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Unbekanntes Vielfachmessgerät

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Bernward Bitter
Bernward Bitter
 
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21.May.13 10:21

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Unbekanntes Vielfachmessgerät

Vor mir liegt ein einfaches Vielfachmessgerät, dessen Herkunft ich nicht mehr klären kann. Auf jeden Fall liegt es mindestens seit 1970 in meinem Lager.

Es könnte sich um ein Messgerät handeln, das in Zeiten von Materialmangel (Vorkriegs-, Kriegs- bzw. Nachkriegszeit) gefertigt sein könnte, also vielleicht weit vor 1948. Dafür spricht, dass das Gehäuse nicht aus Bakelit bzw. Metall, sondern - sehr sauber - aus Holz gefertigt wurde (157 mm x 78 mm x 37 mm - ohne Klemmen). Das Herstellungsjahr des ältesten im radiomuseum.org gelistete Gerät Labor-Vielfach-Messgerät U43 wird mit ca. 1938 angegeben. Dieses Gerät scheint schon recht komfortabel aufgebaut zu sein. Dagegen sind bei dem mir vorliegenden Gerät die spannungsführenden Teile wie Anschlussklemmen, Lötstützpunkte, Batterieklemmen ohne weitere Isolierung im bzw. auf dem Holz befestigt.   Die einzelnen Holzteile (Decke, Rahmen, Boden) sind sorgfältig gearbeitet und tragen auf ihren Innenseiten mit Bleistift aufgetragene Zahlen 694. Das scheint für eine kleine "Serienproduktion" und nicht für ein einzelnes "Bastlerstück" zu sprechen. Die Nummerierung sollte u. a. wohl verhindern, dass nicht zusammen passende Holzteile montiert wurden. Deckel und Boden sind mit jeweils vier Senkkopfschrauben mit dem Rahmen verschraubt. Der Rahmen ist mit Schlitzen versehen, in denen vermutlich eine dünne Trennwand (Pappe?) gesteckt hat, um die Widerstände von der Batterie zu trennen.
Auf der Innenseite der Bodenplatte sind in Höhe der Anschlussklemmen des Messwerkes zwei Vertiefungen angesenkt. 
Die aus Kupferblech gebogenen Batteriekontakte sind mit jeweils zwei kleinen Messingschrauben im Holzdeckel befestigt. In einem Kontaktblech ist ein eingeprägtes + zu erkennen. 
Für die Widerstandsmessung kam wohl eine 4,5 V-Flachbatterie zum Einsatz.
Die Drahtwiderstände R6, R7, R8 sind auf kleine Kunststoffträger gewickelt. Damit wurde wohl durch Anpassen der Drahtlänge die "Grundanpassung" (Eichung) an das Messwerk vorgenommen.
Alle Muttern der Anschlussklemmen, die Befestigungsschrauben und die Kunststoffträger sind mit grauen Lackpunkten gesichert.
Parallel zum Widerstand R1 ist ein Eisendraht mit einem Widerstandswert von etwa 0,2 Ω - offensichtlich nachträglich zur "Strom-Messbereichserweiterung auf 500 mA" - angelötet worden. Dadurch kann in das Gehäuse keine Flachbatterie mehr eingesetzt werden. Ich habe den Draht entfernt.

Beschriftungsplatte
Die Beschriftungsplatte aus Aluminiumblech ist mit vier kleinen Nägeln auf dem Deckel befestigt. 
Auf der Beschriftungsplatte findet sich folgender Text:

50 mA 50 V 250 V 500 V
Vor Widerstandsmessung durch Kurzschließen der beiden unteren Klemmen prüfen, ob der Zeiger auf den roten Strich ausschlägt. Der Zeiger wird durch Drehen des Regelknopfs auf den roten Strich eingestellt. Läßt sich kein ausreichender Ausschlag einstellen, so ist nach Lösen der Bodenschrauben die Bodenplatte abzunehmen und die Batterie zu ersetzen.
Vor Strom- und Spannungsmessung ist der Regelknopf bis zum Anschlag nach links zu drehen.
Instrument-Daten:
Eigenverbrauch bei Widerstands- und Spannungsmessungen max. 1 mA, bei Meßbereich 50 mA Spannungsabfall 90 mV.
Untere Klemmen:
+ kΩ - AV 100 kΩ

