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Unbekannter großer Drehko - Telefunken?

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Nikolaus Löwe
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Liebe Sammlerkollegen,

vor einiger Zeit erwarb ich diesen großen Drehkondensator. Ohne Gehäuse wiegt er 3,7kg. Knopf, Skala, und Feststellmechanismus weisen eindeutig auf Telefunken aus dem ersten Weltkrieg hin. Leider fehlt das Typenschild. Ein interessantes konstruktives Detail ist der geteilte Rotor und der geteilte Stator, wie bei den frühen Marconi-Drehkos, was eine Verdoppelung der erreichbaren Endkapazität im Vergleich zu einem einfachen Drehko gleicher Baugröße erlaubt. Das bedeutet, er ist nach 1912, also nach dem Telefunken-Marconi-Patentabkommen gebaut.

Im Telefunken-Katalog von 1919 sind ähnliche Kondensatoren zu sehen, allerdings sind die Gehäuse nicht ganz rechteckig, sondern haben Deckel mit abgerundeten Kanten.

Die Größe des Gehäuses beträgt, B x H x T, 16x18x16 cm.

Kennt jemand den genauen Typ?

Viele Grüße,

Nikolaus Löwe

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This article was edited 09.Jul.08 08:29 by Nikolaus Löwe .

Konrad Birkner † 12.08.2014
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Hallo Herr Löwe,

Schönes Teil, welches sicherlich nach Telefunken aussieht. 
Aber leider komme ich mit dem Begriff "geteilter Rotor" nicht klar, wobei mir das Foto auch nicht weiterhilft. Vor allem kann ich nicht erkennen, warum sich die Kapazität verdoppeln soll bei gegebenem Abstand und 2x180°, einmal für den Stator und einmal für den Freiraum zum ausdrehen des Rotors.
Eine Skizze wäre hier hilfreich.

Ich kenne verschiedene geteilte Anordnungen:
- Schmetterling (erlaubt volle Variation bei 90°),
- zwei axial versetzte und 180° gedrehte Pakete,

Beide Lösungen bieten vor allem den Vorteil ausbalanciert zu sein, d.h. bei waagrechtem Betrieb bleibt der Rotor ohne Bremse oder Gegengewicht so stehen wie er eingestellt worden war.
Die zweite Lösung findet sich z.B im Grebe CR-9 und verwandten Modellen.
W.B.Duck bot ebenfalls einen "Moulded balanced variable air condenser" an. (Duck Katalog 1921).

Wissbegierig,
mfG,
KoBi

 

Nikolaus Löwe
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17.Jul.08 19:09

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Sehr geehrter Herr Birkner,

zunächst zur Begriffsabgrenzung: Der "balancierte Drehkondensator" besitzt zwei um 180° gegeneinander versetzte Paare von Rotor- und Statorplatten, die hintereinander an der selben Achse angeordnet sind (siehe Bild "balancierter Drehko nach Scheller"). Der Vorteil liegt darin, das auch größere Drehkos dieser Bauart immer mechanisch im Gleichgewicht sind, und der Rotor sich nicht durch die Schwerkraft selbst wegdreht. Laut Nesper´s "Handbuch der drahtlosen Telegraphie und Telephonie" wurde diese Anordnung erstmals von O. Scheller angegeben. Die Kapazität ist genauso wie bei einem herkömmlichen Drehko gleicher Plattenzahl.

Beim "Schmetterling" bestehen Rotor und Stator aus Blechpaketen, die nicht einen Halbkreis, sondern einen Viertelkreis umfassen. Davon stehen sich jeweils zwei gegenüber, so daß der Rotor etwa den Umriß von zwei Schmetterlingsflügeln hat. Auch hier entspricht die Kapazität der eines herkömmlichen Drehkos gleicher Plattenzahl. Die Endkapazität wird allerdings bereits erreicht, wenn die Viertelkreise des Rotors um 90° in die Pakete des Stators eingedreht werden, so daß sich beide voll überdecken.

Der Marconi-Drehkondensator besitzt halbkreisförmige Rotorplatten, und auch die Statorplatten sind halbkreisförmig. Allerdings sind an einer Achse zwei voneinander isolierte Rotorpakete montiert, so daß sie sich auf exakt der gleichen Höhe befinden. Zur weiteren Erläuterung soll das Bild Marconi-Drehko_01 dienen, daß den Schaltplan des "kleinen Wellenmessers" von Marconi zeigt. Die Rotorplatten c1, c2 befinden sich zwischen den Statorplatten b1, b2. Rotorpaket c1 ist mit Statorpaket b1 elektrisch verbunden, ebenso Rotorpaket c2 mit Statorpaket b2. In der abgebildeten Stellung sind also die Rotorpakete in die elektrisch mit ihnen verbundenen Statorpakete fast voll eingedreht. Die Kapazität ist dann im Minimum, weil sie nur aus den Stirnflächen der Elemente c1+b1 sowie c2+b2 besteht. Wir der Rotor in Pfeilrichtung gedreht, so wandert das Rotorpaket c1 aus den Zwischenräumen des Stators b1 in diejenigen des Stators b2, und umgekehrt. Ist der Kondensator um 180° aufgedreht, so besteht die Gesamtkapazität aus der Parallelschaltung der Kapazitäten c1+b2 und c2+b1. Ein herkömmlicher Drehko würde dafür die doppelte Plattenzahl, und damit die doppelte Bauhöhe benötigen.

Marconi ging nun weiter, indem er für seine Empfangs-Drehkos ein Dielektrikum aus Glimmer verwendete, und den Plattenabstand auf ein Minimum reduzierte. Der abgebildete Typ (Marconi-Drehko_02) besitzt eine Endkapazität von 10000 cm bei minimaler Baugröße, und wurde so z. B. im "Marconi multiple Tuner" verwendet.

Nun zu meinem Telefunken-Drehko: Auf dem Bild "D_Telefunken_Drehko_geteilterRotor" in meinem ersten Post: Der helle Fleck unterlegt den Bereich, wo der Zwischenraum zwischen c1, c2 und b1, b2 zu sehen ist. Das gesamte Volumen des Kondensators ist mit Platten gefüllt, egal in welcher Position sich der Rotor befindet. Das Bild "D_Telefunken_Drehko_Plattenumriss" zeigt einen Versuch, die Platten im halb eingedrehten Zustand zu zeigen.

Mit freundlichem Gruß,

Nikolaus Löwe

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Wolfram Zylka
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Skizze der Rotor / Stator Anordnung

 

Wie von Herrn  Birkner  gewünscht, habe ich eine Prinzipskizze erstellt.

Insgesamt sind 22 Plattenpaare parallel geschaltet.

Die Kapazität ist variabel von 50 pF bis 2,8 nF

Gruß

Wolfram Zylka

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This article was edited 20.Jul.08 17:07 by Wolfram Zylka .

Konrad Birkner † 12.08.2014
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20.Jul.08 21:36

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Danke, Herr Löwe und Herr Zylka.

Mir ist manches schon begegnet, aber dieses Prinzip war mir bislang nicht geläufig. Man lernt eben nie aus !

Mit freundlichen Sammlergrüßen,
KoBi

  
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