgen. Im sogenannten Schatten des Senders erhielten bestimmte Gebiete kein Signal, andere hingegen Mehrfachempfang, ein unbrauchbares Bild mit vielen Geistern. Um diese Versorgungslücken zu schließen, entwickelte man kleine Fernsehsender, Fernsehumsetzer. Sie empfingen an günstiger Stelle den Muttersender und sendeten mit kleiner Leistung, etwa um 5Watt,auf neuer Frequenz Bild und Ton. Die Umsetzer waren in der Regel ein Stahlmast, der mit einer Empfangs-und Sende- antenne versehen war. GrößereSendeanlagen waren zu ebener Erde untergebracht, die Leistung des zu versorgenden Gebietes angepaßt. Nur bei extremen Empfangsbedingungen war Empfänger und Sender getrennt. Umsetzeranlagen kamen aus vielen Firmen und Ländern, die meisten später aus Jugoslawien. Alle wurden unbemannt betrieben, im Versorgungsbereich waren jedoch meist zwei Überwachungsstellen, die einen Fernseher gestellt bekamen, kostenlose Wartung, Telefonanschluß, keine Fernsehgebühr. Sie taten dies ehrenamtlich und benachrichtigten im Störungsfall den Umsetzertrupp. Dieser hatte seinen Hauptsitz in der ehemaligen Kurt- Berthel-Straße in Karl-Marx-Stadt wo einst der  RIAS- Störsender stand. Die Zahl der Umsetzer war ständig gewachsen so daß ein eigene Betriebsstelle mit mehreren Trupps gebildet wurde. Waren zuvor einige Kollegen der ehemaligen Mittelwellenstelle zum Katzenstein gekommen, gingen einige wieder aus dem Schichtdienst zum Umsetzertrupp. Diese Kollegen kannten so die Probleme am Sender, das förderte die Zusammenarbeit. Im Laufe der Jahre wurde dies deutlich, Kollegen die nur Umsetzer kannten und nicht einen 10 kW-Fernsehsender, reagierten anders.

Die ersten Umsetzer waren röhrenbestückt, damit wartungsintensiv und störanfällig. Bei Ausfällen kam es zu langen Störzeiten,teilweise durch verzögerte Benachrichtigung,weite Anfahrstrecken. Besonders im Winter war es schwierig, die teilweise sehr abgelegenen Umsetzerzu erreichen. Auch Blitzschäden und Netzausfälle waren vielfach Ursachen, es war nur mildernd, daß die Teilnehmerzahl begrenzt war. Es gab Gegenden da fiel der Ochsenkopf Kanal 4 mit großer Feldstärke ein, der Katzenstein Kanal 8 wesentlich geringer, man mußte vom Teilnehmer höheren Antennenaufwand betreiben. In diesen und ähnlichen Fällen spielte der politische Aspekt eine wesentliche Rolle,...koste es was es wolle, DDR Fernsehen sollte jeder haben !

Einerseits gab der Teinehmer vor schlechten Empfang des Fernsehfunk zu haben mit gleichzeitiger Begründung deswegen Westfernsehen zu müssen. Hier wurde so von staatlicher Seite sofort Abhilfe durch die Post gefordert. Ein Umsetzer wurde errichtet, egal was es kostet, egal wie viele ihn sahen. Geld spielte da keine Rolle, ganz besonders vor Wahlen.

Eine spezielle Rolle spielte im Laufe der Umsetzerentwicklung die Überreichweiten bei Empfang eines fremden Muttersenders. Der Umsetzer strahlte einen fremden Sender ab, unter Umständen das falsche Programm. So erhielten die jeweiligen Hauptsender einen Pilotgenerator eingebaut und wir strahlten einen nicht hörbaren Pilotton ab und nur bei Empfang des jeweiligen Umsetzers im Sendebereich schaltete sich dieser ein. Das bedeutete für uns am Sender ständig auf den Betrieb des Generators zu achten. Bei Sendermessungen wurde er abgeschaltet, vergaß man das Wiedereinschalten bedeutete dies den Ausfall aller Umsetzer. Ist passiert, der Skandal riesengroß. Fortan war der Pilotton ständig zu kontrollieren, selbst der Frequenzhub zu messen. Der Umsetzertrupp selbst kontrollierte unseren Sender und beanstandete Normabweichungen in Pegel oder Frequenz usw. zeitweise war ihre Meßausrüstung besser als die Unsrige. Einige unserer Kollegen halfen beim Umsetzertrupp aus, sogar der Stellenleiter Koll. Katzmann, vom Katzenstein. Letzlich kam später der langjährige Leiter der Kurt - Berthel - Straße der Koll. Peter Schmidt über den Katzenstein zum Umsetzer.Unter seiner Leitung wuchs die Stelle selbst zu einem klei- nen Funkamt , mit eigenen Außenstellen.

