grundig: UKW-Eingangsschaltung
? grundig: UKW-Eingangsschaltung
Zwischen den beiden Bananenbuchsen für den UKW-Dipol ist eine Drossel, deren Mittelanzapfung auf das Chassis führt.
Gemäss Knoll (siehe seine Stellungnahme zu "Verkabelung zu den Hochtönern Telefunken Modelljahr 1958/59") verdrosselte man mit Drosseln die Lautsprecherleitungen, damit sie keine Verstimmung des Gehäusedipols verursachen konnten.
Aber in meinem Fall ist die Drossel unter dem Chassis, direkt an den Bananenbuchsen.
Zweck dieser Drossel?
Kann man die Verbindung der Mittelanzapfung auf das Chassis lösen (Vor-/Nachteile)?
Kann man die Spule überhaupt entfernen (Vor-/Nachteile)?
Nicolin Salis
Für diesen Post bedanken, weil hilfreich und/oder fachlich fundiert.
grundig: UKW-Eingangsschaltung
Vermutlich handelt es sich um eine Wellenwiderstandsanpassung (Balun) zw. der 240 Ohm Bandleitung und dem entsprechenden Wellenwiderstand am Eingang des eigentlichen UKW Empfangsmoduls (UKW Mischteil bzw. Front End).
Man bräuchte die exakte Modellbezeichnung und die Schaltung im Detail, um es genau sagen zu können,
Bei Receivern der 70er Jahre, die sowohl einen 60/75 Ohm Koax-Antennen-Eingäng als auch einen symmetrischen 240/300 Ohm Eingang hatten, sieht man eine solche Anpassungs-Drossel auch in dieser Art.
Für diesen Post bedanken, weil hilfreich und/oder fachlich fundiert.
grundig: UKW-Eingangsschaltung
Ich hatte ursprünglich beim Modell (Grundig 941W mit 5-Röhren) gepostet, da war das Modell also nochklar. Nun ist es ins Talk verschoben worden, so dass das Modell offenbar nicht mehr ohne weiteres ersichtlich ist. Ich frage deshalb, weil das Gerät keinen galvanisch trennenden Netztransformator hat und aufgrund der Spulenschaltung die beiden UKW-Antennen-Bananenbuchsen mit dem Chassis und somit dem Netz verbunden sind...
ns
Für diesen Post bedanken, weil hilfreich und/oder fachlich fundiert.
Der UKW-Dipolanschluss ist galvanisch getrennt
Die zwischen den Dipolbuchsen liegende Drossel legt mit ihrem Mittelpunkt über einen spannungsfesten Trennkondensator von 5 nF (unten links im Plan) den floatenden Massebezug zum Chassis fest, z.B. um statische Störungen abzuleiten. Der Schaltplan liegt für dieses Modell 941W nur aus der Buchreihe "Lange, Schaltungen der Funkindustrie" vor. Ein Original-Plan des Herstellers Grundig fehlt uns leider hier.
Schaltungsauszug Grundig 941W mit EC92 (1954)
Es gibt also keine galvanische Verbindung zwischen den Dipolbuchsen und dem Chassis, das wiederum galvanisch mit dem Netz verbunden ist. Dieser 5 nF Kondensator (und der 1 nF Typ hinter der AM-Antennenbuchse) sind im Original Papierkondensatoren mit 500 V AC-Spannungsfestigkeit. Sie sollten als kritische Bauteile unbedingt gegen aktuell zugelassene Y-Kondensatoren ausgetauscht werden, falls das Radio betrieben werden soll.
Die beiden 35 pF Kondensatoren sowie die 2x 40 pF Typen sind spannungsfeste Keramik-Kondensatoren, die nicht ersetzt werden brauchen.
Im sehr ähnlichen Folgemodell 955W/3D des Jahrgangs 1955/56 wurde nahezu die gleiche Eingangsschaltung verwendet. Auch dieser Empfänger hat wie der 941W keine Netztrennung vom Chassis. Hier liegt glücklicherweise der Original-Grundig Schaltplan vor.
