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verbogene Cellophan-Scala richten

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Forum » Technique, Repair, Restoration, Home construction ** » How to store and to treat radios » verbogene Cellophan-Scala richten
           
Wilfried Haack
 
 
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12.Apr.10 01:11

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Hallo Sammlerfreund, kann jemand einen Rat geben, wie ich eine bedruckte, verdrehte Cellophan(?) Scala wieder in die richtige Form biegen kann. Es ist relativ dickes Kunstglas Bj ca 1940. Der Aufdruck ist gut erhalten. Eine sanfte Behandlung mit Heissluft brachte keinen Erfolg.

Vielen Dank im vorraus W.Haack

Hallo, hier eine Ergänzung: Die Scala ist max 1mm stark, 20,6 x 7,8 cm groß. Das Gerät hat 6 solcher Scalen, diese sind leicht gewölbt, ca 1cm Überhöhung bei der 7,8cm Seite. 3 der Scalen hatten sich von der Trommelhalterung gelöst, davon sind 2 noch in der richtigen Form. Nur eine hat sich korkenzieherartig vedreht. In der Größe hat sie sich nicht verändert. Sie lagen alle innen unter dem Chassis, das Gerät machte einen unberührten Eindruck. Daher kann wohl Erwärmumg nicht die Ursache für die Verformumg sein. Die Scalen sind auf der Rückseite mehrfarbig bedruckt. Darum möchte ich sie nich unnötig erhitzen. Vielleicht hat jemand eine Idee! Doch Celluloid?

This article was edited 14.Apr.10 21:42 by Wilfried Haack .

Martin Renz
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12.Apr.10 07:40

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Cellophan bezeichnet eine dünne, transparente Folie, die überwiegend für Verpackungszwecke eingesetzt wird. Scheiben lassen sich nicht daraus herstellen.

Bei ihrer Skala handelt es sich wohl eher um eine Scheibe aus Polymethylmethacrylat (Acrylglas oder auch Plexiglas) oder aus transparentem Polystyrol. Beides wird seit den 30er Jahren industriell hergestellt. Zu beiden Stoffen gibt es weiterführende Artikel bei Wikipedia, die auch Hinweise enthalten, wie sie bestimmt werden können.

Beide Stoffe lassen sich ab etwa 100°C bis 105° Grad verformen. Dazu erwärmt man die Scheibe in einem (Back-)Ofen, der sich aber genau in der Temperatur regeln lassen sollte. Dazu die Scheibe am besten auf eine Glasscheibe aus ESG (Einscheibensicherheitsglas, erkennbar am Stempel) legen, wegen der Temperaturempfindlichkeit von Glas. Wenn die Temperatur die ganze Scheibe erreicht hat, eine zweite Scheibe darauflegen und abkühlen lassen. Die Scheibe eventuell beschweren.

Das Verfahren sollte mit einem gleichartigen Werkstoff getestet werden, um unliebsame Überraschungen zu vermeiden. Es ist auch denkbar, dass der Aufdruck dabei zerstört wird. Polystyrol altert darüberhinaus bei Temperaturen oberhalb von 55°C.

Hilfreich wäre noch eine Angabe des Modells gewesen.

Rüdiger Walz
Rüdiger Walz
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12.Apr.10 20:05
 
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Ich kann mich den Worten des Vorschreibers nur anschließen. Folgend die Beschreibung von 5 durchsichtigen / durchscheinenden Materialien in der Radioindustrie:

Die Skala besteht entweder aus Celluloid, dann meist milchig trüb und höchstens 1 mm dick. Diese Skalen wurden häufig Anfang der 30er Jahre verwendet (siehe z.B. SABA 310, 311, 2xx, Philips 634 etc.). Die Beschriftung ist zum Glück relativ fest, verblaßt aber leider oft. Celluloid wird auf Basis Cellulosenitrat hergestellt. Da es sehr feuergefährlich ist, ging man in den 30er Jahren zu Cellusoseacetat über, dass aufgrund seines ähnlichen Aussehens mit Celluloid verwechelt werden kann. Es wird im Laufe der Jahre brüchig, vergilbt und schrumpft leider auch, wodurch oft die Schraublöcher der Befestigungsschrauben reissen und/ oder die Skala sich verformt. Man kann sie durch vorsichtiges Erwärmen wieder in Form bringen. Das Erwärmen muß aber möglichst gleichmäßig erfolgen, da sich die Skala sonst verziehen kann. Es muß bis zum Erkalten fixiert werden. Verwendete Formen müssen absolut glatte Oberflächen aufweisen, da sonst unschöne Abdrücke entstehen, wenn man z.B. Holz verwendet. Plane Skalen am besten wie zuvor beschrieben zwischen Glas legen.

Polystyrol wurde in den 30er Jahren entwickelt und zunehmend im Radiobereich eingesetzt. Frühe Polystrole waren sehr brüchig, wenig schlagfest und vergilben. Ein für den Sammler leidvolles Beispiel sind die Zf-Kreise des Loewe "Schlittschuh" 537 GW.  Sie neigen zur sogenannten Spannungsrißkorrosion, die verstärkt durch Tenside ausgelöst werden kann. Nach Abwaschen einer Skala mit modernem Haushaltsreiniger (nie Schriftseite) kann sie plötzlich 1000 Risse bekommen und zerfallen, daher verwende ich hier grundsätzlich stark verdünnten Brennspiritus. Ein älteres Abgleichwerkzeug verwandelte sich nach dem Reinigen mit Geschirrspüler in einen Haufen Krümmel. Auch hier Vorsicht beim Erwärmen.

Polystyrol ist nicht immer durchsichtig. Gehäuse von Transistorradios der 50er sind oft aus Polystyrol, daher auch hier Vorsicht beim Reinigen. Später wurden Stabilisatoren entwickelt, die die Spannungsrißkorrosion verhindern. Auch wurde Polystrol mit Kautschuk modifiziert, wodurch eine schlagzähe Type entstand, die für Gehäuse besser geeignet ist (HIPS = high impact polystyrene). Gehäuse von Fernsehern z.B. oder billigeren Radios wurden und werden aus HIPS hergestellt.

Polymethylmethacrylat ( Plexiglas, Acrylglas, PMMA) wurde seit Anfang der 30er Jahre z.B. in Flugzeugkanzeln eingesetzt. Es ist ebenfalls stark spanungsrißkorrosionsempfindlich, sodaß hier sogar von der Reinigung mit Alkohol abgeraten wird. Es ist schlagfester als Polystyrol und hat die Eigenschaft nach einer Wärmeverformung teilweise wieder in den alten Zustand zurückzukehren. Man muß daher PMMA nach dem Erwärmen in kaltem Wasser abschrecken oder eben durch Glasplatten oder Formen fixieren. Im Gegensatz zu Polystyrol riecht es beim Brechen oder Biegen nicht süßlich nach Styrol.

Ein fünftes durchsichtiges Material in der Elektronik ist Polycarbonat (Makrolon), das 1953 entwickelt und seit 1959 industriell eingesetzt wurde. Es ist wesentlich zäher als die vorher beschriebenen Kunststoffe. Heute werden z.B. Compact Diks und Autoscheinwerfer aus Makrolon hergestellt.

This article was edited 13.Apr.10 11:50 by Rüdiger Walz .

  
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