Die Zahl der Umsetzer allein für das erste Programmm betrug etwa 40. Desweiteren betreute der Umsetzertrupp noch andere Sendebereiche und hatte eigene Werkstätten für Antennenbau und Turmservice.

Ein spezieller Fall in der Geschichte der Umsetzer war die Fernsehversorgung im Vogtland, als Grenzregion auch zwischen Deutschen Fernsehen und Fernsehfunk.

Fernsehkleinsender Schöneck

Idylisch am Waldesrand bei Schöneck im schönen Vogt- land, ein kleiner Steinbau, darinnen ein sowjetischer Fernsehsender, daneben ein Stahlgittermast mit einem gewaltigen Fundament, errichtet durch die Wismut. Die Leistung des Senders betrug 250 Watt auf Kanal 6. Die Modulation erhielt der Sender mittels Ballempfang vom Katzenstein. Ursprünglich war auf Grund der Doppelanlage mit automatischer Umschaltung bei Störung einer Anlage, unbemannter Betrieb vorgesehen. Das Betreiben der Anlage lag demzufolge in den Händen des Umsetzertrupp Karl-Marx-Stadt beziehungsweise deren Außenstelle Plauen. Die Anlage arbeitete jedoch sehr unstabil und recht störanfällig. Im Jahre 1963 bekamen wir die Anlage zur Betreuung. Es wurde beschlossen vorerst die Anlage durchgehend personell zu besetzen. Allerdings fehlten hierzu jedwede Bedingungen sozialer Art.
Als erstes wurde ein fahrbarer Wohnanhänger vor Ort gebracht. An sanitären Einrichtungen fehlte es aber weiterhin, zum Glück ringsum Wald. Im Winter, damals gab es noch viel Schnee, ward es kritisch einen geeigneten Platz zu erreichen. Selbst der aufgestellte Wohnwagen war fast nicht warm zu bekommen, so wurden zusätzlich im Schönecker Hof Zimmer für die Übernachtung gemietet. Die Bedingungen erforderten viel Überzeugungsarbeit Kollegen für den Dienst zu finden, obwohl auch eine gewisse Freizügigkeit diesen einschloß. Allerdings kam auch ein Fall zum Tragen, wo ein Kollege diese über Gebühr beanspruchte und eine Ablösung notwendig wurde. Durch den Schichtdienst und zusätzlichen Einsätzen vom Katzenstein gelang es allmählich Stabilität in die Anlage zu bekommen. Allein der Steuereinschub war voll mit Relais und Schaltschützen und voll unsicherer Kontaktgabe. Sowjetische Bauart war robuste Ausführung, ein Tauschen aber von Einschüben gleicher Bauart, am gleichen Sender, war auf Grund mechanischer Ausführung nicht möglich. 

Berliner Rundfunk unser drittes Programm ein besonderer Fall

Wir hatten einen modernisierten reduzierten 1 kW - WF-UKW - Sender den wir aber nur für einen 10 kW- UKW - Sender nutzen konnten und der in einem Jahr für 10 min. Programm in Betrieb war. Deshalb schlugen wir dem Bereich Rundfunk und Fernsehen vor, ihn als ständigen Programmsender des Berliner Rundfunk zu nutzen. Ein derzeit beliebtes Programm welches im Bezirk nur über Mittelwelle gehört werden konnte. Weit gefehlt war die Annahme der Vorschlag findet Beifall, gar Unterstützung. Nein, kein Verzicht auf Reserve, keine Modulation keine Antenne und so fort, waren die Gegenargumente. Nichts desto trotz haben wir auf allen Ebenen fachlichen wie gesellschaftlichen weiter gekämpft, hoher Arbeitsaufwand, aber wir haben uns durchgesetzt.Auf einen Ersatzsender allerdings wollte man nicht verzichten, wir bekamen einen alten1kW-UKW-Rafena Sender den wir modernisierten und umbauten. Günstig war, der Sender hatte die Kühlung intern, so das er nicht an die zentrale Kühlung angeschlossen werden mußte. Wir nannten ihn später immer unseren Steckdosensender. Nicht so einfach war die Abstrahlung mittels Antenne, da kein weiterer Weicheneingang für die großeAntenne zur Verfügung stand. Mit Hilfe der Wismut erichteten wir einen neuen kleinen Mast und der Antennenmeßdienst versorgte uns mit einer Antenne. Ein zusätzlicher Modulationsweg brachte uns das Programm.

