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UKW Fernempfang in den '70er Jahren

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Dietmar Rudolph
Dietmar Rudolph
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05.Aug.08 20:41

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Reply  |  You aren't logged in. (Guest)   1 Heute, da man praktisch jedes Radio-Programm über Satellit empfangen kann, kann man es sich kaum noch vorstellen, daß es Zeiten gab, wo man UKW Fernempfang betreiben mußte, um z.B. ein Klassik- oder Kultur-Programm zu empfangen. In Berlin gab es ab 1973 tatsächlich für mehrere Jahre einen solchen kulturellen Notstand im Äther, als das 3. Porgramm des NDR hier nicht mehr übernommen wurde und der SFB ein entsprechendes Programm (noch) nicht für notwendig erachtete.
So blieb leider nichts anderes übrig, als NDR3 vom Harz, HR2 vom Hohen Meißner und BR2 vom Ochsenkopf zu empfangen. Da es sich bei allen diesen Sendern um Überreichweiten-Empfang handelt, ist die Empfangsfeldstärke gewissen Schwankungen unterworfen. So kommt auch nur der NDR mit seinen Programmen vom Harz zuverlässig (in Mono) in Berlin an.


Der UKW-Senderplan von 1965 diente hierbei als wichtige Orientierungshilfe zur Identifikation der Sender. Man erkennt in blau die Empfangsrichtungen für Berlin. Vor dem Umzug nach Berlin wohnten wir südlich von Stuttgart, wo man viele interessante Programme empfangen konnte.
Für einen solchen UKW-Fernempfang benötigt man zunächst eine drehbare UKW-Richtantenne. Im Hinblick auf die damaligen Berliner Verhältnisse war eine möglichst gute Antenne erforderlich. Diese gab es bei Stolle.

Eine Antenne mit einem Gewinn von 10 dB bis 12 dB liefert auch entsprechend starke Signale der Ortssender, wenn diese in der Empfangsrichtung liegen. Daher ist ein Empfänger nötig, der sowohl trennscharf als auch übersteuerungsfest ist. Das Beste, was es zu Beginn der '70er Jahre hierfür gab, war der Revox A76 Tuner. (Bei manchen Rundfunkanstalten wurde dieser sogar als Ballempfänger eingesetzt.)
UKW-Fernempfang ist allerdings i.a. nicht mehr HiFi. Daher wurde der A76 um ein zusätzliches 8-kreisiges ZF-Filter mit Begrenzer-Verstärker erweitert. Dieser (Original Revox) ZF-Streifen konnte mit dem ersten wahlweise in Serie  geschaltet werden, so daß dann insgesamt 16 ZF-Kreise zur Verfügung standen.

Im Blockschaltbild sieht man die beiden ZF-Streifen unter einander. Die Modifikation des Tuners wurde so ausgeführt, daß nur ein Minimum am Original geändert werden mußte und die Qualitätswerte in der Stellung 8 Kreise sich nicht veränderten. Weil die Empfangssituation in Berlin durch die vielen örtlichen UKW-Sender teilweise schwierig ist, wenn die  fernen Sender Schwunderscheinungen zeigen, konnte zusätzlich noch ein abstmmbarer HF-Vorverstärker zugeschaltet werden.
Mit der Antennen-Richtung zum Harz wurde 1978 folgendes "Spektrum" aufgenommen.

Die "Messung" erfolgte in der Art, daß die Frequenz auf der Skala des A76 abgelesen wurde und der Wert des (logarithmisch anzeigenden) Feldstärkeinstrumentes aufgetragen wurde. Für die Fernsender sind die üblichen Feldstärkeschwankungen gestrichelt eingetragen.
In Richtung Ochsenkopf ergab sich folgendes Spektrum:

Die Feldstärke der Fernsender ist stark vom Wetter abhängig. Besonders guter Empfang, dann auch in Stereo, ergibt sich häufig im Herbst. Dagegen ist bei heißem Sommerwetter der Empfang oft sehr schwach, so daß dann der ferne Sender in den lokalen Störungen untergeht.
Ein interessantes Phänomen läßt sich beobachten, wenn ein Flugzeug aufgrund seiner Bahn den Funkstrahl reflektiert: Hier ergeben sich heftige Schwankungen der Feldstärke.

MfG DR
  
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