Messwerk
Das Messwerk ist ein Drehspulinstrument. Die Skala ist in die Bereiche kΩ und mAV aufgeteilt. 
Die Skalierung im äußeren Bereich (kΩ) ist nicht linear von ∞ über 100, 50, 20, 10, 5, 4, 3, 2, 1 bis 0 beschriftet. Der Skalenstrich bei 0 ist rot.
Die Skalierung im inneren Bereich (mAV) ist linear mit 0, 10, 20, 30, 40, 50 bzw. 0, 50, 100, 150, 200, 250 beschriftet.
Auf der linken Seite unten ist folgendes Symbol (ca. 2,5 x 2,5 mm) aufgedruckt:  
Auf der rechten Seite unten ist die Messgerätekennzeichnung "Drehspulinstrument" mit einem zusätzlichem Strich rechts außen (der möglicherweise symbolisiert, dass das Messwerk von außen mit einem Stellknopf verstellt werden kann.) Der Excenter zur Nulleinstellung fehlt. Zwischen den Klemmen KL1 und KL2 befindet sich ein Regelknopf auf einer Gewindestange. Diese ragt durch das Holzgehäuse und wird innerhalb des Gehäuses durch ein Gewinde in einem Messingblock gehalten. Die Gewindestange ragt in das Messwerk hinein. Durch Drehen des Regelknopfs kann den Endausschlag des Gerätes eingestellt werden.

Die Messbereiche des Gerätes
Um die Schaltung zu verstehen, habe ich das Schaltbild aufgezeichnet.

KL1 - KL2 : Widerstandsmessung, Messbereich 100 kΩ
Der 4,5V-Flachbatterie liefert die notwendige Hilfsspannung. Der Strom fließt vom Minuspol der Batterie durch die parallel geschalteten Widerstände R7, R8 zur Klemme KL2, dann durch den zu messenden Widerstand zur Klemme KL1 zum Messgerät (und parallel dazu durch R1/R2), durch das Messwerk und durch R6 zurück zur Batterie.

KL1 - KL3 : Strommessung, Messbereich 50 mA
Der Strom fließt von KL1 durch den Shunt R1 zur Klemme KL3.
Parallel zu R1 fließt ein kleinerer Strom durch das Messwerk und den Korrekturwiderstand R2.

KL1 - KL4 : Spannungsmessung, Messbereich 50 V
Der Strom fließt von KL1 durch das Messwerk (und parallel dazu durch R1/R2) und den Vorwiderstand R3 zur Klemme KL4.

KL1 - KL5 : Spannungsmessung, Messbereich 250 V
Der Strom fließt von KL1 durch das Messwerk (und parallel dazu durch R1/R2) und den Vorwiderstand R4 zur Klemme KL5.

KL1 - KL6 : Spannungsmessung, Messbereich 500 V
Der Strom fließt von KL1 durch das Messwerk (und parallel dazu durch R1/R2) und den Vorwiderstand R4 und R5 zur Klemme KL6.

Bei den Widerstands- und Spannungsmessbereichen wird - dadurch dass die Widerstände R1/R2 parallel zum Messwerk liegen - nicht die volle Empfindlichkeit des Messwerks genutzt. Dadurch kommt das Messgerät allerdings ohne Schalter aus, die ggf. Fehler durch Kontaktwiderstände produzieren würden.

Messgenauigkeit
Die Messgenauigkeit reicht bei Widerstandmessungen von +4% bis -10%, bei Spannungsmessungen MB 500 V von -4% bis -18%, MB 250 V von 0% bis -12%, MB 50 V von -19% bis -29% (!), bei Strommessungen von -5% bis -12%.
Nachdem ich den Widerstand R3, der durch Alterung einen Wert von 60 kΩ angenommen hat, durch einen 50 kΩ-Widerstand ersetzt habe, verbesserte sich die Messgenauigkeit bei Spannungsmessungen MB 50 V von -1% bis -5%.

Fragen
Wer hat so ein Gerät gefertigt?
Wann wurden solche Geräte gefertigt?
Auf welche Firma weist das o.a. Symbol?
An welcher Stelle kann ich dieses Gerät im Radiomuseum unterbringen?

Vielleicht kann mir ein Radiomuseumsmitglied weiterhelfen?

Danke schon jetzt.
B. Bitter

 

Anmerkung EE: Bitte nie unterstreichen, sondern mit Fettschrift und/oder grösserer Schrift hervorheben. Im Internet bedeutet "automatisch unterstrichen" eine Verlinkung.

This article was edited 22.May.13 19:03 by Ernst Erb .

Uwe Ronneberger
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Hallo Herr Bitter,

zumindest das Einbau-Meßinstrument stammt von Metrawatt aus Nürnberg. Siehe auch im RM unter LOGOS M.

Bernward Bitter
Bernward Bitter
 
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22.May.13 09:17

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Hallo Herr Ronneberger,

danke für den Hinweis. Neu für mich ist, dass es bei RM Seiten mit Logos gibt! - Prima. So lernt man immer hnzu.

Danke

 

 

  
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