Am 1.7.1965 4 Uhr Programmbeginn Berliner Rundfunk :

􏰂Wir begrüßen auch die Hörer des UKW-Senders Karl- Marx-Stadt auf der Frequenz 89.8 MHz im Bezirk Karl- Marx-Stadt.􏰂
Vorher hatten wir weder vom Funkamt noch vom zentralen Meßdienst ZMDR Unterstützung bekommen, jetzt erhielten wir Dankschreiben, von Herrn Klose (Bereich Rundfunk und Fernsehen) und vom Funkamtsleiter
 

Koll. Kaune. In ca. 1300 Stunden, ein Wert von 7250 MDN hatten vorwiegend 6 Kollegen der Betriebsstelle erbracht. Innerhalb einer Neurervereinbarung bekamen sie dafür eine Zielprämie von 1200 MDN.

Hinweis: Im Jahre 1964 war das Geld in der DDR zu MDN geworden , Mark der Deutschen Notenbank , oder kurz; Mark der DDR

Das Projekt war ein Vorgriff auf die geplante Abstrahlung von vier Rundfunkprogrammen im Bezirk und pro Sendestelle. In der Perspektive war für uns eine Großfunkstelle geplant mit Radio DDR I und II, Deutsch- landsender und Berliner Rundfunk und Fernsehen mit zwei Programmen.

Wir waren dem Plan ein Stück näher, Reserven mobilisiert und genutzt und überdies erbrachte der dritte Sender Erlöse durch das Programm.

Der Katzenstein im Winter

Viele Übertragungen, auch vom Wismut-Palast, drohten zu scheitern, die Dezitrupps erreichten uns nicht, der Katzenbuckel war total eingeschneit. In den 60iger Jahren hatten wir noch Winter mit Schnee von November bis April durchgängig, die Ostereier lagen gekühlt .

Der Schneefall allein war nicht das Problem, sondern der Sturm der zu meterhohen Schneewehen führte. Man gab uns den Rat, Schneezäune aufzustellen. Schön aber wo? Die Hauptrichtung des Windes war West und Süd, vorzugsweise Nord und Ost. Die Bergkuppe frei, freies Spiel der Natur. Mit Bestehen der Stelle pflanzten wir schnellwüchsige Pappeln zur Markierung unserer Straße. Sie hatten es schwer, unter der Reiflast brachen die Äste, unser guter Hausgeist Otto, versuchte immer wieder sie von der Last zu befreien. Die Schneepflüge fuhren mit bis zu drei Traktoren, nach einer Stunde wieder alles zugeweht. Schafften selbst diese es nicht, wurde von der Straßenmeisterei in Aue eine Schneefräse angefordert, die dann sofort nach einigen Tagen kam. Ein Extremfall der schneereiche Winter 1965, da konnte uns nur noch eine sowjetische Raupe aus Karl- Marx-Stadt befreien. Unser zwei Meter hohes Tor war verschwunden. Der Betriebsschutz kam bei Schneefällen in arge Bedrängnis, Tor auf, Schneepflug freie Fahrt, Tor zu, alles zu. Zur Grundausrüstung des Schichtdienstes gehörten Skier und Skischuhe, bezahlt vom Betrieb. Der Stellmacher von Affalter hatten die Bretter für alle Schichtler maßgefertigt. Es war einige Male die einzige Möglichkeit der Verbindung zum Dorf. Unser Kraftfahrer Koll. Arnold, 􏰂er􏰁 war gewiß erprobt in der Anfahrt unseres Berges, aber auch er mußte oft zu Fuß sich zum Objekt durchkämpfen. Unsere beiden Frauen konnten und schafften dies beim besten Willen nicht und so mußten wir Mittags zur Eigenversorgung greifen, für Schichtler kein Problem. Zum Problem der Weg von der Bushaltestelle Waldschenke zum Objekt. Normal ein Feldweg, zirka 10 min. Wegezeit. Liegt Schnee, wird es ein schma- ler Trampelpfad, schneit es und weht zugleich wird man zum Pfadfinder, bei Schneetreiben oder Nebel,watend zur Hälfte im Schnee steckend, leicht vom Kurs abkommend, ist man schon nach zwei Stunden am Ort. Unseren Kollegen Alwin Böttcher vom Betriebsschutz mußten wir einmal bei solchen Verhältnissen regelrecht in den Betrieb schleppen. Er war total fertig und Atemnot kam hinzu.