Schaltungsauszug Grundig 955W/3D (1955/56)
Hier ist jetzt die Mittelanzapfung der Drossel (mit BV 1995 bezeichnet) umschaltbar auf Antenne oder Erdanschluss ausgeführt. So kann die eingebaute UKW-Antenne als Flächen-Behelfsantenne für die AM-Bereiche verwendet werden. Die beiden kritischen Papier-Kondensatoren sind C31, 4,7 nF und C34, 1nF.
Ein Ausbau dieser Drossel ist also nicht erforderlich und auch nicht empfehlenswert.
Für diesen Post bedanken, weil hilfreich und/oder fachlich fundiert.
Der UKW-Dipolanschluss ist galvanisch getrennt
Das Gerät ist nicht mehr in meinem Besitz. Es war mir temporär von einem Sammlerkollegen für den HF-Abgleich überreicht worden. Der Kollege führte am zurückgegebenen Gerät auf meinen Wunsch hin nun noch ein paar Gleichstrom-Widerstandsmessungen mit seinem einfachen Ohmmeter durch mit folgenden Resultaten:
1. Dipol-Buchsen UKW gegen Antennenbuchse ERDE = 0 Ohm
2. Dipol-Buchsen UKW gegen L (Netzleitungsader,die via Sicherung auf das 220-Volt-Wicklungsende des Netztrafos führt) = hochohmig
2. Dipol-Buchsen UKW gegen N (Netzleitungsader, die mit dem Chassis des Radios verbunden ist) = hochohmig
3. Buchse ANTENNE gegen L und N = hochohmig
4. Buchse ERDE gegen L und N = hochohmig
5. Rundstift-Buchse TONABNEHMER (heisse Leitung) gegen L und N = hochohmig
5. Flachstift-Buchse TONABNEHMER gegen L und N = hochohmig
6. Rundstift-Buchse TONABNEHMER (kalte Leitung) gegen L = 141 Ohm
7. Rundstift-Buchse TONABNEHMER (kalte Leitung) gegen N = 32 Ohm.
Dass Messung Nr. 7 nicht nur ein paar wenige Ohm sondern 32 Ohm ergibt, führe ich auf evtl. oxidierten Netzschalterkontakt zurück. Der geringe Messstrom des Ohmmeters mag die Oxidation wohl nicht zu durchbrechen.
Zusammengefasst:
1. Die Auskunft von Bernhard Nagel (Post 4), dass es keine galvanische Verbindung zwischen Dipolbuchsen und Chassis gebe, ist korrekt.
2. Die Messungen zeigen, dass man beim Anschluss eines Plattenspielers oder sonstigen Audiogerätes an die Tonabnehmer-Buchse bei solchen Geräten aufpassen muss: Die Buchse ist offensichtlich gedacht für einen Plattenspieler mit erdfreiem Audiosignal, dessen zwei Adern an die beiden Rundbuchsen zu führen sind. Die mit dem Plattenspieler-Chassis verbundene Abschirmung ist auf die Flachstift-Buchse (und nur auf sie) zu führen. Die weitverbreitete Beschaltung von Plattenspielern, bei denen die Abschirmung gemeinsam mit einem der beiden Audiosignal führenden Leiter auf den einen der beiden Bananenstecker geschaltet ist, führt beim Anschluss an dieses Radio dazu, dass einer der Netzleiter auf dem Plattenspieler-Chassis ist.
P.S. Obiges bezieht sich auf das Gerät Grundig 941W mit 5-Röhren und EC92 in der Eingangsstufe. Das Schema für den Grundig 941W mit 4-Röhren und ECH81 als Eingang hat keine galvanische Trennung zwischen Antennenbuchse ERDE und Netz und auch keine galvanische Trennung zwischen Flachstift-Buchse TONABNEHMER und Netz. Diese Version des Gerätes ist also mit noch mehr Vorsicht zu betreiben.
Nicolin Salis
Für diesen Post bedanken, weil hilfreich und/oder fachlich fundiert.

