Siemens Überspannungsschutz?

ID: 392427
? Siemens Überspannungsschutz? 
04.Feb.16 21:29
283

Wolfgang Eckardt (D)
Ratsmitglied
Beiträge: 1915
Wolfgang Eckardt

Ich fand mehrere "Soffitten-Röhren" mit Messerkontakten in Steckfassungen, von denen mehrere nebeneinander auf einer Tafel montiert waren. Als Bezeichnungen fand ich nur das bekannte "SH"-Logo und 350 V=.

Da die Elektroden voneinander isoliert sind, legte ich eine Gleichspannung von ca. 360 V über einen Vorwiderstand an. Es entstand eine Lichterscheinung zwischen den Elektroden, also erfolgte eine Ionisierung wegen wahrscheinlicher Gasfüllung.

Es handelt sich also um eine besondere Art von Überspannungsschutz (>350 V=). Aber wozu könnte das verwendet worden sein, vor allem, weil ja mehrere dieser Röhren nebeneinander montiert waren. Leider ist der ursprüngliche Zustand nicht mehr nachvollziehbar, da die Demontage von einem "Nichtfachmann" vorgenommen wurde ohne Foto. - Vielleicht haben diese Röhrchen auch eine Typenbezeichnung? 

Ein ähnlicher Sachverhalt wurde bereits hier besprochen, allerdings mit anderen Bauformen.

Für Informationen bedankt sich

Wolfgang Eckardt

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Überspannungsschutz für überirdische Telefonleitungen 
11.Feb.16 18:31
283 from 1370


Dieser Überspannungsschutz war in allen Häusern, die mit Telefon-Freileitungen versorgt wurden, vorallem bei den sehr alten Freileitungen mit einzelnen (singenden) Drähten, Später wurden Freileitungskabel verwendet.

 

Gruß aus der Ulmer Ecke

Werner Hauf

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Informationen aus Siemens-Zeitschrift 
12.Feb.16 11:44
353 from 1370

Olaf Gratz (D)
Beiträge: 95
Anzahl Danke: 1

Guten Tag Herr Eckardt,

Herr Hauf hat ja schon wichtige Information zu dem von Ihnen nachgefragten Bauteil gebracht.

Ich habe weitere Informationen in der Siemens Hauszeitung aus dem Jahr 1932 gefunden.

Die dort vorgestellte Bauweise weicht etwas von Ihrer Ausführung ab, da diese wahrscheinlich etwas neuer ist. Überspannungsableiter (oder auch Überspannungsschutz, Edelgasableiter, Edelgassicherung) mit Messerkontakten waren bis in die 60er Jahre üblich und wurden danach durch die heute gängige kompakte Bauweise ersetzt.

Die im Artikel beschriebene "Urform" hatte zunächst noch keine Edelgasfüllung. Hier ist lediglich ein "schlechtes" Vakuum enthalten. Der Druck wird so eingestellt, dass man sich im Minimum der "Paschen-Kurve" befindet. Die Ansprechspannung ist also nur Abhängig vom Druck und der Schlagweite der Elektroden.

Bei Edelgasfüllungen können noch geringere Ansprechspannungen ( z.B. 90 V) erreicht werden.

Ich möchte noch darauf hinweisen, dass ein derartiger Ableiter immer nur einen Grobschutz darstellt. Die Ansprechzeit liegt im Bereich von ca. 1 µs. Bei einem sehr steilen Impuls kann eine deutlich höhere Spannung (Größenordnung Faktor 10) am Ableiter anliegen und zu entsprechenden Schäden führen. Dafür ist der Ableiter (im Gegensatz zu TVS-Dioden) in der Lage rel. größe Strome abzuleiten.

Anlagen:

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Danke 
12.Feb.16 11:54
359 from 1370

Wolfgang Eckardt (D)
Ratsmitglied
Beiträge: 1915
Anzahl Danke: 1
Wolfgang Eckardt

Vielen Dank Herr Hauf und Herr Gratz für die umfassenden Informationen. Nun weiß ich, wo ich diese Bauteile einzuordnen habe.

Mit besten Grüßen

Wolfgang Eckardt

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Siemens Überspannungsableiter 
27.Feb.16 19:54
472 from 1370


Bei meinem Siemens 52W/134 befindet sich direkt neben dem Ladekondensator des Netzteils eine Steckfassung. Mir stehen 2 Chassis dieses Typs zur Verfügung. Bei einem war diese Fassung mit dem obengenannten Überspannungsableiter bestückt. Stellt sich die Frage, was dieses Bauteil hier bewirken soll. Eines fällt auf: Im normalen Betrieb mit angeschlossenem Lautsprecher passiert überhaupt nichts. Die Endröhre RE134 ist sofort betriebsbereit, die Anodenspannung erreicht nicht ihren maximal möglichen Wert. Anders bei nicht angeschlossenem Lautsprecher: Die übrigen Röhren brauchen eine geraume Zeit, bis Anodenstrom fließt. Bis dahin erreicht die Anodenspannung ihren maximalen Wert und der Überspannungsableiter löst aus. Im Schaltbild ist dieses Bauteil nicht berücksichtigt.

Also wohl ein Schutz aller Kondensatoren vor zu hoher Spannung, die restlichen Röhren REN1104 bzw. 1004 haben ja eine sehr lange Anheizzeit. - Oder erkennt jemand einen anderen Sinn dieser Maßnahme?

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