Im Laufe der Jahre war auch bei uns die Motorisierung fortgeschritten, vom Motorrad bis zum Auto, meistens Trabant. So fuhr man ab und an, mit Trabi zur Arbeit. Nichts ahnend fuhr man zum Beipiel in Karl-Marx-Stadt los, leichter Regen, in Stollberg etwas Schnee, in Affalter etwas mehr, in Streitwald auf dem Berg, kurz nach Mehnerts Gaststätte, eine schöne Kurve und eine feine meterhohe Schneewehe, aus der Traum. Mit Schaufel und Spaten, eine Kollege halb auf der Motorhaube, es ging weder vor noch zurück. War man dann glücklich das Auto am Fuß des Berges abzustellen und jedes Mal hat man sich geschworen nie wieder, bis zum nächsten Mal.

                                                       

So wie der Kampf um die Zufahrt, so auch um die Heizung, damals Kohle. Zugunsten eines Material- lagers hatten wir den Kohlebunker geopfert und die Kohle lagerten im Freien. Ein bestimmter Vorrat lag unmittelbar am Ofen, Wochenende und Nacht waren gesichert, dafür sorgte der Hausmeister. Doch auch der größte Vorrat ging zur Neige und so mußte die Kohle aus dem Schnee geholt werden. So wie die Kohlen in den Ofen, mußte die Asche aus dem Ofen und das war weit dreckiger. Eines war klar alles mußte getan werden, sollte es warm sein. Ob Kohle oder Schnee schaufeln, jeder war dran, keiner fragte muß ich oder nicht, was kostet das, was bringt mir das. Man rief den Schneeflugfahrer an und wenn er nicht anderswo unterwegs war, kam er. Im Gebirge hatte jeder Bauer seinen Schlitten und Schneepflug, Autos mit Lauge fuhren damals nicht. Eines war damals unser Ziel auf der Witterungsverhältnisse eine Höhenzulage zu bekommen, doch dies erreichten wir leider auf Grund fehlender Meter nicht. Die Meter waren entscheidend, nicht die Verhältnisse. Uns blieb so nur die Hoffnung auf den neuen Standort unserer Betriebstelle, der in Diskussion stand.​

Umbau - Ausbau oder Neubau der Sendestelle

Nach über zehnjährigen Betrieb waren alle Möglichkeiten ausgechöpft, ein Fernsehprogramm, drei Rundfunkprogramme mit Regionalsendungen und teilweise in Stereo. Jeder Winkel wurde genutzt, zusätzliche Gebäude für Netzersatzanlagen und Fahrzeuge errichtet. Eine Ersatzantenne, ja selbst eine provisorische Pflegebühne für die Fahrzeuge illegal erstellt. Bildeinspeisungen über die Richtfunkstrecken Normalität. In der Perspektive waren aber zwei Fernseh- und vier Rundfunkprogramme geplant. Dies war im jetzigen Objekt nicht zu realisieren. Bereits 1955 lief unsere Stelle als provisorischer Steinbau und schon damals war auf dem Grundriß ein Fernsehturm in Betonbauweise geplant. Die Frage war nun, setzt man das Projekt am alten Standort um oder wird ein noch besserer Punkt zur Abstrahlung gefunden ?

Ein 1- kW-UKW-Sender sollte darüber Aufschluß geben. Einmal Strahlung am alten Punkt und ein neuer Standort auf dem Plateau des Geyerischen Waldes in ca. 750 m Höhe. Die Ergebnisse sprachen für Geyer, bessere Anfahrt durch die unmittelbar gelegene Staatsstraße und eine durch den Wald geschützte Umgebung im Winterbetrieb, vielleicht auch weniger Blitzeinschläge. Dagegen sprach die Verbundenheit und Gewöhnung mit der alten Stelle, besonders des Personals, ihrer Wohnungen. Es stand damals schon fest; nicht alle würden mit umziehen, schon allein aus Altersgründen. Doch fortan stand die kommende Stelle personalmäßig wie auch die Anlagen im Mittelpunkt der Arbeit. Man wollte sich wirklich von veralteten Anlagen trennen. Wir trennten uns indes wieder von einem Jahr.

                                                    

Es begann ein langer Prozeß von Besprechungen, Planungen und Projektierungen von etwa sechs Jahren, wobei die Sendestelle als künftiger Betreiber mit eingeschlossen wurde und wir davon Gebrauch machten,Vorschläge einzubringen.

Unsere Perspektive Fernsehturm Geyer

Ein ca. 200 m hoher Betonturm als Antennenträger, darunter die technischen Anlagen, eine Aussichtsplattform mit Restaurant, Schnellaufzüge und abgesetzt vom Turm ein Wirtschafts- und Unterkunftsgebäude für die Beschäftigten von Gaststätte und Sender. Vom Architekten angepaßt der Landschaft und uns stolz präsentierend. Es war eine gute Ergänzung zum Erholungsgebiet Greifensteine Naturtheater und Staussee. Wir waren begeistert. Weit weniger die HO als vorgesehener Betreiber, noch der Rat der Stadt Karl-Marx-Stadt als zuständiges staatliches Organ. Ein Bezirk der in der Arbeit voranschritt,

Der Fernsehturm ein neues Wahrzeichen im Erzgebirge 

auf dem Gebiet Erholung hinterher hinkte. Die konkreten Pläne enstanden 1967.
Wenig später im Jahre 1968 warfen die Ereignisse des August in der CSSR sie völlig um. Ein Publikumsverkehr in Verbindung mit einer Funksendestelle wurde aus Sicherheitsgründen abgelehnt, obwohl es in Schwerin, Dresden, Kulpenberg schon derartige Türme gab. HO und Stadt waren der Probleme ledig, am meistem betraf es den Architekten, der die Planung nach sicherheitstechnischen Aspekten Projekt erstellen mußte.

Es wurde eine moderne Art einer Vierseitenburg, innerhalb der Turm nur noch als Antennenträger. Ein ein- stöckiges Sendergebäude, ein zweistöckiges Gebäude für Verwaltung, Betriebsschutz und Übernachtung des Schichtdienstes, ein Zwischentrakt als Kultur- und Speiseraum mit Küche, ein Versorgungsgebäude für Stromversorgung, Heizung, Lüftung und Werkstatt. Garagen für die Betriebsfahrzeuge, die Pflege derselben und Garagen für Beschäftige waren geplant. Die zweite Variante war optisch ärmer, doch im Platzangebot weitaus geräumiger. 

Geyer das Ziel Katzenstein macht Betrieb

Mit Blick nach Geyer, der Betrieb auf dem Katzenstein mußte weiter gehen und möglichst störungsfrei. Die Arbeiten und Änderungen an den Anlagen gingen ständig weiter. Am 1-kW-UKW-Sender wurden die         Selengleichrichter durch Siliziumdioden ersetzt, die Fernüberwachung für den Kleinsender Schöneck ausgebaut. Wir erhielten einen neuen RVG 908 - Sender für die Richtfunkstrecke, vermittelt vom Koll. Franz vom ZMD. Die Einschaltung des Reservesenders, die Modulation mit Bild- und Tonsignal der Sender machte den Bau eines Modübergabegestells notwendig. Ein kleines Drama spielte sich um unsere Netzersatzanlage ab. Erst im Freien stehend bauten wir einen Holzschuppen darum, dann Beanstandungen der Nichtbetreiber. Jetzt sollte eine Leichtbauhalle entstehen, Fundamente wurden ge- setzt, Stahlskelett errichtet, Zeitraum 1969 - 1971, als alles rostete, riß man es wieder ab, keine Mittel mehr. Eine Posse ganz besonderer Art, zwar eine Ausnahme, aber leider passiert. 

Wir erfreuten uns weiterhin der Qualifizierung auf breiter Ebene. Farbfernsehlehrgänge liefen an, der Katzenstein war ständiger Anlaufpunkt für Praktikanten und Lehrlinge. Unser Stellenleiter Katzmann vom Katzenstein hatte uns verlasen, er wurde zum Fernsehturm Wachwitz nach Dresden gerufen. war. Unser neuer Stellenleiter kam aus eigenen Reihen Wolfgang Kobus, vom Funkmechaniker, Fernstudium zum Ingenieur und Stellenleiter, ein weiteres Fernstudium zum Diplomingenieur. Das ist schon beachtenswert und kostet Kraft , braucht gute Nerven. Eines hatte er voraus, er kannte alle Kollegen, wußte vom Wissen und Können der Einzelnen.

1969 begann in Geyer die Rodung des Geländes, die Erschließungsarbeiten für Wasser und Strom. Ein Pumpenhaus im Tal des Waldes, eine Umspannstadion die ersten Gebäude enstanden.

Während wir auf dem Katzenbuckel sendeten, arbeiteten und manchmal auch feierten, wurde in Geyer die Grundlage für unsere künftige Arbeitsstelle gelegt. Eine Baustelleneinrichtung für Handwerker, Bauarbeiter ja selbst eine HO-Verkaufstelle für die Pausenversorgung war vorhanden.

Zubringung und Versorgung zur und auf der Baustelle waren einst wichtige Voraussetzungen zum Gelingen eines Objektes. Endlich war es soweit.

21. 6. 1970 Baubeginn für das Sendergebäude der Funkbetriebsstelle Geyer. ( gesonderter Beitrag )

                     ein erster Blick auf die Baustelle Geyer

 

Unsere Tendenz ging in Richtung Geyer aus betrieb- lichen - und zuvor Geschilderten, entscheidend die technische Entwicklung und die Strahlung eines zweiten Programmes in der BRD. Das Zweite Deutsche Fernsehen ZDF sendete seit 1963 und konnte im Bezirk auf dem UHF-Bereich Kanal 23 empfangen werden. Der Fernsehfunk strahlte ab 3. Oktober 1969 ein zweites Programm ab, teilweise in Farbe über den neuen 365 m hohen Fernsehturm in Berlin. Kein Empfang des Programms im größten Industriebezirk. Die Fernsehgerätewerke Rafena, Staßfurt usw. hatten längst reagiert, die Geräte UHF vorbereitet, Tuner entwickelt erst mit Röhren, später mit Transistoren. Verkauft durften Geräte mit UHF nur dort werden, wo unsere Sender im UHF-Bereich strahlen. Da strahlten die kreativen Bastler der DDR, im Eigenbau von UHF-Tunern und Antennen schlossen sie die Lücke.

Der Handel mit Transistoren AF 139 bez. Af 239 von drüben blühte und man zahlte bis zu 400 Ostmark für einenTuner, nicht durchstimmbar und teilweise wilde Gebilde. Die Umsetzerfrequenzen im VHF- Bereich waren teilweise ausgelastet, man mußte in den UHF-Bereichausweichen. Jugoslawische Umsetzer auf Lager, durften nicht in Betrieb, da man hätte Fernseher mit UHF-Teil verkaufen müssen, die Leute hätten ZDF empfangen. Als man später in politischer 􏰂Weitsicht􏰁 dies abstellte, waren die Röhrentuner überholt und wertlos. Wortlos nahm man es nicht hin, doch leider vielfach vergebens, man versprach für die Zukunft, die Fehler in kürzerer Zeit abzustellen. Nur logisch das jeder auf seine Weise dem begegnete, aber eben schneller.

Wir jedenfalls wollten mit unserer Arbeit Anschluß halten. Der FWK-Fernsehsender wurde generalüberholt. Den Fernsehmeßdienst und Verbesserungsvorschläge aller Art hatte der Sender schon erfahren, zum Beispiel ein Blockschleifentableau mit Anzeige zur schnelleren Fehlererkennung. Eine umfangreiche Arbeit mit Kabelbäumen und vielen Drähten. Allgemein wurde der Neurerbewegung viel Beachtung geschenkt, kein Brigadeprogramm ohne Neurerer, und fester Bestandteil im sozialistischen Wettbewerb. Bessere Übertragungsparameter, geringere Störanfälligkeit usw. wurden schon erreicht aber auch VVs, wie zum Beispiel das Abschalten der Sofittenbeleuchtung der Kopfinstrumente der Senderschränke. Aufwand und Nutzen in keinem Verhältnis. Aber ein Verbesserungsvorschlag für die Statistik. Für den Betrieb in Geyer wurden am Fernsehsender alle Topfkreise ausgebaut, im Funkwerk Köpenick überholt, mit neuen flachen Topfkreisdeckeln (farbtüchtig) wieder eingesetzt, Vervielfacher und 250 W-Stufe in Eigenregie überholt, Bauteile durch eine Firma neu versilbert, auf Siliziumdioden umgestellt, Relais, Schütze, Hochspann- nungskabel ausgewechselt, feste Leitungen u. HF- Schalter gereinigt, Erdschalter und Türkontakte erneuert, schadhafte Messerleisten und unleserliche Skalen gewechselt, kurzum nahezu kein Bauteil blieb im alten Zustand, perfekt gemacht, der Sender spielte.Eine Eigenleistung von 54 000 M wurde damit erbracht.
Die Zeit rückte näher von alten Anlagen (WF) Abschied zu nehmen und dem Schrott zu übergeben.

 Das Ende für den Katzenstein begann erstmalig am 8. August 1973

der FWK - Fernsehsender wurde auf dem Katzenstein außer Betrieb genommen.
Demontiert und verladen in einen Möbeltransporter und mit dem betriebseigenen B 1000 ging die Reise nach Geyer. Bis auf das Kontrollpult, wurde alles im Eiltempo abgebaut und anderntags standen alle Schrankeinheiten auf den Platz im Sendergebäude von Geyer. Optimal vorbereitet und in guter Zusmmenarbeit mit FFAB, LTA, RFZ wurde der Sender verkabelt, die Luftkühlung, die Stromversorgung und der Anschluß an das neue Zen- tralpult, einschließlich der Modulationszuführung realisiert. Das neu gefertigte Kontrollgestell von der Betriebsstelle Wachwitz wurde im Sendesaal aufgestellt.
Mit Umzug des Senders zogen die Koll. Emmrich, Ulrich und Streubel in das erste fertige Zimmer des   neuen Unterkunftgebäudes ein. Als Hauptakteure der Senderaufstellung wohnten sie in der Sendestelle.

Am Tage ein Gewimmel aller Gewerke, nach 16 Uhr nahezu allein auf der Baustelle ohne Störungen ging es doppelt so gut. Das Kollektiv Katzenstein erbrachte so einen Erlös, zur großen Freude des Finanzbuchhalters- des Funkamtes Koll. Armin Tränkner von 76000 Ostmark .

Am 5. September war der FWK - Fernsehsender in Geyer betriebsbereit.

Auf dem Katzenstein war vom Turm Berlin ein 1-kW- Siemens-Fernsehsender als Ersatzsender eingesetzt. Ab 15.01.1974 erfolgte die Abstrahlung des ersten Fernsehprogrammes von Geyer aus.

tja, das Ende auf diesem Standort, der Gittermast abgebaut, die Technik umgesetzt und viel auch verschrottet . Eine letztes Foto von 1976, was sich noch im Archiv  dazu fand....wir sehen uns  wieder in Geyer 

Das Foto stammt aus dem Archiv des Ortschronisten von Affalter Herrn Kreutel - vielen Dank - Ansicht im Sommer 1960

Schauen wir mal hinein in das Sendegebäude:

                              

10 KW Bildsender, 3 KW Tonsender vom Werk für Fernsehelektronik Berlin und RVG 955 und 904 für Ton und Bild aus dem Sachsenwerk Radeberg,

                      

Fotos aus der Chronik des Funkamtes Dresden 

Auch hier erfolgte sehr konzentriertes Arbeiten, am 15.Dezember 1955 konnte die Sendeanlage erstmals getestet werden, ab 21.12.1955 ging diese dann in Dauerbetrieb. 

Im Jahre 1957 erfolgte die Umstellung von OIRT auf CCIR- Norm. Der Kanal 8 horizontal wurde beibehalten. Im November 1957 geht  der erste UKW- Sender mit Programm "Radio DDR 1" auf 95,8 MHz in Betrieb. 

Eine weitere Richtfunkstrecke wird nach Karl- Marx- Stadt aufgebaut . Vom dortigen Bezirksfunkhaus wird nun stundenweise ein Regionalprogramm übertragen, was dann über den Sender 95,8 MHz gesendet wird..

Ein zweiter UKW- Sender kommt am 30.11. 1961 dazu. Er sendet das Programm des Deutschlandsenders . Am 1. Juli 1965 wird  ( außerplanmäßig) eine drittes UKW- Radioprogramm auf 89.8 MHz aufgeschaltet, der Berliner Rundfunk.

Das Regionale Bezirksprogramm wird nun fortan von 6,00 Uhr bis 10,00 Uhr an Wochentagen über diesen Sender auf 92,85 MHz übertragen.

Ein schönes Bild vom Ort Affalter hat mir der Ortschronist geschickt. Möglich, daß der Sender von 60 m auf 72 m aufgestockt wurde um die UKW Programme abzustrahlen. 

Hier nochmal eine Detailvergrößerung

Unmittelbar am Gipfel des Katzensteines befindet sich eine Triangulationssäule Baujahr 1864 aus AUER- Granit.

Bei heutigen ( 8.-August 2020 ) 34 Grad Außentemperatur freue ich mich, dieses Winterbild von Herrn Kreutel hier zeigen zu können. Rechts hinten sehen wir die baulichen Anlagen die ehemals die Betriebsgebäude waren.

Eine Frau erinnert sich an ihre Zeit auf dem Katzenstein, es wurde immer 2,5 Tage hintereinander gearbeitet und auch dort gewohnt. Es waren schöne Zimmer für die Mitarbeiter eingerichtet und eine Frau, die täglich aus dem Dorf hochkam, verpflegte die Kollegen bestens.

Im Mai 1963 erfolgte der Einbau einer "Überwachungskabine" für die Erhöhung der Sendequalität.

Das Funkamt Dresden unternahm alle Anstrengungen, die Leistungshöhe des Senders Katzenstein den technischen Erfordernissen anzupassen. Bis Ende 1966 legten alle Mitarbeiter der Ingenieurplanstellen die erforderliche Fachprüfung ab.  

Anläßlich des 10 jährigen Bestehens wurde den Kollegen der Titel "Kollektiv der Sozialistischen Arbeit" verliehen.

Ein vierter UKW- Sender kam 1969 dazu auf 97,05 MHz, es sendete nun auch der Deutschlandsender vom Katzenstein. So konnten im Gebiet von Karl- Marx- Stadt alle vier  zentralen Rundfunkprogramme der DDR  auch auf UKW empfangen werden. 

Sie erhalten die kostenlose Genehmigung zur Veröffentlichung des Bildes KA ERZ KMS STL/Nr. 11, Dia 3, Katzenstein mit Sendemast.   ...vielen Dank  an Frau Epperlein vom SG Kreisarchiv 

Das 2.Programmes des DDR- Fernsehens wurde vom Katzenstein nie gesendet . Die Abstrahlung erfolgte ab 5.101973 über den Sender in Geyer; in der Chronik des Funkamtes Dresden lesen wir:

5. Oktober 1973

Abstrahlung des 2. Fernsehprogrammes in Farbe

Betrieb des Bd. IV - Sender in Geyer

Der 20 kW - Sender vom Typ 1535.8 F 2 vom Funkwerk Berlin strahlte im UHF - Bereich auf K 32 die Frequenz

des Bildsenders 559.25 MHz, Ofset 559,239584 und des Tonsenders 564,75 MHz.

Im Bezirk Karl - Marx - Stadt war damit ein zweites Fernsehprogramm und in Farbe zu empfangen.

Mit dem Aufbau des neuen Senders in Geyer, der am 5.Oktober 1973 mit dem 2. Programm des DDR Fernsehens in Betrieb geht, ist der Standort Katzenstein Geschichte. Er versorgt noch bis zur Umstellung des 1. Programmes des DDR- Fernsehen und Einrichtung der UKW- Prgramme von Geyer aus. Dann wird abgeschaltet. 

Nun noch zu Katzenstein aus der Chronik des Funkamtes Dresden:

Mai 1976 - Ende der Sendestelle Katzenstein

Die Betriebsstelle wurde beräumt insbesondere der letzte 10-kW - UKW-Sender demontiert und nach Geyer transportiert.

Alles übrige wurde weitesgehend verschrottet und die Gebäude der LPG am Katzenstein zur Nutzung übergeben.

Ursprünglich wollte die Deutsche Post in Form von Radiocon das Objekt nutzen, das zerschlug sich und so wurde aus der funktechnischen - eine landwirtschaftliche Nutzung in Form von Büros für die Verwaltung der LPG.

Wie sieht es nun heute auf dem Katzenstein aus ?  Fotos Archiv Affalter

Die Gebäude sind seit Jahren unbewirtschaftet ,

der Mast ist abgebaut und ein neuer 62 m Schleuderbetonmast in etwa 300 m Entfernung vom alten Standort wurde in den 90iger Jahren errichtet. 

Kunden :

  • Deutsche Telekom          Mobilfunk+ Richtfunk
  • Vodafone                            Mobilfunk
  • Telefonica O2                     Mobilfunk

Rundfunk bzw Fernsehprogramme werden von hier nicht mehr gesendet,

Der Umzug nach Geyer im Jahre 1973 der unerwartet auch viele technische Empfangs- Probleme, insbesondere für Zuschauer im Vogtland mit sich brachte, darüber berichte ich im Anschlußbeitrag.

Betriebsfunkstelle Geyer, Foto Steffen Küchler, vielen Dank !

 

 

 

 

 

This article was edited 22.Aug.20 15:12 by Wolfgang Lill .

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02.Sep.20 10:14
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Von der Museumsstiftung "Post und Fernmeldekommunikation" aus Berlin  erhielt ich freundlicherweise drei Fotos etwa 1970 aufgenommen, zur Veröffentlichung. Vielen Dank dafür ! 

Quellenvermerk; Alle 3 Fotos Museumsstiftung "Post und Fernmeldekommunikation"

 

 

Die Geschichte geht weiter; die Kollegen ziehen vom Katzenstein  um in das neue Objekt nach Geyer 

This article was edited 04.Sep.20 10:23 by Wolfgang Lill .

  
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